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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Joachim Witt - Thron (2016)


Genre: Rock / Alternative

Release: 09.09.2016

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Ventil Records (Soulfood)

Spielzeit: 47 Minuten

Pressetext:

Joachim Witt hat sich im Laufe der Dekaden einen Ausnahmestatus unter Deutschlands Musikern erarbeitet. Er darf ungeniert Genres wechseln, Stile mischen und sich selbst immer wieder neu erfinden, ganz, wie ihm der Sinn steht seine Fans bleiben ihm treu. Weil sie wissen, dass sich hinter dem künstlerischen Wandel noch immer derselbe Mensch verbirgt. Ein Mensch, der - genau wie wir durch alle Stimmungslagen getrieben wird. Joachim Witt vermag es jedoch wie kein Zweiter, sie mit ungebremster Intensität zu vermitteln. Deshalb ist es auch bei seinem inzwischen 16. Studioalbum Thron gar nicht notwendig, sich erst umständlich auf die Musik einlassen zu müssen Witt packt einen mühelos dort, wo es weh- oder wohltut. Es ist, wie er sagt, zu weiten Teilen ein Album für die schwierige Zeit, in der wir leben. Kampfgeist und Beinahe-Resignation liegen auf Witts Thron dicht beieinander. Du wirst dich erholen vom Herbst , versichert er im Song Lebe dein Leben ; ein Satz, der in seinem Minimalismus die ganze Wahrheit des Prinzips Hoffnung umschreibt. Unterschwelliger Humor darf natürlich auf keiner Witt-Platte fehlen: Wenn Joachim zu zwingenden Mosh-Rhythmen Alle nicken singt, ist das als selbstironischer Verweis auf seine Bayreuth -Trilogie zu verstehen.

Auch wenn Joachim Witt sich mit den neuen Songs auf keine eindeutige Soundkategorie festlegen lässt, klingt Thron mit all seiner Intensivität und auch Intimität wie ein in sich fest geschlossenes Werk - mit vielen Facetten. Das gute, alte Melotron darf in mehreren Songs den Klangteppich auslegen; es gibt ausgiebige Gitarrensoli, auf die ein David Gilmour stolz wäre. In Tag für Tag greift Witt in den Strophen zu eher jazztypischen Harmonien (Stichwort maj7 ), um dann einen Powerchord-Refrain zu präsentieren, für den der nicht 1:1 übersetzbare Begriff epic am treffendsten ist. Hier trifft großes Können auf spielerische Freiheit. Zusammen mit Produzent und Mitautor Bassel Hallak hat Joachim Witt ein Album aus dem Boden gestampft, dass so stimmig und rund geworden ist, als habe er Jahre der Planung damit verbracht.

Kritik:

"Tag für Tag versuche ich den Grund zu sehen

Warum geht es nicht anders, ich kann mich nicht gewöhnen

Tag für Tag verschwindet Glück ins trübe Licht

Ich kann mich nicht gewöhnen und trotzdem lebe ich"

Was war das vor einigen Jahren noch für ein nervenaufreibender Medienrummel: Zahlreiche Beschwerden, Hasstiraden und sogar Morddrohungen, boten die Grundlage für einen Shitstorm der besonders aggressiven Art. Ganz gleich ob virtuelles News-Journal, soziales Medium oder Video-Plattform - nahezu jeder schien sich zu einem vorschnellen Urteil berufen. Der Auslöser: NDW-Koryphäe Joachim Witt und sein Musikvideo zum Song "Gloria", in welchem Soldaten mit nationalem Abzeichen schonungslos Gräueltaten begingen und so ein düsteres, doch nicht minder realistisches Szenario des Schreckens auf die heimischen Bildschirme projizierten. Das zugehörige Album "Dom" chartete dennoch erfolgreich und der ruhmreiche Siegeszug schien gerade erst begonnen zu haben. War der Hamburger bereits in der Vergangenheit immer wieder für die ein oder andere musikalische Kooperation zu haben, so hatte sich auch dieser Tage nichts an seiner Neugierde und Experimentierfreude geändert. Im Gegenteil, sie schien erneut erwacht zu sein. Mit "Kein Weg Zu Wei" folgte ein Duett mit Martin Engler, dem Frontmann der Gothic-Rock-Formation "Mono Inc.", inklusive anschließender Tour und vereinzelten Festival-Auftritten. Das Streitross war gesattelt, das Feuer des goldenen Reiters wieder entfacht. Nur ein Jahr später macht Witt sich ungewohnt elektronisch auf die Suche nach dem "Neumond" oder begab sich via "Pledge"-Kampagne in die Tiefen des eigenen "Ich". Sowohl das stimmige 2014er-Werk, als auch der experimentelle Selbstversuch erzielten groß Erfolge und ließen die treue Anhängerschaft nicht nur wieder auferstehen, sondern vergrößerten sie regelrecht auf ein Vielfaches. Diesem Umstand scheint es auch zu verdanken zu sein, dass der kreative Fluss des Grandseigneur deutschsprachiger Musik auch 2016 einfach nicht abebben will und so startete jüngst die nächste Unterstützer-Aktion. "Thron", so der majestätisch anmutende Titel der aktuellen Veröffentlichung, ließ im Vorfeld lediglich durch das zuvor live performte "Tag Für Tag" die eventuelle Gangart erahnen und doch sollte das angepeilte Budget schon bald erreicht sein. Der oftmals steinige Weg zur königlichen Erhabenheit war also geebnet und auch die Single "Lebe Dein Leben" verfehlte ihr Ziel nicht und schlug in der Community großteilig wie eine Bombe ein. Welch musikalische Gefilde der wandelbare Altmeister in seinem neuesten Album durchfährt, lest ihr jetzt.

Ein wabernder Teppich aus zurückhaltender, doch auffallend prägnanter Elektronik lässt kurzweilige Erinnerungen an die vorletzte Veröffentlichung erwachen, schon wenig später durchbricht jedoch ein taktgebender Drum-Rhythmus die bedrohlich wirkende Synthetik. Beschwörend legt Witt seine markante Stimme auf die Strophen und bettet diese in die mal mahnende, mal aufrüttelnde Message von "Einheit". Aufpeitschende, groß angelegte Choräle erheben sich in cineastischer Manier im epochalen Refrain, schaffen treffend eine fast schon apokalyptische Endzeitstimmung aus purer Angst und instrumentieren somit den aktuellen und nicht minder wichtigen Aufruf zu mehr Menschlichkeit, Zusammenhalt und Gemeinsamkeit. Ein eindrucksvoller Einstieg, wie er eingängiger und kraftvoller nicht sein könnte. Eine sanfte Klaviermelodie ist dann im Folgenden die Basis für "Geh Deinen Weg", welches in seiner Gesamtheit Power-Ballade und typische Witt-Nummer zugleich ist. Wie von den vorherigen Alben bereits gewohnt, übernimmt der sympathische Hanseat hier eine distanzierte, doch gleichzeitig auch umso nahbarere Perspektive ein und wird seiner Aufgabe als erfahrener Künstler und Mensch gerecht, den Empfänger in Zeiten der Schwäche zu stärken und diesem Mut zuzusprechen. Insbesondere der mitreißende, energetisch intonierte Refrain trägt zur klaren Aufbruchstimmung bei und befeuert zusätzlich zu Selbstreflexion, vor allem aber Durchhaltevermögen, Beständigkeit, Vertrauen und Glaube an das eigene Ich und Tun. Das rockig-orchestrale Arrangement aus lauten und leisen Tönen, verleiht den letzten Feinschliff. Der Sound im Hier und Jetzt, mit leichten „Dom“-Anleihen im Kern und doch immer unverkennbar noch der Alte geblieben: Wie Phönix aus der Asche! Das sich Witt auf „Thron“ auch Geschehnissen aus dem Hier und Jetzt annehmen würde, offenbarte er schon in den ersten Minuten seines 2016er Releases. „Rain From The Past“ bleibt dieser Ausrichtung sowohl thematisch, als auch inhaltlich treu. Behutsame Streicher tragen die resignierenden Zeilen durch die ersten Minuten, erst später fusioniert die symphonische Melange dann mit Schlagzeug, Bass und Gitarre. Anders als vielleicht vermutet, präsentiert sich hier lediglich der Hauptteil in englischen Lyrics, paart sich später mit Kinder-Chören. Dass die Menschheit dieser Tage scheinbar unaufhaltsam und blind auf die nächste Wand zusteuert und offensichtlich nichts aus der Vergangenheit gelernt hat, haben bisher nur die wenigsten erkannt. Dunkle Wolken bilden und verdichten sich mehr und mehr, der besungene „Regen der Vergangenheit“ droht unnachgiebig herbeizuströmen und jedwedes aufkeimen wollende Licht in sich zu ersticken. Die Uhren ticken, der Zeiger schreitet erbarmungslos voran… Wer hält ihn noch auf, wann erwachen wir? Die Entscheidung liegt nach wie vor bei uns. In ähnlichem Fahrwasser ist dann auch „Tag Für Tag“ vorzufinden, wenn auch stilistisch um einiges düsterer. Unter schwer schleppendem Takt, festigen sich trostlose Zukunftsvision und bittere Melancholie. In musikalischer Hinsicht gibt man sich wieder reduziert, die harte Saitenarbeit dominiert das vorherrschende Klangbild und hält temporär aufflammende Synth-Elemente an der kurzen Leine. Diese gibt man erst im Refrain wieder frei und entfacht so die wegweisenden Signallichter, für einen schwermütigen Nachtflug über die klaffenden Wunden dieser Gesellschaft.

Die Leichtigkeit im Sinn und den Optimismus vor Augen, auch wenn es nicht immer einfach ist. „So Oder So“ lässt sich der nächste Track wohl am treffendsten beschreiben, welcher von den relativ simplen, doch zugleich effektiven Akkorden einer Akustik-Gitarre unterlegt wird. Es hat ein bisschen etwas von glückseliger Einsamkeit und Fernfahrer-Feeling, wenn Witt im lockeren Jargon aus der Ich-Perspektive singt und fernab jeglichen Trubels Zeit für sich und klare Gedanken findet. Die Heimat über die Autobahn gerade erst verlassen und weiter nach vorn Richtung Ostsee. Persönlich, frei von Pathos, menschlich und irgendwie freundschaftlich gewährt Witt dem Hörer einen Einblick in sein Innerstes und seine Gefühlswelten. Überraschend positiv und abgeklärt scheint die Sichtweise des Musikers, die Fähigkeit auch nach schweren Rückschlägen nach vorn blicken zu können schier beeindruckend und von innerlicher Ruhe und Kraft zeugend. Ein lobenswertes Charakteristikum, dessen Verinnerlichung und Aneignung sich lohnt. Erinnerungen an „Pop“ und die NDW-Ära werden immer wieder wach, es ist pure Beschwingtheit in ihrer reinsten und glaubhaftesten Form. Lehrstück und Auflockerung zugleich. Die „Bayreuth“-Trilogie: Eine stilistische Reihe, die unter treuen Anhängern und Szene-Gängern wohl auf ewig unvergessen bleiben wird. Anno 1998 schlägt man das wohl dunkelste Kapitel des eigenen Schaffens auf und wandelt fortan auf den neuerlichen Pfaden der sogenannten „Neuen Deutschen Härte“, einer Genre-Abspaltung, die von Härte und Provokation lebt. Auch der Meister höchstselbst wahrt scheinbar noch heute die ein oder andere positive Erinnerung an den Wandel, bindet charakteristische Versatzstücke immer wieder in neue Titel ein. Eine augenzwinkernde Hommage an diese Schaffensphase, liefert man sodann mit „Alle Nicken“. Exotische Klänge bilden das rein instrumentale Intro, danach brechen überraschend rau die Gitarren los. Die Strophen noch charmant geflüstert, erhebt Witt im Chorus deutlich seine Stimme, wandelt zwischen humoristischer Selbstironie und halsbrecherischen Soli, wenn Joachim mit dem eigenen Alter und Rockstar-Bühnenpräsenz kokettiert. Ein gelungener Brecher und klarer Favorit für die kommenden Live-Shows! Einen sphärischen Moment der Ruhe schafft danach „Winterwald“, einem durchgängig elektronisch angelegten Stück, welches durch seine loungige Art einen Anflug wohltuender Spiritualität zu vers