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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Depeche Mode - Spirit (2017)


Genre: Rock / Alternative

Release: 17.03.2017

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Columbia (Sony Music)

Spielzeit: 50 Minuten

Pressetext:

"Where's The Revolution" ist die erste Auskopplung aus "Spirit", dem 14. Album der britischen Band, das am 17. März beim Sony Music-Label Columbia Records erscheint. Bereits im Rahmen der Pressekonferenz in Mailand im vergangenen Herbst hatte die Band einen Teaser des Songs präsentiert. Es ist die erste neue Musik von Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher seit vier Jahren. Für die Aufnahmen zu "Spirit" arbeitete die Band erstmals mit dem Produzenten James Ford (Simian Mobile Disco), unter dessen Regie in den vergangenen Jahren u.a. Alben von Florence & The Machine, Arctic Monkeys und Foals entstanden waren. "Spirit" ist der Follow-Up zum 2013 erschienenen Album "Delta Machine", das sich in zwölf Ländern von null auf eins an die Spitze der Charts setze. In ersten Vorab-Reviews wird das neuen Album bereits gefeiert, das Q Magazin bezeichnet "Spirit" z.B. als "das spannendste Depeche Mode Album seit Jahren". Begleitend zur Veröffentlichung des Albums begeben sich Depeche Mode auf eine umfangreiche Welttournee. Im ersten Teil der Konzertreise, für den der Kartenvorverkauf bereits begonnen hat, wird die Band bei 34 Shows in 21 Ländern vor über 1,5 Millionen Zuschauern in ganz Europa auftreten. Tourstart ist am 5. Mai in Stockholm. Nach zahlreichen Konzerten in Stadien in ganz Europa setzt die Band die Tournee nach dem Sommer in Nord- und Südamerika fort. Depeche Mode wurden 1981 gegründet, verkauften bis dato mehr als hundert Millionen Tonträger und traten vor dreißig Millionen Fans weltweit auf. Ihre wegweisenden und stilbildenden Veröffentlichungen in den vergangenen dreieinhalb Jahrzenten bescherten der Band neben großem kommerziellen Erfolg auch Legenden-Status als Musik-Pioniere und Erneuerer. Generationen von Bands und Musikern verweisen auf Depeche Mode als Inspiration, Einfluss und Vorbilder. Das 13. Album der Band, "Delta Machine", erreichte in über zwanzig Ländern die Top Ten, darunter Großbritannien und die USA. Die Tour im Anschluss an die Veröffentlichung lockte weltweit mehr als 2,5 Millionen Fans in die Stadien und Arenen. Im Herbst 2016 veröffentlichte Sony Music die lang erwartete Anthologie "Video Singles Collection" auf drei DVDs mit mehr als vier Stunden ihrer richtungsweisenden Musikvideos.

Kritik:

"We can track it all with satellites

See it all in plain sight

Watch men die in real time

But we have nothing inside

We feel nothing inside"

Selbst wenn man strikt nach den markanten Textzeilen eines der wohl bekanntesten Welthits gehen möchte, so dürfte es dem Großteil der treuen Anhängerschaft nach all der langen Zeit des Wartens wohl endgültig genügt haben, die hier namentlich titulierte Stille zu genießen. An all jenen, die sich nicht zum inneren Kreis der selbsternannten "Devotees" zählen, dürfte das jüngste Großereignis der facettenreichen Musiklandschaft dieser Tage wohl ebenfalls nur schwerlich vorbeigezogen sein. Wie auch? Zahlreiche Plakate und Poster säumten bereits Monate zuvor die Fassaden nahezu jeder größeren Stadt, mannigfaltige Werbeschaltungen erfolgten durch Radio-Stationen wie auch Fernsehsender und sogar Deutschlands größter Mobilfunkanbieter zollte der hier beschriebenen Band mit einem gesponserten Auftritt innerhalb seiner exklusiven Veranstaltungsreihe "Street Gigs" international viel beachteten Tribut. Das passgenau auf den Release-Termin angesetzte Intim-Rehearsal im altehrwürdigen Funkhaus Berlin vor gerade einmal tausend Zuschauern, fesselte durch seinen Live-Stream in Netz und Pay-TV unzählige Fans vor die Monitore. Die Pfade für einen neuen Output der britischen Kultstatus-Träger waren durch gezielte Promotion und wieder einmal perfekt eingesetztes Marketing also gepflastert, der erneute Weg an die Spitze der Media Control Charts schien schon ab dem ersten Tag geebnet. Es ist ein so unmissverständliches wie klares Zeichen, welches einem unüberhörbaren Ausruf gleichkommt, dessen medialer Widerhall selbstverständlich nicht ausbleiben sollte: "Depeche Mode" sind zurück! Ganze vier Jahre nach ihrem letzten Werk "Delta Machine", folgt das im Jahre 1980 gegründete Kollektiv um Dave Gahan, Martin L. Gore und Andrew Fletcher seinem gewohnten Veröffentlichungszyklus und erweitert sein beachtliches Portfolio um einen weiteren Zugang. Die legendäre Gruppe, deren Name ursprünglich einem französischen Modemagazin entliehen ist, gilt als oftmals glorifizierter Vorreiter des Synthie-Pop und zählt heute, fast vierzig Jahre später, durch ihre enorme Pionierarbeit nicht ohne Grund zu den bedeutendsten und einflussreichsten Vertretern der Kultur. Es ist definitiv kein Geheimnis und dabei nicht zu leugnen, dass diese Musiker mit Meilensteinen wie etwa "Black Celebration", "Music For The Masses" oder "Violator" ihre klar erkennbaren Spuren hinterlassen haben, die bereits etliche Nachfolger und -ahmer in der ältesten und jüngsten Vergangenheit erfolglos auszufüllen versuchten. Ihre unvergleichlichen Songs gehen durch verschiedenste Kanäle seit jeher um die ganze Welt. Beinahe jedem auch nur im Ansatz interessierten Menschen, ist durch mindestens eine dieser Quellen schon einmal ein solcher im Leben begegnet. So haben Klassiker der Marke "Personal Jesus", "Just Can't Get Enough", "Never Let Me Down Again", "Precious" oder das eingangs umschriebene "Enjoy The Silence", mittlerweile einen bisher unerreichten Status und dadurch ihren festen Platz in der Geschichte. Der Sound markiert spätestens seit seinem erfolgreichen Durchbruch den gängigen Standard des alternativen Rock, an dem sich alle künftigen Bewerber messen und vergleichen lassen müssen. Doch wie es sich bei einer solch lange andauernden Karriere zwangsläufig verhält, war die Laufbahn des ehemaligen Quintetts nicht ausschließlich von Glanzmomenten geprägt.

Nachdem zuerst Vincent Clark der Band 1981 zum Debüt "Speak & Spell" den Rücken kehrte, schloss sich 1995 Alan Wilder an und gab den Ausstieg nach seinem letzten Wirken an "Songs Of Faith And Devotion" bekannt. Für einen nicht unerheblichen Teil der Hörerschaft ist der Verlust des nur schwer verzichtbaren Mitgliedes bis zum heutigen Tage ein harter Schlag, von dem sich die Briten nie so ganz erholt haben, möchte man nach einigen Aussagen gehen. So gilt "Ultra" ob seines restlichen Einflusses als das zuletzt beste Album, die kritischen Töne stiegen seit dem darauf folgenden "Exciter" von Mal zu Mal stetig an, der eingefleischte Kern vermisste den einstigen Klang seiner Jugend-Heroen schmerzlich und sehnte sich nach den Wurzeln zurück. Doch auch "Playing The Angel" und allen voran das abstrakte "Sounds Of The Universe" fielen deutlich experimenteller aus, konnten und wollten nicht an die Großtaten vergangener Tage anknüpfen. Anstelle eingängiger Melodien mit charmantem Ohrwurm-Potential und klarem Wiedererkennungswert, standen nun mehr denn je reduzierte Arrangements, sperrige Einschübe und verschachtelte Kompositionen. Eine wahrlich einschneidende Entwicklung, die nicht von allen mit Offenheit begrüßt, sondern viel mehr mit steigendem Argwohn betrachtet wurde und mit dem 2013 zuletzt erschienenen "Delta Machine" ihren Höhepunkt fand. Ganze vier Jahre später ist es wieder soweit und ein neuer Ableger steht in den Startlöchern, verheißungsvoll "Spirit" genannt. Das erste und im Kontext zum Vorverkauf für die zugehörige Tournee veröffentlichte Promo-Foto, ließ kollektive Erinnerungen an Umbruch und "Construction Time Again" wach werden. Die vorausgegangene Single "Where's The Revolution" und das erneut von Anton Corbijn gestaltete Artwork, ernteten hingegen zwiegespaltene Kritik und reichte von klassischem Lob bis hin zur Prophezeiungen vom endgültigen Untergang des Abendlandes. Gleichzeitig vollbrachte es die geschickte Kombination aus Informationsarmut und Unberechenbarkeit aber, das Interesse gekonnt auf die neuerliche Ausrichtung zu lenken und einen ersten Einblick auf die gebotene Themenvielfalt erahnen zu lassen. Wie sich diese in ihrer jeweiligen Gesamtheit aufspalten und welche Richtung "Depeche Mode" anno 2017 ansteuern, verrät die nachfolgende Rezension. Der eröffnende Einstieg in das neue Album wird von "Going Backwards" bereitet. Aus der anfänglichen Stille heraus erklingt plötzlich der unverkennbar prägnante Ton eines tief gestimmten Klaviers, dessen instrumentale Intensität sich mit einem dezent verzögerten Abstand, doch lautstärkebedingt dafür nur umso deutlicher und wirkungsvoller im Vordergrund präsentiert. Ein zu Beginn noch eher zurückhaltendes Gitarrenriff mischt sich passgenau zum Tempo unter, gestaltet fortwährend die somit vorgegebene Gangart und dadurch erzeugte Atmosphäre. Die behäbigen Drums geben den Takt zum schwer schleppenden Rhythmus vor, während sich erstmals die helle, doch leidvoll gequält anmutende Stimme Gahans mahnend erhebt. Die Menschheit hat bedauerlicherweise in all den Jahren nichts dazu gelernt: Noch immer regieren Angst, Leid und Terror das alltägliche Geschehen auf der ganzen Welt und in den Medien. Das oft so herbeigesehnte und dringend notwendige Miteinander, verkommt immer mehr zur rücksichtslosen Ellenbogen- und Konsumgesellschaft. Empathieloser Egoismus greift allerorts gewalttätig um sich und unreflektierte Handlungen in Politik und Wirtschaft ersticken jeden versuchten Anflug von Harmonie und Frieden. Gemeinsam treiben wir unaufhaltsam immer weiter zum Abgrund. Von der gewollten Zukunft direkt zurück in die Steinzeit - Willkommen im Trauerspiel-Kabinett der Einsamkeit! Einige zwischengelagerte Unterbrechungen verzögern bewusst die Zeit bis zum klassischen Refrain. Die anfangs noch so reduzierte Melodie baut sich, nicht zuletzt auch durch die pointiert eingesetzte Elektronik-Komponente im direkten Zusammenspiel mit der Saiten-Fraktion, mit fortschreitender Spieldauer zunehmend auf, wird dann immer fordernder und spitzt sich in einem dramatischen Finale zu. Es wird immer deutlicher und ist nicht mehr länger zu leugnen: Wir haben unser Mitgefühl für alles, jeden und auch uns selbst verloren. Es ist Fünf vor Zwölf und der Zeiger schreitet immer weiter unnachgiebig voran. Wer oder was kann ihn jetzt noch stoppen? Abwartende Untätigkeit kann hier weder Antwort noch Lösung sein, viel mehr bedarf es einer endgültigen Revolution. Mit der vorab veröffentlichten Single-Auskopplung "Where's The Revolution", lässt man sodann die protestantischen Fahnen des Cover-Artworks im Wind wehen und fordert die absolute Gegenbewegung zu den eingangs kritisierten Missständen. Die von gemäßigten Synth-Sounds unterlegten Strophen sind im Mid-Tempo konstruiert und entfalten nicht zuletzt auch durch die Thematik, eine deprimiert wirkende Konstante innerhalb der erzeugten Stimmung. Der allgemeine Unmut wird durch den elektronisch verzerrten Gesang nur umso deutlicher und untermalt den zugehörigen Text mit gehörigem Nachdruck. Erst der Refrain selbst bricht dann mit diesem Prinzip und der formgerecht instrumentierten Monotonie der grauen Tristesse aus Verzweiflung, rückt aufpeitschend dominierende Riffs und knallendes Drumming in die temporär vorherrschende Exekutive. Es ist ein Protestaufruf zu mehr Aktivität gegen die gemachten Ungerechtigkeiten und herrschende Fremdsteuerung des Establishments über den kleinen Mann. Dabei gilt es fortan nicht länger nur weg-, sondern viel mehr hinzusehen, sich von der extern auferlegten Kurzsichtigkeit zu befreien und den eigenen Weitblick zu schärfen. Es geht um den Mut zur Selbstbestimmung und dazu, sich nicht ausschließlich länger bequem lenken zu lassen. Wieder befreit zu denken und zu handeln, bevor es zu spät ist. Denn schon ein Einzelner kann ganz für sich allein damit beginnen, das Feuer der Hoffnung in anderen zu entfachen und mitzureißen, um gemeinsam stark und konsequent gegen das ewige Kleinhalten des einheitsge