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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Unheilig - Deine Lakaien - Mono Inc. (2021)



Unheilig - Lichterland (2021)

Genre: Rock / Pop

Release: 12.11.2021

Anzahl Ton- / Bildträger: 2

Label: Vertigo Berlin (Universal Music)

Spielzeit: ca. 128 Minuten

Fazit:


„Unheilig“ wurden 1999 von ihrem Sänger „Der Graf“, Grant Stevens und José Alvarez-Brill gegründet. Bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2016 veröffentlichte die deutsche Band neun Studioalben. Die letzten vier landeten in Deutschland auf Platz Eins der Charts. Mit „Lichterland: Best Of Unheilig“ wagen sie 2021 einen Karriererückblick. Fünf Jahre sind vergangen, seit sich „Unheilig“ aufgelöst haben. Zum Jahresende 2021 dürfen sich Fans der deutschen Band nun über ein besonderes Release freuen: „Lichterland: Best Of Unheilig“. Der Name kündigt es an: Es handelt sich dabei um eine karriereumspannende Songsammlung mit insgesamt einundzwanzig Tracks. Mit dabei sind Hits wie „Lichter Der Stadt“, „Geboren Um Zu Leben“, „Unter Deiner Flagge“, „Zeit Zu Gehen“ und viele mehr. Außerdem gibt es das „Lichterland: Best Of Unheilig“ als Limited Special Edition. Die Doppel-CD im Hardcover-Buch enthält neben den Song-Highlights eine Bonus-CD: Das bisher unveröffentlichte Weihnachtsalbum „Weihnachtslichter“. „Unheilig“ schreiben dazu auf ihrer Facebook-Seite: „Der Graf hatte seiner Zeit an eigenen Weihnachtssongs gearbeitet - ungewiss, ob diese je erscheinen würden. Nun ist es endlich so weit.“. Das Ergebnis sind „14 besinnliche Stücke unheiliger Musik voller Hoffnung und innerer Stärke“… „Lichterland: Best Of Unheilig“ erscheint am 12.11.2021 über Vertigo Berlin (Universal Music) als Download, CD im Mintpack, Doppel-CD im hochformatigen Deluxe-Packaging mit gebundenem 36-seitigem Hardcover Buch, Doppel-Vinyl im Klappcover und auf 6.000 Einheiten limitierte, im Dunkeln leuchtende Box, die neben dem 2-CD-Hardcoverbuch, ein Poster, eine exklusive 10ʺ-Vinyl mit vier „Weihnachtslichter“-Songs, das Abschiedskonzert „Live Köln 2016“ als Doppel-CD und eine 3D-Weihnachtskerze enthält.

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die ursprünglich 2015 aufgelöste Band „Unheilig“, selbst nach der endgültigen Abschiedskonzertreihe „Ein Letztes Mal“, deren Finale im fast ausverkauften Kölner RheinEnergie-Stadion unter dem Motto „Letzter Halt“ stattfand, noch immer eine nicht enden wollende Odyssee von Veröffentlichungen begleitet. Vor besagter Show erschien mit „Schwarzes Gold“ die gesamte Diskographie auf Vinyl, sowie der Live-Mitschnitt „Unter Dampf - Ohne Strom“ der rein akustischen „MTV Unplugged“-Show auf CD, DVD und Blu-ray. Als das offizielle Ende der Band besiegelt war, kündigte man über die Website und Social-Media-Kanäle einen allerletzten Release unter dem Titel „Von Mensch Zu Mensch“ an, dessen Songs während der vergangenen Konzerte entstanden seien und welcher am 04.11.2016 seinen Weg in die Ladenregale fand. So auch nur ein weiteres Jahr später nach „Alles Hat Seine Zeit“ aus 2014 dann die zweite Best-Of „Pures Gold“, welche sich weitestgehend auf die im Mainstream erfolgreiche Ära der letzten vier Studioalben beschränkte, und ihre Erweiterung „Rares Gold“, die fast alle B-Seiten und seltenen Schätze vergangener Singles und EPs beinhaltete. Dem schloss sich bekanntermaßen die „Auf Zeitreise“-Tournee durch fünfzehn deutsche Städte mit „The Dark Tenor“ hinter dem Mikrofon an und brachte seinerzeit Ria „Sotiria“ Schenk als Support ins Spiel, die mit ihrem angekündigten Debüt „Hallo Leben“ die neu geschriebenen Songs des Grafen vertonen würde. Danach herrschte für lange Zeit wieder Funkstille, wenngleich die Social-Media-Kanäle auch stetig am Laufen gehalten wurden. Auf den so überraschenden, wie gleichermaßen unnötigen Release der „Wir Sind Alle Wie Eins“-Vinyl mit insgesamt vier großen Hits von „Unheilig“, folgte Ende Oktober 2020 dann plötzlich die mysteriöse Ankündigung zu „Schattenland“. Doch sollte der unermüdlichen Hoffnung der zahlreichen Fans auf eine baldige Rückkehr des Grafen hiermit abermals nicht entsprochen werden, denn anders, als vielleicht erwartet, stand den treuen Anhängern keine Zusammenstellung bisher unveröffentlichten Materials oder gar ein neues Studioalbum ins Haus... Nein, nach nahezu allen bisher abgeschöpften Segmenten der in der breiten Öffentlichkeit bekannten „Unheilig“-Diskographie, grub Universal Music weitaus tiefer in der Vergangenheit des Adligen und wurde schließlich bei den versteckten, lange schon vergriffenen Perlen der Frühzeit im EP-Format fündig. Veröffentlicht wurde zuerst als „streng limitierte“ (?) Box, wenige Monate später auch in einer abgespeckten Light-Version, die inhaltlich gleich blieb, die ohnehin eher unspektakulären Beigaben in Form von Fanartikeln aber einbüßte. Man möchte also fast schon von einem mittlerweile längst dutzendfach auserzählten Running Gag sprechen, als Ende September via Social Media die geheimnisvolle Werbekampagne samt einem ominösen Trailer, Song-Voting und sogar der Anmeldung für den neu eingerichteten Newsletter startete und die noch immer sehr zahlreich vorhandene Fangemeinde, die schon seit Jahren auf ein großes Comeback des unheiligen Grafen hofft, komplett aufwühlte, wie hunderte Kommentare deutlich zeigten. Umso größer waren dann natürlich die Enttäuschung und der Ärger, als der undurchschaubare Schleier wenige Tage später endlich gelüftet und die nächste Best-Of-Compilation angekündigt wurde… Wohlgemerkt die dritte Zusammenstellung dieser Art innerhalb von weniger als sieben Jahren, Live-Alben und die Aufnahme der MTV-Unplugged-Show nicht eingerechnet! So vorhersehbar wie diese mit irreführenden Teasern lockende Marketingstrategie, liest sich überdies auch die Tracklist der ersten CD, die sich, wie sollte es auch anders sein, vornehmlich auf die jüngeren Single-Releases der letzten vier Studioalben konzentriert: Allen voran natürlich der absolute Mega-Erfolg und gleichsam Katapultstart in die breite Masse, „Geboren Um Zu Leben“, sowie die beiden Folge-Auskopplungen des #1-Chart-Stürmers „Für Immer“ und „Unter Deiner Flagge“. Fast ausnahmslos alle Songs, die seit 2011 mit einem eigenen Video-Clip bedachten wurden, wie „So Wie Du Warst“, „Lichter der Stadt“ und „Wie Wir Waren“ als bereits bekanntes Feature mit Andreas Bourani, das Re-Recording „Stark 2012“ oder die beiden ESC-Kandidaten „Als wär’s das erste Mal“ und „Wir sind alle wie Eins“ sind ebenso dabei, wie die finale Hymne „Zeit Zu Gehen“, „Glück Auf Das Leben“, „Mein Berg“ und „Ich Würd‘ Dich Gern Besuchen“… Mit „Astronaut“, „An Deiner Seite“ und „Spiegelbild“ sind nur sehr wenige alte Klassiker vertreten, die das breite Portfolio früher Tage nicht einmal annähernd befriedigend abdecken und viele wichtige Tracks vermissen lassen. Dazwischen tummeln sich aus unerklärlichen Gründen ein paar Songs, wie etwa das brachial rockende „Abwärts“, der „Gipfelstürmer“-Auftakt „Hinunter Bis Auf Eins“ und das energiegeladen-melancholische „Wie In Guten Alten Zeiten“, die allesamt zwar zu den deutlich besseren Liedern der letzten Alben gehören, aber zumindest vor dem Hintergrund der sonst so massentauglichen Song-Auswahl des Labels kein Best-Of-Potential aufweisen und auch sonst eher ein Nischendasein fristen. So wirkt die restliche Auswahl fernab des Erwartbaren letztlich wie reine Willkür, um nicht nur Balladen auf der CD zu haben und den übrigen Speicherplatz zu füllen. Wo sind „Kleine Puppe“, „Freiheit“, „Maschine“, „Schutzengel“ und „Sage Ja!“!? Eigentlich aber auch ganz egal, denn seit „Alles Hat Seine Zeit“ gibt es bereits eine entsprechende Werkschau mit recht einem gelungenen Querschnitt. Nicht zu vergessen, der oberflächliche und absolut unnötige Cash-Grab „Best Of Vol. 2 - Rares Gold“, dessen Tracklist lachhafterweise fast 1:1 deckungsgleich mit der von „Lichterland“ ist, dafür aber immerhin einige nicht unbedingt nennenswerte, dafür aber exklusive Songs bot. Höchstens für Sammler und Komplettisten interessant, sind hier lediglich die „Mein Schiff“-Werbe-Hymne („Grosse Freiheit“ als alternative Version im Duett mit James Last) und „Lichtermeer“. Ein Titel, der einst eigentlich für die kläglich gescheiterte Quasi-Nachfolgerin Ria „Sotiria“ Schenk geschrieben wurde, sich vom Grafen intoniert jedoch schon auf der sogenannten Demo-CD in ihrer Fan-Box befand und hier kaum anders klingt, als ebendieser. Dass die x-te Best-Of eines längst stillgelegten Projekts, um das der große Hype schon lange abgeflacht ist, wirklich niemand braucht, dürfte klar sein. Vor allem deshalb, weil alle langjährigen Fans die entsprechenden Songs ohnehin schon zig Mal im Regal stehen und die nicht so zahlungskräftigen Gelegenheitshörer sich vermutlich bereits mit einer der beiden Compilations versorgt haben, wenn überhaupt. Somit ist die reguläre 1-CD-Version fraglos ohne jeden Mehrwert. Das eigentliche Ziel dürfte also der Absatz der etwas teureren, limitierten Special Edition sein, denn diese enthält mit dem bisher unveröffentlichten Zusatz-Tonträger „Weihnachtslichter“ den wirklich interessanten Kaufgrund: Zusammengehalten werden die insgesamt zehn Songs darauf, wie schon von den „Sternzeit“-Parts beim 2002 veröffentlichten Weihnachtsalbum „Frohes Fest“, von einem Intro, zwei Interludien und einem Outro, welche als Teil-Instrumentals symbolisch für die erste, zweite, dritte und vierte Kerze auf dem Adventskranz stehen. Diese ähneln sich in ihrem Aufbau und der grundlegenden Instrumentierung verständlicherweise und hören sich damit also eher wie eine sich immer weiter fortsetzende Erweiterung. Trotzdem oder gerade deswegen ist dieses Element sehr atmosphärisch und erinnert mit dem choralen Gesang eines kleinen Mädchens, den melancholischen Piano-Tupfern und der dunklen Stimme des Grafen frappierend an alte Zeiten, was sich mit dem eröffnenden „Macht Hoch Die Tür“ zumindest teilweise fortsetzt. Elektrisierende Synthies, knackige Drums und der flotte Rhythmus gehen überraschend gut nach vorne, auch wenn etwas Pop-Appeal natürlich nicht fehlt. Nach dem hymnischen Refrain schimmern sogar rockend schreddernde Gitarren durch, wenn auch leider ein wenig zurückhaltend. Auch die im letzten Drittel folgende „Weihnachtssaat“ weiß mit einer ähnlich gelungenen Mischung aus catchy Eingängigkeit und gut ausbalancierter Up-Tempo-Attitüde zu gefallen, „Leise Rieselt Der Schnee“ und das große Finale mit dem epochalen „Es Kommt Ein Schiff Geladen“ reihen sich stilistisch und gesanglich ebenfalls erfreulich nahe an damaligen Werken ein. „Stille Winternacht“, das von der „Rares Gold“ bekannte „Der Erste Schnee“ und „Weihnachtszeit“ sind mit viel Piano-Einsatz, sphärischen Streichern und einem leichten Pop-Beat zwar deutlich mehr im Hier und Jetzt verortet, versprühen aber doch eine schöne Melancholie und punkten teilweise mit angenehmer Zurückgenommenheit. Ganz anders hingegen „Engel Der Verkündigung“, das trotz netter Melodieführung mit seinem süßlich überzuckerten Klangspiel viel zu sehr auf die Kitsch-Drüse drückt. Der hoffnungslos klischeehafte Text nimmt sich da nicht aus, rührt mit betonter Erinnerung an Kindheitstage aber trotzdem irgendwie ein wenig an, wenn man in der richtigen Stimmung ist. „Sterne Hoch“ kennt der ein oder andere Fan vielleicht schon von der fragwürdigen 2017er Werkschau, damals noch im furchtbar unpassenden Duett mit Billy „The Dark Tenor“ Andrews. Wer jene Version damals nicht mochte, wird das schlageresk aufgeblasene Stück auch jetzt kaum ins Herz schließen, wenngleich ihm der fehlende Gast-Gesang ein Stück besser zu Gesicht steht. „Winter“, die Single aus 2010, ist den Hörern auch schon lange genug bekannt und bedarf deshalb keiner weiteren Besprechung mehr. Ein schöner Pop-Song und eine nette Geste, diesen nun auf einem Album verewigt zu sehen. Unterm Strich bleiben somit nur noch sieben neue Lieder, die aber immerhin fast alle durchgängig gut hörbar und zumindest an den unheiligen Standards der letzten Ära gemessen, recht stimmungsvoll und solide sind, sodass gerade Hörer der jüngeren Stunde ihre helle Freude daran haben dürften. Aber auch für Alt-Fans gibt es überraschenderweise ein paar kleine Lichtblicke. Ein neues „Frohes Fest“ mit viel treibendem Electro, harten Gitarren und dem gewissen Gothic-Touch darf hier natürlich trotzdem niemand erwarten. Die unsägliche Marketingkampagne des Labels im Vorfeld, welche viele gutgläubige Anhänger lediglich zum plumpen Generieren von möglichst viel medialer Aufmerksamkeit einmal mehr auf die falsche Fährte lockte, und die mittlerweile bis zur totalen Schmerzgrenze ausgereizte Strategie, bereits mehrmals auf den Markt gebrachtes Material in verschiedensten Konfigurationen immer wieder und wieder zu veröffentlichen, gehört hingegen abgestraft. „Weihnachtslichter“ als eigenständiges Album und dafür ohne billige Geheimniskrämerei inklusive Kaufzwang der Special Edition anzubieten, hätte vielleicht weniger schnell oder viel Resonanz erfahren, wäre jedoch deutlich kundenfreundlicher gewesen. Nun ja, manchmal ist genug eben wirklich genug und ein Schlussstrich ein Schlussstrich…

Informationen:

http://www.unheilig.com/home


https://www.facebook.com/Unheilig

 

Deine Lakaien - Dual+ (2021)

Genre: Alternative

Release: 26.11.2021

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Chrom Records


Spielzeit: ca. 40 Minuten

Fazit:


Außergewöhnliche Werke und Jubiläums-Veröffentlichungen in teilweise sehr aufwendigen Packages hat es von der deutschen Independent-Institution „Deine Lakaien“ in der Vergangenheit schon immer gegeben, doch mit ihrem erst im Frühjahr dieses Jahres erschienenen Doppel-Album „Dual“ haben Alexander Veljanov und Ernst Horn allerdings noch einmal die Messlatte ein gutes Stück höher gelegt. Was bei all der anspruchsvoll gestalteten und üppig dekorierten Verpackung aber vor allem nachhallt, ist die musikalische Umsetzung eines mehr als ambitionierten Projekts, nämlich die Gegenüberstellung von zehn ausgewählten Cover-Songs auf einem Album und zehn eigenen Kompositionen, die jeweils konkret zu diesen Tracks kreiert worden sind. Sobald diese Idee in die Tat umgesetzt wurde, hat das charismatische Duo allerdings eine solche Fülle an Material produziert, dass nun mit „Dual +“ ein weiteres Album erscheint, wobei teilweise das Konzept von „Dual“ fortgeführt wird, ohne sich dabei auf die strikte Paarung von Cover-Songs und eigenen Liedern zu beschränken. Mit „Dual +“ präsentieren „Deine Lakaien“ nun eine weitere feine Sammlung von eigenwilligen Cover-Versionen, dazugehörigen oder auch selbstständigen Eigenkompositionen und einem Remix, die die spektakuläre musikalische Bandbreite des Duos in all ihren Facetten offenbart und einmal mehr die eingeschworene Fangemeinde auf eine außergewöhnliche Reise entführt. Am 26.11.2021 kommt „Dual +“ über Chrom Records als Download, CD im aufwändig gestalteten Mediabook, 180g Doppel-Vinyl im Gatefold und CD mit strikt limitiertem Artbook auf achtundvierzig Seiten inklusive ausführlichen Interviews und bisher unveröffentlichten Fotos auf den Markt.

„Wir hatten die Idee entwickelt und uns ans Werk gemacht, und am Ende war es tatsächlich so, dass wir zweiunddreißig fertige Songs hatten…“, blickt Ernst Ahorn auf die Anfänge der Produktion zurück. „Die Auswahl der Cover-Songs lag zu großen Teilen in Alexanders Händen. Er entschied letztlich auch überwiegend, welche Songs davon auf die „Dual“ kommen sollten. Da hat er einfach auch mehr den Überblick, während ich eher in der Produktion drinstecke. Die Frage nach den Singles floss dann natürlich auch in die Zusammenstellung von „Dual“ ein, aber es war keineswegs so, dass auf „Dual“ alle Hits vereint werden sollten und „Dual +“ die Resterampe darstellt. Vielleicht klingt „Dual +“ etwas experimenteller, aber das ist wohl eher dem Zufall geschuldet.“, bemerkt Horn zur Entstehungsgeschichte der neuen Veröffentlichung. Eingeklammert von zwei Stücken, die den Hörer auditiv in die Nacht geleiten und somit zur Ruhe betten, beginnt „Dual +“: Einerseits ist das die Eigenkomposition namens „Cradle Song“, die in ihrer sanftmütigen Grundnote an das zauberhafte „Unknown Friend“ vom Vorgängerwerk „Dual“ erinnert. Die betörende Harfe, welche zwischen der zurückhaltend fiependen Elektronik der analogen Synthesizer, die im fast schon sakral anmutenden Mittelteil überdies noch mehr Raum zur Entfaltung zugesprochen bekommen sollen, initiiert über die gesamte Länge einen leicht folkloristischen Charakter. Über allem schwebt jedoch die betörend einnehmende Stimme von Alexander Veljanov, die dem Adressaten dieses durch und durch wohlig beruhigenden Stücks als Bewacher tröstende Geborgenheit von allen äußeren Einflüssen verspricht. Auf der anderen Seite schließt sich der Kreis mit dem „Wiegenlied“ des Komponisten Mikhail Glinka, einem Gebet für schlafende Kinder, das hier ganz im Stil der originalen Fassung in der russischen Sprache vorgetragen wird und sowohl den hohen, musikalischen Einfluss als auch die tiefe Verbundenheit zwischen den beiden Stücken nochmals mehr verdeutlicht. „Nightfall“ ist hingegen ein sehr klassisches Lakaien-Stück, welches sogleich derart nahtlos an die Eröffnung anschließt, sodass man den fließenden Übergang kaum bemerkt. Klassisch deswegen, weil es die Komposition trotz ihrer experimentellen Grundzüge und gewissen Sperrigkeit, wie beispielsweise die leichte Industrial-Prägung durch den Einsatz der metallischen Percussion, dennoch vollbringt, stets sehr melodisch und eingängig zu bleiben. Auch sind das eigene Arrangement und das passende Gegenstück, nämlich das „Pink Floyd“-Cover von „Set The Controls For The Heart Of The Sun“, wieder eine gute Spur weit elektronischer mit geradezu hypnotischer Sogwirkung. Der extrem psychedelische Einfluss der Ursprungsfassung wurde hier von Horn vergleichsweise stark zurückgenommen, minimalistisch arrangiert und damit fast schon auf das Wesentliche, auf den intensiven Kern, beschränkt, was dem Stück wirklich sehr gut zu Gesicht steht. Auch „Self-Seeker“ brilliert mit seiner stringent elektronischen Ausrichtung und vertrackten Komplexität, die schnell an die avantgardistischen Wurzeln der Lakaien erinnert. So schleppt sich der facettenreiche Song erst nur schwer voran und liefert so einige unberechenbare Umbrüche, um sich dann im Refrain schließlich zu steigern, bevor die angestaute Kurve wieder abfällt. Eine mitreißende Dramaturgie dieser wilden Mixtur aus extrovertierten Drums, knisternden Synthesizern und verquerer, ja, fast deplatziert wirkender, Poppigkeit, die ordentlich mit den üblichen Hörgewohnheiten fremdelt, aber gleichermaßen fasziniert. „Run (2nd Version)“ ist, wenig überraschend, die alternative Fassung der eigenen Antwort auf den unsterblichen „The Cure“-Hit „The Walk“. Ganz anders, als die bereits bekannte Variante von „Dual“, kommt diese hier weitaus weniger energetisch, bekräftigend und melodisch treibend daher, sondern durch den verschärften Fokus auf Piano, Streicher und die ungewöhnliche Rhythmik, eher fragil und geradezu verletzlich. „Als wir sie dann gemacht haben, stellten wir fest, dass die neue Version dem Song noch mal eine ganz andere Facette, einen ganz anderen Charakter verleiht im Gegensatz zur elektronisch dominierten Erst-Version.“, findet Veljanov. „Diese akustischere Version gibt dem Song doch noch einen ganz eigenen Dreh, was wir sehr spannend fanden. Obwohl der Gesang auf der zweiten „Run“-Version derselbe geblieben ist, wie auf der Ursprünglichen, hört sich das subjektiv für mich so an, als hätte ich den Song ganz anders eingesungen.“, gesteht er. Ein ganz besonderer Höhepunkt ist die Interpretation des bekannten „R.E.M.“-Klassikers „Losing My Religion“, dessen Bearbeitung auf Wunsch von Alexander Veljanov ausgewählt wurde und durch das einsame Klavier, die dezent untermalenden Flöten und natürlich auch die verdammt ausdrucksstarke

Stimme, welche das ohnehin schon grandios packende Lied verzweifelt und herzergreifend klagend trägt, nahezu perfekt in Szene gesetzt wird. Durch die überraschenderweise komplett akustisch-klassische Ausrichtung, ohne jeden Hauch von Elektronik oder einem sich steigernden Aufbau zwischengelagerter Elemente, wie etwa bei „Because The Night“, gewinnt der Song nur zusätzlich an purer Emotion. „Ich wäre von selbst nie auf den Song gekommen…“, unterstreicht Ernst Horn. „Aber das war auch das Spannende an dem Album. Man lässt sich erst einmal auf die Sachen ein. Ich fand es dann ganz erstaunlich, wie sich der Sänger in dem Lied immer wiederholt, und das ist ein ganz anderer Aufbau als bei unseren Songs. Im Original höre ich da so etwas Manisches heraus. Es ging gar nicht so darum, aus den ganzen Songs etwas „Deine-Lakaien“-mäßiges zu machen, sondern sich auf etwas einzulassen, das einfach anders ist.“ - Und das ist es tatsächlich! „Ich finde, wir haben dem Lied einen ganz eigenen Charakter verliehen, der viel strenger und viel weniger lieblich ist als im Original, auch durch die klassische Herangehensweise von Ernst mit der klavierbetonten Note, die aber nicht in Richtung Piano-Ballade, sondern eher in die experimentelle Richtung geht. Da wird das Klavier fast zur musikalischen Nähmaschine, die den melancholischen, klagenden und rastlosen Gesang des Liedes geradezu anpeitscht!“, geht Veljanov angetan weiter auf die Arrangement-Kunst seines Kollegen ein. „Mr. DNA“ entstammt der Diskographie der amerikanischen New-Wave-Band „Devo“ und ist erstaunlicherweise lediglich der zweite Part des Doppel-Songs „Smart Patrol / Mr. DNA“ ihres im Jahr 1979 veröffentlichten Zweitlings „Duty Now For The Future“. Der gesellschaftskritische Blick auf das Fehlverhalten der Menschheit wird im schnellen, geradezu gehetzten Sprechgesang vorgetragen, was viel seiner Stimmung ausmacht. „Der intellektuelle Electro-Punk von „Devo“ war immer Ernsts große Leidenschaft. Ich habe „Devo“ auch immer gerne gehört, aber das Stück hat ja weniger mit Gesang zu tun, sondern eher mit Shouting.“, bemerkt Alexander. „Ernsts Arrangement steht in der langen Tradition experimenteller Lakaien-Stücke, die in unserer Geschichte immer wieder auftauchen. Ich habe es gerne versucht, und Ernst hat sich gefreut, dass ich es interpretiert habe.“, heißt es weiter zum Hintergrund. Das folgende „Altruist“ nimmt in einem textlichen Abschnitt klaren Bezug auf jenen vorherigen Song, zeigt sich rein musikalisch gesehen aber von einer anderen Seite. Ist deutlich introvertierter und sehr viel nachdenklicher, was bei der entsprechenden Thematik praktisch unausweichlich ist, wie die interessante Erläuterung von Ernst Horn bekräftigt: „Es gibt ja so Menschen, die für andere leben und dann auch entsprechend ausgenutzt werden und sich da auch nicht wehren können, weil sie dann ein Schuldgefühl bekommen, wenn sie einen eigenen Wunsch formulieren sollen…“. Das irrwitzige „Fork“ ist der wohl herausforderndste und kraftvollste Song voller Sound-Diversität und konträrer Eindrücke. Die lyrische Abrechnung mit einem Egomanen, bezieht sich nicht, wie man aufgrund des Titels vielleicht denken könnte, etwa auf „Spoon“ von „Dual“, sondern dient als Pendant zu einem Cover, das allerdings bisher nicht veröffentlicht wurde. Anders, als man eventuell vermuten könnte, wenn man die zwei Lakaien nicht besser kennen würde, ist „Dual +“ absolut kein bloßes Ausschuss- oder Bonusmaterial geworden, sondern eine nur allzu konsequent weiterentwickelte und gewohnt hochwertig konzipierte Fortsetzung mit eigener Note. Im direkten Vergleich zum im Frühjahr erschienenen Doppelalbum zeigt man sich mit „Dual +“ sogar noch mutiger, indem man nur zu gerne mit stark einschneidenden Kontrasten, wechselhaften Stimmungen und vielseitigen Melodien in den hochkomplexen Arrangements spielt, die eine ganz spezielle Dynamik irgendwo zwischen Kammermusik und Klassik, Avantgarde und Industrial freisetzt. Ohne die betonte Suche nach dem nächsten Szene-Hit als Ziel vor Augen und mit teilweise verblüffend einfachen, reduzierten oder auch unkonventionellen Mitteln, weiß das Duo nach wie vor zu überraschen, verzücken, überfordern und verstören. So schaffen „Deine Lakaien“ kunstvoll und zeitlos die große Geste und dramaturgische Inszenierung, ohne dabei jemals zu kryptisch oder überladen zu sein, was dieses Mal wahrscheinlich auch der vergleichsweise kurzen Trackliste zuzuschreiben ist, welche mehr auf jeden Song im Einzelnen und alle Details konzentrieren lässt. „Dual +“ ist nicht weniger, als die zweite Sammlung von beeindruckend interpretierten Cover-Versionen, sowie den dazugehörigen und doch hervorragend für sich allein stehenden Eigenkompositionen, die als exemplarisch für die schier endlose, künstlerische Bandbreite der Lakaien steht!

Informationen:

https://www.deine-lakaien.com


https://www.facebook.com/DeineLakaien/

 

Mono Inc. - The Book Of Fire (Platinum Edition) (2021)

Genre: Rock / Alternative

Release: 10.12.2021

Anzahl Ton- / Bildträger: 3

Label: NoCut (SPV)

Spielzeit: ca. 159 Minuten

Fazit:


„The Book Of Fire“ schoss im Januar 2020 auf die #1 der offiziellen deutschen Albumcharts und erhob „Mono Inc.“ endgültig in den Olymp der schwarzen Szene. Das wohl komplexeste Konzeptalbum der Hamburger Dark-Rock Formation begeisterte in Windeseile sowohl Fans als auch die Presse. Musikvideos, die eindringlich und fast schon fühlbar die Geschichte der Heilerin Aellin erzählen, dürften das Ihre dazu beigetragen haben. Nun haben sich „Mono Inc.“ etwas ganz Besonderes ausgedacht: Am 10. Dezember 2021 veröffentlichen sie die „The Book Of Fire (Platinum Edition)“, die neben dem grandiosen Erfolgsalbum zwei weitere Highlights bereithält. Zum einen entstand im Rahmen ihrer erfolgreichen „We Are The Raven“-Open Airs, die die Legenden rund um Mastermind Martin Engler im Sommer 2021 spielten, eine Live-Aufnahme des Konzertes im wunderschönen Wasserschloss Klaffenbach bei Chemnitz. Elf besondere Schmuckstücke aus dem Konzert wurden nun auf CD verewigt und bringen als zweite CD des hochwertigen Digipaks Festival-Feeling nach Hause. Eine wunderbare Gelegenheit, um in Erinnerungen zu schwelgen und das phänomenale Duett „Right For The Devil“ feat. „Storm Seeker“ in einer einzigartigen Version zu Hause zu erleben. Zum anderen hat Multiinstrumentalist Martin Engler in einer intimen Live-Session im romantischen Ambiente einer altehrwürdigen Kirche im Norden Deutschlands alle Songs von „The Book Of Fire“ in gefühlvollen Piano-Version eingespielt. Diese einmalige Atmosphäre kann man auf CD 3 der Platinum Edition bei sich zuhause erleben - genau das richtige für kuschelige Winterabende vor dem Kamin! „The Book Of Fire (Platinum Edition)“ erscheint am 10.12.2021 via NoCut als digitaler Download, 3-CD-Version im Digipak und streng auf 1.000 Stück limitierte, edle Fan-Box mit Magnetverschluss. In dieser befindet sich neben dem Album eine von der ganzen Band handsignierte Grußkarte aus Mattfolie-kaschiertem 300g-Chromokarton im Format DIN-A-6 (21x14, 8 cm) mit einem brandneuen Foto, ein schwarzes Silikonarmband, ein exklusiver Tourpass der „We Are The Raven“-Open Airs an einem individuellen Lanyard und eine originale Rabenfeder von den ersten Flügeln, die Schlagzeugerin Katha Mia in der Video-Trilogie von „The Book Of Fire“ getragen hat. Stilvoll in einen hochwertigen, schwarzen Rahmen (33x33cm außen, 30x30cm innen) eingefasst, von denen jeder ein Echtheitszertifikat auf einer Edelstahlplakette, sowie eine Nummerierung trägt. Als besonderes Highlight erhalten alle Boxen, die über den Shop der Band bestellt werden, ein einzigartiges Polaroid, welches auf den "We Are The Raven“-Open Airs entstanden ist (nur solange der Vorat reicht).

Da das Herzstück und der eigentliche Kern dieser Edition noch immer das im Januar 2020 veröffentlichte Studioalbum „The Book Of Fire“ bildet, welches hier zusätzlich um zwei weitere CDs ergänzt wird, die anschließend natürlich noch separat besprochen werden, schicke ich dieser Rezension vorerst aber noch einmal das letztjährig gezogene Fazit zum Hauptwerk voraus: Vorsicht, Brandgefahr! Die vier Hamburger Dark-Rocker von „Mono Inc.“ öffnen mit ihrem mittlerweile elften Studioalbum das mystische „The Book Of Fire“. Ganz ähnlich, wie auch bei den beiden direkten Vorgängern „Together Till The End oder „Welcome To Hell“ erwartet den Hörer hier ein aufwändig strukturiertes Gesamtwerk mit einem in sich geschlossenen Konzept und einer zusammenhängenden, fiktiven Geschichte als narrativen Leitfaden. Dieses Mal entführt die durchdachte Storyline nicht etwa in die Zeit der Sturmflut oder Pest, sondern der Hexenverfolgung und Inquisition. Die vertonte Erzählung von Hauptcharakter Aellin und jenem sagenumwobenen Relikt, das jahrelang gesammeltes Wissen in sich vereint und seine Auserwählten fortan ins Fadenkreuz der Gegenseite rückt, schlägt mit seinen unterschwellig kritischen Zwischentönen einen gekonnten Bogen zur Neuzeit und lässt sicher nicht ganz unbewusst abermals weitreichende Interpretationen zu Hetzkampagnen, Verblendung, Meinungsmache, Freiheit, Instrumentalisierung und der Verfolgung von Minderheiten zu, was sowohl der Aktualität als auch einer klaren Positionierung nicht nur sehr zuträglich, sondern auch äußerst lobenswert ist. Wie schon zuvor, nimmt man sich auch in musikalischer Hinsicht der in der jeweiligen Epoche angesiedelten Thematik an und setzt atmosphärisch bedingt auf eine entsprechende Instrumentierung, wie beispielsweise leichte Folk-Anteile, ohne den bekannten Sound dabei allzu sehr zu verfremden. Das durchaus ambitionierte Vorhaben der eigenen Weiterentwicklung, welches auf dem letzten Longplayer erstmals verstärkt zum Tragen kam, wird nun noch mehr intensiviert, was sich insbesondere in der Vielschichtigkeit des frischen Materials zeigt, mit dem sich die vier Monomanen redlich bemühen, ein gutes Stück weit aus ihrem selbstgeschaffenen Kreislauf der eingängigen, zuverlässigen Gothic-Rock-Hitmaschinerie auf Nummer sicher auszubrechen. Das ist löblich und funktioniert über weite Strecken auch ziemlich gut, allerdings erscheint die auferlegte Komplexität manchmal doch zu sehr gewollt und streckt manchen Song leider gar unnötig in die Länge, ohne den Arrangements fernab dessen neue Nuancen hinzuzufügen und ihnen somit einen echten Mehrwert bieten zu können. Viel mehr sind eigentlich hervorragend komponierte Stücke, wie etwa der Titeltrack oder „Where The Raven Flies“, fast mit zu vielen unterschiedlichen Wechseln und Elementen unterfüttert, was zwar nicht direkt Zulasten der ohnehin hohen Eingängigkeit geht, wohl aber den Einstieg zuweilen etwas erschwert und den flüssigen Drive der oftmals grandiosen Melodien zeitweise unterdrückt. Also ein durchaus gut gemeinter Kunstgriff, den die mitreißenden Nummern aber überhaupt nicht nötig gehabt hätten. Manch andere Nummer, so zum Beispiel das rasant treibende „Run For Your Life“, wirkt durch diese ambivalente Machart sogar ganz so, als ob sie nicht so recht wisse, was sie denn nun sein will und mutet trotz des enorm hochgeschraubten Tempos und Härtegrades eher zahnlos an. Mit dieser vollkommen unangebrachten Zurückhaltung beraubt sich die Band manchmal gleich wieder selbst um den aufkeimenden Mut, sich weiter von der monomanischen Nabelschnur zu lösen. Dass Konzept und Wurzeln jedoch genauso gut Hand in Hand gehen können, zeigen wiederum „Louder Than Hell“, „Warriors“, „The Last Crusade“, „Right For The Devil“ und „The Gods Of Love“, die allesamt gewohnt catchy-vertraut sind und sich doch angenehm anders hören. Eines ist aber bei jedem neuen „Mono Inc.“-Release so sicher, wie der Name der Hauptprotagonistin im Buch des Feuers: Die treuen Fans werden das Album ohnehin lieben! Auch Einsteiger und Interessierte dürften allein schon anhand der spannenden Ausarbeitung schnell auf den Geschmack kommen und durch letztgenannte Songs direkten Zugang finden, wie der erste Platz in den deutschen Media Control Charts nach vielen Jahren der Arbeit so beeindruckend, wie verdient belegt. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle! In jedem Fall legt das Quartett mit „The Book Of Fire“ vielleicht nicht sein bisher bestes, dafür aber rundestes Gesamtwerk in gewohnt hoher Qualität vor, das gerade live auf der kommenden Tournee seinen vollen Zauber entfalten wird: Lauter als die Hölle! So weit, so bekannt. Widmen wir uns nun also dem umfassenden Bonusmaterial: Am 31.07.2021 spielten die vier Hamburger Dark Rocker von „Mono Inc.“ im Rahmen ihrer diesjährigen „We Are The Raven“-Tournee unter anderem auch eine Show im Wasserschloss Klaffenbach zu Chemnitz und es sollte tatsächlich ein ganz besonderes Konzert sein, denn anders als noch bei den coronakonformen Strandkorb Open Airs galt hier aufgrund der sinkenden Zahlen erstmalig keine Abstandsregelung, Masken- oder Testpflicht mehr. In korrekter Reihenfolge der Setlist startet die zweite CD stimmungsvoll mit dem neuen Intro und gleichzeitig Tour-Motto „We Are The Raven“, welches sich als schön ausgewogener Mix aus atmosphärischen Ambient-Sounds, einem dunklen Mantra und Spoken-Word-Passagen, die mit netter Bildsprache in bester Hörbuch-Manier einen eindeutigen Bezug auf das aktuelle Geschehen nehmen und gesellschaftliche Solidarität predigen. Schade ist nur, dass jene Einführung in das Konzert ziemlich stark beschnitten worden ist und somit nicht das komplette Erlebnis bietet, was aber vermutlich nur für die wenigsten Hörer ins Gewicht fallen dürfte. Mit dem hymnischen Opener „The Last Crusade“, dem ausgedehnten Titeltrack „The Book Of Fire“ inklusive Gitarren-Solo und dem furiosen Folk-Rocker „Right For The Devil“ gibt es danach gleich drei Songs, die schon einmal einen kleinen, vorfreudigen Ausblick auf die mittlerweile mehrmals verschobene Tour zum Album gewähren. Letzteres gibt es als stimmiges Feature mit den Label-Kollegen von „Storm Seeker“, die während der Sommer-Shows als Support-Act vertreten waren. Warum man jedoch die gemeinsame Live-Premiere mit den Spielleuten von „Tanzwut“, die schon an der originalen Studio-Version beteiligt sind und die feurige Nummer auf der Rennbahn Hoppegarten Berlin in 2021 erstmalig mit „Mono Inc.“ performten, nicht ebenfalls aufgenommen und veröffentlicht hat, bleibt fraglich. Mit dem powernden „Funeral Song“, der dramatischen Widmung „When The Raven Dies Tonight“ und natürlich „Welcome To Hell“, dem großartigen Titelsong des gleichnamigen Vorgängerwerks, gibt es drei weitere Stücke aus der jüngeren Ära der Monos. Ebenso verhält es sich mit der schwelgerischen Fernweh-Ode „Boatman“, dem rockigen „The Banks Of Eden“ und der beliebten Szene-Hymne „Children Of The Dark“, die hier ohne die Beteiligung der drei Gastsänger auskommt und damit der daraus resultierenden Neuaufnahme aus 2021 gleicht, die es mittlerweile übrigens als separate Single auf CD und Vinyl gibt. Das emotionale Highlight bildet aber die Ballade „An Klaren Tagen“ im Duett mit Schlagzeugerin Katha Mia - Gänsehaut garantiert! Darüber hinaus ist der Sound stets sehr voluminös und nur an manchen Stellen ein wenig zu schwach abgemischt worden. So geht beispielsweise das Publikum teilweise unter und auch die ein oder andere Kürzung hätte nicht unbedingt sein müssen, worunter der Live-Charakter etwas leidet. Und auch wenn aus offensichtlichen Platzgründen leider nicht das komplette Konzert auf der zweiten Disc enthalten ist, so stellt die wirklich gelungene Aufnahme aus Chemnitz doch eine schöne Erinnerung für jeden Besucher der sommerlichen Konzerte und ohnehin einen großen Mehrwert für alle CD-Kompletisten dar, hat man sich bei der Auswahl doch erfreulicherweise (fast) ausnahmslos auf die jeweils neuen Songs der letzten zwei Headliner-Tourneen konzentriert, die bisher weder auf „Live“, noch auf „Symphonic Live“ erschienen sind und somit in ihren entsprechenden Live-Versionen bisher nicht erhältlich waren. Sehr schön! Der ein oder andere Klassiker hätte aber natürlich dennoch gerne auf dem Silberling Platz finden dürfen. Die nette Idee, die Stücke der letzten Studioalben zusätzlich als alternative Piano-Fassungen zu veröffentlichen, kam bei den vier Nordlichtern erstmals 2017 bei „Together Till The End“ als Teil der Fan-Box auf und wurde ein Jahr danach mit „Welcome To Heaven“, der Bonus-Disc zum regulären Hauptalbum „Welcome To Hell“, fortgesetzt. Diesbezüglich ging „The Book Of Fire“ bislang leer aus: So lag sowohl der CD im Digipak als auch der limitierten Box-Variante etwa nur eine DVD mit den bis dato veröffentlichten Video-Clips bei, das große Earbook hingegen enthielt die den Songs zugrundeliegende Geschichte als von der Band gelesenes Hörbuch. Die aktuelle Platinum Edition schafft da Abhilfe und bietet dem Fan alle zwölf Lieder von Martin Engler am Klavier intoniert. Das Konzept, die sonst so rockigen Nummern im reduzierten Gewand und ohne Gesang zu präsentieren, funktioniert mit den einprägsamen Melodien sehr gut und versprüht gerade in der kalten Jahreszeit eine wunderbar intime, beruhigende und wärmende Stimmung, die zum Innehalten und Träumen einlädt. Das perfekte Weihnachtsgeschenk für alle treuen Raben, oder?

Informationen:

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