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BEITRÄGE:

  • AutorenbildChristoph Lorenz

Coppelius - Tanzwut - Universum25 (2023)



Coppelius - Abwärts (2023)

Genre: Klassik / Rock / Alternative

Release: 10.02.2023

Label: Foxy Records (Edel)

Spielzeit: 45 Minuten

Fazit:


E-Gitarre und Leder = Metal und Rock? Sechs werte Herren aus Berlin erlauben sich, Ihnen dieses Klischee höflichst um die Ohren zu klatschen: Mit Zylinder und Frack, mit Cello und Klarinette, mit Eleganz und vornehmer Blässe stehen „Coppelius“ seit über 200 Jahren (so sagen sie selbst, und wer würde daran zweifeln wollen!) auf der Bühne und praktizieren Kammercore. Ihre ganz eigene Steampunk-Spielart von Metal und Rock - hart und rau, doch zugleich mit der lässigen Attitüde des Gentlemans von Welt. Ob unverwechselbare Coverversionen von „Iron Maiden“ oder „Mötorhead“ oder selbstkomponierte Songs über Wahnsinn, Drogenerlebnisse und die Verzweiflung an der modernen Welt: „Coppelius“ sind unverwechselbar. Eine bizarre und außergewöhnliche Bühnenshow, durch die ihr Butler Bastille stilsicher leitet, macht sie zum Highlight für Rockfans und Metalheads, Gothics und Steampunker - und holt auch manchen Klassikbegeisterten ab. 2019 legen sie mit „Kammerarchiv“ bereits ihr sechstes Album vor, im Winter 2019 / 2020 gehen sie, erstmals mit Herrn Linus von Doppelschlag als Neubesetzung am Schlagzeug, wieder auf Tour - Pardon, auf Konzertreise - und neben zahlreichen Festivalauftritten werden sie im kommenden Jahr mit „Krabat“ bereits die zweite Rockoper-Produktion ins Repertoire aufnehmen können. Eine Band wie keine zweite, die in allen musikalischen Lebenslagen zu begeistern weiß - und so gilt für alle Connaisseure des guten (und lauten) Tons: „Coppelius“ hilft! „Abwärts“ ist ab dem 10.02.2023 via Foxy Records beim Krämer Ihres Vertrauens als Stream, Download, CD im Digipak und limitierte Fan-Box inklusive CD, handsigniertem Leporello, Notizbuch und Schlauchtuch in einer Brotdose aus Edelstahl mit gebrandetem Holzdeckel erhältlich.

Sofort setzt das Schlagzeug ein und es geht im schneidigen Rhythmus los, nur wenig später schließen sich auch Kontrabass und Cello dermaßen energetisch an, sodass man als Unkundiger schon ganz genau hinhören muss, um diese nicht versehentlich mit röhrenden E-Gitarren zu verwechseln: Das eröffnende „Rainmaker“ spart sich einen ausgedehnten Spannungsaufbau und geht gleich in die Vollen. Dazu gesellt sich alsbald eine gesummte Melodie, die für düster-mystische Atmosphäre sorgt und auch der mehrstimmige Gesang von Diener Bastille und Max Copella, dessen Höhen und Tiefen immer wieder miteinander konkurrieren, macht ordentlich was her. Für das i-Tüpfelchen sorgen dazwischen die Klarinetten, die sich feinsinnig ihren Platz in diesem wilden Ritt suchen. „Nur Für Dich“ geht anfangs noch einen anderen Weg und nimmt sich in den dezent um kleine Klavier-Salven angereicherten Strophen mit ihrem geflüsterten Text zumindest oberflächlich gesehen etwas mehr zurück. Doch sind das ungeduldige Schlagzeug und Cello auch hier stetig präsent und können dann im Refrain dieses schönen Liebesliedes so richtig befreit ausbrechen, ehe sie danach wieder zum vorherigen Muster zurückkehren. Das raubeinige „Mein Grab“, in welchem sich das lyrische Ich plötzlich unfreiwillig begraben unter der Erde wiederfindet, schlägt da schon deutlich kompromisslosere Töne in Reminiszenz an vergangene Tage an und besticht mit einem rockenden Cello-Spiel und druckvollem Drumming. Thematisch und auch musikalisch erinnert die kernige Storytelling-Nummer damit an toll erzählte Schauermärchen, wie etwa „Operation“ oder „Die Glocke“, wovon man sich auf dem neuen Album rückblickend mehr gewünscht hätte. Ein fragloser Höhepunkt von „Abwärts“ sind die beiden Interpretationen des „Slayer“-Klassikers „Bloodline“ und „Chop Suey“ von „System Of A Down“, mit denen die sechs Herrschaften nicht nur ihren eigenen musikalischen Vorlieben auf äußerst kreative Weise frönen, indem sie ihren Vorbildern aus der Metal-Szene respektvollen Tribut zollen, sondern auch eine langgehegte Tradition im Hause „Coppelius“ fortsetzen. Wer auch die vorherigen Werke verfolgt und natürlich insbesondere Konzertreisen begleitet hat, der weiß ganz sicher um so mach eingestreutes Cover aus der bisherigen Diskographie. Man denke da nur an „Rightful King“, „Killers“, „Wrathchild“ oder „To My Creator“. Die zwei diesmalig auserkorenen Stücke stehen dem selbstverständlich in nahezu Nichts nach und machen schon beim ersten Hördurchgang riesig viel Laune: Dabei nimmt der Hit der berühmten Thrash-Metaller den Platz des wohl härtesten „Coppelius“-Songs überhaupt ein und pfeffert einem die explosive Fusion aus Schlagzeug, Bass und Cello in rasantem Tempo nur so um die Ohren, dass es eine wahre Freude ist und auch Zweiteres profitiert hier in seinen geradezu fliegenden Wechseln enorm von der puren Stärke der akustischen Instrumente. Das balladeske „Si Dolce“ bringt danach wieder ganz viel Ruhe in die zuvor so aufgepeitschte Stimmung und gestaltet die erste Minute fast ausschließlich durch seinen ausdrucksstarken Gesang, sodass die sanfte und sehr zurückgenommene Instrumental-Basis aus gezupften Saiten, die daraufhin in wunderschönes Harfenspiel übergeht, erst kaum auffällt. Dieser Zustand ändert sich auch bis kurz vor Schluss nicht, wenn der Klimax allmählich seinen Höhepunkt erreicht und der Rest der Band zum großen Finale einstimmt. „Eeee….“ ist dann wieder um einiges flotter. Zumindest zeitweise. Neben den von fragenden Zwischenrufen angereicherten Strophen, in denen sich alles um mögliche Eventualitäten und deren Folgewirkungen dreht, gibt es auch immer wieder schöne Zwischenspiele als kleine Bindeglieder, die urplötzlich Tempo und Stil ändern, oder helle Kinderchöre in Funktion eines Ersatz-Refrains. Ungewöhnlich und komplex. „Kryptoxenoarchäologie“. Was!? Richtig gelesen. Die zweite Vorab-Single schlägt ab Beginn einen ungleich dunkleren Ton an, der sich neben dem finster raunenden Gesang auch durch allerlei kleine, atmosphärische Sound-Spielereien bemerkbar macht. Durch die vertrackten Reime und gewitzten Wortspiele zur hier praktizierten Quasi-Wissenschaft mit ihren skurrilen Forschungen wird der Hörer langsam immer weiter in eine schauerliche Geschichte mit erheblichem Lovecraft-Einschlag gesogen. Im herrlich entrückten Mittelteil wird die ohnehin schon finstere Nummer dann noch unerwartet metallisch und impulsiv, was für einen gelungenen Twist mit verdammt viel Nackenbrecher-Potential sorgt. In Momenten wie diesen sind „Coppelius“ unanfechtbar am stärksten. Nämlich dann, wenn sie in ihrer unnachahmlich gewitzten Art auf mal kuriose, mal ernsthafte, aber immer durchgängig charmante Weise dieses ganz besondere Storytelling betreiben und sich dabei nicht zu sehr um Konventionen scheren, gleichwohl aber nicht das Hauptaugenmerk auf Melodie und Eingängigkeit außer Acht lassen und damit ein gutes Stück zu ihren ersten Werken zurückkehren. Vor diesem Hintergrund sollten auch das rasante „Schneller“, das seiner Betitelung wahrlich alle Ehre macht, und „Spiesser“ mit den exzentrisch intonierten Strophen ihre Erwähnung finden, denn auch sie gehen jenen Weg eines zwar ausgeklügelten Arrangements, welches sich gleichzeitig jedoch nicht zu sehr übernimmt und gut ins Ohr geht. Neben dem melancholischen Interludium „Alte Freunde Am Kamin“ warten mit „I Hate“ und dem Schlussakkord „Dark Ice“ noch zwei weitere Stücke in englischer Sprache auf, die es amtlich in sich haben. Zwar fremdelt Ersteres durch den gezwungen gepressten Gesang doch etwas arg, dafür gefallen der wütend stampfende Rhythmus und die kraftvollen Zwischenrufe umso mehr, wohingegen sich das der Final-Song als reines Instrumental mit balladesken Zügen samt sich dramatisch steigerndem Auftritt zeigt. Vor der Kernmelodie des schwelgerischen Klaviers haben hier nochmals alle Instrumente im wunderbar schlüssigen Zusammenspiel ihren ganz eigenen Auftritt, eingerahmt von leisen Chören und einem furiosen, kraftvollen Finale. Das Resümee fällt an dieser Stelle etwas zwiespältig aus: Der einzigartige Sound der sechs coppelianischen Herren ist insbesondere langjährigen Wegbegleitern hinlänglich bekannt und bewegt sich auch auf „Abwärts“ im oft erstaunlichen breitgefächerten Rahmen des vom verwendeten Instrumentarium Erwart- und Machbaren, wird in den dreizehn neuen und abwechslungsreichen Songs mit ihren jeweils sehr unterschiedlichen Ausrichtungen trotzdem frisch und um so manche Überraschung angereichert präsentiert. Hier gibt es zu 100% handgemachte Rock-Musik aus Schlagzeug, Kontrabass, Cello und Klarinetten ohne Netz und doppelten Boden! Die zusätzliche, standardmäßige Verstärkung der entsprechenden Klangerzeuger sorgt derweil wie gewohnt dafür, dass die Stücke nie zu akustisch-zahm daherkommen, sondern ordentlich Druck und Wucht mitbringen. Wie sich erstmals schon bei „Hertzmaschine“ bemerkbar machte und sich dann auf „Kammerarchiv“ fortsetzte, scheinen sich gewisse Aspekte im Herrenhaus etwas verschoben zu haben. Allzu verrückte Ideen oder exzentrische Eskapaden wie etwa noch zu „Tumult!“- oder „Zinnober“-Zeiten finden sich hier nämlich kaum bis gar nicht mehr, was leider ein wenig zulasten der sonst so unterhaltsamen Unberechenbarkeit und durchaus eigenwilligen Ader des Kammercores geht. Der raue, ungestüme und manchmal auch chaotische Touch scheint ebenso großteilig gewichen, wie die zuvor so prägnanten Melodien. Stattdessen gibt sich die Tracklist nun weitaus gediegener und weniger ohrwurmig. Vielleicht unterbewusst durch die Arbeiten an „Klein Zaches, genannt Zinnober“ und „Krabat“ am Musiktheater Gelsenkirchen inspiriert, liegt das Hauptaugenmerk mittlerweile deutlich stärker auf dem Erzählen von kleinen Geschichten, nur rückt dabei auf einzelne Songs heruntergebrochen leider der Hit-Faktor in den Hintergrund. Das soll die schiere Qualität des coppelianischen Handwerks und der Songs natürlich nicht schmälern, denn die Band ist einfach ein absolut charmantes Original und „Abwärts“ insbesondere für treue Fans der Herren immer noch alles andere als ein schlechtes Album und allemal ziemlich hörenswert. Denn, Sie wissen ja: „Coppelius hilft“!


Informationen:

http://www.coppelius.eu/eingangshalle.html

https://www.facebook.com/CoppeliusHilft/

 

Tanzwut - Silberne Hochzeit (2023)

Genre: Rock / Folk / Alternative

Release: 24.02.2023


Label: NoCut (SPV)

Spielzeit: 48 Minuten

Fazit:

Der Teufel ist verheiratet - und zwar mit der „Tanzwut“! Anlässlich des 25-jährigen Bühnenjubiläums veröffentlicht Teufel zusammen mit seinen Musikern von „Tanzwut“ das neue Album „Silberne Hochzeit“, das jeden Fan in Nostalgie schwelgen lassen wird. „Silberne Hochzeit“ - das sind 25 Jahre tanzwütige Musikgeschichte neu aufgenommen und vereint auf einem Album. Frontmann Teufel und seine Mannen nehmen uns mit zu den Anfängen der Band, als sie als Vorreiter des Mittelalter-Rock mit Dudelsäcken und Gitarren die Clubs von Deutschland eroberten und mit Liedern wie „Labyrinth“ und „Niemals Ohne Dich“ gleichermaßen für Bewunderung, wie für Erstaunen sorgten. Diese Meilensteine der Bandgeschichte werden mit der Veröffentlichung der „Silbernen Hochzeit“ erstmals digital verfügbar sein. Inzwischen gehören „Tanzwut“ längst zur gefeierten Elite des salonfähig gewordenen Mittelalter-Rocks. Deutsche Texte, die mal lustig, laut und tanzbar, mal ernst und tiefgründig und oft auch gefühlvoll und berührend mitten ins Herz und in die Gehörgänge der Fans treffen, zeichnen diese Band aus. Diese große Vielfältigkeit, gepaart mit einer unglaublichen Spielfreude und viel Fantasie ist es, was „Tanzwut“ ausmacht. Die große Zeitreise in Form der Jubiläumswerkschau „Silberne Hochzeit“ erscheint am 24.02.2023 über NoCut Entertainment als Stream, Download, CD im Digipak, silberne LP und limitierte, hochwertig verarbeitete Fan-Box, die neben dem Digipak zudem eine von jedem Mitglied handsignierte Autogrammkarte, zwei Festivalbändchen, eine Fahne mit dem Cover-Artwork, ein Premium-Mousepad aus abwaschbarem und rutschfestem Kunststoff in den Maßen 24x19cm sowie die Maske des Teufels als Ansteck-Nadel enthält.

Egal, ob das klassische Best-Of, bunt gemischte Live-Alben zu vergangenen Tourneen, Remixe als alternative und tanzbare Club-Versionen zum Original, reduziert unplugged mit „kleinem Besteck“ oder gar mit einem ganzen Symphonieorchester, um einen anderen Blickwinkel auf bereits Bekanntes zu ermöglichen: Es gibt sie oft und gerne, diese speziellen Veröffentlichungen außerhalb der Reihe. Die eine Seite betrachtet sie als gelungene Abwechslung mit Mehrwert für die Sammlung des treuen Fans, die andere Seite wirft den Künstlern Ideenlosigkeit und Geldgier vor, sieht in dem „aufgewärmten“ Material vor allem den einfachsten Weg mit Lückenfüller-Charakter. Wenn es also nicht gerade um ein Studioalbum, eine EP oder Single mit ausschließlich oder hauptsächlich neuen Songs geht, ist es sowohl für den potentiellen Käufer als auch Rezensenten immer besonders schwierig, da der Kosten-Nutzen-Faktor höchst individuell ausfällt und entsprechend ein anderer Maßstab bei den Kriterien angelegt werden muss. Bewertet werden in diesem Fall nicht die (meistenteils) längst bekannten Songs, sondern deren Aufmachung und Zusammenstellung, die, zugegeben, mal mehr und mal weniger sinnig erscheint. Zweifellos schwer fällt also auch die Bewertung von „Silberne Hochzeit“, welches in seiner grundlegenden Ausrichtung zwar dem oben erwähnten Best-Of noch am nächsten kommt, aber eben kein reinrassiges Querschnitt-Sammelsurium aller großen Hits abbildet. Die Ende der Neunzigerjahre in Berlin begründete „Tanzwut“ verfolgt hier nämlich einen etwas anderen Ansatz und hat sich ihr (fast) dreißigjähriges Jubiläum zum Anlass genommen, eine retrospektive Werkschau zu ausschließlich der ersten Hälfte ihrer Schaffensphase zu erstellen. Zwar eine etwas ungewöhnliche, prinzipiell aber sicher keine schlechte Idee, kamen in 2010 mit dem Quasi-Comeback nach der besetzungstechnischen Umstrukturierung und der damit einhergegangenen Zwangspause über die Jahre doch einige neue Fans dazu. Ein sehr erfreulicher Umstand, welcher vermutlich durch den kürzlichen Label-Wechsel zu NoCut Entertainment nur umso mehr zusätzlich begünstigt worden ist. Auch die Setlisten der Live-Konzerte werden, natürlich abgesehen von den unverwüstlichen Klassikern, seit jüngster Vergangenheit hauptsächlich vom aktuellen Material dominiert. Grund genug also, den Nachzüglern jene Anfänge näher zu bringen, die der Band einst zum Durchbruch in der Welt des deutschsprachigen Mittelalter-Rock bescherten. Zu diesem Zweck hat der „Teufel“, mit bürgerlichem Namen Mike Paulenz, höchstselbst verschiedene Stücke aus der entsprechenden Ära ausgewählt, die ihm auch 2023 noch oder wieder als besonders hörenswert erschienen. Diese wurden auf dem aktuellen Silberling jedoch nicht bloß im Original aneinandergereiht oder produktionstechnisch überarbeitet, sprich remastert, sondern ausnahmslos einer gehörigen Frischzellenkur durch komplette Neuaufnahmen unterzogen. Anders als auf gängigen Compilations dieser Art, lockt kein exklusiver Song, um auch alle Komplettisten zum Kauf zu bewegen, was einerseits zwar sehr löblich ist, jedoch auch dazu führt, dass sich in der Tracklist ausschließlich lange schon bekanntes Material verbirgt. Was gleich bleibt, ist, dass sich die Wahrnehmung der Titelauswahl eben sehr subjektiv gestaltet. Wo der eine Fan sich zufrieden zeigt, vermisst der andere vielleicht seine ganz persönlichen Favoriten… Also dann zur „Silbernen Hochzeit“: Vom selbstbetitelten Debüt aus dem Jahr 1999 ist überraschend tatsächlich kein einziger Song mit dabei. Eventuell wären hier die damals oft und gerne gespielten „Auferstehung“ oder „Die Balz“ eine Option gewesen, das Debüt zumindest leicht angerissen abzudecken. Dafür sind vom Zweitling „Labyrinth Der Sinne“ mit dem mystischen „Labyrinth“, dem brachial wütenden „Lügner“, der ergreifenden Liebesballade „Niemals Ohne Dich“, dem ikonischen Szene-Hit „Der Wächter“, dem treibend rockenden „Dämmerung“ und „Was Soll Der Teufel Im Paradies“ gleich sechs Stücke (omni-)präsent, was die Hälfte der gesamten Tracklist ausmacht! Das legendäre „Die Ärzte“-Cover von „Bitte Bitte“, welches auf den Konzerten der „Tanzwut“ lange als absolut sicherer Gassenhauer galt und sich noch immer größter Beliebtheit unter den Fans erfreut, wurde jedoch merkwürdigerweise ausgelassen. Von dem erfolgreichen Durchbruch „Ihr Wolltet Spaß“ aus 2003 haben es mit dem furiosen Titeltrack, „Nein Nein“ und „Meer“ immerhin drei Lieder zu einer sprichwörtlichen Einladung auf die Hochzeit geschafft, von der „Schattenreiter“ mit „Der Arzt“, „Im Tiefen Gras“ und „Vulkan“ ebenfalls. Damit beschränkt sich das Spektrum ausschließlich auf die ersten vier Alben… Das war’s! Zwar schöpft die „Tanzwut“ die Kapazität der CD mit einer ordentlichen Gesamtspielzeit von fast fünfzig Minuten gut aus, trotzdem bleibt das Gefühl, dass hier zum feierlichen Anlass eines so besonderen Jubiläums doch etwas mehr drin gewesen wäre. Natürlich zeugen die auserkorenen zwölf Songs auch heute noch von der extrem hohen Songwriting-Qualität der Berliner Institution und dürften sowohl mit ihren durchweg tollen, einzigartigen Melodien aus Rock, NDH, Electro und Folk als auch den bissigen Texten, die nichts an Aktualität und Relevanz eingebüßt haben, alte und allen voran neue Hörer voll zu überzeugen wissen. Die Unterschiede zu den jeweiligen Originalen fallen dabei eher marginal aus und machen sich für Hardcore-Fans höchstens im Detail bemerkbar, dafür gefällt im direkten Vergleich der sehr satte und klare Sound auf aktuellem Top-Niveau, welcher die tanzwütigen Meilensteine so sorgsam wie anschaulich ins Hier und Jetzt transportiert. Sehr schade ist hingegen die verpasste Gelegenheit, mit „Silberne Hochzeit“ ein angemessenes Paket zu schnüren, das keine Wünsche offen lässt. So gibt es weder alternative Versionen und rare Perlen, noch exklusives Live-Material oder irgendeinen sonstigen Bonus, der einen Kauf von langjährigen Wegbegleitern rechtfertigen würde, was dieses Album in Gegenüberstellung zu ähnlichen Veröffentlichungen leider doch recht puristisch aussehen lässt. Eventuell wäre hier eine erweiterte Edition in Form eines Doppel-Albums die bessere Wahl gewesen? Wer also die alten Alben bereits sein Eigen nennt und sich nicht zwingend an einer kompletten Sammlung interessiert zeigt, kann hier natürlich bedenkenlos aussetzen. All jene, die die „Tanzwut“ jedoch erst vor ein paar Jahren für sich entdeckt haben und gerne tiefer in die Anfänge einer der beliebtesten Bands des Genres eintauchen wollen, können und sollten hier bedenkenlos zugreifen, um diese Ära zusammen mit dem Teufel und seinen Mannen schon bald textsicher live feiern zu können!

Informationen:

https://www.tanzwut.com

https://www.facebook.com/TANZWUTOfficial/

 

Universum25 - Universum25 (2023)

Genre: Rock / Alternative

Release: 03.03.2023

Label: Vertigo Berlin (Universal Music)

Spielzeit: 47 Minuten


Fazit:

Sie sind die nächste Dimension der deutschen Rockmusik: Unter dem Namen „Universum25“ hat sich mit Members von „In Extremo“, „Eisbrecher“, „Fiddler‘s Green“, „Dritte Wahl“ und „Slime“ eine ganz neue Formation zusammengefunden, um die apathische Menschheit mit ihrem kompromisslosen Hybrid-Mix aus Electro-Metal und Punk-Rock aus dem Dämmerschlaf zu reißen. Mit der packenden Coverversion des „Ton Steine Scherben“-Kultsongs „Der Traum Ist Aus“ legt die hochkarätige Allstar-Band ihre erste Single vor. Harte Rockgitarren, atmosphärische Electronica und schonungslos offene Klartext-Lyrics, die den Finger in die Wunden eines Planeten am Rande der Selbstzerstörung legen: So klingt der dystopisch-faszinierende Soundkosmos von „Universum25“. Hinter dem mysteriösen Namen verbergen sich niemand Geringere als Michael Robert Rhein („In Extremo“), Rupert Keplinger („Eisbrecher“, „Antitype“), Patrick „Pat“ Prziwara („Fiddler’s Green“), Gunnar Schroeder („Dritte Wahl“), Alex Schwers („Slime“), sowie der renommierte Producer Jörg Umbreit - gemeinsam hält die Formation der Welt mit ihrem wütenden Crossover aus Metal, Rock und Electronica einen Spiegel vor. Das gleichnamige Debüt von „Universum25“ erscheint am 03.03.2023 über Universal Music als Stream, digitaler Download, CD im klassischen Digipak, Vinyl in Schwarz oder limitiertem Gold, sowie wahlweise und exklusiv im bandeigenen Shop als signiertes Bundle mit einem T-Shirt oder Ticket für die anstehende Tour.

Ein relativ auffälliges Phänomen, welches es in diversen Genres so zwar immer wieder mal gab, insbesondere aber in den letzten Jahren fast schon ein Übermaß angenommen hat, ist das ambitionierte Vorhaben mancher Musiker, neben der eigentlichen Band ein oder sogar gleich mehrere Nebenprojekte an den Start zu bringen, um aus dem zur Konvention gewordenen Tun auszubrechen und zusätzlich ein weiteres Kreativ-Ventil für all jene musikalischen Ideen zu parat zu haben, die stilistisch sonst eher keine Verwendung finden (können). Durchaus gut verständlich, diese fast schon luxuriös anmutende Art der Selbstverwirklichung, denn wer die Mittel, Wege und gegebenenfalls auch Kontakte in der Hinterhand hat, sollte diese freilich auch nutzen dürfen. Nicht nur, um alsbald wieder befreit und motiviert zum Hauptgeschäft zurückkehren zu können, sondern auch, weil sich so ungeahnte Facetten offenbaren und interessante, durchaus bereichernde Ergebnisse zutage fördern lassen. Vielleicht nicht immer automatisch auch für den geneigten Fan des Bekannten, doch nicht selten aber für gänzlich neue Hörer. So auch jetzt geschehen bei den Quasi-Newcomern „Universum25“, die sich beileibe nicht aus unbekannten Musikern zusammensetzen. Nein, ganz im Gegenteil, denn mit altgedienten Meistern ihres Fachs hat sich wie aus dem Nichts eine wahre Allstar-Combo zusammengefunden. Hier vereinen sich mit namhaften Membern von „Slime“ und „Dritte Wahl“, „Eisbrecher, „Fiddler‘s Green“ und „In Extremo“ erfahrener Punk-Rock, treibende NDH und nicht zuletzt die absolute Speerspitze des Folk-Rock zu einem maximal explosiven Elixier voll kompetenter Durchschlagskraft! Der auf den ersten Blick eventuell etwas kryptisch anmutende Name von Band und Debüt bezieht sich dabei auf ein Experiment aus den Sechzigerjahren, das ursprünglich die Untersuchung tierischer Population zum Ziel hatte. Dazu wurden Mäuse beider Geschlechter zu gleicher Anzahl und unter Idealbedingungen hinsichtlich Lebensraum, Futter und körperlicher Gesundheit in einem Labor gehalten, um anschließend ihr Verhalten zu beobachten. Doch anstelle friedlich und harmonisch zusammenzuleben, wandelte sich das eigentlich so paradiesische Miteinander ab einer bestimmten Dichte zum Gegenteil und resultierte in einem ungeahnten Chaos-Kollaps: Die Mäuse fielen übereinander her, fraßen und töteten sich gegenseitig, bis auch die letzte ihrer Art grausam verendete… Ob und wenn ja, inwieweit sich dieses unvorhersehbare und vor allem unverständliche Verhalten der zunehmend degenerierten Nager sich auf die menschliche Gattung projizieren lässt, muss anhand der beinahe täglich neuen Schreckensmeldungen über Ungleichheit, Rücksichtslosigkeit, Egomanie, Betrug, Krieg, Tod und Verderben wohl jeder für sich selbst entscheiden. Ein Zufall wird die Benennung jedoch wohl kaum sein, wie der fast durchgängig scharfsinnig-kritische Unterton im Hinblick auf das momentane Weltgeschehen zeigt. Also: Mehr als genügend (Zünd-)Stoff und volles Potential für ein top-aktuelles und momentan vielleicht sogar längst überfälliges Erstlingswerk am Puls der Zeit: Rhythmisch angespanntes Pulsieren und sphärische Keyboard-Flächen flackern zu Anfang erst noch verdächtig verhalten auf, bis gleich darauf Schlagzeug, Bass und Gitarren straighten Rock entgegensetzen, welchem durch die weiterhin parallel präsente Elektronik ein gewisser Hauch von schwelgerischer Melancholie anhaftet. Diese setzt sich auch in zunächst noch minimalistisch instrumentierten Strophen fort, die hauptsächlich von Michael Robert Rheins markantem Gesang ausgefüllt werden. Hintergründig steigt der Druck derweil zunehmend an, bis alles in einem catchy Deutsch-Rock-Refrain mit echtem Hymnen-Charakter aufgeht. „Am Morgen Danach“ ist allein schon von seinem spannungsgeladenen Aufbau her die ideale Eröffnung für das Album und erzählt eine dystopische, vielleicht gar nicht mehr allzu ferne Zukunftsvision von Trümmern und Wiederaufbau. So liefern „Universum25“ einen erschreckend realitätsnahen Ausblick auf das, was in weiten Teilen der Welt ohnehin schon ist und gar (noch schlimmer) werden kann, machen später beim epischen Closer „Horizont In Flammen“ jedoch auch unterschwellig Hoffnung auf die mögliche Wende und einen Neubeginn. Dieser Grundton soll über die gesamte Spielzeit beibehalten werden. Der Fünfer hat es sich klar zum Ziel gemacht, mit seiner Musik und verschiedenen Szenarien zum Nach- und Umdenken anzuregen, wie beispielsweise auch das durch und durch bissige „Wir Warten“ zeigt. Hier geht es eine ganze Ecke härter zu, wenn mit der schieren Power schreddernder Gitarren, hell blubbernden Synthies inklusive 80‘s-Trash-Faktor und Schlachtruf-Chorus die immer größer werdende Lücke zwischen Arm und Reich angeprangert wird. Vor allem lyrisch weiß die Up-Tempo-Nummer mit ihrer gelungenen, greifbaren Bildsprache zu gefallen. So heißt es etwa, dass die Schönen und Reichen über Leichen gehen, weil es ganz vorne mehr zu sehen gibt, während der Rest weiterhin wartend am Einlass Schlange stehen muss. Ähnlich schwerwiegenden Missständen nehmen sich anschließend auch viele andere Tracks an: So richtet sich das von einem kriegerischen Intro angeführte „Harte Kost“ im schwer walzenden Sound an alle Volksverhetzer und rechnet knallhart mit Verschwörungstheoretikern, Wutbürgern und dem rechtspolitischen Aufschwung ab. Dazu wechseln metallische Riffs mit atmosphärischen Flächen und einem zynischen Text - Top! Auch „Die Leichen Der Zeit“ schlägt thematisch in eine solch ernsthafte Kerbe und überzeugt mit einer musikalisch unglaublich starken Grundlage, die eigentlich sofort zur wilden Eskalation im Pit einladen könnte, wenn da nicht der umso bitterere Aspekt wäre, welcher die gescheiterten Überfahrten der Flüchtlinge zum inhaltlichen Kern hat, jedwede Feierlaune sofort dämpft. Hektisches Electro-Flimmern, stampfendes Drumming und metallisches Riffing sind das Rezept für das nächste Stück, das sich als massives Industrial-Rock-Brett in punkiger Attitüde erweist. „Genug“ ist genug, könnte man meinen, wenn sich im Schlagabtausch zwischen Rhein und wütenden Shout-Einlagen ordentlich Luft gemacht wird. Für einen stilistischen Umbruch, wenn auch nicht allzu einschneidend, sorgen dann die nächsten drei Songs, die sich harmonisch in die Tracklist einfügen und trotzdem etwas entscheidend anders machen: „Die Neue Zeit“ weicht als eine seltene Ausnahmeerscheinung vom großteilig an die NDH erinnernden Sound ab und wandelt nicht zuletzt durch seinen galoppierend treibenden Rhythmus mehr auf Punk-Pfaden. Das emotionale und ehrlich ergreifende „Vor Deiner Tür“ markiert im Mittelteil die Ballade des Albums und schießt mit seiner Geschichte über eine gescheiterte Beziehung sofort ins Herz. Ganz großes Gefühlskino! „Nur Wegen Dir“ fällt musikalisch wieder um ein Vielfaches rougher und schneller aus: Drums, Bass und Gitarren bringen viel Kraft und Tempo ein. Vor allem Rhein brilliert stimmlich mit vielen Facetten auf allerhöchstem Niveau. Die Thematik könnte gegenüber den meisten anderen Liedern wohl nicht konträrer sein, handelt es sich hierbei doch tatsächlich um ein waschechtes Liebeslied! Jedoch vermutlich eines der Härtesten seiner Art. Unerwartet. Überraschend. Macht definitiv Laune! „Lichtgeschwindigkeit“ schiebt die dunklen Wolken des schlicht grausamen Weltgeschehens ebenfalls für einen kurzen Moment beiseite und räumt der Tracklist mit dem futuristisch inszenierten Traum von einer besseren Zukunft einen Hoffnungsschimmer ein. Das erste öffentliche Lebenszeichen von „Universum25“, nämlich „Der Traum Ist Aus“, ist zumindest bei oberflächlicher Betrachtung eine ungewöhnliche Wahl für eine Vorab-Single, handelt es sich hierbei doch nicht um eine reine Eigenkomposition, sondern um ein Cover des legendären „Ton Steine Scherben“-Hits! Musikalisch und thematisch kann das überdies ganz hervorragend interpretierte Stück, das den aufgewühlten (Zeit-)Geist treffend einfängt und perfekt nuanciert um die eigene Identität anreichert, jedoch tatsächlich als äußerst repräsentativ für das übrige Material angesehen werden. Punkig, metallisch rau, ein bisschen elektronisch und immerzu geradeaus. Fast unnötig zu erwähnen, dass jener Klassiker der Urgesteine auch nach fünfzig Jahren nichts an Aktualität verloren hat. Leider. Getreu dem Vorsatz, dass Musik immer eine Botschaft haben, beim Endverbraucher zum Nach- und Umdenken anregen und allen voran Emotionen transportieren sollte, nehmen „Universum25“ ihre Hörer ganz am Puls der Zeit mit auf eine turbulente Reise durch die verschiedenen Abgründigkeiten einer zerklüfteten Menschheit, die zunehmend bedrohlich nah am Abgrund tanzt. Lyrisch zeigen sich die fünf neu zusammengefundenen Musiker vor diesem Hintergrund erfreulich authentisch und aussagekräftig, jedoch ohne dabei betont poetisch oder aber stumpfsinnig vorzugehen. Viel mehr zielen die oftmals schonungslos gesellschaftskritischen Texte direkt geradeaus und sind hörbar von Grund auf ehrlichem Naturell, deren starke Darbietung durch den markanten Gesang von Michael Robert Rhein, dem man ausnahmslos jedes Wort abnimmt, sehr zuträglich ist. Rein musikalisch gesehen speist sich der Stil-Mix mit seinen eingängigen Melodien aus kernigem Deutsch- und Punk-Rock, etwas atmosphärischem Electro und leichten Metal-Anleihen zu einem explosiven Komplettpaket, welches die jeweiligen Kernkompetenzen aus den Hauptprojekten der einzelnen Mitglieder hervorragend zum Tragen bringt. Das daraus entstandene Endergebnis tönt natürlich nicht unglaublich innovativ oder neuartig, sondern angenehm vertraut, fühlt sich in dieser speziellen Konstellation aber doch sehr erfrischend, interessant und definitiv bereichernd an. Befreit von überheblichem Moralaposteltum, das den berüchtigten Zeigefinger sonst nur allzu gerne belehrend erhebt und damit stetig auf andere zeigt, pressen „Universum25“ eben diesen so geschickt wie gleichwohl bodenständig in die klaffenden Wunden unserer Zeit… Denn diese eine Welt geht uns alle an!

Informationen: https://www.universum25.com/ https://www.facebook.com/universum25official

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