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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Oomph! - „XXV"-Tour - Zeche, Bochum - 09.04.2016


Veranstaltungsort:

Stadt: Bochum, Deutschland

Location: Zeche Kapazität: ca. 1.000 Stehplätze: Ja Sitzplätze: Nein Homepage: http://zeche.net

Einleitung:

Gerade eben erst, bespielten die Gothic-Novel-Rocker von „ASP“ noch den RuhrCongress und schon steht das nächste Highlight tief im Westen, tief in Bochum an. Mein heutiges Ziel ist die kultige Zeche, deren Halle zumeist als Disco mit verschiedenen Motto-Partys für diverse Alters- und Szene-Gruppierungen genutzt wird. Nicht selten jedoch, finden hier auch Konzerte diverser Genres statt. Von Pop, Punk und Rock, bis zu diversen Coverbands, suchte auch in jüngster Vergangenheit schon der ein oder andere namhafte Szene-Vertreter wie etwa „Diary Of Dreams“ oder „The Beauty Of Gemina“ die Örtlichkeit auf, um die Fans zu schweißtreibenden Shows zu laden. Für den heutigen Abend haben sich die NDH-Rocker von „Oomph!“ angekündigt, bespielten diese doch auch auf ihren letzten beiden Tourneen exakt die gleiche Location und sie sollten Recht mit ihrer Wahl behalten: „Ausverkauft!“, meldete die offizielle Facebook-Seite der Braunschweiger schon einige Wochen zuvor. Wer die Zeche kennt, weiß, dass dieser Umstand zu einer mittelschweren Katastrophe im Hinblick auf einen guten Platz werden kann, sofern man sich nicht früh genug vor Ort einfindet. Gesagt, getan. Überraschend schnell ist ein zweckmäßiger Parkplatz an einem der Seitenstreifen gefunden und noch schneller der eigene Fundus zusammengesucht, um sofort durchstarten zu können. Rasch vergewissern meine Begleitung und ich uns noch bei einem Einweiser, ob man sein Auto beruhigt und ohne weitere Konsequenzen dort stehen lassen könne. Die eigenen Stellplätze der Zeche Bochum: Zu gering und vor allem restlos überfüllt, keine Chance. Als dieser mit einem gelassenen Schulterzucken unsere Frage bejaht, tun wir es ihm gleich und spurten zügig den kleinen Pfad zum Eingang hinunter. Was sich schon aus der Distanz erkennen lässt: Es wird voll. Sehr voll sogar. Der Einlass hat bereits begonnen, wurde vermutlich aufgrund des hohen Aufkommens vorverlegt, um zu gewährleisten, dass vom Support an jeder alles sehen kann. Ein feiner Schachzug und notwendig, reicht die Schlange doch vom Eingang, bis weit über den angrenzenden Schottenplatz hinweg. Einige betreten die Halle, andere wiederum kommen den Weg hinunter, welchen auch wir gerade eben auch betreten haben. Es scheint nicht weniger zu werden oder gar abzureißen, umso beruhigender daher die Erkenntnis, dass sich wider Erwarten der Einlass alles andere als schleppend präsentiert. Trotz der üblichen Ticket- und Taschenkontrolle, dauert es vom Ende der Schlange an, gerade einmal eine Viertelstunde, bis man ins Innere gelangt. Erleichterung macht sich breit. Die meisten Besucher strömen direkt in den Saal, andere halten sich an der Garderobe, an den verschiedenen Bars oder im sommerlichen Biergarten auf. Nach einer Zigarette in ebendiesem und einem entfernten Blick zum Merch, verschaffe ich mir einen Überblick und entscheide mich zuerst für einen Platz auf der Treppe. Fehlendes Licht und räumlich bedingte Enge machen hier das Stolpern und Fallen nicht schwer und auch die Sicht könnte ein wenig vorteilhafter sein… Man ist ja wählerisch. Auch den Theken haben sich nun überall Leute positioniert, um möglichst viel vom Geschehen mitbekommen zu können. Hinter der Treppe, nahe einem Notausgang gelegen ist noch ein wenig Raum und vor allem Luft, die kleine Sitzgelegenheit in Form einer robusten Ablage, soll später dann als perfekte Erhöhung dienen. Strike! Ein guter Platz und das bei einer ausverkauften Show, das freut sich das Blogger-Herz.

Death Valley High:

Den Slot des angekündigten Special Guest und somit die Aufgabe des Supports, übernehmen auf der ersten Tour-Hälfte die Kalifornier von „Death Valley High“, die weiteren Termine werden die Jungs von der „Unzucht“ begleiten. Ein wenig schade, wie ich finde, doch habe ich die unzüchtigen Hamelner doch immerhin erst kürzlich als Vorband von „Eisbrecher“ erleben können und man soll ja auch immer offen für etwas Neues sein, nicht wahr? Und so erklimme ich in der Dunkelheit die zum persönlichen Podest umfunktionierte Sitzgelegenheit, um mir ein anständiges Bild vom angekündigten US-Export zu machen. Optisch wie eine wilde Mischung aus „Marilyn Manson“, „Lord Of The Lost“ oder „Combichrist“ anmutend, kredenzen die vier bedrohlich geschminkten Herren in den zerschlissenen Kleidern, dem Bochumer Publikum ihre spezielle Mischung aus harten Rock- und Punk-Klängen, gepaart mit den ein oder anderen Elektro- und Core-Einschüben. Was dabei heraus kommt, ist zumeist einfach nur laut und ohne klar erkennbare Struktur in Bühnen-Choreografie, Melodie oder Song-Aufbau. Während Sänger Reyna Osborn zwischen tiefen Tönen und Shooting-Einlagen wechselt, herrscht zwar durch seine Band-Kollegen einiges an Bewegung auf, nicht aber vor der Bühne. Zu undefinierbar und unmelodisch gibt sich die Kreuzung diverser Stile, welche zudem auch noch nicht selten in absolut unverständlichem Sound-Brei endet. Die ersten Reihen schauen interessiert, spenden bestenfalls höflichen Beifall, während man sich an den Instrumenten ordentlich verdingt und redlich bemüht. Nach einer guten halben Stunde räumen „Death Valley High“ das Feld und bedienen sich eines kleinen Tricks, um die Stimmung so kurz vor Beginn weiter nach oben zu treiben. Sie fordern Beifall für den Headlines des Abends und fragen, ob die Fans bereit seien. Sie sind es, wie die lautstarken Zurufe unmissverständlich klar machen. Ein Umbau von etwa zwanzig Minuten ist die Folge, in welchem ich mich für eine weitere, kleine Erkundungstour durch die verdichteten Scharen kämpfe. Was ich nämlich fast nicht bemerkt habe: Mittlerweile ist es ganz schön voll geworden. Sowohl auf den Rängen, als auch im Innenraum. Die aufgeregten Fans stehen bis in die Gänge hinein und ich brauche mich nicht fragen, wie gut diese Plätze wohl sein mögen, stand ich doch vor einigen Jahren selbst unfreiwillig inmitten des Getümmels, wortwörtlich zwischen Tür und Angel also. Um mögliche Fragen zu beantworten, diese Plätze sind alles andere als gut. Wirklich. Fernab von den üblichen Konventionen im Hinblick auf Konzerte, halten sich „Oomph!“ am heutigen Abend nicht an die Standard-Zeit von 21 Uhr, sondern werden aller Wahrscheinlichkeit nach eher beginnen, wie ein fragender Blick auf meine Uhr ob des frühen Umbaus vermuten lässt. Ich beeile mich, zu meinem gesicherten Platz zurückzukommen und habe Mühe, weder andere Besucher anzurempeln, noch die steilen Stufen hinauf- oder noch schlimmer, wieder hinabzufallen. Einigermaßen geschickt gelingt es mir, ohne größere Peinlichkeiten oder Unfälle meinen Platz zu erreichen. Dennoch erweist sich die kürzlich gefällte Entscheidung als gut, denn schon kurz darauf geht es los.


Oomph!:

Aufgrund des anstehenden Club-Betriebs zu späterer Stunde, erlischen die Lichter an diesem Abend verhältnismäßig zeitig und geben pünktlich zur Prime-Time um 20.15 Uhr die Bühne für die Szene-Pioniere von „Oomph!“ frei. Die Zeche liegt in nahezu undurchdringlichem Dunkel und wird lediglich durch die euphorischen Zurufe und Smartphone-Displays mancher Fans erhellt, welche sich eifrig Richtung Bühne entgegenstrecken. Während sich Schlagzeuger Silvester, Percussionist Patrick „Okusa“ Lange, Bassist Hagen und Neuzugang Keyboarder Felix auf ihre angestammten Positionen begeben, wird die Szenerie langsam in tiefrotes Licht getaucht. Eine bekannte, tief gestimmte Melodie einer Violine, spielt fortan in endlos wirkender Dauerschleife und projiziert mit einem Mal eine bizarr-bedrohliche Atmosphäre in die dichten Reihen des Bochumer Publikums. Unter tosendem Applaus stürmen auch die beiden Gründungsmitglieder und Gitarristen Andreas Crap und Robert Flux die Bretter und heizen die Stimmung mit fordernden Animationen weiter an, bevor auch Frontmann Dero Goi mit zittrigen, maschinellen Bewegungen vor sein Mikrofon tritt, bereit das zahlreich erschienene Auditorium, einem defekten Roboter gleich, in den nächsten zwei Stunden durch das Set zu dirigieren. Dieses wird so gleich von der aktuellen Single-Aaskopplung „Alles Aus Liebe“ eröffnet, wie einige aufgrund der markanten Intro-Melodie schon erahnt haben dürfte, zu welchem im Refrain immer wieder imposante Nebel-Fontänen zur Hallendecke aufsteigen - ein kraftvoller Auftakt nach Maß, wenn auch zu Beginn das Equipment des Sängers für einige Sekunden seinen Dienst verweigert. Bochum bebt schon jetzt und weiß auch im Folgenden lautstark zu überzeugen, als zu den anfänglichen Takten von „Labyrinth“ ein spaßiges „We Will Rock You“-Singalong von den Braunschweigern eingefordert wird. Auch der unverzichtbare Hit „Träumst Du“ und der Brecher „Mein Schatz“, beide vom Erfolgsalbum „Glaube Liebe Tod“, dürfen natürlich nicht fehlen und sorgen in ihren energetischen Live-Interpretationen für mächtig Begeisterung. Das die Propheten der NDH auch die Alt-Fans alles andere als vergessen haben, zeigt sich schon wenig später, als ein wahres Aufgebot an Klassikern aus vergangenen Zeiten aufgefahren wird. Den Anfang macht „Das Weisse Licht“, welches im Refrain für ein wogendes Meer aus Armen sorgt, dicht gefolgt von einem kleinen, aber druckvollen Querschnitt durch die Geschichte der eigenen EBM-Vergangenheit. Dazu lassen Flux und Crap ihre standarisierten Instrumente für einige Zeit beiseite und nehmen stattdessen die Plätze vor zwei zusätzlichen Keyboards ein. So wird das minimalistische, doch ikonische „Mein Herz“ hier lediglich von Elektronik und hartem Drumming getragen, doch macht die rege Beteiligung auf der Bühne durch fast alle Mitglieder, welche hier ihr Multi-Talent an unterschiedlichsten Klangkörpern beweisen, so einiges her und unterstreicht zurecht, warum „Oomph!“ vor ausverkauftem Haus spielen. Und auch das zynische „Der Neue Gott“ wird nicht minder begeistert von den Anhängern angenommen, bei welchem sich Fronter Dero immer wieder einer Trommel bedient und im marschgebenden Rhythmus stetig auf diese eindrischt - schon jetzt Kultstatus! Um auch auf aktuelleres Material zurückzukommen, gibt man mit dem spaßigen „Unzerstörbar“ im Anschluss einen Song vom letzten Album „Des Wahnsinns Fette Beute“ zum Besten, welches nach dem damaligen Release im Kreuzfeuer der Kritik stand. Diese schien allerdings auf der vergangenen Tour schon wieder vergessen und so feiert man ausgelassen miteinander. Ganz anders hingegen das Feedback zum aktuellen Werk „XXV“, auf welchem sich die Mannen wieder den ernsteren Tönen und Themen zuwenden. Eine weitere Kostprobe davon, bekommt das Bochumer Publikum mit dem melancholischen „Als Wärs Das Letzte Mal“, bevor man mit „Wunschkind“ wieder kurz auf Zeitreise geht, nur um wenig später die brandneue Trennungsballade „Jede Reise Hat Ein Ende“ zu intonieren. „Bis Der Spiegel Zerbricht“ schließt sich diesem ruhigen Fahrwasser an, bevor man die aktuelle Jubiläums-Hymne „Jetzt Oder Nie“ anstimmt und so wieder zu härteren Tönen greift oder bei „Niemand“ zum gemeinsamen springen motiviert.


Einen echten Hexenkessel entfachen „Oomph!“ schließlich mit dem brutalen „Mitten Ins Herz“, zu welchem Dero den Innenraum um eine Wall Of Death bittet. Leicht verunsichert und ängstlich, ob möglicher Gewalt-Exzesse in Folge, lichten sich die einzelnen Reihen nur sehr langsam. Doch als sich zumindest ein kleiner Kreis Hartgesottener in der Mitte aufzuspalten scheint, gibt sich die Band zufrieden und entfesselt nochmal alle bisher zurückgehaltenen Kräfte-Reserven. Das sphärische „Unter Diesem Mond“ bestreitet der Frontmann dann nahezu allein und wird lediglich an den Tasten von Felix unterstützt, welcher hier für die zerbrechliche Piano-Melodie auf der Bühne verantwortlich zeichnet, welche nun äußerst passend in eisblauen Tönen erstrahlt. Besonders beeindruckend hier nicht nur die ungemeine Flexibilität, singt Dero nicht ausschließlich nur, sondern bespielt zeitgleich seine Trommel zu Percussion-Zwecken, sondern vor allem auch die unglaubliche Variabilität und Intensität in Stimme und Darbietung. Bei „Auf Kurs“ vom Album „Monster“, komplettieren auch die anderen Mitglieder wieder das Gesamtbild und zelebrieren gemeinsam eine akustische Version, dieser hochemotionalen Nummer. Besonders in den ruhigeren Momenten spielt die Band und jedes einzelne Mitglied seine Stärken also voll aus, überzeugt mit professionellem und vielseitigem Können und der unnachahmlichen Tatsache, dass hier eben nichts vom Band kommt, sondern live gespielt ist. Ein nicht zu unterschätzender Punkt und gemessen am üblichen Standard heutiger Live-Shows, ein ureigenes Gütesigel mit Seltenheitswert. Respekt für diesen Anspruch! Das sozialkritische „Sandmann“, „Gekreuzigt“, sowie das erfolgreiche „Augen Auf!“, bilden dann das Trio Infernale, bevor sich das Septett unter dankbarem Beifall verabschiedet. Natürlich hat das Bochumer Publikum noch lange nicht genug, von seinen lang vermissten Heroen und fordert ohne Unterlass nach einer Zugabe. Selbstverständlich, dass sich die Herren da nicht lange bitten lassen und nur allzu gern wieder ihren Weg zurück auf die Bretter der Zeche finden. Allen voran Dero, welcher mit reichlich Kunstblut im Gesicht, einem Zylinder und passender Mimik, zu „Kleinstadtboy“ ein weiteres Mal den Psychopathen gibt. Das umstrittene „Gott Ist Ein Popstar“ beschließt Zugabe-Block und Set dann, doch haben „Oomph!“ mit einem letzten, kleinen Titel noch eine Überraschung parat. „Dankeschön“ nennt sich das charmante Stück Musik und nach einigen Verbeugungen, verlässt die Formation den vor Begeisterung kochenden Saal. Ein Jubiläum, wie es sein sollte!

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