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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Steve Naghavi - „Live & Relaxed"-Tour - Matrix, Bochum - 06.04.2017


Veranstaltungsort:

Stadt: Bochum, Deutschland

Location: Matrix (The Tube)

Kapazität: ca. 700

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Ja

Homepage: http://matrix-bochum.de/startseite.html

Einleitung:

Nach einigen Runden auf dem Parkplatz des nahegelegenen Supermarkts, kommt das Auto endlich auf einem der wenigen freien Parkplätze langsam zum stehen. Einige Fahrer nach mir haben weniger Glück und freuen weiter ihre Runde, auf der Suche nach einem Stellplatz. Kein Wunder, es ist Donnerstag Abend und ein nicht unerheblicher Teil der Ortskundigen will nach dem Feierabend noch schnell die restlichen Einkäufe von der Liste streichen. Es ist etwa 19.00 Uhr, ich befinde mich in Bochum Langendreer und liege für den Besuch des heutigen Events somit äußerst gut in der Zeit. Dass das längst nicht auch für alle übrigen Gäste gelten muss, offenbart sich mir, als ich langsam um den Komplex herumgehe und mein Blick schlagartig auf den Eingang der Lokalität fällt. Vor diesem haben sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht einmal dreißig Personen eingefunden, der Einlass scheint trotz den vorherigen Informationen noch nicht erfolgt zu sein. Mit einem weiteren Blick auf die Uhr, kann ich mich guten Gewissens entspannen und entscheide mich, wie auch schon vor dem Konzert von "Heldmaschine" im vergangenen Jahr, für einen abendlichen Snack bei "Bruno's Imbiss". Typisch für das Ruhrgebiet, lasse ich mir hier das klassische Kohlenpott-Gedeck, bestehend aus Currywurst und Pommes mit Mayonnaise, servieren. Dieses Mal jedoch in weiser Voraussicht und damit ohne den wählbaren Schärfegrad leichtsinnig anzuziehen. Als ich meine Portion auf die Ablage des Stehtisches vor mir abstelle, sehe ich abermals zu den wartenden Fans hinüber. Mittlerweile haben sich die Türen geöffnet und gesitteten Schrittes treten die Ersten ein. Ja, ich stehe unmittelbar vor dem angesehenen Kult-Club "Matrix" und nicht etwa vor einer großräumigen Halle mit sakralem Vorderbau im Zentrum der Innenstadt. Warum? Weil tatsächlich exakt der unrühmliche Zwischenfall eingetreten ist, welchen ich bereits weit im Vorfeld hervorzusehen geglaubt habe. Ungefähr seit Beginn des aktuellen Jahres häufen sich die Ereignisse und kein Ende scheint in Sicht. Was sich zuerst nur vereinzelt und schleichend anbahnte, ist in den letzten Monaten beinahe zum tragischen Standard geworden. Wie sich in den letzten, fast schon zu berechnenden Mustern langsam aber sicher abzeichnete, ist das Prinzip dabei immer das gleiche. Zuerst werden Konzerte in einer der zahlreichen Locations dieser Region angekündigt und der Vorverkauf läuft regulär an. Soweit der gewohnte Ablauf und nichts beunruhigendes. Doch dann verbreiten sich einige Wochen vor der jeweiligen Veranstaltung über die Kanäle der einzelnen Künstler, Labels oder Örtlichkeiten selbst, erste Informationen über eine Verlegung in eine andere Venue oder sogar gänzlich andere Stadt. Ein unglücklicher Umstand, der insbesondere für Gäste mit einer weiten Anreise zwangsweise zu teils untragbaren Nebenkosten und umständlichen Neuplanungen führt. Der Grund dafür ist innerhalb der Branche mittlerweile längst bekannt und dadurch aber nicht weniger schockierend: Der lokale Veranstalter "Killpop Events GmbH" hat endgültig Insolvenz angemeldet. Lange Jahre engagierte sich das Team aktiv in der Szene und holte den treuen Fans ihre Lieblingsbands direkt in unmittelbare Nähe. Doch birgt dieses wandel- und unberechenbare Business immer wieder auch ein nicht zu verachtendes Maß an möglichen Risiken, teilweise hervorgerufen durch eventuelle Fehleinschätzungen und Verkalkulierungen. Ein derzeit scheinbar unüberwindbarer Teufelskreis. Zur großen Erleichterung der Ticketinhaber müssen die Shows dennoch nicht entfallen, wenngleich das investierte Geld verständlicherweise nicht zurückerstattet werden kann. Die Konzerte werden also vorzugsweise zu gewissen Anteilen in die eigenen Räumlichkeiten verlegt, um möglichst kostengünstig operieren zu können. So wurde etwa Anfang März die Unplugged-Session der Formation "Solar Fake", von der Christuskirche in die Tube der "Matrix" verlegt und das innovative "Neon"-Projekt der Folk-Metaller "Subway To Sally", erst eine Woche zuvor wiederum von der "Lichtburg" Essen in die Christuskirche Bochum. Die Acts arbeiten dabei eng mit dem Veranstalter zusammen und verzichten dabei auf einen Großteil ihrer Gage, um den Besuchern trotz der akuten Situation ein unvergessliches Erlebnis bereiten zu können. Meinen tiefen Respekt an beiden Seiten dafür! Auch wenn ebenjene befürchteten Neuigkeiten für den heutigen Abend in den letzten Wochen ausblieben und vorerst dementiert wurden, folgte am gestrigen Nachmittag das zugegeben sehr kurzfristige Statement, samt neuem Spielort. Für viele potentielle Besucher vielleicht zu kurzfristig, befindet sich der Club im Vergleich zur ursprünglichen Stätte auf dem Stadtplan doch um einiges weiter entfernt. Die verworrenen Straßenbauarbeiten tuen, ohne das nötige Wissen über alternative Routen, ihren gewissen Teil dazu bei. Kurz bevor ich die Tore passiere, kommt mir ein Paar mittleren Alters zuvor und blickt sich suchend um. "Hm, hier muss es doch sein?", fragt der Mann und schaut zur Sicherheit nochmal auf seine Eintrittskarte. Als die beiden endgültig sicher zu sein scheinen, treten sie ein und erkundigen sich an der Kasse. "Entschuldigung, wir wollten gerne zu Steve Naghavi. Sind wir hier richtig? Warum wurde denn das Konzert eigentlich verlegt?". "Das hätte sich sonst nicht gerechnet.", entgegnet das Sicherheitspersonal knapp. Verzehrkarten werden am heutigen Abend ebenfalls nicht wie sonst üblich ausgeteilt. Als ich die steilen Treppen in die Katakomben hinuntersteige, fällt mir als erstes auf, dass der große Bereich mit den Sitzgelegenheiten im Dunkeln liegt und von einem großen Vorhang abgetrennt wird. Ein paar Stufen weiter unten, ein ähnliches Szenario. Dort, wo sonst der Merchandising-Stand errichtet ist, herrscht nun ungewohnt gähnende Leere. Als ich um die Ecke zum Saal biege, sehe ich die erste und einzige geöffnete Theke, welche mit ganzen zwei Personen besetzt ist. Völlig ausreichend, wie sich noch herausstellen soll. Als ich den langen Tunnelgang betrete, machen sich Verwunderung und Ernüchterung gleichermaßen breit: Zwar wurde der Saal dankbarerweise hinreichend bestuhlt, allerdings füllen die Reihen gerade einmal knapp die Hälfte aus. Das eigentliche Fassungsvermögen beträgt mit seinen Kapazitäten von rund siebenhundert Plätzen allerdings weitaus mehr.

Steve Naghavi:

Pünktlich um 20.15 Uhr, also direkt zur besten Sendezeit, erklingt aus den omnipräsenten Boxen ein unüberhörbarer Gong, hallt fortan durch die verschachtelten Gänge und kündigt somit äußerst stilvoll und in bester Theater-Manier den jähen Beginn eines langen Abends an. Das schummerige Licht in der sogenannten Röhre wird allmählich gedimmt, bis der längliche Veranstaltungssaal nahezu in vollkommener Dunkelheit liegt. Ein Großteil der anwesenden Gäste hat bereits innerhalb der feinsäuberlich errichteten Stuhlreihen Platz genommen, doch noch soll erst ein wenig Zeit verstreichen. Einige wenige Besucher stehen an der ungewohnt spärlich besetzten Bar, dessen Personal allerdings für das heutige, recht limitierte Besucheraufkommen genau angemessen kalkuliert wurde. Plötzlich öffnet sich eine Tür an der linken Seite, aus welcher nun vereinzelte Backstage-Gäste hervortreten und durch den freien Pfad in der Hallenmitte ihre reservierten Plätze direkt vor der Bühne einnehmen. Freie Stellen gibt es in der zur Hälfte bestuhlten Matrix lediglich lückenhaft, die Anzahl der georderten Sitzgelegenheiten scheint mehr als ausreichend. Ein kleiner Teil an Nachzüglern zieht die beiden seitlich gelegenen Bänke am Ende des Ganges oder einen ruhigen Stehplatz vor. Trotz der Verlegung haben offenbar alle Ticketinhaber den verhältnismäßig weiten Umweg von der zentral gelegenen Christuskirche zum Stadtteil Langendreer gefunden, zumindest sind keine auffälligen Unruhen zu verzeichnen. Obwohl inzwischen fast fünfzehn Minuten verstrichen sind, bleibt es im Publikum nahezu verdächtig still. Keinerlei unangemessene Zwischenrufe durchsieben die von Spannung erfüllte, zugegebenermaßen leicht drückende Luft. Keine Unruhe, kein Unmut macht sich in der abgedunkelten Lokalität breit. Ab und an ist ein sanftes Tuscheln aus der ein oder anderen Ecke zu vernehmen, ansonsten ist es merkwürdig ruhig. Bochum scheint sich das kommunizierte Konzept offenbar tief verinnerlicht zu haben, bleibt fast lautlos und tatsächlich merkbar entspannt. Nach einer Viertelstunde, die sich für einen Großteil der Anwesenden wie eine halbe Ewigkeit angefühlt haben dürfte, soll es dann aber auch endlich soweit sein. Ein intensives Vibrieren macht sich in den weiten Katakomben breit. Erst kaum spürbar, doch dann immer mehr, steigt die dumpfe Tonlage langsam zu einem seltsam bedrohlichen Grollen an. Diese mischt sich zu einem beständigen Rauschen und mündet schließlich in einem mystisch gehauchten, wohlbekanntem Sample. Dichte Nebelschwaden ziehen auf, während dunkelblaue Lichtkegel umherkreisen und das Geschehen zögerlich aufhellen. Mit einem Mal schälen sich zwei Schatten aus der Düsternis, nach und nach werden die schemenhaften Umrisse zweier Personen klar sichtbar. Eine davon begibt sich beständigen Schrittes sogleich hinter das weiß gerahmte Keyboard-Stativ, welches dicht am vorderen Bühnenrand positioniert ist. Die andere Gestalt hält sich zunächst noch dezent im Hintergrund und nähert sich erst zu den anfänglichen Takten des eröffnenden "Sexkeit", mit bedächtigen Schritten dem fahlen Schimmer der Scheinwerfer. Es sind unverkennbar Multiinstrumentalist Nico Wieditz und "And One"-Frontmann Steve Naghavi, welche erst nach dem letzten, verklungenen Ton des Openers respektvoll und warmherzig von ihrem Publikum begrüßt werden. "Was ist los hier? Ich werde mich mal kurz setzen, wenn's okay ist.", begrüßt der Sänger die applaudierenden Fans verwundert und nimmt auf einem Barhocker in der Mitte Platz. Nun gibt die Technik auch den Blick auf das übrige Ambiente frei: Neben einer schwarzen Ledercouch, einer großen Topfpflanze und dem warmen Schein einer Tischlampe, gehört auch eine hölzerne Kommode im 60er-Jahre-Stil zum Interieur. Darauf flirrt das Testbild eines alten Röhrenfernsehers. Gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre mitten in der Matrix!

"Merkt es euch, so werdet ihr mich lange nicht mehr sehen. Liebes Bochum... Danke, dass ihr den Weg in die Matrix geschafft habt, auch wenn es ein bisschen kurzfristig war. Das ist aber auch irgendwie ein komischer Name, oder? Klingt ein bisschen wie "Matrix und Obelix", h