Heldmaschine - „Eiszeit"-Tour - JunkYard, Dortmund - 14.03.2023
- Christoph Lorenz

- vor 7 Tagen
- 13 Min. Lesezeit


Veranstaltungsort:
Stadt: Dortmund, Deutschland
Location: JunkYard
Kapazität: ca. 500
Stehplätze: Ja
Sitzplätze: Nein
Homepage: http://junkyard.ruhr
Einleitung: Einleitung:Es ist Samstag, der 14.03.2026. Heute sind wir auf dem Weg in die berüchtigte Dortmunder Nordstadt, besser gesagt in die Schlägelstraße zur JunkYard. Die kleine und wirklich besondere Event-Location, hat, wie ihr Name bereits verrät, im Jahr 2016 auf einem ehemaligen Schrottplatz eröffnet und fungiert seitdem als äußerst charmanter Kultur-Hotspot für lokale Club-Abende, Open-Air-Festivals und natürlich auch zahlreiche Konzerte aus dem Bereich Alternative, Hip-Hop, Indie, Punk, Techno, Rock und Metal. Wir parken an der viel befahrenen Hauptstraße und laufen ein paar wenige Meter in Richtung der in einer unauffälligen Nebenstraße etwas versteckt liegenden Anlage nahe eines bunten Indoor-Spieleparadieses mitten im Industriegebiet. Der Einlass ist mit 18.00 Uhr verhältnismäßig früh angesetzt und bereits in vollem Gange, schon gegen 20.00 Uhr soll die „Heldmaschine“ aus Koblenz eintreffen! Ich weiß noch genau, wie perplex ich damals bei meinem hiesigen Erstbesuch für „Laibach“ in 2017 war, denn nach der kurzen Taschen- und Ticketkontrolle steht man tatsächlich auf einem großen Schotterplatz, umgeben von alten Autowracks und hohen Containern, in welchen unter anderem auch Garderobe und die zweckmäßigen Toiletten inklusive Duschvorhang und Reifen-Waschbecken untergebracht sind… Spannende Sache! Schön: Ebenfalls steht hier ein Foodtruck, an dem man sich gegen einen schmalen Taler Currywurst, Pommes und andere Imbiss-Snacks für den kleinen Hunger genehmigen kann. Ein paar frittierte Kartoffeln und kühle Getränke später geht’s in die niedrige Halle, wo auch der Merchandising-Stand aufgebaut ist. Der Saal ist bereits gut gefüllt und es werden immer mehr Fans, denn in wenigen Minuten startet der Support…

Johanna Krins:
Wer den Namen Johanna Krins heute Abend nicht zum ersten Mal hört, der kennt mit großer Wahrscheinlichkeit entweder das Folk-Trio „Delva“ oder auch die 2017 gegründeten und nur zwei Jahre nach ihrem Debüt leider wieder aufgelösten „Bannkreis“. Auch sonst war die junge Frau unter anderem schon auf allerhand Veröffentlichungen von „Eric Fish & Friends“, „Harpyie“, „Mono Inc.“ oder „ASP“ zu hören. Mit ihrem ganz eigenen Projekt, welches laut Homepage im Laufe der Pandemie entstand, verfolgt die Sängerin, welche aus einer Familie klassischer Musiker stammt, ihren ganz persönlichen Wunsch, eine Rock-Band zu gründen und sich als große Liebhaberin von Folk und Metal musikalisch selbst zu verwirklichen. In ihren Songs soll ihre Stimme mit „schroffen Gitarrenriffs, vielschichtigen Arrangements und deutschsprachigen, lyrischen Songtexten“ aufeinandertreffen, während sich die Texte um „Vergänglichkeit, die Kostbarkeit des Seins und die Kraft, immer wieder aus dem Dunkel ins Licht aufzutauchen“ drehen. Krins Wunsch ist es dabei, dass ihre Musik als ein Refugium für alle jene gilt, welche sich von dieser Genre-Kreuzung und spannenden Geschichten mitreißen lassen möchten. Im Jahr 2020 wuchs das Projekt dann um Bernie Geef, den viele Leser bestimmt von den Brachialromantikern „Letzte Instanz“ kennen, der Krins dabei half, die von ihr komponierten Stücke in das gewünschte Rock-Gewand zu kleiden. Im Frühjahr 2021 erschienen unter ihrem Namen die Standalone-Songs „I Breathe“ und „Deine Glut“ als erste Lebenszeichen, am 31.10.2025 wurde das Debüt „Klarheit“ veröffentlicht. Für die künftig geplanten Konzerte suchte man den Kontakt zu Michael Frischbier und Bora Öksüz, die man unter anderem als ehemalige Mitglieder der NDH-Band „Maerzfeld“ oder der „Rammstein“-Cover-Band „Stahlzeit“ kennt. Ein illustres und namhaftes Line-Up also, welches die „Heldmaschine“ bei insgesamt zehn Terminen ihrer „Eiszeit“-Tour als Support begleiten wird! Für die vier Shows in Zwickau, Aschaffenburg, Wuppertal und Siegburg konnte man hingegen einmal mehr die Dark Rocker von „Vlad in Tears“ gewinnen. Gegen 19.00 Uhr betritt die junge Band aus Schlagzeuger Michael Frischbier, Bassist Bora Öksüz, Gitarrist Bernie Geef und Sängerin Johanna Krins die mit einem schwarzen Logo-Backdrop dekorierte Bühne vor einem bereits erstaunlich gut gefüllten Saal, um sogleich mit dem Titeltrack „Klarheit“ zu eröffnen, dessen Instrumentierung zu Beginn klar die Folk-Wurzeln der Bayerin offenlegt, bevor sodann die Rock-Fraktion einsteigt. „Meine Seele Heißt Sturm“ wurde im Sommer 2025 als erster Vorgeschmack auf alles Kommende veröffentlicht, der das Tempo nun direkt ein gutes Stück weit anzieht und sich besonders durch seinen energiegeladenen Refrain schnell im Ohr festsetzt - Sehr schön! Weiter geht es mit der zweiten Auskopplung, der etwas gemäßigter angelegten Power-Ballade namens „Dichtertod“, welche die Lyrics stärker in den Fokus rückt. In etwas ruhigeren Momenten wie diesen, kommt die wirklich schöne Stimme von Krins überdies ganz besonders gut zur Geltung, während diese in den lauter rockenden Passagen zulasten der Verständlichkeit leider doch ein wenig untergeht, obgleich die Sängerin nicht nur sanfte, sondern definitiv auch kraftvolle Intonation beherrscht. Wie es scheint, ist es ein bauliches Problem der Location, das sich später noch weiter durch den Abend ziehen soll… So auch beim düsteren „Das Zweite Gesicht“, dessen ekstatisch schreddernde Streicher-Akzente aufgrund eines fehlenden Cellisten aktuell noch vom Band kommen und nicht zuletzt durch jene auch frappierend an den markanten Sound von „Letzte Instanz“ erinnern. Wem Titel, Melodie und Text hier vielleicht bekannt vorkommen, der irrt mitnichten, handelt es sich dabei doch um ein Cover des gleichnamigen Songs von Peter Fox aus seinem legendären Album „Stadtaffe“ aus 2008! „Eisdiamanten“ erinnert nicht nur aufgrund seines Titels, sondern auch textlich ein wenig an „Eisblumen“ von „Subway To Sally“, legt in Sachen Druck und Tempo aber mehr vor und ist damit eher schneller Rock-Song als Goth-Hymne. Sehr erstaunlich, in Zeiten von Streaming jedoch nicht allzu ungewöhnlich und sogar klug, ist, dass bis auf das nun folgende „Versiegen“ jeder einzelne Song als digitale Single ausgekoppelt worden ist. Vier Songs vor Release und drei danach. Die letzte Pre-Veröffentlichung, nämlich „Alicia“, gibt es gegen Ende zu hören, bis der aktuellste Release aus Januar 2026 unter dem Titel „Geister“ das rund vierzigminütige Set beschließt.

Heldmaschine:
Exakt um 19.59 Uhr wird die JunkYard überpünktlich von einem akustischen Donnerschlag erschüttert, dessen tief vibrierender Bass jetzt sowohl den staubigen Boden als auch die massiven Backsteinwände geradezu erzittern lässt. Noch etwas zögerlich brandet erster Applaus aus den vorderen Reihen auf, während nun auch die letzten Nachzügler von der Bar und aus dem großen Außenbereich in die kleine Halle strömen, die sich mittlerweile doch sehr beträchtlich, aber trotzdem nicht unangenehm gefüllt hat. Im Vergleich zum letzten Dortmunder Gastspiel in 2023 hat sich die Anzahl der hier anwesenden Fans um ein beachtliches Stück gesteigert. Die Wahl, die NRW-Show an einem Samstag stattfinden zu lassen, war also die richtige! Während der eiskalte Sound im maschinellen Loop aus den Boxen tröpfelt, betreten Schlagzeuger Dirk Oechsle und Bassist Marco Schulte fast ungesehen in völliger Dunkelheit die Bretter, bis nur wenig später das Trio aus den beiden Gitarristen Eugen Leonhardt und Tobias Kaiser sowie Sänger René Anlauff auf einer Segway-ähnlichen Plattform, auf der zudem das kühl leuchtende Mikrofonstativ des Frontmanns montiert worden ist, langsam ins Zentrum fahren. Ihre Augenpartien werden von futuristischen LED-Schutzbrillen verdeckt, welche in grellem Weiß durch die Schwärze schimmern. Wenig später steigen sie ab, positionieren sich mitsamt ihren Instrumenten am vorderen Rand und schon bricht die „Eiszeit“ los! Der Bass ist drückend und so dermaßen mächtig, dass vom elektronisch verzerrten Gesang in den Strophen kaum etwas zu verstehen ist, während der in einen langen Ledermantel gekleidete Anlauff sich zum metallisch schleppenden Rhythmus auf dem kuriosen Gefährt langsam im Kreis bewegt. Passend zum Opener, dem Titeltrack des aktuell zu betourenden Studioalbums, wird die gesamte Bühne in frostig blaues Licht eingetaucht und gibt so den Blick auf die massigen Aufbauten frei: Hinter dem Schlagzeug erhebt sich ein breites Stahlgerüst aus zwölf vertikalen Traversen-Towern, die mit einer breiten Mischung aus in verschiedenen Positionen verbauten Moving Heads, quadratischen LED-Clustern und Laser-Projektoren den gesamten hinteren Raum der Bühne einnehmen. Dazwischen ragen lineare Lichtquellen aus Pixel Bars und Stroboskop-Blindern hervor. Ihre symmetrisch Anordnung verleiht dem Szenario eine industriell anmutende Strenge, während die breite Palette an Spot- und Beam-Scheinwerfern über die gesamte Dauer des Konzerts für äußerst dynamische Licht-Stimmungen sorgen wird. Das klassische Logo-Backdrop, welches vor drei Jahren aufgrund der viel zu niedrigen Hallendecke optisch doch arg unterging, gibt es heute Abend zwar nicht zu bestaunen, stellvertretend dafür wurde sich jedoch für eine mittelgroße Leinwand entschieden. „Hallo, Dortmund!“, begrüßt der Sänger das Publikum und weiter geht es mit dem wütend rasenden „Schlag Mich“ vom selben Album, mit dem man das Tempo ordentlich in die Höhe schraubt. Klar, danach muss erstmal ein großer Schluck aus dem obligatorischen Kanister her! „Dortmund… JunkYard… Wir haben so sehr auf euch gewartet. Schön, dass ihr hier seid!“, freut er sich lächelnd und spricht dabei die Wahrheit, denn „Wer Einmal Lügt“… Die damalige Vorab-Single des dritten „Heldmaschine“-Langspielers „Lügen“ aus dem Jahr 2015 wurde schon länger nicht mehr live gespielt und ist damit eine freudige Überraschung für alle Alt-Fans! Generell zeigt sich Dortmund trotz des kleinen Saals aber sehr textsicher, feierwütig und vor allem laut, was auch der Frontmann bemerken muss: „Unglaublich, was für eine Stimmung hier… Das ist ja kaum auszuhalten!“, grinst er. Mit dem zynisch peitschenden „Hand In Hand“ kehren die Maschinisten dann wieder zur aktuellen Ära zurück und legen noch eine ganze Schippe drauf.

„Hammer! Ich glaube, wir gründen eine Fußballmannschaft… Den FC Heldmaschine. Wir können liegend laufen. Seid ihr dabei!?“, scherzt Anlauff ob der sangeskräftigen Fans und natürlich stimmen alle begeistert zu. Wir bleiben noch immer in der „Eiszeit“ gefangen und zwar mit dem orchestral-rockig treibenden „Schlafspiel“, in dessen Bridge jetzt ganz Dortmund lauthals einstimmt: Eins, Zwei, Drei, Eins, Zwei, Drei, nichts dabei. Das Leben ist jetzt vorbei! Eins, Zwei, Drei, Eins, Zwei, Drei, stumm, der Schrei. Das Ich macht sich vom Körper frei!“. Singen? Kann Dortmund definitiv! „Wer hat Lust auf Fleischgemüse?“, erkundigt sich der Sänger grinsend. „Na, dann geht doch zu…“. Darauf kann es nur eine Antwort geben und die lautet: „Karl Denke“! Der noch vor Bekanntgabe des aktuellen Albums als digitale Standalone-Single ausgekoppelte Song ist Teil des offiziellen Soundtracks zum gleichnamigen Film von Heintje Peter aus 2024, in welchem René Anlauff eine eigene Rolle bekam. Seitdem hat sich die schauerliche Serienmörder-Hymne zu einem echten Fan-Favoriten gemausert. Hier kommt nun erstmalig die Leinwand zum Einsatz, auf der das passende Musik-Video mitsamt einigen Szenen zu sehen ist. Im gespenstisch pfeifenden Refrain, der natürlich einmal mehr lauthals mitgesungen wird, wiegt sich dann ein kleines Meer aus Armen hin und her. Ja, die sympathische Maschine aus Koblenz weiß seit Beginn ihrer Karriere ganz genau, das Publikum mit viel Eingängigkeit und Interaktion sofort mitzunehmen. Auch mit „Nur Ein Lächeln“ bleiben die Fünf weiterhin bei ihrem neuesten Langspieler. Leider eignet sich die doch sehr ruhig gestaltete Ballade nicht unbedingt als Live-Track und nimmt in nur wenigen Minuten einen Teil des bis dato aufgebauten Flows. Zudem ist durch den druckvollen Sound des Schlagzeugs stellenweise kaum etwas vom beinahe flüsternden Gesang in den Strophen zu verstehen. So kommt es, dass einige Gäste im hinteren Teil der Halle diesen Moment lieber für Getränkenachschub oder Gespräche nutzen… Schade! Die wilde Jagd nach der „Bestie“ vom 2023 erschienenen Vorgänger „Flächenbrand“ macht anschließend jedoch wieder einiges an Boden gut und packt nahezu das ganze Publikum wieder von der ersten Sekunde an. Die packende Mischung aus typischer NDH-Ästhetik und epischen Momenten, hier insbesondere vor dem finalen Chorus, weiß sofort zu gefallen und ist praktisch für die Bühne geschrieben worden. So verwundert es nicht, dass Dortmund sich nur zu gerne völlig verausgabt und begeistert klatscht, singt und sogar springt, was das Zeug hält. Es wird spürbar immer wärmer in der JunkYard, sodass man fast den Schweiß von der Decke tropfen sehen kann. „Seid ihr euch wirklich sicher, dass ihr das auf diesem Level weiterführen wollt!?“, schüttelt Anlauff beinahe ungläubig den Kopf. Ja, die Fans sind sich sicher!

„Jetzt gibt es einen Leckerbissen, der schon lange Zeit zurückliegt. Wer den Song kennt, weiß, dass dieser eine weibliche Stimme beinhaltet. Was meint ihr wohl, warum wir Johanna Krins dabei haben? Mal gucken, ob sie Lust hat, mit uns singen!“, freut er sich und bittet anschließend die talentierte Sängerin für „Heldmaschine“ vom Debüt „Weichen Und Zunder“ aus dem Jahr 2012 zurück auf die Bretter. Das Album erschien damals noch unter dem selben Namen, unter welchem man bis heute äußerst erfolgreich als „Rammstein“-Tribute-Band durch die Lande tourt: „Völkerball“. Erst mit dem 2014 veröffentlichten Zweitling „Propaganda“ entschied sich die Band zugunsten einer klareren Abgrenzung der beiden Projekte für den entsprechenden Namenswechsel. Es ist wirklich sehr schön, dass sich auf jeder neuen Tournee ein paar Perlen aus vergangenen Zeiten in der Setlist abwechseln, wenngleich man auch klar zugeben muss, dass das ältere und etwas steif anmutende Material einen überdeutlichen Unterschied in Songwriting und Eigenständigkeit aufweist, orientierten sich die Koblenzer in ihrer Frühphase doch noch sehr eng am großen Vorbild aus Berlin, fanden dann aber mit jedem neuen Werk zu mehr Individualität und eigener Dynamik. Leider geht auch hier der sehr zarte Gesang von Krins im als Duett angelegten Refrain nahezu völlig unter. Die Instrumente sind dafür einfach viel zu laut ausgesteuert, zusätzlich hallt der Bass stark von den Wänden und der gedrungenen Decke wider. Die baulichen Gegebenheiten vor Ort machen es der Technik gerade bei den etwas ruhigeren Nuancen hörbar nicht leicht. Eventuell wäre eine Rückkehr des „Doktor“ hier die bessere Wahl gewesen? „Herrlich!“, freut sich der Sänger und nimmt einen weiteren Schluck aus dem großen Kanister. Die Maschinisten verweilen noch ein wenig in vergangenen Tagen, nämlich in 2015 beim Album „Lügen“, von welchem es mit dem energiegeladen rockenden „Ich Will Dein Bestes“ jetzt ein weiteres Stück gibt, das an Aktualität nichts verloren hat. Anschließend zeigt Dirk Oechsle am Schlagzeug bei einem ausgedehnten Solo sein Können, während die anderen Mitglieder für den nächsten Song zur Akustikgitarre wechseln. Das Cover zu „Where Is My Mind?“ der Bostoner Band „Pixies“ von deren 1988er Debüt „Surfer Rosa“ war der doch etwas ungewöhnliche Abschluss-Song auf „Flächenbrand“, erfreut sich bei vielen Fans aber hoher Beliebtheit. Und so werden jetzt einige Handylichter und Feuerzeuge in die Luft gehoben - Schön! Danach verlässt die Band plötzlich geschlossen die Bühne…

Tiefblaues Licht pulsiert im Einklang mit der extrem tiefen Bass-Vibration gleichmäßig im Hintergrund, als würde sich der stählerne Brustkorb eines androiden Wesens erst heben und dann wieder senken. Immer wieder sind jetzt ächzend maschinelle Geräusche und undefinierbare Sound-Fragmente zu vernehmen. Der Klang-Kulisse wohnt bedrohlich-futuristische Atmosphäre inne und mutet beinahe wie im Inneren eines Raumschiffs an. Unterdessen nutzt die Crew die Zeit für eine kurze Umbaupause: So wird am vorderen Rand der Bühne ein breites Gestell aus zwei aneinander verbauten Keyboards aufgestellt, hinter welchem sich nun alle fünf Musiker positionieren. Alle tragen einheitliche Uniformen und ebenfalls weiß gefärbte, ausdruckslose Gummimasken. Lediglich René Anlauff nicht, der zugunsten eines gut verständlichen Gesangs nur ein schwarzes Visier vor Augen hat, das wie direkt aus einem Science-Fiction-Film wirkt. Treue Fans wissen natürlich, dass es jetzt „Monoton“ zu hören gibt. Ungewöhnlich für den gängigen Sound der „Heldmaschine“ wird das melancholische Future-Pop-Stück ausschließlich elektronisch dargeboten. Ob hier wirklich alle Mitglieder live spielen oder die Musik dazu nicht doch vom Band kommt, sei an dieser Stelle mal dahingestellt. Der optische Show-Effekt ist jedenfalls sehr wirkungsvoll. Spätestens dann, wenn sich die Band nach einem kurzen Roboter-Tanz für den finalen Refrain wieder an ihre normalen Instrumente begibt und rote Laser gebündelt über dem Publikum kreisen, ist die Inszenierung perfekt! Mit dem herrlich sarkastischen „Ich Bin Ein Star“, das mächtig Schelte gegen die mediale Gier nach Aufmerksamkeit um jeden Preis verteilt, sowie dem schwelgerisch rockenden „Sehnsucht“ geht es anschließend weiter im Set, bis ein weiterer obligatorischer Hit älteren Datums auf dem Plan steht: Die Single-Veröffentlichung des ersten Albums der Band, nämlich „Radioaktiv“, hat ein neues Intro spendiert bekommen. Optischer Höhepunkt und absoluter Blickfang ist hier natürlich einmal mehr der Frontmann, welcher jetzt mit einer stählernen Apparatur auf seinen Schultern grüne Laserstrahlen über die Köpfe der Fans wirft. Leider soll es die letzte Oldschool-Nummer an diesem Abend bleiben. Sehr schade ist, dass vom sehr gelungenen Zweitling „Propaganda“ dieses Mal tatsächlich kein einziger Song vertreten ist. Weder „Menschenfresser“, „Es Brennt“, „Ich Komme“ und „Treibsand“, noch lange schon etablierte Live-Favoriten wie der Titeltrack oder „Weiter!“. Dafür gibt es nochmals zwei ziemlich starke Songs von der aktuellen Platte auf die Ohren: „Schachmatt“, dessen Titel in den Strophen nur allzu gerne vom Publikum mitgegrölt wird und bei dem das bereits aus der Live-Aufführung von „Das Argument“ während der vorherigen Tour bekannte Megafon kurz zum Einsatz kommt sowie „Webterrorist“. Volle NDH-Power! „Das war die „Heldmaschine“… Danke!“, verabschiedet sich der Sänger danach im Namen der gesamten Band, welche zusammen die Bühne verlässt.

Die logische Konsequenz sind natürlich laute Rufe nach einer Zugabe, doch allzu lange müssen die Fans zum Glück nicht auf die Rückkehr der Koblenzer warten. „Meint ihr etwa uns, den FC Heldmaschine?“, feixt Anlauff. „Das ist so eine geile Stimmung heute Abend, deswegen lassen wir euch jetzt auch ganz nah an uns heran. Marco ist mein Bruder, ihr wisst das, oder? Also wir sind Brüder und verstehen uns gut, aber wir hatten immer nur ein gemeinsames Kinderzimmer. In diesem haben wir, wenn wir versucht haben, abends einzuschlafen, immer im Kanon gesungen. Kennt ihr das? Einer fängt an und der andere steigt dann… Viel zu spät ein!“, lacht er. „Naja, wir haben uns jedenfalls gedacht, wir machen das jetzt einfach mal so, wie das damals war, als wir uns gegenseitig in den Schlaf gesungen haben.“, erklärt er. Nun gibt es „Gottverdammter Mensch“ in einer speziellen, intimen Unplugged-Version, die nur von Schulte und Anlauff auf der Akustikgitarre begleitet wird. Selbstverständlich gewohnt stimmstark vom Dortmunder Publikum unterstützt. Eine wirklich schöne Idee. Welche Songs müssen als Zugabe immer unbedingt noch her? Genau, die ganz großen Hits und Klassiker! Zu „Luxus“, bei dessen ersten Takten das Publikum schon frenetisch jubelt, werden wie üblich die beliebten „Heldmaschine“-Geldnoten in die vorderen Reihen geworfen. „Wer hat keinen Schein bekommen?“, fragt der Sänger und verteilt die übrig gebliebenen Scheine. „Ihr müsst das untereinander aufteilen, okay? Ich kann leider nicht jeden treffen. Wer sieht die „Heldmaschine“ denn heute zum ersten Mal? Ohne Lügen bitte!“, fragt Anlauff und erntet verdächtig viele Zurufe. „Na klar, heute sehen uns also alle zum ersten Mal!“, lacht er. „Na gut. Eine Erklärung reicht aus, um euch mitzuteilen, warum wir das R rollen…“, grinst er. Jetzt ist nochmals so richtig Party angesagt und so bündelt Dortmund alle verfügbaren Reserven, um gemeinsam das „®“ zu rollen. Der große R-Luftballon, der sonst ins Publikum gegeben wird, bleibt heute Abend vermutlich aufgrund der niedrigen Location aus. Leider war dies auch schon der letzte Gassenhauer, denn neben den oben bereits erwähnten, fehlenden „Propaganda“-Songs verzichtet man wie schon auf dem ersten Teil der „Eiszeit“-Tournee leider komplett auf viele beliebte und eigentlich unverzichtbare Stücke wie „Himmelskörper“, „Auf Allen Vieren“, „Kein Zurück“ oder „Springt!“…

Natürlich können nicht immer alle Songs gespielt werden und ebenso ist es von Seiten der Band nur verständlich, vor allem das aktuelle Material darbieten zu wollen, doch ist der Hyperfokus auf „Eiszeit“ mit elf von insgesamt dreizehn Nummern einfach etwas zu unausgeglichen. Nicht alle Stücke eignen sich unbedingt gleich gut dazu, auch live gespielt zu werden, ist doch zu bemerken, dass die Stimmung im Mittelteil stellenweise leicht abflachte, jedoch insbesondere bei den Zugaben gegen Ende des Sets wieder deutlich anstieg. So stammt auch der letzte Titel des Abends vom neuen Langspieler, wobei die jüngste Single in der Tat ein echtes Live-Brett ist und für viel Begeisterung sorgt: „Meine Welt“. Auf der Leinwand wird derweil das zugehörige Musik-Video gezeigt, für welches die Fans vorab um Mithilfe in Form kleiner Aufnahmen beten wurden, in denen sie den Refrain singen. Diese wurden anschließend zu einem großen Chor zusammengeschnitten, welcher in den Credits und so auch jetzt als stimmungsvolles Outro zu hören ist. „Viele von euch haben bei unserem neuen Video in Bild und Ton mitgemacht. Hört mal genau hin… Geil, oder? Das sind unsere Fans vom FC Heldmaschine… Gänsehaut. Und damit verabschieden wir uns!“, lächelt René Anlauff und verbeugt sich gemeinsam mit seinen Kollegen vor einer begeistert applaudierenden JunkYard. Doch das war’s noch nicht ganz: Vor wenigen Jahren wurde auf den „Völkerball“-Shows ein kleiner Contest für das Publikum ins Leben gerufen. Kurzum: Die Stadt mit den lautesten Fans gewinnt die Chance auf ein exklusives Wohnzimmer-Konzert, auf welches sich alle damals Anwesenden bewerben können! Man will es kaum glauben: Trotz dessen Dortmund sich die letzten zwei Stunden doch ziemlich verausgabt hat, ist der Ruhrpott auf der aktuellen Konzertreise doch tatsächlich am lautesten, wie die rund einminütige Messung abschließend ergibt! Wer noch Autogramme haben oder gemeinsame Fotos machen möchte, muss sich danach nur einen kurzen Moment gedulden, denn wie üblich, versprechen die fünf Heldmaschinisten, nach dem Konzert noch beim Merchandising-Stand vorbeizuschauen. Alle anderen dürfen sich schon einmal auf Herbst 2026 freuen, wenn die „Eiszeit“-Tournee in die dritte Runde geht!

Setlist:
01. Intro
02. Eiszeit
03. Schlag Mich
04. Wer Einmal Lügt
05. Hand In Hand
06. Schlafspiel
07. Karl Denke
08. Nur Ein Lächeln
09. Bestie
10. Heldmaschine
11. Ich Will Dein Bestes
12. Where Is My Mind?
13. Monoton
14. Ich Bin Ein Star
15. Sehnsucht
16. Radioaktiv
17. Schachmatt
18. Webterrorist
19. Gottverdammter Mensch
20. Luxus
21. ®
22. Meine Welt
23. Meine Welt (Outro)
Impressionen:
Julian Krug - Chicotopia.de





















