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  • Christoph Lorenz

Phil Collins - „Not Dead Yet!"-Tour - Lanxess Arena, Köln - 15.06.2017


Veranstaltungsort:

Stadt: Köln, Deutschland

Location: Lanxess Arena

Kapazität: ca. 20.000

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Ja

Homepage: http://www.lanxess-arena.de/startseite.html

Vorwort:

Es ist Donnerstag, der 15.06.2017. Und erfreulicherweise hat die sonst so rege Arbeitswelt heute mitten unter der Woche eine kurzzeitige Pause im Kalender der Allgemeinheit zu verzeichnen, denn es ist Feiertag, um genauer zu sein Fronleichnam. Während die freien Stunden von einem nicht unerheblichen Großteil vorausschauend zur zwischengeschobenen Erholung genutzt werden, habe ich mich hingegen bewusst gegen die scheinbar allerorts herrschende, vorzeitige Sonntagsstimmung entschieden und stattdessen geplant, meine Reserven anderweitig wieder aufzutanken. Wobei hier und heute von einem wirklichen Plan eigentlich auch gar nicht die Rede sein kann, immerhin festigte sich meine zuerst zunächst zögerliche Entscheidung wieder einmal eher spontan und zudem aufgrund einer äußerst glücklichen Fügung. Vergangenen Dezember sollte sich diese nämlich noch deutlich schwerer gestalten, als vor ein paar Tagen. Wie es zu dieser kalten Jahreszeit nämlich mittlerweile üblicher Brauch zu sein scheint, stand ich, wie nahezu jeder andere Feiertagsgetriebene auch, unmittelbar vor Heiligabend plötzlich nicht nur zwischen diversen Geschenkideen und überfüllten Kaufhäusern, sondern wusste vermutlich zum allerersten Mal in diesen Tagen zudem nicht so recht weiter. Vielleicht auch gerade deswegen, weil es einem mit steigendem Alter nicht mehr primär darauf ankommt, welche Päckchen unter dem Christbaum man denn nun genau freudestrahlend aufreißen darf, sondern viel mehr darauf, welche Freude man dem jeweils anderem im Gegenzug dafür machen kann. Wenn ich beim schreiben dieser Zeilen jetzt einmal ganz ehrlich zu mir selbst bin, habe ich in der Vergangenheit nie sonderlich viele Gedanken daran verschwendet. Wahrscheinlich auch gerade deswegen, weil ich den Sinn und Wert dieser ganz speziellen Zeit seit nunmehr einigen Jahren mit einem gänzlich anderen Maß messe, als es der offensichtliche Löwenanteil der scheinbar nimmermüden (Konsum-)Gesellschaft tut und ich darüber hinaus auch ganz sicher weiß, dass es die beiden zu Beschenkenden ebenfalls aufrichtig tun und mir dies auch nie anders vorgelebt hätten. Was also soll man nun zwei Personen schenken, denen bei nahezu jedem gegebenen Anlass der, zugegeben nicht sehr hilfreiche, Satz "Ich brauche nichts!" fast schon wie vorprogrammiert auf den Lippen liegt? Aber auch in dieser Angelegenheit bin ich vermutlich nicht anders gepolt und so gestaltet sich jeder klassische Festtag zu einem kleineren oder eben machmal größeren Rätsel. Möchte man genügsamen Personen zu solchen Anlässen ab und mal an eine kleine Freude machen, ist es aber keineswegs so, dass man wahnsinnig viel falsch machen oder mit der Wahl gar meilenweit daneben liegen könnte. Im Gegenteil, oft scheint hier schon die kleinste Kleinigkeit zu viel des Guten zu sein und dennoch habe ich die letzten Jahre immer wieder nach dem einen, ganz besonderen Geschenk Ausschau gehalten, dessen Zauber nicht schon nach dem bloßen Öffnen der ungeschickt eingewickelten Packung verfliegt, sondern viel mehr noch für sehr lange Zeit, möglichst für immer, bleibt. Will man auf seiner Suche jedoch irgendwann einmal fündig werden, genügt es nicht, einfach nur schnellen Schrittes durch die heimische Innenstadt von A nach B zu hetzen, um dem nächstbesten Fließband-Franchise sein sauer Verdientes in die Kassen zu spülen. Nein, viel mehr braucht es manchmal einfach nur Geduld, ein wachsames Auge und den richtigen Zeitpunkt dazu. Diesen kann man nicht einfach spontan einen Tag vor dem obligatorischen, vierundzwanzigsten Dezember heraufbeschwören. Manchmal muss man einfach nur warten. Auch und insbesondere dann, wenn es nicht einfach nur ein paar Stunden, Tage oder Wochen, sondern eben Jahre sind. Dass exakt dieser Zeitpunkt unversehens gekommen ist, merke ich direkt. Nämlich genau dann, als ich morgens mit verschlafenen Augen die bunten Anzeigen der örtlichen Tageszeitung überfliege und mir ein wohlbekanntes Gesicht verschmitzt zulächelt. Es ist Phil Collins. Sichtlich gealtert, aber noch immer unverkennbar. "Not Dead Yet" steht in dicken Druckbuchstaben darüber - "Noch nicht tot". Irgendwie muss ich angesichts dieses selbstironischen Galgenhumors kurz lächeln, bedenkt man doch, wie drastisch sich der Gesundheitszustand des legendären Sängers in den letzten Jahren doch verändert hat. Unmittelbar daneben sind zwei Daten und der jeweilige Austragungsort aufgeführt: 11. / 12.06.2017 - Köln, Lanxess Arena. Ich überlege keine einzige Sekunde. Bingo! Immerhin sind meine Eltern, die es hiermit zu beschenken gilt, glühende "Genesis"-, wahrscheinlich aber noch größere Collins-Fans. Sie haben von früher noch ausnahmslos jede Platte auf Vinyl, wippen zu den Songs im Radio nach wie vor freudig mit und haben die Band in ihrer Originalbesetzung zuletzt vor weit über zwanzig Jahren live gesehen. Was könnte also passender sein? Ich speichere mir Datum und Uhrzeit für den anstehenden Vorverkauf in die Notizen meines Handys ein. Jetzt bleibt mir nichts anderes als Abwarten übrig. Als ich mich gut eine Woche später überpünktlich beim Ticketanbieter Eventim" einlogge und via Verlinkung direkt um zehn Uhr durchkomme, blicke ich beim analysieren der Preise fassungslos auf den Bildschirm. Das es nicht gerade günstig werden würde, war mir bereits von Vornherein klar. Aber das? Die günstigsten Karten liegen bei fast hundert Euro, dafür sitzt man in den letzten Reihen des Oberrangs und wer schon einmal selbst in der Lanxess Arena war, kann die gegebenen Dimensionen einigermaßen einschätzen und weiß auch, dass man von dort aus ohne Opernglas, Feldstecher oder Fernrohr nicht viel mehr als winzige Lichtpunkte vom Künstler selbst sehen kann. Möchte man im komplett bestuhlten Innenraum Platz nehmen, müssen erst noch einige Scheine gleichen Wertes draufgelegt werden und ein exklusives Paket mit verfrühtem Einlass, Buffet und Soundcheck gibt es sogar auch noch. Für sage und schreibe sechshundert Euro pro Person. Sechshundert! Fassungslos logge ich mich vorerst wieder aus und überlege, was man tun könnte... Ohne die leiseste Ahnung, dass ich nur knapp zwei Wochen später noch mehr ausgeben würde.

Nur wenig später sind beide Konzerte restlos ausverkauft... Was zur erwarten war. Dafür werden mit dem 14., 15. und 16.06. noch kurzerhand drei Zusatztermine hinzugefügt... Was zu erwarten war. Leider sind Konzerte unter der Woche für Berufstätige generell eine mehr als unentspannte Angelegenheit. Besonders dann, wenn man nicht mal eben spontan Urlaub einreichen kann oder aus der unmittelbaren Nähe des Veranstaltungsorts kommt. Es bleibt also lediglich der wohl begehrteste Tag, der 11.06.2017, ein Sonntag. Merke: Wenn man möchte, dass es ein schönes Ereignis wird, muss man zumindest in diesem Sektor unweigerlich tief in die eigene Tasche greifen und wenn man dann noch zusätzlich nicht möchte, dass die Beschenkten dieses in schwindelerregender Höhe in der letzten Holzklasse durchleben müssen, sogar noch um einiges mehr. Von da an machen "eBay", "Facebook" und die offizielle Homepage der Lanxess Arena einen Großteil meines täglichen Suchverlaufs an Computer und Smartphone aus. Zahlreiche Angebote werden durchforstet, Preise verglichen und Telefonate geführt, bis ich dann vermehrt einen Blick auf den in "Eventim" integrierten Service namens "FanSale" werfe. Immer wieder in der unerschütterlichen Hoffnung, dass wie üblich doch noch ein paar Plätze frei werden. Dass ich mich dabei auf einen bestimmten Tag festlegen und gleich zwei zusammenhängenden Tickets im Unterrang beschränken muss, macht es nicht gerade einfacher. Doch dann werde ich in genau dieser Kombination endlich fündig. Über diese Plattform können Käufer ihre bereits erworbenen Karten problemlos wieder weiterverkaufen, etwa wenn sie terminlich oder gesundheitlich verhindert sind. Quasi von Fan zu Fan. Anders als bei vergleichbaren Portalen, geht das Angebot dabei nicht an den Meistbietenden, sondern wird von dem Inhaber mit einem Festpreis belegt. Das System prüft dann im Sinne des Interessenten nach, ob der Kauf authentifiziert und der Preis gemessen am Original fair ist. Das entsprechend signalisierende Symbol in Form eines bejahenden Hakens, gibt mir Aufklärung darüber und so wähle ich den Eintrag erleichtert an, nur um wenige Sekunden später ein weiteres Mal ungläubig auf den Bildschirm zu starren. Über dreihundert Euro wird hier für einen Sitzplatz im Unterrang mit guter Sicht verlangt, was in etwa dem Doppelten der vorherigen Einstufung entspricht. Kaufte ich die beiden Karten zusammen, entspräche das einer Summe von gut siebenhundert Euro. Skeptisch und mittlerweile leicht gereizt, nehme ich abermals den abgebildeten Haken in genauen Augenschein und direkt danach die blaue Raute mit der grafischen Visualisierung eines Handshakes - "Fairer Deal"! Wenn es nicht so offensichtlich unverschämt und dreist wäre, hätte ich darüber wahrscheinlich müde gelacht. Wohl aber auch, weil ich dann wie sonst üblich schon lange gültige Tickets vor mir auf dem Tisch liegen hätte, die preislichen Dimensionen beruhigt mit einem verständnislosen Kopfschütteln abtun und einfach sagen könnte, "Wer gibt denn bitte so viel Geld dafür aus?". Leider ist dem dieses Mal nicht so und zwar kein einziges bisschen. Eine ungeschriebene Regel besagt: Je länger man über eine bestimmte Sache nachdenkt, umso komplizierter wird sie. Warum? Weil sich einem dadurch nicht nur mehrere Lösungsmöglichkeiten, sondern allen voran auch zuerst ungeachtete Risiken eröffnen. Ganz sicher nicht immer die höchste Erfolgsquote, dafür aber definitiv den meisten Spaß, hat man, wenn man gegenteilig dazu handelt, seine gewohnten Abläufe einmal gänzlich ablegt und den Kopf für einen kurzen Moment einfach ausschaltet. Wie eigentlich immer im Leben entstehen die besten und denkwürdigsten Momente meist genau dann, wenn man sich nicht ständig um die ideale oder grundlegend richtige Lösung müht und sind ab einem gewissen Punkt einfach die logische Folge eines blitzartigen Anfalls aus Spontanität, Kontroll- und Realitätsverlust, Leicht- und Wahnsinn. Gelegentliche Unvernunft tut gut! Vielleicht, weil sie vom sonst so sorgsam durchstrukturierten Handeln und der eigentlich maximal langweiligen Spießer-Alternative abweicht, Flucht vor dem Gewöhnlichen und tristen Alttag bedeutet. Genau so, wie dieses Geschenk auch bei seinem Empfänger wirken soll. Einmal völlig sorglos sein, alle Probleme vergessen, Freude haben, lachen, leben. Einfach mal nicht bloß denken, sondern stattdessen machen. Mit diesem Gedankengang betätige ich den "Kaufen"-Button, trage meine Daten in die jeweils dafür vorgesehenen Felder ein und muss die getätigten Eingaben abschließend nur noch kurz bestätigen. Also überfliege ich die erstelle Rechnung und bleibe plötzlich beim Endpreis hängen. Anstelle der vereinbarten siebenhundert Euro, steht jetzt ein Betrag von rund Achthundert. Eine erneute Prüfung bringt schließlich die Lösung. Bei jedem Kauf über den Dienst "FanSale" wird, ähnlich der gewohnten Vorverkaufsgebühr, eine Service-Pauschale für die durchgeführte Abwicklung berechnet, welche sich durch einen gewissen Prozentsatz der gekauften Tickets ergibt. Will also heißen: Je höher der Preis des jeweiligen Angebots, desto höher der Betrag der zu entrichtenden Gebühr. Da ich selbst mich beim Kartenkauf glücklicherweise noch nie zuvor in einem ähnlichen Rahmen bewegen musste und es in derartigen Kostenregionen quasi sowieso schon nicht mehr wirklich darauf ankommt, zucke ich nur noch mit den Schultern. Gerade der schöne Gedanke daran, auf diese doch sehr besondere Art endlich etwas Angemessenes für all die Jahre zurückgeben zu können, ist es schon dreifach wert und gleichsam stärker, als selbstsüchtig dem eigenen Weihnachtsgeld hinterherzutrauern. Das kommt ja immerhin ein Jahr später wieder, eine derartige Gelegenheit jedoch nicht. Vielleicht sogar nie wieder. Diese große Chance aus derart niedrigen Beweggründen ungenutzt zu lassen, wäre um einiges schlimmer und diesen einen Moment könnte ich mir, wie ich mich kenne, nie wieder verzeihen. Als ich den Kauf mit einer plötzlich aufkommenden, protestantischen "Jetzt-erst-recht"-Haltung endlich bestätige, muss ich erleichtert und zufrieden lächeln. Geschafft! Irgendwie fühle ich mich kurzzeitig wie der Weihnachtsmann 2.0 und Jochen Schweizer in einer Person. Ich werde dieses Mal zu Weihnachten keinen bloßen Gegenstand vom Fließband, keinen bald vergessenen Staubfänger fürs Regal, aber auch eben keinen einfachen Gutschein von einer Website verschenken. Ich werde ein Erlebnis verschenken. Eines, das für die Beschenkten hoffentlich so einmalig schön wird, wie ich es mir seit Wochen in meinen Gedanken ausmale. Eines, das für immer bleibt.

Einleitung:

Das alles schießt mir wie eine umfangreiche Rückblende durch den Kopf, als ich schließlich im ICE auf dem Weg nach Köln-Deutz sitze. Wieder einmal hatte der Zug Verspätung und wieder einmal ist es unglaublich voll auf Gleis 3 des Bochumer Hauptbahnhofs. In etwa so wie jedes einzelne Mal, wenn ich mich von dort aus auf den Weg in die Rheinstadt mache. Egal ob morgens oder abends, egal ob unter der Woche oder am Wochenende. Nur ist das alles heute weitaus weniger schlimm, denn anders als sonst, habe ich mich dieses Mal bewusst gegen den RE entschieden. Erst als ich dann auf meinem Platz sitze, bemerke ich langsam, für wie viel Entspannung dieses kleine Luxus-Upgrade doch eigentlich sorgen kann. Zwar habe ich diesen zuvor nicht reserviert, eine kleine LED-Anzeige über meinem Kopf verrät mir aber, dass ich zumindest bis zum Ausstieg Ruhe haben werde. Darüber hinaus ist das Abteil nicht wirklich voll, eher ziemlich leer. Eine angenehme Abwechslung zum sonstigen Geschiebe. Vielleicht sollte man sich das auch in Zukunft einfach hin und wieder mal selbst erlauben. Entspannt hole ich meine Kopfhörer hervor und drücke auf den Knopf meines sichtlich veralteten, aber dafür immer noch einwandfrei funktionierenden MP3-Players. Für die anstehende Fahrt habe ich mir extra eine kleine "Gute-Laune"-Playlist mit ausgewählten Hits der offiziellen Single-Collection von Phil Collins zusammengestellt. So pflege ich das eigentlich immer zu tun, wenn ich mich ganz besonders auf ein Konzert freue, um vorab in die richtige Stimmung zu kommen und vor allem auch, um danach noch eine ganze Weile in der zuvor geschaffenen Euphorie-Blase bleiben zu können. Es ist dieses unbeschreiblich befreite Gefühl, welches eigentlich schon mit dem Betreten der Halle beginnt, sich im weiteren Verlauf des Abends kontinuierlich steigert und einen zum Abschluss bestenfalls auf dem Höhepunkt der positiven Gefühle zurücklässt. Dieses gemeinsame Ziel haben und teilen sich Musiker und Fan in der Regel. Ist diese Etappe erreicht, kann man sich sicher sein, eine wirklich umwerfende Show mit allen Sinnen gesehen, gehört und gefühlt zu haben. Mit der steigenden Zahl am Erlebten, ist die Wahrscheinlichkeit dafür jedoch nicht gerade gering, dass es mit der Zeit immer schwieriger wird, in diesen Zustand zu kommen. Vielleicht ist es manchmal einfach nur Übersättigung, vielleicht sind Kopf und Herz aber auch manchmal nicht offen und frei genug dafür. wie oft kommt dann noch etwas zusätzlich dazwischen? Sei es reiner Alltagsstress, die eigene Gesundheit, das Wetter, Probleme bei der Anfahrt oder beim Einlass, ein Platz mit eingeschränkter Sicht, schlechtem Sound oder andere, rücksichtslose Gäste in unmittelbarer Nähe... Es sind also jedes Mal wieder wirklich viele, unberechenbare Faktoren, die in ihrer Summe darüber entscheiden, ob der Abend gelingt, auf die man aber gleichzeitig schlicht keinen Einfluss hat. Alles was man tun kann, ist, sich ein Ticket zu kaufen und zu hoffen, dass es schön wird. Am ehesten besteht die Möglichkeit dazu, wenn man den jeweiligen Act bisher verhältnismäßig selten oder noch gar nicht gesehen hat und es somit fast unabhängig von allen genannten Eckpunkten zu dem wird, was es eigentlich auch sein sollte. Etwas Besonderes. Und wenn ich mir jetzt so die strahlenden Augen der Beschenkten auf dem Foto ansehe, welches ein Sitznachbar beim Konzert von ihnen gemacht hat, scheint es das auf jeden Fall gewesen zu sein. Ich habe mir seit Dezember nichts anderes für sie gewünscht. Und dabei sah ich noch knapp eine Woche zuvor meinen harmoniebedürftigen Wunsch in sich zusammenfallen, als am 07.11.2017, also insgesamt nur vier Tage vor dem Auftakt in der Lanxess Arena, besorgniserregende Meldungen im Internet ihre Runde machten: In der Vornacht war Collins in seinem Hotelzimmer in London gestürzt und hatte sich verletzt, musste noch in derselben Nacht ins Krankenhaus. Zugegeben, es hätte wohl beruhigendere Neuigkeiten geben können. Dennoch war der unerschütterliche Vorsatz des Sechsundsechzigjährigen, das angesetzte Show-Quintett unbedingt spielen zu wollen. Eine Absage sollte es nicht geben. Und tatsächlich gab es sie auch nicht. An dieser Stelle meinen allerhöchsten Respekt und größten Dank dafür! Von solch einem unbeirrten Einsatz könnte sich manch anderer Künstler in deutlich besserer Verfassung eine gehörige Scheibe abschneiden. So hat Collins bei einem seiner vermutlich letzten Deutschland-Konzerte genau das geschenkt, was auch ich zu Weihnachten verschenken wollte: Freude.

Dass das allgemeine Feedback in den sozialen Medien und auch vor Ort selbst überwiegend positiv aus ausgefallen ist, bemerke ich schon wenig später, als ich, mittlerweile die letzten Klänge von "Don't Loose My Number" auf den Ohren, mit dem Zug an der Station des Messegeländes einfahre. Direkt in der Eingangshalle tummeln sich einige Personen, die sich ob ihrer Tour-Shirts als Fans zu erkennen geben und offensichtlich schon eines oder mehrere der fünf Konzerte besucht haben. Während ich an der Kasse des gut gefüllten "Subway"-Stores auf meine Bestellung des sichtlich überforderten Mitarbeiters warte, lausche ich ihren euphorischen Gesprächen, was meine eigene Vorfreude merkbar zu steigern weiß. Nachdem ich in Ruhe gegessen habe, räume ich mein leeres Tablett in das schmale fache des dafür vorgesehenen Wagens und trete nach draußen. Obwohl langsam graue Wolken am Himmel aufgezogen sind, ist die Luft sonderbar stickig. Sofort werden Erinnerungen an das vergangene Amphi Festival wach, irgendwie ist es in Köln immer warm. Immer. Vom Deutzer Bahnhof ist es jetzt gar nicht mehr weit zum Zielort. Wenn man sich ein wenig beeilt, ist man gute zehn Minuten später schon auf dem Gelände. Gemeinsam mit einigen anderen Besuchern, die jetzt beständig immer mehr zu werden scheinen, pilgere ich den langen Weg auf der linken Straßenseite hinauf. Die kleine Brücke erstmal passiert, bietet sich dem aufmerksamen Auge von der höhergelegenen Plattform aus definitiv ein ansehnlicher Ausblick über den Stadtteil. Nun sind es nur noch wenige Meter. Am großen Parkhaus vorbei, erblicke ich schon einige Schwarzhändler, die selbstgedruckte Shirts zu kleinen Preisen anbieten und auch einige Suchende sind zu sehen, die kleine Pappschilder in die Höhe recken. Anders als sonst üblich, zeigen die dicken Edding-Buchstaben auf diesen allerdings nicht "Biete Karte!", sondern "Suche Karte!". Ob für sich selbst oder zum erneuten Verkauf, sei mal dahingestellt. Mitten auf dem Weg steht ein Straßenmusiker mit einer Gitarre und covert innbrünstig "Dance Into The Light". Selbst das ist heute gänzlich anders als sonst, denn es klingt verdammt cool und er hat sichtlich Spaß dabei, wenngleich die meisten Besucher achtlos vorbeigehen. Als plötzlich leichter Regen einsetzt, stelle ich mich an einem der umliegenden Gebäude-Komplexe unter, sortiere vorsorglich meine Tasche nochmals für die anstehende Kontrolle durch und werfe dabei einen Blick auf mein Ticket: Block 216, Reihe 7, Platz 21. Vor den jeweiligen Eingängen haben sich mittlerweile schon erheblich lange Schlangen gebildet und da ich ungern minutenlang im Regen anstehen möchte, nur um im Anschluss wieder weggeschickt zu werden, halte ich bereits im Schutz der Überdachung Ausschau nach der richtigen Position. Ich habe ziemliches Glück, denn der mir zugewiesene Zugang liegt direkt gegenüber, weswegen ich im Gegensatz zu vielen anderen den absoluten Luxus genieße, die breite Lanxess Arena nicht erstmal komplett durchnässt umrunden zu müssen. Leicht aufgeregt reihe ich mich anständig ein und warte auf den Einlass, der nun immer näher heranrückt. Während ich schon in Gedanken an die kommenden Stunden schwelge, meldet sich auf einmal einer der Sicherheitsbediensteten zu Wort: "Entschuldigung? Alle kurz herhören, bitte. Halten Sie ihre Taschen schon einmal bereit und öffnen diese. Wir arbeiten hier zusätzlich noch mit Metalldetektoren, also räumen Sie bitte alle Gegenstände dieser Art aus und halten diese hoch, damit wir sie sehen können und alles reibungslos abläuft. Danke!". Gesagt, getan. Wie gut, dass ich in meiner kleinen Umhängetasche nur das Nötigste mitgenommen habe. Ich ziehe am Reißverschluss und gebe dem Personal zur Erleichterung eine kurze Übersicht: "Hier wären einmal mein Portemonnaie und Handy, eine Digitalkamera und Zigaretten.". "Alles klar, Danke. Und einmal bitte die Arme weit auseinander machen...", fordert der freundliche Mitarbeiter. Ich lasse mich geduldig abtasten und bekomme grünes Licht. An der verglasten Doppeltür angekommen, krame ich den Umschlag mit meiner Eintrittskarte hervor, die auch sogleich gescannt wird. "Super. Viel Spaß!", wünscht mir die Security-Dame und lässt mich vorbei. Ich bedanke mich fröhlich und schon stehe ich im weiten Rund Deutschlands größter Veranstaltungshalle. Es ist exakt auf die Minute 18.00 Uhr und dennoch tummeln sich schon unzählige Wartende in den Gängen. Die Türen ins Innere des Saals sind allesamt verschlossen, wie ich nach einem prüfenden Rütteln an einer dieser schnell bemerke. Nicht schlimm, immerhin gibt es hier mit Sicherheit noch genug zu entdecken! Bereits nach wenigen Metern, sehe ich die erste Menschentraube, die sich vor einer der zahlreichen Theken zwischen den Eingängen versammelt hat. Neben standardisierten Imbiss-Speisen, wie Pommes, Brezeln und Bratwurst, gibt es natürlich auch das obligatorische Kölsch zu kaufen und das an nahezu jeder Ecke. Auf dem Weg zur großen Ansammlung, laufe ich fast in einen der mobilen Bier-Verkäufer, der mit seinen sekündlichen "Gilden-Kölsch! Willst du ein Gilden-Kölsch?"-Rufen eigentlich weder zu überhören noch zu übersehen ist. Ich lehne dankend ab und erkenne den Grund des Aufruhrs, den ich mir ob meiner Erfahrung eigentlich schon hätte denken können. Die Antwort: Merchandising. Aus irgendwelchen Gründen scheinen es alle ganz eilig zu haben, sich ihr persönliches Andenken mitzunehmen und davon gibt es einige. Neben zahlreichen T-Shirts, unter anderem mit dem offiziellen "Not Dead Yet"-Motiv, einem "Susudio"-Schriftzug in College-Optik oder dem Konterfei von Collins, sind auch ein "Easy Lover"-Girlie und ein Tour-Hoodie erhältlich. Doch auch an diverse Kleinigkeiten wurde gedacht und so finden auch einige bedruckte Tassen und Becher oder Schweißbänder ihren Weg zu den Besuchern. Ich gehe ein ganzes Stück weiter. Dort fällt mir ein weite