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  • Christoph Lorenz

Blackfield Festival - Tag II - Amphitheater, Gelsenkirchen - 13.06.2015


Veranstaltungsort:

Stadt: Gelsenkirchen, Deutschland

Location: Amphitheater Nordsternpark Kapazität: ca. 6.000

Stehplätze: Ja Sitzplätze: Ja Homepage: http://www.blackfield-festival.de

Samstag, 13.06.2015 - Blackfield Festival Tag 2:

Ich wache auf und bin über alle Maßen müde. Der Kopf schmerzt und die Knochen ebenso. Ich war am Abend zuvor erst sehr spät zu Hause und als ich angekommen war, ließ ich den ersten Festival-Tag noch einige Zeit gedanklich Revue passieren, anstatt mich umgehend ins Bett zu legen und mich auszuruhen. Ich quäle mich langsam aus meiner Bastion aus Decke und Kissen und beginne mich langsam aber sicher fertig zu machen. Offenbar habe ich viel zu wenig Schlaf bekommen oder ich bin es nach über einem Jahr Festival-Abstinenz nicht mehr wirklich gewohnt, an langen, warmen Sommertagen stundenlang vor großen Bühnen zu stehen. Während ich mir meinen ersten Kaffee mache, schwindet auch allmählich die schwere Müdigkeit. Nachdem ich mich in (schwarze) Schale geworfen habe, setze ich mich in den Bus Richtung Wanne-Eickel Hauptbahnhof, um von dort aus abermals an diesem Wochenende nach Gelsenkirchen zu gelangen. Und ehe ich mich versehe, stehe ich wieder an der Haltestellen-Insel und warte auf den Bus. Dieses Mal erlege ich mir selbst höchste Konzentration auf, um nicht wieder weit im Voraus aussteigen und den halben Weg zum Amphitheater bei diesen Temperaturen laufen zu müssen. Und die Konzentration macht sich bezahlt: Ich steige tatsächlich nicht zu früh, sondern direkt am Krokuswinkel aus und begebe mich zusammen mit vielen anderen Schwarzgewandeten von der Haltestelle aus über den Parkplatz, bis zum Ort des Geschehens. Der Soundcheck scheint erneut in vollem Gange zu sein, dennoch ist es noch, genau wie einen Tag zuvor, recht ruhig vor und auf dem Gelände. Die Sonnenstrahlen scheinen bereits jetzt durch die wenigen Wolken vom Himmel herab und sorgen für das Gefühl sich schon jetzt das erste kühle Getränk gönnen zu wollen. Gesagt, getan. Da es wie erwähnt noch relativ entspannt im Theater zugeht, haben die bereits erschienenen Gäste noch die freie Platzauswahl. Ich suche mir ein Fleckchen auf einer der obersten Stufen und warte auf den Beginn.

Mainstage, 11.00 Uhr - X-Divide:

Und diesen Beginn machen heute die Synthie-Popper "X-Divide" aus Nordrhein-Westfalen, Köln. Das Duo Eric Schmaler (Gesang) und Jens Domgörgen (Keyboard, Background-Gesang) kann bereits eine Promo-EP, als auch ein Studio-Debüt, mit Namen "X" vorweisen. Ist die Band einigen der Anwesenden durch ihre zahlreichen Support-Aktivitäten für Bands wie "AND ONE" bereits ein Begriff und Keyboarder Jens der Blackfield-Gemeinde sonst als Moderator des Festivals bekannt, so präsentiert dieser heute zusammen mit seinem Kollegen lupenreinen, elektronischen Pop mit absoluter Ohrwurmgarantie. Der Fokus des Sets liegt klar auf ihrem 2010er Werk, mit tanzflächentauglichen Hits wie "My Love Is..." oder "Forever". Der Sound ist äußerst rhythmisch und einprägsam, erinnert mitunter an die goldenen Zeiten des Snythie-Pops. Die Stimme von Sänger Eric verleiht der Musik der Kölner den melancholischen, warmen Touch, die Performance ist professionell und sicher. Nahezu jeder Song zündet und bringt schon zu früher Stunde einiges an begeisterter Bewegung in die ersten Reihen. Ein Projekt, welches man gern immer wieder hört und vor allem live sieht. Ein Nachfolge-Album wäre wünschenswert, denn den Job des Openers erfüllten die beiden Musiker mehr als gut!


Mainstage, 11.45 Uhr - Frank The Baptist:

Die US-Amerikaner "Frank The Baptist" führen dann, mit ihrer eigenständigen Mischung aus Indie, Punk und Rock, weiter durch den Festival-Tag. Um das Jahr 1990 herum gegründet und mit einigen Wechseln im Band-Kader, können die Kalifornier und Frontmann Frank Vollmann bereits zwei EPs, sowie vier Alben vorweisen. Nach einer längeren Schaffenspause von rund acht Jahren, legten sie 2015 mit "As The Camp Burns" gebührend nach. Teilten sie in der Vergangenheit schon mit Genre-Größen wie "In Extremo" oder "Clan Of Xymox" die Bühnen dieser Welt, so stehen sie dieses Mal auf dem Blackfield. Und diese Aufgabe meistern sie, wie alte Hasen im Geschäft, mit viel Bravour und einer souveränen Show und allen voran ganz viel Spaß an der Sache. Gitarrist Ralf Hünefeld, Bassist Ilija Gavrilenko und Drummer Slady, sind sich aufgrund reichhaltiger Erfahrung ihres Tuns sicher, die Spielweise ist dynamisch, sauber und stimmig und steht im Einklang mit Songs, die schnell ins Ohr gehen. "Diogenese Travels", "Hold Fast" oder "Ashes Ashes" kommen bestens an, ebenso älteres Material aus der Frühphase. Eine Band, welche so einiges hinter sich hat und dennoch nichts an ihrer markanten Kreativität eingebüßt und ihr virtuoses Schaffen, sowohl live, als auch im Studio, stets ausgebaut hat. Man hofft stark, diese Ausnahmeband bald auf einem der weiteren, zahlreichen Festivals und auf eigener Headliner-Tour wiedersehen zu können.

Mainstage, 12.35 Uhr - She Past Away:

Dunkle Sound-Gebilde und tiefgründige Lyrics, stehen auch bei der nächsten Band im Programm an. Die türkische Band "She Past Away", um das Kreativ-Duo Doruk Öztürkcan und Volkan Caner, wird von Kritikern hoch gelobt und als die "neue Dark Wave" propagiert. Ganz im Stil der 80er Jahre, ähnelt der Sound wahren Musik-Legenden wie "The Sisters Of Mercy" oder "The Cure". Mit neuartigen Elementen, frischem Ansatz der Gegenwart und Texten in ihrer Muttersprache, bringt diese außergewöhnliche Band ihr Programm heute aufs Blackfield. Viele der Anwesenden, dürften die Musiker noch vom Amphi Festival kennen, alle anderen lernen diesen interessanten Vertreter heute kennen. Das Set besteht aus Nummern der beiden Veröffentlichungen "Belirdi Gece" (2012) und "Narin Yalnızlık" (2015), sowie Material der EP "„Kasvetli Kutlama“. Und dieses zündet bei vielen schon sofort, wer nicht vor der Bühne steht und in Bewegung ist, sondern auf den Rängen Platz genommen hat, hört zumindest gespannt hin. Die beiden Titel-Tracks finden großen Anklang, ebenso "Rituel" oder "Soluk". Zu leichter Elektronik gesellen sich rauchige Gitarren-Wände, treibende Drum-Rhythmen und gelungener Gesang. "She Past Away" bringen den Sound längst vergangener, doch nicht vergessener Zeiten zurück und punkten damit. Zurecht. Ein spannendes Projekt, von dem so mancher hier wohl gern mehr gesehen und vor allem gehört hätte.

Mainstage, 13.25 Uhr - .com/kill:

Als nächstes folgt das Geheim-Projekt einer Band, von welchem auch heute noch die wenigsten genaueres über die Hintergründe wissen und welches sich ohne weiteres als heißer Insider-Tipp verstehen darf. Seit 1996 arbeitet man hinter den Kulissen der erfolgreichen "Diary Of Dreams" an einem Nebenprojekt: ".com/kill". Die Auftritte der beiden Kreativköpfe Adrian Hates und Gaun:A sind bisher rar gesät, ebenso verhält es sich mit der bisherigen Diskografie, welche mit nur einem einzigen Album aus dem Jahre 2013 aufwarten kann. Die Zeit abseits der wichtigen Hauptband scheint bisher knapp gewesen zu sein, unterscheiden sich Musik und Performance doch erheblich vom sonstigen Schaffen des Duos. Knallende Rhythmen, stampfende Elektronik und aggressiver Gesang versprühen ungewohnte Härte und Düsternis. Kommt das gesamte Klangbild der Hauptband eher rockig-melodiös daher, so offenbaren die beiden Musiker hier nun eine ganz andere Seite. Morbide, laut und exzessiv entfalten sich die Tanzflächen-tauglichen Nummern, zwischen Synthie-Pop und sperrigem EBM. Genügend Fans scheinen die beiden dennoch anzuziehen, weswegen der Raum vor der Bühne bereits gut gefüllt ist, sich im Takt des Dargebotenen bewegt und die Show mit Tänzen zu Songs wie "Monster Divine" gebührend quittiert. Anschließend wünschen sich viele der Anwesenden zurecht ein neues, zweites Album und somit neuen Stoff für künftige Club-Besuche und Konzerte. Wünschenswert wäre es allemal.


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