• Facebook - White Circle
  • Instagram - White Circle
  • YouTube - White Circle

NEUESTE
BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

The Prodigy - Muse - Emigrate (2018)


The Prodigy - No Tourists (2018)

Genre: Electro / Alternative

Release: 02.11.2018

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Bmg Rights Management (Warner)

Spielzeit: 38 Minuten

Fazit:

Welch kleine Kiesel einen großen Fels doch letztendlich ins Rollen bringen können: Als der Engländer Liam Howlett einst ein DJ-Set auf einer Party gab, wurde er darauf von Leeroy Thornhill und seinem Freund Keith Flint angesprochen, die seine Musik mochten und ihn daraufhin nach einem Tape fragten. Nur allzu gerne händigte er ihnen eines aus: Auf der einen Seite den entsprechenden Mix und auf der anderen Seite seine eigenen Tracks. Flint zeigte sich von der werbewirksamen Geste zunächst nur wenig begeistert, änderte seine Meinung aber schlagartig, als er sich die Songs zum ersten Mal genauer anhörte. Es sei laut eigener Aussage wie ein „Weihnachtsgeschenk, dass man sich nicht gewünscht hat“ gewesen, woraufhin er mit den Beiden unbedingt eine Band gründen wollte. Benannt nach dem bekannten Synthesizer-Modell Moog Prodigy, wobei das Wort „Prodigy“ hier so viel wie „Wunder“ oder „Wunderkind“ bedeutet, buchten sie ihren ersten Gig in London, bei welchem sie auch Keith „Maxim Reality“ Palmer kennenlernten, der daraufhin als MC mit einstieg. So gab das frisch zusammengeschweißte Kollektiv fortan landesweit einige Shows, um sich und die Musik weiter bekannt zu machen, bis Howlett die anderen Mitglieder im Dezember 1990 mit einem Plattenvertrag bei XL Recordings überraschte, unter deren Flagge nur ein Jahr später das Debüt „When Evil Lurks“ veröffentlicht wurde. Dieses enthielt unter anderem vier Breakbeat-Tracks, die auch auf der Demo zu finden waren, mit welcher sich einst um den Vertrag beworben wurde. Die beiden Singles „Charly“ und „Everybody In The Place“ wurden riesige Erfolge und auch der folgende Zweitling „Experience“ ließ die Fangemeinde wachsen, sodass man sich bei „Music For The Jilted Generation“ mit Anleihen an Funk, Industrial Rock und Hip-Hop an mutigere Experimente wagen konnte. Eine sehr gute Entscheidung, chartete der Longplayer doch sofort auf den ersten Platz der britischen Top Ten und wurde über eine Millionen Mal verkauft. Es folgten einige Auftritte auf einschlägigen Festivals, bis 1996 mit „The Fat Of The Land“, das in siebenundzwanzig Ländern die Spitze erklomm, dann der endgültige Durchbruch gelang. Nach der ersten, großen Welttournee sorgte das Video zur Auskopplung von „Smack My Bitch Up“ jedoch für derart viele Skandale und Proteste, dass Howlett wenig später bekannt gab, dass es kein weiteres Album mehr geben würde. Darauf herrschte für ganze fünf Jahre Funkstille, während der sich die einzelnen Member ihren jeweiligen Solo-Projekten widmeten und Thornhill ausstieg. Im Jahr 2004 versuchte man mit „Always Outnumbered, Never Outgunned“, welches in einer Schaffenskrise entstand und nur wenige Kritiker überzeugen konnte, ein Comeback. Begleitet von einer Single-Collection sollte mit den größten Hits der Band auch wieder getourt werden, „Invaders Must Die“ machte später wieder einiges an Boden gut und verhalf den Musikern dazu, weitestgehend zu alter Stärke zurückzukehren. Nach dem offiziellen Live-Release „World‘s On Fire“ und weiterem Touren, kam 2015 mit „The Day Is My Enemy“ der vorerst letzte Ableger in die Regale. Für den diesjährigen Herbst haben sich die Electro-Punker erneut viel vorgenommen und schicken am 02.11.2018 das achte Studioalbum „No Tourists“ in die Welt hinaus.

Die Motoren werden gestartet, das Gaspedal fest durchgedrückt... Zur bereits am 19.07.2018 veröffentlichten Single „Need Some1“ setzt sich der tonnenschwere Doppeldecker endlich von jetzt auf gleich in Bewegung, bereit zur eskalierenden Rundfahrt aus nervösen Synthesizern, stark verzerrten Sounds und einem polternden Bass. Die rasante Nummer macht ganz offensichtlich keine Kompromisse und gleicht in ihrem bewusst wirren Arrangement fast schon einem auditiven Drogentrip im absoluten Highspeed-Exzess, stets von einem catchy Sample von Loleatta Holloway im House-Style untermauert, dass in diesem größtenteils instrumental fokussierten Stück als Ersatz für Lyrics und Gesang dient. Ein klar versierter Club-Kracher! „Lightup The Sky“ lässt danach kurzzeitig poppige Allüren erahnen, überrascht aber schnell mit einem krassen Drop und bewegt sich fortan sehr basslastig durch die nächsten Minuten. Immerzu von gelegentlich eingestreuten Effekten, messerscharfen Synthie-Spitzen und den bezeichnenden Breakbeats durchsetzt, die den Sound der Briten einst so legendär machten. Ebenso gestalten sich die Abläufe beim finsteren „We Live Forever“, bis es mit dem Titeltrack „No Tourists“ kurzzeitig im eher gemäßigten Mid-Tempo vorangeht. Überhaupt sind es die vielen Avancen, die charmanten (Selbst-)Zitate und kleinen Anleihen an die Neunziger und die Hochzeit des Genres, die hier immer wieder regieren und teils für ein schönes Gefühl der Nostalgie sorgen. Das hat einerseits zwar ordentlich Wiedererkennungswert und lässt in so mancher Erinnerung schwelgen, gleichzeitig aber jegliche Innovation vermissen. Auch wenn sich die Qualität der jeweiligen Songs sowohl produktionstechnisch als auch melodiös durchgängig auf einem hohen Niveau bewegt, fehlt doch ein markanter Hit oder erinnerungswürdige Momente. Viel eher scheint es so, dass hier oftmals krampfhaft versucht wird, das Rezept oder bewährte Muster zu kopieren, um an vergangene Großtaten anknüpfen zu können. Den einstigen Pioniergeist alter Tage erreicht man so jedoch verständlicherweise nicht. Die Kollaboration mit dem Rapper-Duo „Ho99o9“ lässt bereits erahnen, wie es wohl zugehen könnte: „Fight Fire With Fire“ ist ein druckvoll wütender Stampfer und knallt dem Hörer die aggressiven Bässe nur so um die Ohren - koordinierter, überdosierter Krach, der Laune macht... Zumindest einige Male. Ein echtes Highlight folgt mit dem Betreten der „Timebomb Zone“, das von einer gepitchten Stimme eingeleitet wird und klar auf klassischem Rave basiert. Die jubilierende Hymne „Champions Of London“ zelebriert unverblümt den eigenen Legenden-Status und ist gerade wegen ihrer dichten Oldschool-Atmosphäre so gelungen, das von einem YouTube-Video-Sample getragene „Boom Boom Tap“ wagt mit überdrehtem Sound-Chaos danach wieder den beherzten Sprung in die Moderne. Die funkig groovende Essenz eines „Resonate“ gefällt, überrascht aber längst nicht mehr und endet ohne sonderlich bleibenden Eindruck, bis mit „Give Me A Signal“ und Feature-Gast Barns Courtney das große Finale naht. Hier dominiert eine gelungene Mischung aus alten und neuen Tugenden, die nochmal bestens greift und irgendwie das Gefühl hinterlässt, dass da zuvor offensichtlich doch noch etwas mehr drin gewesen wäre. So ist „No Tourists“ am Ende wirklich ein grundsolides Machwerk, dem es in seiner arg kurzen Spielzeit von unter vierzig Minuten letztlich leider zu sehr an einer eigenen Dynamik mangelt und das sich viel zu wenig traut, um eine weitere Revolution anzustoßen. Dafür ist die vorherrschende Stagnation einfach an zu vielen Stellen präsent, die einstigen Experimente gegenüber den Vorgängern hingegen zu wenig. Alle Fans greifen natürlich sowieso zu und werden mit den frischen Tunes vermutlich gut unterhalten und auch als Neueinstieg eignet sich der neueste Release gut. Bleibenden Eindruck im Business hinterlassen oder wirklich abholen kann das zehn Track starke Werk leider nicht. „Wo ist der Bus mit den Leuten, die es interessiert“, wäre definitiv zu tiefgestapelt, dennoch sind „The Prodigy“ anno 2018 nicht viel mehr, als eine Kopie ihrer selbst und Touristen in der eigenen Vergangenheit.

Informationen:

http://theprodigy.com

https://www.facebook.com/theprodigyofficial/

Muse - Simulation Theory (2018)

Genre: Indie / Pop / Rock

Release: 09.11.2018

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Warner Music

Spielzeit: 43 Minuten

Fazit:

Auch die ganz Großen haben irgendwann einmal klein angefangen: Anfang der Neunziger besuchten Schlagzeuger Dominic Howard, Bassist Christopher Wolstenholme und Frontmann Matthew Bellamy im britischen Teignmouth noch dasselbe College und spielten dort in verschiedenen Bands, bis sie sich 1994 dann unter dem Namen „Rocket Baby Dolls“ zusammenschlossen, an einem „Battle Of The Bands“-Contest und diesen gewannen. Daraufhin verwarfen sie ihre ambitionierten Zukunftspläne und benannten das Projekt in „Muse“ um. Zunächst orientierte man sich, als Gegenbewegung zum bekannten Brit-Pop, musikalisch noch am Grunge. Nach ersten Konzerten lernte das Trio Dennis Smith kennen, der ein eigenes Studio in Cornwall besaß und so die ersten, richtigen Aufnahmen produzierte. In diesem Zuge erschienen auch die selbstbetitelte EP und „Muscle Museum“, welche die Aufmerksamkeit der Journalisten auf den Plan riefen. Während die lokalen Labels anfänglich noch zögerten, bekamen schließlich die Amerikaner von Maverick Records den Zuschlag, die „Muse“ 1998 unter Vertrag nahmen und das Debüt „Showbiz“ veröffentlichten. Im Folgenden spielte man nun sowohl erste Shows, als Support von „Savage Garden“ als auch Festivals in Australien, Europa und sogar Japan. Beim Zweitling „Origin Of Symmetry“ wagte man sich klangtechnisch an mehrere Experimente heran. Nach der Trennung von der Plattenfirma, die Bellamys Gesang für nicht massentauglich genug erachteten, legte der Dreier zunächst eine kreative Pause ein, die durch „Hullaballoo“, einem Sampler mit bisher unveröffentlichten Tracks, sowie einem Live-Mitschnitt überbrückt würde. Im Jahr 2003 ging es mit „Absolution“ weiter, gefolgt von einer internationalen Tour, an deren Ende Howards Vater einem Herzinfarkt erlag. Fortan ging die gesamte Band durch ein emotionales Tief, weswegen das Folgealbum thematisch deutlich positiver ausfallen sollte. Die zuvor angesetzten Konzerte wurden bis auf Weiteres verschoben, „Black Holes And Revelations“ markierte 2006 dann das Comeback, welches durch zwei Shows im neu erbauten Wembley Stadion und eine DVD-Aufzeichnung gekrönt wurde. „The Resistance“ gelang anno 2009 bereits am Release-Tag der Sprung auf den ersten Platz der „iTunes“-Charts, eine ausgiebige Welttournee und handverlesene Festival-Gigs, wie etwa ein Headliner-Slot auf dem Glastonbury oder bei Rock am Ring, folgten. Allerdings ließ das fünfte Werk erstmals aber auch vermehrt kritische Töne der Fanbase laut werden, die eine deutliche Entwicklung in Richtung des Mainstreams beanstandeten, was sich auch beim Nachfolger „The 2nd Law“ umso mehr verstärkte. Das sollte sich 2015 mit „Drones“, das sich weitestgehend von gewissen Elementen seiner beiden Vorgänger entfernte und zumindest marginal zum ursprünglichen Stil zurückkehrte, wieder ändern. Es ist also nicht zu leugnen, dass das Dreigespann, das mit diversen Einflüssen aus Alternative, Progessive Rock, Pop, Electro und Klassik über die Zeit seinen ganz eigenen Sound kreiert hat und dafür gar mit einem Grammy prämiert wurde, mittlerweile zu den weltweit erfolgreichsten Acts gehört. Umso größer die Aufregung also, als für Ende diesen Jahres ein komplett neues Studioalbum angekündigt wurde. Unter anderem deswegen auch, weil die insgesamt vier vorausgeschickten Singles stilistisch wohl unterschiedlicher nicht hätten sein können und somit äußerst differenzierte Reaktionen hervorriefen. Am 09.11.2018 erscheint „Simulation Theory“ unter Warner Music. Ob das 80er-Revival gelungen ist, lest ihr jetzt.

Das eröffnende „Algorithm“ lässt keinen Zweifel an der just auserkorenen Gangart aufkommen und kündigt sich sogleich durch eine charmante 8-Bit-Fanfare in direkter Kombination mit epischen Streichern und kühlen E-Drums im stampfend marschierenden Rhythmus an. Das Ganze hat durchaus beabsichtigt etwas von einem fiktiven Film- oder Videospiel-Score, der etwa an visuelle 80er-Ikonen wie „Blade Runner“ oder „Tron“ gemahnt und sich immer mehr in eine theatralische, von reichlich Pathos aufgeladene Ouvertüre steigert, bis mit dem vorab veröffentlichten „The Dark Side“ vollends in die alternative Wirklichkeit eingetaucht werden darf. Hier werden bestens bekannte Trademarks, wie die typischen Arpeggio-Gitarren und der fast schon operettenhafte Aufzug im „Queen“-Style mit retrofuturistischen Synth-Wave-Einflüssen verquickt und zum nostalgisch groovenden Bombast aufgezogen, was ausgesprochen gut funktioniert. Auch wird hier eingangs schon das jeweilige Konzept weitestgehend klar abgesteckt, das sich auf das Denkmodell der sogenannten „Simulationshypothese“ des schwedischen Philosophen Nick Bostrom stützt, die besagt, dass alle Menschen nicht real existent und lediglich nachgeahmte Projektionen seien. Das lyrische Ich erkennt diese trügerische Wahrheit und hält fortan gegen das System. „Pressure“ entfernt sich danach erstmalig etwas von diesem Konzept und erweitert den neuen-alten Sound um klassische Big-Band- und Glam-Elemente, welche den soften Rock mit zusätzlichen Bläsern anreichern, was erstaunlich gut funktioniert und zudem äußerst schlüssig klingt. Merklich schwerere Kost ist da schon das folgende „Propaganda“, welches sich anfangs massiv scheppernd gibt und sodann einen völlig überraschenden Schnitt in Richtung Funk und R'n'B erfährt, die schnittigen Slide-Riffs tun zwischengeschaltet ihr Übriges, die Experiment-Schraube weiter anzuziehen. Gewisse Liebäugeleien mit dem legendären „Prince“ sind hier ebenso wenig von der Hand zu weisen, wie offen zugestanden werden muss, dass das Finale Endergebnis ob der gewollten Kontraste und arg bemühten Komplexität streckenweise leider verwirrend und arg unrund wirkt. Ebenso dann das etwas überladene „Break It To Me“, das jedoch durch seine kantig verzerrten Gitarren, starken Disharmonien und orientalischen Einflüsse besticht und sich somit angenehm abhebt. Ein Tätigkeitsfeld, das es im musikalischen Universum des Trios neben alternativem Rock und Progressive ebenfalls schon seit jeher gab, ist die bloße Pop-Affinität, die ganz klar auf eingängige Single-Auskopplungen für Radiostationen und Streamingdienste abzielt. Es ist gewollt leicht zu konsumierende Kost, ab