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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

This Morn' Omnia - Kiberspassk - Blutengel (2021)



This Morn’ Omnia - The Roots Of Saraswati (2021)


Genre: Electro / Ambient / Alternative


Release: 26.03.2021


Format: CD


Anzahl Ton- / Bildträger: 1


Label: Dependent (Alive)


Spielzeit: 76 Minuten

Fazit:


Mit „The Roots Of Saraswati“ fügen „This Morn‘ Omnia“ ihrem beeindruckenden Werk eine neue, dunkle Facette hinzu. Das aktuelle Album der belgischen Tribal-Industrial-Pioniere lässt sich sowohl als Fortsetzung ihres bisherigen Schaffens als auch als äußerst gelungene Verbreiterung ihrer stilistischen Palette sehen. Zu der Erweiterung ihrer musikalischen Möglichkeiten hat auch Scott Fox beigetragen. Der aus Edmonton stammende Kanadier ist in der Band „Ivardensphere“ für Elektronik und Schlagzeug zuständig und hat bei „This Morn‘ Omnia“ Karolus Leroq ersetzt. Mit neuen Soundelementen in seinem Gepäck finden sich im Vergleich mit dem Vorgänger „Kundalini Rising“ aus 2017 eine verstärkte kompositorische Tiefe und eine dunklere Atmosphäre in den aktuellen Songs. Die organischen Strukturen der Tracks betonen die Tribal-Ausrichtung der Belgier, während ihre auf den vorherigen Alben aufblitzenden Psychedelic-Trance-Einflüsse hörbar zurückgestutzt wurden. Auch die feingeschliffene Produktion von „The Roots Of Saraswati“, die treibend-atmosphärische Elektronik und organische Percussion nahtlos miteinander verschmilzt, lässt die Ohren spitzen. Inhaltlich bleiben „This Morn‘ Omnia“ auf „The Roots Of Saraswati“ ihrer Faszination für die spirituellen Traditionen des indischen Subkontinents treu. Im Hinduismus steht der Name „Saraswati“, wörtlich übersetzt „die Fließende“, nicht nur für die Göttin der Weisheit, Kunst und Erkenntnis, sondern auch für einen geheimnisvollen Fluss, aus dem Wissen, Inspiration und göttliche Gnade entspringen. In der hinduistischen Lehre bezeichnet „Saraswati“ zudem Gelehrte oder Wahrheitssuchende. All diesen Aspekten ist ein Element der fließenden, tiefgründigen Transzendenz gemeinsam, die das neue Album inhaltlich definiert und sich außerdem sowohl im Artwork als auch musikalisch widerspiegelt. Natürlich finden sich auf „The Roots Of Saraswati“ wieder hypnotische Club-Kracher wie „The Mongoose King“ und „The Nothing Space“, die direkt ins Tanzbein fahren. Aber nach mehreren Durchläufen verschiebt sich der Fokus auf die rohe perkussive Kraft und das große Kopfkino von Mid-Tempo-Nummern wie „Vadavighni (The All Consuming Fire)“ oder „Nepenthe“. Als Sahnehäubchen könnte der ruhige Schlussakkord mit „Song Of Elo'im“ sogar aus einem John-Carpenter-Soundtrack stammen - natürlich mit einem Schuss Industrial... „This Morn‘ Omnia“ haben sich mit „The Roots Of Saraswati“ eindrucksvoll weiterentwickelt und legen ein ebenso abwechslungsreiches wie hypnotisches Tribal-Industrial-Prachtstück vor. „The Roots Of Saraswati“ erscheint am 26.03.2021 via Dependent Records als CD im klassischen Digipak, 2-CD im sechsunddreißigseitigen Hardcover-Buch inklusive Bonus-Disc mit sieben exklusiven Tracks und auf Doppel-Vinyl im 7"-Format.

Saraswati oder auch Sarasvati, was übersetzt in etwa so viel wie „die Fließende“ bedeutet, ist die Göttin der Weisheit und Gelehrsamkeit. Sie zählt zu den wohl Bekanntesten unter den indischen Gottheiten und genießt im Tantra, welches verschiedene Strömungen der indischen Philosophie bezeichnet, eine hohe Verehrung. Sie gilt als sogenanntes „Shakti“, als weibliche Kraft, des Gottes Brahma und als Personifikation des Urgrundes Brahman. Die Mythologie stellt sie sowohl als Tochter als auch Schöpfung und Gattin von Brahma, dem sie untergeordnet scheint, dar. Hinsichtlich des tatsächlichen Glaubens gilt die meiste Verehrung jedoch hauptsächlich ihr allein. Als „Vac“, so eine andere Bezeichnung für sie, verkörpert sie das Wort und die perfekte Rede. So gilt sie als Patronin des Lernens, der Sprache und Wissenschaften, der Künste, Dichtung, Literatur, Schrift und Weisheit, aber auch des Tanzes, Gesangs und der Musik. Sie gilt als Erfinderin des Sanskrit-Alphabets und der Devanagari-Schrift, wird von Schülern, Studenten, Philosophen und Intellektuellen verehrt. In den Apri-Liedern, eine Textform des Rig Veda, bildet sie zusammen mit Ida und Bharati eine Trinität. Ursprünglich als Natur-Göttin beschrieben, wird sie auch heute noch mit reinem Wasser in direkte Verbindung gesetzt und verkörpert den heiligen Fluss, der dem Himmel entspringen und durch das Triloka, also alle drei Welten, fließen soll. Ihre Stimme ist der Wasserfall und könne Berge sprengen, heißt es. Doch nicht nur im Hinduismus wird Sarasvati verehrt, sondern ebenso im Jainismus und Buddhismus, wo ihr Name in den Schriften in etwa ab dem elften Jahrhundert auftauchte und Wandmalereien in den Tempeln auf sie schließen ließen. Das alles sei, wie auch schon im oben stehenden Pressetext, eingangs zum grundlegenden Konzept des neuesten musikalischen Outputs der einst 1996 in Belgien gegründeten „This Morn’ Omnia“ erwähnt. Vier lange Jahre hat es nun also gedauert, bis der erfolgreiche Vorgänger, das furiose Konzept-Doppel-Album „Kundalini Rising“, eine mehr als nur würdige Ablösung erfährt und erneut soll sich die längere Durststrecke für die Fans gelohnt haben, wartet hier doch ein weiteres Mal eine ungeheuer vielschichtige und durchdachte Fusion aus sehr atmosphärischen Ambient-Anleihen, sperrigem Noise, peitschenden Industrial-Salven und rituell treibendem Tribal, die den Status als eine der größten Ikonen des Genres weiterhin zu sichern vermag. „The Roots Of Saraswati“ bietet in der Standard-Version zehn Songs, in der Deluxe-Ausführung hingegen ganze sieben Stücke mehr, erschafft aber in beiden Varianten denselben umfassenden Klang-Kosmos aus deftigem Dark Electro, schamanistischen Einflüssen und spirituell behafteten Elementen, der schon nach kurzer Spieldauer einem gar ruhelosen Fiebertraum ekstatisch wilder und daraufhin doch wieder friedvoll-sphärischer Klänge mit erheblicher Sogwirkung gleicht. So bildet sich zunehmend ein wahrlich vielschichtiges, dichtes Geflecht diverser konkurrierender und dennoch im absoluten Einklang miteinander stehender Versatzstücke, Stimmungen und daraus resultierender Harmonien, welche ihrem thematischen Kern trotz der schieren Fülle an Eindrücken den notwendigen Raum zur sich immerzu steigernden, endgültigen Entfaltung lassen. Das hier allen Liedern lose übergeordnete Konzept wird allein durch die starke und schlüssige Gesamtpräsentation der instrumentalen Komponente jederzeit pointiert präsentiert und detailliert umgesetzt, woraus der überbordende Bombast resultiert, der sich einen vereinnahmenden Schlagabtausch zwischen undurchdringlicher, erdrückender Düsternis und fast schon entspannten Momenten liefert. Der Inhalt der gesamten Tracklist verbleibt ob der vorerst sehr plakativen, fordernden und einschüchternden Bedrohlichkeit oft schwer greifbar und kryptisch, während die punktgenau nuancierten, psychedelischen Versätze aus allerhand thematisch abgestimmten Gesängen, Samples und Sounds ihre Wirkung ungleich effektiv entfalten und vollends ins Schwarze treffen. Angefangen bei der einleitenden Eröffnungszeremonie durch das mächtige „Nadisti Sukta“ mit seinen minimalistisch eingewobenen Sound-Samples, der ekstatisch umher wirbelnden Tribal-Percussion und einschüchternd epochalem Bombast oder der rastlos treibenden Ankunft des weitaus clubtauglicher geratenen „The Mongoose King“ in Entität mit viel drückendem Bass, zuckenden Beats und organisch geerdeter Note, über die düster-bedrückenden, hektische tänzelnden „Naoús“ oder „1000 Cuts (Lingh Chi)“, bis hin zu deutlich gediegeneren Sphären in „Vadavigni (The All Consuming Fire)“ mit einem um ein Vielfaches entschleunigenderen Grundtenor aus unheimlich verqueren Chorälen und unberechenbaren Breaks, lädt man fortan zu einer psychedelische Reise durch alle Sinne ein... Die extrem reiche Variation ist faszinierend überbordend, fast schon erschlagend und scheinbar grenzenlos! Der Verlust des langjährigen Mitglieds Karolus Leroq wird durch den famosem Neuzugang des Kanadiers Scott Fox, bekannt als Drummer der Noise- und EBM-Verfechter „iVardensphere“, mehr als würdig aufgefangen, sorgt das somit erfrischend erweiterte Spektrum des Klang-Experten aus Edmonton doch für enorm viel Dynamik und Eigenständigkeit, die zu „This Morn‘ Omnia“ hervorragend passt. Für ein hohes Maß an Abwechslung ist in den hauptsächlich instrumental angelegten Stücken in jedem Fall gesorgt, wenn sich in „The Nothing Space“ und „Blood Oath“ etwa Elektronik zu unheilvollem Ambient aufschwingt und dann die klare Oberhand gewinnt oder sich bei „Nepenthe“ und „(A) Song of Eloi’im“ die Trommeln, Klangspiele und allerhand exotisches Instrumentarium zur akustischen Mystik verdichten und eine schier unbändige Sogkraft entfalten. Nahezu alles Songs auf „The Roots Of Saraswati“ begünstigen sich spirituell und konzeptionell, peitschen auf und beruhigen sich, durchbrechen klassische Motive und wirken extrem intensiv auf den Hörer ein. Ein absolutes Wechselbad der Superlative, auf welches es sich definitiv einzulassen lohnt!


Informationen:


http://www.thismornomina.com


https://www.facebook.com/thismornomina/


Kiberspassk - See Bear (2021)

Genre: Electro / Alternative

Release: 09.04.2021

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Out of Line Music (Rough Trade)

Spielzeit: 44 Minuten

Fazit:


In den langen Nächten der sibirischen Taiga hat eine Band sich zusammengeschlossen, um die Kälte und die Dunkelheit ihrer Heimat in harten Electro zu einzufangen. Ihre Umgebung hat „Kiberspassk“ inspiriert - sie bereichern Industrial mit russischer Folklore und kreieren so einen einzigartigen, angstbesetzten Sound mit einer völlig frischen, atmosphärischen und aufregenden Art von Industrial und bringen einen schneidend frostigen Biss in ein Genre, in dem echte Innovation heutzutage eine Seltenheit ist. Die Frontfrau Baby Yaga sagt über das Album „See Bear“ und das Musikvideo: „Das war einer der ersten Songs, die für dieses Album geschrieben wurden und im allgemeinen war es dieser Song, der mir geholfen hat, den Charakter und den Sound des gesamten Albums zu definieren. Es ist ein Lied über meine Heimat, Sibirien, ein großartiges und schönes Land, das seine ursprüngliche Schönheit und Erhabenheit bewahrt hat, trotz der aktiven Industrialisierung und der eher unaufmerksamen Haltung der modernen Menschen ihm gegenüber. Es ist ein wunderschönes Land mit einer reichen Geschichte und einer alten, einzigartigen Kultur, und davon handeln mein Lied und das dazugehörige Video.“. Dreh- und Angelpunkt der speziellen Musik von „Kiberspassk“ ist Sängerin Baba Yaga, eine wahnsinnige Powerfrau mit einem Stimmspektrum, das von heiseren Flüchen über glockenklare Melodien bis hin zu mongolischem Kehlkopfgesang reicht. Baba Yaga gibt uns tiefere Einblicke in ihre besondere mongolischen Kehlkopfgesangs-Technik, die überwiegend eine reine männliche Gesangstechnik ist, aber auch von Frauen beherrscht wird: „Ich praktiziere eine Kehlkopfgesangstechnik namens „Kargyraa“. Kargyraa ist eine tiefe, growlende und untertonreiche Gesangstechnik, die einen Tonhöheneindruck von einer Oktave unterhalb der Modalstimme erzeugt, indem sie die Ventrikularfalten oder Aryepiglottisfalten neben den Stimmbändern in Schwingung versetzt. Im Allgemeinen ist diese Gesangstechnik natürlich überwiegend männlich, aber auch eine Frau kann sie beherrschen. Ich habe nach einem individuellen Programm studiert, das von meinem Mann, der diese Technik auf professionellem Niveau beherrscht, für mich entwickelt wurde. In der Tat gibt es viele Substile, oder Verzierungen, des Kehlkopfgesangs, die verschiedene Aspekte der Darbietung und ihrer Umgebung widerspiegeln. Die Substile des Kargyraa können zum Beispiel Merkmale der Landschaft andeuten, die Laute von Tieren imitieren, den Teil des Körpers angeben, der benutzt wird, um einen bestimmten Klang zu erzeugen, oder den Schöpfer des Substils identifizieren. Schamanen verwenden Kargyraa als einen Klang der Ruhe, der die Aufmerksamkeit oder das Bewusstsein einer Person schärft, er vertreibt böse Geister und heimtückische Parasiten und unreine Kräfte aus dem Körper, weil Kargyraa mit den Kräften der irdischen und himmlischen Geister in Verbindung gebracht wird.“. Es ist ihre Performance, die dem Industrial seine spezielle, dunkle Atmosphäre verleiht. „Ich singe über die dunkle Seite der slawischen Mythologie.“, beschreibt sie ihre Inspiration. „Kikimora, Domovoy, Baba Yaga, Liho - diese Sagengestalten kennt bei uns jedes Kind. Hier, wo die alten Siedlungen langsam verschwinden, sind der Geist und die Seele Sibiriens nach wie vor lebendig.“. Dass die Musik ein einsames und verlassenes Element hat, ist kein Zufall: „Wir haben uns nach dem sterbenden Dorf Kiberspoassk benannt, das nur fünfzehn Kilometer von uns entfernt ist. Dort haben auch die Dreharbeiten für den „Derevna“-Clip stattgefunden. Da ich mich seit langem fachlich mit Folklore beschäftige und von Industrial-Musik sehr inspiriert bin, habe ich beschlossen,