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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

MajorVoice - Scarlet Dorn - Blutengel (2021)


MajorVoice - Morgenrot (2021)

Genre: Rock / Alternative

Release: 22.01.2021

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Nocut (SPV)

Spielzeit: 54 Minuten

Fazit:


Am 22.01.2021 veröffentlicht „MajorVoice“ endlich sein lang erwartetes 3. Album „Morgenrot“, welches, im Vergleich zu seinen vorherigen Alben, erstmals einen deutschen Namen trägt. Neben englischsprachigen Titeln enthält der neue Longplayer des stimmgewaltigen Ausnahmekünstlers auch vier deutsche Tracks. Einige der neuen Songs stammen aus der Feder von „MajorVoice“ selbst. Auf „Morgenrot“ beschäftigt sich „MajorVoice“ mit schwierigen Beziehungen, Herzschmerz, dem Glauben an die wirklich wahre Liebe und damit, dass Träume in Erfüllung gehen können. Schon der Opener erzeugt pure Gänsehaut. Produziert wurde das Album in den Hamburger Chameleon-Studios von keinem Geringeren als „Lord Of The Lost“ Frontmann Chris Harms. In „Die Ganze Zeit“ erzählt „MajorVoice“ von einem Liebespaar, welches eigentlich alles füreinander getan hat und am Ende dennoch feststellen muss, dass beide sie sich selbst und dem anderen die ganze Zeit über etwas vorgelogen haben und eine Trennung unausweichlich ist. Der Song ist eine gefühlvolle Herzschmerzballade, die schmerzlich aufzeigt, wie zerbrechlich das kostbare Gut der Liebe ist. „Leah“ ist eine musikalische Liebeskummer-Kriminalgeschichte, wie sie im Buche steht. Leah wird umgebracht und „MajorVoice“ schlüpft musikalisch in die Rolle des trauernden Witwers. Voller Verzweiflung und mit einer stimmlichen Brillanz, die ihresgleichen sucht, besingt der phänomenale Opernbass die ermordete Schönheit. Ein Lied, welches einfach zu Tränen rührt. In der im September 2020 erschienenen ersten Single „Sunbed In The Rain“ geht es darum, dass es im Leben nicht immer so läuft, wie man es gerne hätte und dass es sich trotzdem lohnt, immer wieder aufzustehen und dem Karma die Stirn zu bieten. Das Lied trifft somit also mehr denn je den Zeitgeist und weckt die Hoffnung, dass nach dem Regen die Sonne wieder scheint. Eine wahre Powerballade, mit der „MajorVoice“ den Zuhörer dazu ermutigt niemals aufzugeben. Das Lied stammt aus der Feder von „Mono Inc.“-Frontmann Martin Engler. Zutiefst emotionale Texte gepaart mit dem unvergleichlichen, mächtigen Operbass und einem bis ins kleinste Detail perfekt arrangiertem Mantel der Instrumentalmusik, machen „Morgenrot“ zu einer Reise durch die Gefühlswelt, welche sowohl zeitlos als auch herzberührend ist. Der Herr der monumentalen Hymnen, sowie auch der leisen Töne hat ein Album geschaffen, auf dem jeder sicher seine ganz persönliche Geschichte wieder findet. „Morgenrot“ ist ab dem 22.01.2021 als Download oder CD im klassischen Digipak via NoCut Entertainment erhältlich. Um seinen Fans zu Beginn des neuen Jahres eine ganz besondere Freude zu machen, hat sich „MajorVoice“ dazu entschieden, eine streng auf fünfhundert Stück limitierte „Morgenrot“-Box zu veröffentlichen. Diese hochwertig verarbeitete Magnet-Box enthält neben dem Album im Digipak exklusiv eine Bonus-EP mit vier brandneuen Tracks, einen persönlichen und handgeschriebenen Brief des Künstlers auf mit dem „MajorVoice“-Logo geprägten Pergament, ein edles Seidentuch in Blau oder Weiß und ein Poster in DIN A 2.

Eigentlich muss man zu Ronald Zeidler, der sich 2017 erstmals einem größeren, öffentlichen Publikum unter dem Pseudonym „MajorVoice“ präsentierte, und der ergreifenden Bilderbuch-Erfolgsgeschichte hinter dem Projekt gar nicht mehr viel sagen. Wer aber tatsächlich noch nichts von dem sympathisch geerdeten Bariton gehört hat oder trotzdem mehr zu den jeweiligen Hintergründen erfahren möchte, dem sei hingegen meine Rezension zum Debüt „A New Chapter“ wärmstens ans Herz gelegt. Fakt ist jedenfalls, dass Zeidler es rasend schnell vermochte, die Herzen der Szene im Sturm zu erobern. So in der Vergangenheit etwa als Support-Act von namhaften Künstlern wie seinen Entdeckern „Mono Inc.“ oder auch „Subway To Sally“ geschehen. Dass sich dieser ebenso plötzliche, wie gleichwohl über alle Maßen verdiente Aufschwung auch mit dem zweiten Ableger „This Lonely Ark“ nur noch mehr festigen sollte, wurde schnell klar, denn natürlich hat sich an der vielversprechenden Formel aus einer epochalen Instrumentierung, symphonischem Rock, emotional berührenden Texten und der unvergleichlichen Stimmfarbe Zeidlers nichts geändert. Das ist auch überhaupt nicht nötig, denn das Konzept geht voll auf und funktioniert nach wie vor hervorragend. Prominente und zugleich kompetente Unterstützung gab es auch dieses Mal wieder seitens der Produktion, die einmal mehr niemand Geringeres als „Lord Of The Lost“-Mastermind Chris Harms in den eigenen Chameleon Studios Hamburg übernahm, durch dessen Mithilfe die musikalische Welt aus dramatischer Operette, maritimer Ästhetik und großer Geste einmal mehr überaus überzeugend entsteht, um kleine Geschichten von Freundschaft und Liebe, Angst und Einsamkeit, betrüblichen Schicksalsschlägen und euphorischer Freude, die dabei doch immerzu von zerbrechlich nachvollziehbarer Verletzlich- und Zwischenmenschlichkeit geprägt sind, zu erzählen. So bilden die insgesamt zwölf Songs, die, wie schon 2019, reine Eigenkompositionen und nicht mehr länger Cover-Versionen bekannter Hits sind, ein bombastisch gefühliges Melancholie-Reservat für alle Sinne. Diesen Anspruch untermauert gleich eingangs „Waves Of Love“, für welches Zeidler sich die virtuose Unterstützung von „Subway To Sally“-Violinistin Ally Storch an Bord geholt hat, die das eröffnende Stücke mit ihrem herzzerreißenden Geigenspiel maßgeblich veredelt und damit zu großen Teilen mitträgt. Generell nimmt die gefühlvolle Instrumentierung bei der Portraitierung von Leidenschaft und Fernweh hier einen sehr prominenten Part ein und erschafft anschmiegsamen Symphonic-Rock, der sich viel mehr auf die sanft-orchestrale, melancholische Seite schlägt, als in deutlich kräftigere Gefilde aufzubrechen. Der schwelgerischen Halb-Ballade wohnt dabei ein stets wärmender und schwelgerisch schöner Charakter inne, der einem die gesamte Dauer über einfach nur das Herz aufgehen lässt. So auch beim zweiten Single-Release namens „Ruf Mich“, einer wundervoll aufbauenden Power-Ballade über den oftmals beschwerlichen Weg zur Selbstfindung und die heilende Wirkung ehrlicher Freundschaft, welche in Kooperation mit Daniel „Der Schulz“ Schulz, dem Sänger der sympathischen Dark Rocker „Unzucht“, realisiert wurde. Eine wirklich vortreffliche Wahl, denn natürlich harmoniert die helle Stimmfarbe des Hannoveraners perfekt mit dem tiefen Bariton von Zeidler, wodurch sich eine wirklich schöne, berührende Dynamik vor symphonisch-pompös arrangiertem Hintergrund mit leicht dunkel angehauchtem Touch ergibt. Dem folgt dann der erste Vorgeschmack auf „Morgenrot“, den es bereits im September des vergangenen Jahres zu hören gab. Wie auch schon „A Shot In The Silence“ entstammt das harmonische „Sunbed In The Rain“ der unverkennbaren Feder von Martin Engler, praktisch einem der wichtigsten Entdecker des stimmgewaltigen Hünen, und tatsächlich kann der Song seinen Kompositionen nicht einmal ansatzweise verleugnen, trägt er doch wahrlich viel des signifikanten Pathos und der puren Emotion von „Mono Inc.“ in sich. Die luftig-leichte, optimistisch rockige Note klingt fröhlich beschwingt und nimmt sowohl die Steine, die einem manchmal so in den Weg gelegt werden als auch allerlei unvorhersehbare Konsequenzen unseres täglichen Handelns mit einem kleinen Lächeln und viel Zuversicht entgegen. Ein sehr charmanter Aufruf dazu, es nicht allzu schwer zu nehmen, wenn es wieder mal nicht so läuft, wie man es sich eigentlich vorgestellt hat - Schön! Das völlige Gegenteil davon ist das düstere „Leah“: Hier erschaffen Arrangeur Corvin Bahn und Produzent Chris Harms gemeinsam mit Zeidlers tiefer, mahnender Stimme eine wahre Schauerballade allererster Güte. Merklich angespannte Percussion, zerrende Gitarren und geisterhafte Piano-Tupfer lassen direkt eine einnehmende Atmosphäre auferstehen, welche sich schnell zu einer unheimlichen Rock-Operette rund um einen grausamen Mord aufschwingt, den Zeidler aus der Rolle des verzweifelten Ehemannes der Verstorbenen besingt. Die ruhigen Passagen stehen im unmittelbaren Wechselspiel zum mitreißendem Refrain, der mit all seiner nachvollziehbaren Trauer und puren Intensität die Gemüter definitiv zu bewegen weiß. Eine wahrhaft tragische Liebesgeschichte gibt es danach auch bei „Die Ganze Zeit“, einem tragischen Stück, das vom Kampf um die Gefühle des Partners, von später Einsicht und Trennung erzählt. Dabei hält sich das behutsame Arrangement anfangs noch im introvertierten Klavier-Gewand, bis es im Chorus dann all seine symphonische Macht entfesselt. Lyrisch betrachtet ist das alles leider ein bisschen zu gewollt und stellenweise holprig, was der ansonsten vollkommen überzeugenden und geerdeten Machart jedoch keinen Abbruch tut. Einen guten Deut epochaler wird es nun wieder mit „Live This Day Forever“, welches einer hymnischen Ode an die Musik selbst gleichkommt. Besonders schön ist hier der Klimax innerhalb der Strophen, der sich bis zum energiegeladenen Refrain hin erst spürbar portioniert steigert, um dann schließlich in glühender Passion zu explodieren. Neben der schieren Urgewalt aus packendem Klassik-Bombast und feinen Rock-Nuancen überrascht und gefällt vor allem das schöne E-Gitarren-Solo im Mittelteil. Mit „Kein Meer Zu Tief“ ist „MajorVoice“ ein echter Hit mit zukünftigem Klassiker-Potential im eigenen Repertoire gelungen! Die melancholische Power-Ballade vereint eine catchy perlende Synthie-Melodie mit straighten, aber nicht zu forschen Riffs. Derweil hält sich die symphonische Schlagseite vornehm zurück und verlagert sich stattdessen eher auf die Strophen, was für gelungene Abwechslung im Sound sorgt. Der deutschsprachige Text wartet, trotz einem nicht zu leugnenden Kitsch-Faktor, mit durchdachter Bildsprache auf und überzeugt größtenteils. Auch stimmlich kann Zeidler hier vollauf brillieren und geht im Kontrast zur modernen Musik wieder mehr in Richtung klassischer Oper, was ihm wirklich gut zu Gesicht steht. „Wenn Du Gehst“ dreht danach nochmals ein ganzes Stück mehr am Tempo und kratzt in all seiner kraftvoll powernden Ausgestaltung verblüffend nahe an der Grenze zum majestätischen Symphonic Rock, was einmal mehr von der schieren Wandelbarkeit des ambitionierten Projekts zeugt. Sanftere Töne folgen im Anschluss abermals mit dem zerbrechlichen „I’ll Remember You“, mit welchem Zeidler auf authentisch anrührende Weise Abschied von einem geliebten Menschen nimmt. Für die insgesamt dritte Zusammenarbeit auf „Morgenrot“, nämlich das grandiose Duett „Lullaby Of Pain“, hat Zeidler sich seine Label-Kollegin Scarlet Dorn, die er bei den gemeinsamen Aufnahmen zu „Miss Sarajevo“ kennenlernte und für deren Stimme er ausschließlich voll des ehrlichen Lobes ist, zur Seite geholt. Im Kontext der hier beschriebenen Thematik einer toxischen Beziehung und der darin verankerten, unterschiedlichen Perspektiven der beiden Partner, splitten die beiden Ausnahmetalente die Strophen jeweils untereinander auf, um im letzten Drittel dann schließlich gemeinsam miteinander zu singen, was eine wirklich mitreißende Synergie in diesem tollen Finale ergibt! „When You Love Someone“ nimmt sich einer ganz ähnlichen Geschichte von brüchigen Gefühlen an, bis das wunderbare „I Believe“ den Hörer zum Schlussakt bittet. Der ungemein herzerweichende Song überzeugt mit all seiner positiv aufgeladenen Strahlkraft, der lebensbejahenden Message und verträumten Naivität von einer deutlich besseren Welt. Eine liebevolle, gutmütige Erinnerung an das wirklich Wichtige im Leben und daran, dass wir uns den bloßen Glauben an ein stärkeres Miteinander erhalten und niemals aufgeben sollten... Ja, „MajorVoice“ geizt nicht gerade mit den Superlativen, denn so ziemlich jedes einzelne Stück auf Ronald Zeidlers nunmehr drittem Album „Morgenrot“ ist einmal mehr ganz großes, musikalisches Kino, welches mit stets gekonnt inszenierter, großer Geste tiefste Emotionen und Gefühle, Liebe und Schmerz in nicht minder große, gewichtige Worte und Klänge kleidet. Eingerahmt von Zeidlers unverkennbar mächtigem Organ, das seinen Fans eine wohlige Gänsehaut bescheren dürfte. Mit gewohnt viel wohltuendem Pathos und einem gelegentlich einfach nicht zu verbergenden Hang zum leichten Kitsch, schafft Ronald Zeidler eine positiv melancholische, schwarz angehauchte Pop-Rock-Oper aus zwölf gelungenen Songs, die durchweg emotional fesseln, berühren, wärmen, vereinnahmen und begeistern können. Über allem schwebt dabei selbstverständlich das markante Aushängeschild des Projekts, die herausragend dargebotene Intonation: Der tiefe Bariton setzt ungleich warme Akzente, ist extrem gefühlvoll und hörbar leidenschaftlich. Mal symphonisch und bombastisch, dann wieder hauchzart und verletzlich, kommt unterdessen die musikalische Basis daher, die stets in einem gewissen, angemessenen Rahmen verbleibt und nur sehr selten daraus ausbricht. Gelegentlich streifen die Kompositionen das Rock- oder auch mal Folk-Genre, ansonsten bleibt aber alles beim Alten, jetzt nur eben weitaus ausgereifter und nochmals runder. Mit seinem dritten Fulltime-Longplayer perfektioniert „MajorVoice“ seinen Sound und hebt das eigene Schaffen auf eine gänzlich neue Stufe. „Morgenrot“ ist ein wunderbar leichtes, verträumtes, romantisches, anrührendes und einfach nur schönes Album für genau die Momente, in denen man ein bisschen zur Ruhe kommen will... Und vielleicht ist es ja auch genau das, was wir alle momentan so gut gebrauchen können.


Informationen:


http://majorvoice.de

https://www.facebook.com/MajorVoiceOfficial/

Scarlet Dorn - Blood Red Bouquet (2021)

Genre: Rock / Alternative

Release: 29.01.2021

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Oblivion (SPV)

Spielzeit: 51 Minuten

Fazit:


„Scarlet Dorn“ melden sich mit ihrem zweiten Album „Blood Red Bouquet“ zurück. Im Jahre 2016 als Feature eines „Lord Of The Lost“-Songs zum ersten Mal in Erscheinung getreten, trat Sängerin Scarlet mit Ihrer Band in den folgenden Monaten und Jahren unvermeidbar immer wieder auf den Spielplan der dunkelbunten Musikszene. Nicht nur durch die Veröffentlichung des Debüt-Albums „Lack Of Light“ im Jahre 2018, auch durch unermüdliches Touren, unter anderem mit „Within Temptation“, Joachim Witt, „Letzte Instanz“ und eben auch „Lord Of The Lost“. Wie schon auf dem Debüt bewegt sich das Zweitwerk des Quintetts auf seinen insgesamt dreizehn neuen Songs zwischen Dark Rock und Pop, mit Einflüssen aus klassischer sowie elektronischer Musik, wobei „Blood Red Bouquet“ in der Summe treibender, härter und noch emotionaler ausfällt. Eines der Highlights des Albums ist definitiv das Duett „Proud & Strong“ mit Szene-Urgestein Sven Friedrich („Solar Fake“, „Zeraphine“ und „Dreadful Shadows“ - Eine schönere Verschmelzung aus diesen zwei warmen, bewegenden und unverkennbaren Stimmen hätte man sich nicht aussuchen können. Auch „Blood Red Bouquet“ wurde in den legendären Chameleon Studios in Hamburg produziert und während das neue Album den Weg in die Regale, Download- und Streaming-Plattformen findet, befindet sich die Band bereits im Songwriting für den nächsten kreativen Output. Das zweite Dorn-Studioalbum erscheint am 29.01.2021 unter dem Titel „Blood Red Bouquet“ via NoCut Entertainment als Download und im klassischen Digipak.

Manchmal sind es gerade die kleinen Dinge im Leben, die unerwartete Steine ins rollen und selbst die größten Berge versetzen können. Exakt eine solche Entwicklung nahm vor wenigen Jahren das fast schon märchenhafte Schicksal von Scarlet Dorn, die solch folgenschwere Nachwehen einst sicher nicht im Entferntesten erwartet hätte. Denn eigentlich erweckte die in Sibirien aufgewachsene Komponistin und Sängerin schon im Herbst 2014 das rege Interesse des Hamburger Produzenten Duos Benjamin Lawrenz und Chris Harms mit ihrer Reaktion auf eine eigentliche Banalität: Die bekannten Dark-Rocker „Lord Of The Lost“ riefen ihre Fans nämlich über Facebook spaßeshalber dazu auf, ihre schönste Liebeserklärung an die Band einzusenden, mit welcher sie erläutern sollten, was ihnen die Musik bedeute, in welcher Form auch immer. Unter allen Einreichungen fand sich auch ein kleiner Video-Clip in der eine junge Frau, sich dabei selbst am Klavier begleitend, leidenschaftlich ein selbstgeschriebenes Lied namens „I Love The Way You Inspire Me“ vortrug. Für Harms und seinen Studiokollegen Lawrenz stand sofort fest, dass sie hier ein wahres Talent entdeckt hatten, was es fortan zu fördern galt. Seitdem ist einige Zeit ins Land gezogen und die Entscheidung sollte sich als goldrichtig erwiesen haben. Mittlerweile ist Dorn zum Gesicht der gleichnamigen Newcomer-Band „Scarlet Dorn“ geworden, welche mit Schlagzeuger Henrik Petschull, Pianist Gared Dirge und Gitarrist Bengt Jaeschke drei weitere Musiker um sich schart. Erstmals für die Öffentlichkeit zu hören war die Erwählte auf dem letzten „Lord Of The Lost“-Studioalbum „Empyrean“ aus 2017, hier im perfekt harmonierenden Duett mit Harms bei „Black Oxide“. Im Anschluss daran ging es ab Frühjahr des gleichen Jahres auf Tournee mit den Hanseaten, was allerorts für euphorische Reaktionen sorgte und sich Ende Februar 2018 als Support für die „Letzte Instanz“ fortsetzen sollte. Zeitgleich erschien die erste Single „Hold On To Me“ und schon im Mai erfolgte die zweite Auskopplung „Heavy Beauty“, pünktlich zu den Shows mit NDW-Ikone Joachim Witt. Diese beachtliche Entwicklung hat natürlich ihre Gründe, die vor allem in Dorns warmer, klarer und markanter Stimme liegen, die wie prädestiniert für ihre Songs zwischen atmosphärischem Dark-Pop, Rock und Electro-Einflüssen ist. Doch die künstlerische Reife der Fünfundzwanzigjährigen kommt in der Tat nicht von ungefähr, besuchte sie bereits in Kindertagen eine Musikschule, bekam eine klassische Gesangsausbildung, Klavier- und Gitarrenunterricht. Nachdem sie 2001 mit ihrer Familie von Sibirien nach Heilbronn zog, wo sie bis zum heutigen Tage wohnt, nahm sie am deutschen Musikförderprojekt „Jugend musiziert“ teilt und trat mehrfach in einigen Opern- und Musicalvorstellungen auf. Ihr Debüt „Lack Of Light“ stieß ebenfalls auf viel Wohlwollen bei Presse und Fans gleichermaßen, weswegen ein Nachfolger fast schon unumgänglich schien. Jetzt ist es endlich soweit... „It burns like fire in your heart“, also „Es brennt wie Feuer in deinem Herzen“: Mit jenen beschwörenden Zeilen, die instrumental definitiv aussagekräftig genug unterstützt werden, beginnt der mit viel Spannung erwartete Zweitling von „Scarlet Dorn“ und genauso klingt der entsprechende Song dann auch! „Scorched By A Flame So Dark“ ist eine durch und durch energiegeladene Mid-Tempo-Nummer, welche auf ein vorausgehendes Preludium oder rein instrumentale Passagen zugunsten eines schnellen Einstiegs gänzlich verzichtet und stattdessen schon ab der ersten Sekunde keine Gefangenen macht. Gesanglich übt sich Dorn hier leider noch absolut zu Unrecht in (zu) vorsichtiger Zurückhaltung und lotet ihre sonst so variablen Grenzen nicht vollständig aus, sondern begrenzt sich lediglich auf die Tiefen. Dass das allerdings ganz anders geht, hat sie nicht allein nur auf dem gelungenen Vorgänger bewiesen, sondern zeigt es nun glücklicherweise auch beim nächsten Stück. „Back To The Ground“ sprengt den Übergang von Dark Rock zum Symphonic Metal mit zeitweise balladesken Passagen, viel Genre-typischen Piano-Einschüben und einer epochalen Bandbreite. Dabei offenbart die junge Sängerin ordentlich Volumen, agiert wieder deutlich sicherer und vielschichtiger bei den Vocals, sodass die mit gefühlter Leichtigkeit gegen die musikalische Übermacht Stand halten kann. Für das ermutigende „Proud And Strong“ konnte die junge Band tatsächlich niemand Geringeren als „Solar Fake“-Frontmann Sven Friedrich für ein Duett gewinnen. Sein Einfluss auf den Song macht sich allerdings nicht nur rein gesanglich, sondern auch im gewählten Instrumental bemerkbar, das einen ordentlich elektronischen Einschlag mit gehöriger Synthie-Pop-Note erhalten hat. Doch auch die im Hintergrund aufmerksam lauernde Gitarren-Front lässt nicht mehr lange auf sich warten und steigt zum Chorus mit einem knackigen Riff ein. Dank des wirklich gut austarierten Arrangements und Songwritings bekommen hier beide Sänger ihren verdienten Raum und können so nicht zuletzt auch gemeinsam in purer Harmonie vollauf überzeugen. Vielleicht ja die nächste Single? Die Qualitäten wären in jedem Fall mehr als nur gegeben! Danach nimmt die Band den Fuß vorerst wieder ein wenig vom Gaspedal und fährt das bisher vorgelegte Tempo für die Power-Ballade „Love Has No Colour But Love“ ein ganzes Stück weit zurück. Kurzerhand verliert der ausgeschriebene Dark Rock sein dunkles Prädikat und gleitet stattdessen fließend in sehr viel anschmiegsamere, zarte Gefilde ab. Fast schon zu sehr, aber die gesangliche Leistung ist hier erneut wirklich bemerkenswert und reißt die ruhige, leider eher unspektakuläre Nummer schnell aus dem etwaigen Drift in die unspektakuläre Belanglosigkeit. Die einzigartige Stimme der namensgebenden Sängerin ist es auch, welche das anschließende „One Day“ neben der sehr uniquen, erinnerungswürdigen Melodie zu etwas Besonderem macht. Jene große Wandelbarkeit ist ebenfalls bei „Hope Is Here“ zu vernehmen, das sich wieder ausnahmslos im gediegenen Mid-Tempo bewegt und den gewissen Härte-Kick zum Rock und Metal mit Goth- und Symphonic-Touch leider weiterhin vermissen lässt. Dieses Säumnis wird im Folgenden mit „I Suffocate“ und „Are You Watching Me“ aufgeholt: Hier regieren endlich erneut druckvolles Drumming und metallische Saiten-Feuer mit deutlich mehr Mut zum vielschichtigem Crossover, irgendwo zwischen Country und Hip-Hop. Auch „True Love Is Mad“ darf hier mit seinem finsteren Märchen-Konzept als thematische Grundlage nicht ausgenommen werden, wenn sich die zauberhaft verspielte Finesse der Strophen mit einem Mal in brettharte Metal-Gefilde verkehrt, im Refrain aber dennoch mit unverschämt viel Mitsing-Charakter aufwartet. „Forests“ ist hingegen wieder eine klassische Dark-Rock-Nummer mit dichter Atmosphäre und nicht weniger catchy Ohrwurm-Potential. Die Lyrics haucht Dorn mit dunkel-samtiger Stimme und sorgt so für beachtlich wirkungsvolles Goth-Storytelling der packenden Sorte, ganz anders danach das pompös arrangierte „My Bionic Misery“ mit fast schon zu viel bemühtem Fokus auf die ganz große Geste. Das überdeutliche Abzielen auf den Hymnen-Faktor wirkt im Vergleich zu den vorherigen Songs leider nur wenig authentisch und ist dabei zu aufgeblasen, um wirklich mitreißen zu können. Umso schöner, dass „Loss Of Gravity“ hier gleich einen einschneidenden Kontrast liefert, denn die rein akustische Unplugged-Nummer schlägt mit ihrem Singer-Songwriter-Charme erstmals deutlich ruhigere, balladeske Töne mit emotionaler Schlagseite vor heimeliger Lagerfeuer-Atmosphäre an, wobei die bedacht reduzierten Töne der Stimme von Dorn natürlich abermals sehr viel Spielraum zur freien Entfaltung lassen. Inhaltlich dreht es sich, wie so oft auf diesem Album, einmal mehr um die Liebe und all ihre verschiedenen Gesichter, was die Tracklist angesichts der Fülle an Songs mit entsprechender Thematik, mittlerweile leider etwas an Facettenreichtum einbüßen lässt. Das abschließende „Until The Waters Run Dry“ bewegt sich dann nochmals im merklich gezähmten Mid-Tempo und fällt einmal mehr insbesondere durch die gesangliche Zurückhaltung der Frontfrau auf, was eigentlich gar nicht nötig wäre. So lenkt die junge Band wieder in die Spur der ersten Songs ein, die sich ebenfalls eher vorsichtig nach vorne wagten, als wirklich mit ihrem gebündelten Können all-in zu gehen, was letztlich einfach nur unglaublich schade ist. Diese plötzliche Mutlosigkeit, ja, fast schon unbegründete Schüchternheit, ist auch der so ziemlich einzige, aber zugleich wohl größte Kritikpunkt an „Blood Red Bouquet“: Insgesamt alle Songs zeugen in ihrer hohen Qualität von ganz viel Herzblut, Liebe und Expertise, sodass sich zu keiner Zeit der Newcomer-Status beim Hörer bemerkbar macht. Kurioserweise wagen „Scarlet Dorn“ im Vergleich zu ihrem Debüt über weite Strecken jedoch viel weniger und bewegen sich stattdessen zumeist im relativ sicheren Mid-Tempo des Dark Rock. Es gibt einfach zu wenige Ausreißer hinsichtlich Druck, Tempo, Verspieltheit und Härte, womit sich Dorn und ihre Kollegen selbst an der eigenen, durchaus potentiell vorhandenen Varianz berauben. Dafür überzeugt die junge Sängerin stimmlich einmal mehr und setzt den Gesang an vielen Stellen deutlich facettenreicher und stärker ein, als noch auf dem Erstling. Letztlich fehlt es dem zweiten Longplayer an einem Alleinstellungsmerkmal, an einer gewissen Identität, und damit an exakt dem, was „Scarlet Dorn“ besonders auszeichnen und von ähnlich gelagerten Projekten abgrenzen könnte. Stattdessen liefern die Fünf ein etwas zu sehr auf Nummer Sicher getrimmtes Album mit gewohnt gutem Material, was mit Sicherheit eine Runde Sache für alle Fans des Genres ist, aber leider eben auch nicht mehr. Für die hoffentlich folgende, dritte Fulltime-Veröffentlichung darf und muss es unbedingt wieder wagemutiger werden!


Informationen:


http://scarletdorn.de

https://www.facebook.com/scarletdornofficial/

Blutengel - Fountain Of Destiny (2021)

Genre: Pop / Alternative

Release: 12.03.2021

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Out of Line Music (Rough Trade)

Spielzeit: 63 Minuten

Fazit:


„Blutengel“ widmen sich erneut den Achtzigerjahren und präsentieren auf dem heute veröffentlichten Cover-Album „Fountain Of Destiny“ zehn kultige Songs aus diesem musikalisch prägenden Jahrzehnt in einem ganz eigenen Gewand. „Blutengel“ gelingt dabei der imposante Spagat, respektvoll die ursprüngliche Essenz des Stücks beizubehalten und dabei jedem Track eine ganz eigene Note zu verleihen. Darüber hinaus kommen noch zwei brandneue Songs als Bonus-Tracks dazu, die sich vollendet in das neue Album „Fountain Of Destiny“ einfügen. Das klappt vielleicht auch so gut, weil seine Songs „heute noch etwas retro klingen“, erklärt Mastermind Chris Pohl. Und so fügen sich dann auch die beiden neuen Songs perfekt ein: Das Instrumental „Journey To The Edge Of The Night“ ist einfach nur großartig, während „Unsere Zeit“ die gerade jetzt so dringend notwendige Hoffnung schenkt, ohne dabei pathetisch zu klingen. Sei es nun das heute veröffentlichte emotionale „Forever Young“, das bereits im Original herrlich abgedrehte „Dr. Mabuse“ oder das dystopische „Down In The Park“ - in jedem der Cover-Versionen auf dem neuen Album steckt Herzblut, das mit fachlichem Können und natürlichem Gespür für den richtigen Sound einen Hochgenuss für die Ohren und die Seele bietet. Die Coversongs wurden handverlesen von Chris Pohl und Ulrike Goldmann und sind jene Tracks, „die mir aus heutiger Sicht nicht von dieser Welt zu sein schienen“, erklärt Pohl mit diesem gewissen Funkeln in den Augen, das man nur beim Hören von Achtzigerjahre-Musik bekommt. In jedem der Cover-Versionen steckt Herzblut, das mit fachlichem Können und natürlichem Gespür für den richtigen Sound einen Hochgenuss für die Ohren bietet. Dass aus „Fountain Of Destiny“ nun doch ein richtiges „Blutengel“-Album werden konnte, welches anfangs als EP angekündigt war, ist der Entschlossenheit des Labels, Out Of Line Music, sowie den Künstlern selbst zu verdanken. „Wir hatten Ende des Jahres leider sehr wenige Freigaben. Zusammen mit dem Label entschlossen wir uns, noch etwas zu warten und den Urhebern noch mal eine Runde auf den Sack zu gehen!“, informiert Chris. Und das hat sich gelohnt! Denn wie Chris Pohl bestätigt, „sind es somit zehn Nummern und mit meinen beiden „Blutengel“-eigenen Songs dann sogar zwölf Songs - absolut ausreichend für ein Album... Manchmal zahlt sich Geduld eben aus! Das erste „Blutengel“-Tribute-Album, „Fountain Of Destiny“, erscheint am 12.03.2021 über Out Of Line Music als digitaler Download, reguläre Standard-CD, limitierte und farbige Vinyl oder als exklusiv über den Label-Shop erhältliches Bundle zusammen mit drei Silikonarmbändern und einem Ringhalter mit Logo fürs Handy.

Ach ja, die Achtziger... Viel Sturm und Drang, gebündelte Kreativität, mutige Innovation, losgelöste Energie und ikonische Exzentrik in einer einzigartigen und unvergleichlichen Mischung zu einem stilprägenden Einfluss und Lebensgefühl destilliert, welches unsterbliche Klassiker erschuf, die ihren legendären Status mühelos bis zum heutigen Tag halten und sowohl im Radio als auch Fernsehen, diversen Playlists und Clubs völlig zurecht bis in alle Ewigkeit heiß laufen. Der in musikalischer Hinsicht wohl größtmögliche Segen für die damalige Zeit und alles, was folglich aus jener inspirativen Kraft entstand, aber zugleich doch auch ein nicht weniger großer Fluch für die eigenständige Weiterentwicklung und dringend notwendige Identitätsfindung der Branche aus heutiger Sicht. Ein Denkmal zu setzen, an das sich spätere Generationen in Zukunft ebenso sehr erinnern werden, scheint fast unmöglich geworden, wirft man einmal einen Blick in die aktuellen Charts, die nicht gerade von viel Eigenständigkeit zeugen, sondern stattdessen manches Mal nur zu gerne den uniquen Vibe und Sound früherer Wegweiser aufleben lassen... Aber einfach nur, weil’s so schön retro ist und die Nostalgie für den sicheren Abverkauf schürt? Natürlich kann man dem ein gewisses Kalkül nicht absprechen, aber grundsätzlich ist nichts Verwerfliches daran, sich am Pool bereits bestehender Ideen zu bedienen, um damit eben nicht nur eine gewisse Zielgruppe befriedigen, sondern eventuell sogar Neue erschließen und die heutigen, jungen Hörer begeistern zu können. Nicht wenige der in dieser Szene aktiven Künstler zollen ihrer eigenen Kindheit und Jugend hier nämlich bewusst Tribut. Gerade dann, wenn sie ihre Lieblingsstücke aus dieser Zeit neu aufbereiten, wobei es vermutlich auch die sicherste Methode ist und am wenigsten Risiko besteht, jene Songs nahe am Original zu reproduzieren, die ihre hohen Qualitäten schon seit vielen Jahren bis heute erfolgreich unter Beweis gestellt haben. Ein guter Song ist immerhin ein guter Song und einen guten Song kann man kaum viel schlechter machen, oder? Neben den Best-Of-, Live-, Remix-, Unplugged- und Orchester-Alben, rangiert der reine Cover-Output seit geraumer Zeit hoch oben bei den beliebtesten und gängigsten Releases außerhalb der Reihe. Dass sich irgendwann auch das Berliner Duo „Blutengel“ bei seiner enorm dichten Veröffentlichungsrate an der Vertonung bekannter Klassiker versuchen würde, war vermutlich nur eine Frage der Zeit. Umso gespannter zeigten sich die zahlreichen Fans der erfolgreichen Dark-Electro-Popper bei der Ankündigung von „Fountain Of Destiny“, das die Wartezeit auf das nächste Studioalbum verkürzen soll. Das kraftvoll ungestüme „The Wild Boys“ von „Duran Duran“ macht dabei den Anfang und fast, aber eben auch nur fast, könnte man meinen, man höre das Original in einer modern remasterten Remix-Variante, denn von der bekannten Melodie rückt man hier kaum ein nennenswertes Stück ab. Lediglich bei der entsprechenden Instrumentierung öffnet das Duo das Arrangement für kleinere, neue Einflüsse, wie beispielsweise die dezent rockenden Gitarren, welche bereits seit einigen Jahren ihren Einzug in den lange ausschließlich elektronischen „Blutengel“-Sound gehalten haben. So sorgen Pohl und Goldmann gelungen für eine Portion mehr Nachdruck, ansonsten bleibt soweit alles beim Alten, nur irgendwie unspektakulärer und farbloser. Der ursprüngliche Wow-Effekt fehlt logischerweise, der Song ist längst schon bekannt und die Engel fügen jenem auch keine weitere Facette hinzu. So auch bei „Forever Young“ der Münsteraner „Alphaville“, bei dem durchgehend mit atmosphärisch verträumten Synthie-Flächen gearbeitet wird, während der Gesang in typischen Bahnen verbleibt. Fast wirkt es so, als wolle man den Songs zwanghaft seinen eigenen Trademark-Stempel aufdrücken oder als beherrsche man keine anderen Stimmfarben und Interpretationsarten auf der in dieser Hinsicht scheinbar etwas begrenzt wandelbaren „Blutengel“-Palette. Gleiches gilt an vielen Stellen leider auch für den doch sehr vorhersehbaren Sound zwischen modernem Vorzeige-Gothic, gefälligem Dark Wave sowie Future- und Synthie-Pop an sich, der Songs wie das fantastischen „Hymn“ von Barclay James Harvest oder „Down In The Park“ von Gary Numan nicht instrumental grundiert und unterstützt, sondern fast unter einer Lawine aus catchy poppigem Dancefloor-Futter erstickt. Wie so oft, vermag es aber vor allem Ulrike Goldmann hier etwas Abhilfe zu schaffen und mit den ihr zugeschnittenen Stücken zu glänzen: Eines von ihnen, der „Heart“-Klassiker „Alone“, sticht beispielsweise wirklich positiv aus der gesamt Tracklist heraus und wird mehr als solide mit gefühlvoller Stimme dargeboten. „Nobody´s Diary“ der Briten „Yazoo“ geht hingegen abermals im unnötigen Overload unter. Ab diesem Punkt nimmt leider auch die Güte der übrigen Cover etwas ab und will schlicht nicht so wirklich überzeugen. So sind weiter „Mike + The Mechanics“ mit „Silent Running“ vertreten, welches sich hier als Hybrid aus gotischem Mid-Tempo-Einerlei und überzogen betonten Achtziger-Querverweisen entpuppt. Das durch „Propaganda“ und „Blue System“ bekannt gewordene „Dr. Mabuse“ hat es sogar noch mehr getroffen, welches mit fast schon schlageresken Zügen in Richtung Schunkel-Disco entgleitet. Eines der wohl bekanntesten Stücke von „a-ha“, das stilprägende „The Sun Always Shines On TV“, büßt in seiner, hier extra nochmals namentlich hervorgehobenen „Blutengel-Version“, zwar viel an Energie und Tempo ein, gefällt jedoch durch seine charmant eingewobene, dunkel-mystische Stil-Referenz an den Achtzigerjahre-Spirit aus nostalgisch-moderner Perspektive, während „Ship Of Fools“ von „Ersarue“ zu nicht mehr als einem monotonen Stampfer verkommt. Die beiden Eigenkompositionen „Unsere Zeit“ und das instrumentale Outro „Journey To The Edge Of The Night“ sind abschließend eine nett gemeinte Geste, die aber leider ebenfalls nicht über den derzeit typischen Standard des Projekts hinausreichen. Das Original mit einem reinen Cover besser zu machen, ist ungemein schwierig, aber nicht unmöglich. Selten jedenfalls allemal. „Fountain Of Destiny“ wohnt in seiner Ausrichtung ein wenig der grundsympathische Charakter eines kleinen Mix-Tapes mit den eigenen Lieblingssongs der Achtzigerjahre inne, die man nur allzu gerne nebenbei launig nachsingt. Natürlich nicht, dass die zehn Cover hier so dermaßen dilettantisch klängen, wie sie ihrer Zeit vermutlich aus vielen Kinder- und Teenager-Zimmern halten, nein, die „Blutengel“-Versionen sind grundsolide und das Album eine rundum locker aufgezogene und spaßige Angelegenheit, ohne den Anspruch, etwas bahnbrechend Neues oder aufregend Innovatives bieten zu wollen. Vielleicht ist diese Überraschungsarmut aber gleichzeitig auch die größte Schwäche des Albums, denn, so unterhaltsam es ist und so negativ es sich jetzt vielleicht lesen mag, wirklich danach gefragt oder gebraucht hat es wohl niemand. Allerdings tut dieses nette Tribute-Werk gleichzeitig keinem Hörer weh, wenn auch die ewigen Oldschool-Verfechter und Kritiker ob der Verwertung „ihrer“ legendären Evergreens lauthals „Sakrileg!“ brüllen und sich in ihrer Meinung über das Duo bestätigt sehen dürften. Über den vergleichsweise generischen Gothic-Pop-Sound nach bewährter Formel und Geschmack im Allgemeinen lässt sich nach wie vor (nicht) streiten, denn die „Blutengel“ machen hier nichts anders, als sonst auch und es wäre sehr naiv anzunehmen, dass uns gerade jetzt eine bahnbrechende Veränderung ins Haus stünde... Fakt ist, die Songs sind allesamt keine allzu freien Interpretationen, die den so beliebten Originalen auf kreative Weise andere Facetten entlocken oder besonders neu und frisch wären. Eine musikalische Reform gibt es somit ganz sicher keine und vermutlich kostet es vergleichsweise wenig Mühe, die ohnehin schon unverbesserlichen Vorlagen eins zu eins umzusetzen, ohne dabei großartig an Stimmung, Tempo oder ähnlichen Faktoren zu schrauben. „Fountain Of Destiny“ ist ein netter Zeitvertreib für die Fans und Band selbst und dazu noch eine kleine Möglichkeit, auch ohne Live-Konzerte zu unterhalten und vielleicht noch etwas daran zu verdienen. Einfach deswegen, weil im Lockdown gerade die Zeit und Muse da war.


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