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BEITRÄGE:

Faun - Universum25 - Schattenmann (2026)

  • Autorenbild: Christoph Lorenz
    Christoph Lorenz
  • 14. März
  • 23 Min. Lesezeit

Faun - HEX (2025)

 

Genre: Folk

 

Release: 05.09.2025

  

Label: Pagan Folk Records

 

Spielzeit: 54 Minuten


Fazit:

Das zwölfte Studioalbum von „Faun“ dreht sich um Hexen, Heilerinnen und weise Frauen. „Faun“ lädt mit „HEX“ zu einer musikalischen Reise ein, die tief in die Mythen und Legenden verschiedener Kulturen eintaucht. Doch dieses Album ist mehr als nur Musik - es ist eine Erkundung der weiblichen Magie, eine Reflexion über die Kraft der Heilerinnen, Seherinnen und Zauberinnen, die in der Geschichte oft gefürchtet und verfolgt wurden. Dabei werden nicht nur die traditionellen Klänge vergangener Zeiten lebendig, sondern auch moderne musikalische Elemente kunstvoll eingeflochten, um die für „Faun“ exemplarische einzigartige und fesselnde Klangwelt zu schaffen. Mit „HEX“ beweisen „Faun“ einmal mehr ihr Können, sowohl musikalisch als auch inhaltlich. Unter der kreativen Leitung von Oliver Satyr, Magister Artium der mittelalterlichen Philologie, wurden die Texte sorgfältig recherchiert, um den Hörer mit Authentizität und Tiefgang zu fesseln. Bereits der Titel „HEX“ verweist auf das alte Wort für Hexe - „Hagazussa“ - diejenige, die zwischen den Welten wandelt. „Faun“ nehmen diesen Gedanken auf und lassen ihn in ihren Songs aufblühen. Das Album verbindet historische Quellen aus der germanischen, keltischen und angelsächsischen Mythologie und öffnet so ein Tor zu längst vergessenen Zeiten. Doch „Faun“ lassen sich nicht allein von europäischen Mythen inspirieren und diese Vielfalt macht „HEX“ zu einem Album, das den musikalischen Horizont weit über das Mittelalter hinaus erweitert. Die musikalische Umsetzung dieses Themas ist so facettenreich wie die Geschichten selbst: „Faun“ verbinden traditionelle Instrumente wie Drehleier, Dudelsack, Laute, Schlüsselfiedel, Harfe und Flöte mit Synthesizern, elektronischen Beats und mehrstimmigem Gesang. So entsteht eine unverwechselbare Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart. Besonders beeindruckend ist die Bandbreite der Songs. Neben der musikalischen Vielfalt steckt „HEX“ voller tiefgründiger Fragen: Warum fürchten wir Hexen, aber nicht jene, die sie verbrannten? Warum gelten Heilerinnen und Weise Frauen oft als Bedrohung, obwohl sie Wissen und Schutz bringen? „Faun“ greift diese Fragen nicht nur in den Texten auf, sondern lässt sie auch musikalisch spürbar werden - jede Melodie, jeder Klang erzählt eine Geschichte. „HEX“ erscheint ab dem 05.09.2025 über Pagan Folk Records als Stream, digitaler Download, CD im Digipak oder als Deluxe-Version im sechzigseitigem Hardcover-Buch und Doppel-LP in Schwarz oder exklusiv über den bandeigenen Shop in grau marmorierter Optik inklusive gewebtem Patch mit „HEX“-Artwork.

Der Auftakt ist Verführung und Warnung zugleich: „Belladonna“, die giftige Tollkirsche, im Mittelalter auch als sogenannte Zauberpflanze verschrieen, gilt wohl als die älteste Hexenpflanze Europas und wird seit jeher mit rauschender Ekstase, Visionen und Gefahr in Verbindung gebracht. Musikalisch bleiben „Faun“ ihren Tugenden treu, erschaffen modale Skalen traditioneller Volksweisen in moderner Produktion aus vertrauten Klängen der Nyckelharpa und sanfter, doch zugleich rhythmisch treibender Percussion, die den Hörer fortan wie ein pochendes Herz durch dunkle Wälder führt. Da das Stück weitestgehend zurückhaltend arrangiert worden ist, kommen die Stimmen der beiden Sängerinnen Adaya Lancha de Baïracli Levy und Laura Fella im Wechselspiel mit dem warmen Organ von Oliver „SaTyr“ Pade innerhalb der Strophen besonders gut zur Geltung. Verführerisch, beschwörend und zeremoniell zugleich, wie der Reigen eines inneren Zirkels inmitten von dichtem Geäst bei Nacht - Das perfekte Ritual zur Eröffnung dieses Konzeptalbums! Das folgende „Lament“ basiert lyrisch auf „Lyke-Wake Dirge“, einem traditionellen Trauergesang aus Nordengland. Dieser beschreibt die Reise der Seele nach dem Tod, die Gefahren auf dem Weg in das Fegefeuer und gemahnt als Appell an die Nächstenliebe. Obgleich die Vorlage durch ihre Symbolik der christlichen Ära zuzuschreiben ist, nimmt man bis heute an, dass sie noch aus der vorchristlichen Zeit stammt. Es geht um Verlust, Abschied, und Sehnsucht. Der elegische und von einer melancholischen Melodie getragene Gesang von Fella bestimmt den Großteil der Strophen, Pade und Groth stimmen erst später ein. Der Rhythmus bleibt durchgehend dezent pochend, bis schließlich ein schweres Horn und mächtige Trommeln einsetzen, Nyckelharpa und die wehklagende Sackpfeife setzen daraufhin feine Akzente. Ein Song, wie eine flackernde Kerze, die den Weg in die Anderswelt leuchtet. Die berechtigterweise vorab ausgekoppelte Single unter dem Titel „Nimue“ handelt von der Herrin des Sees aus der Artus-Sage, welche Merlin einst in den Baum bannte, und ist einer der absoluten Höhepunkte des neuen Albums! Hier treffen „Faun“ auf Feature-Partnerin Chelsea Wolfe, eine amerikanische Singer-Songwriterin, die in ihrer Musik Elemente des Rock, Gothic, Metal und eben auch Folk vermischt, was ein sphärisches Spannungsfeld entstehen lässt. Zu Beginn ist nur Pade zu hören, während im Hintergrund ein leichter Beat vibriert, daraufhin setzen Percussion und die kurzen Rhythmen einer Bouzouki ein. Die Grundstimmung ist behutsam und zurückhaltend mit einem dezenten Pop-Touch versehen, der sich vor allem durch den eingängigen Refrain aus beiden Stimmen festigt, auf welchen hin dann ein sehr gelungener Drehleier-Part folgt. Die mystische Cinematographie mit modernem Ansatz lässt den kurzweiligen Song so klingen, als würde sanfter Nebel über ein altes Seeufer ziehen, während die Zauberin in der Legende eine Entscheidung trifft, die alles verändern wird… „Blot“ bezeichnet im Altnordischen eine Art des Opfer- oder Dankrituals. Das Duo aus den beiden Stimmen von Lancha de Baïracli Levy und Fella lässt hier früh ein sanftes Geflecht entstehen, das zunächst einzig von der Harfe getragen wird, bis sich wenig später Trommeln, Drehleier und Flöten zum rhythmisch schleppenden Zentrum vereinen und fortan immer größere Kreise ziehen, sodass die zweite Strophe kraftvoller anwächst. Pade steigt erst ab dem Chorus gesanglich ein, der beschwörend und doch nie archaisch ausschweifend, sondern viel mehr einfühlsam daherkommt. Es folgt der hiesige Solo-Song von Stephan Groth, dessen rein deutschsprachige Strophen von einem durchaus präsenten, aber zugleich auch behutsamen Maultrommel-Einsatz und Akkorden der Laute ausgestaltet werden. Die Melodie ist weich und sehnsüchtig, beinahe verspielt, doch im Unterbau glimmen Mystik und ein Hauch von Gefahr. Die „Zauberin“ ist weder gut noch böse, sondern unberechenbare Macht in Reinform. Der Text arbeitet derweil viel mit Naturbildern: Felder und Wälder, das Firmament und das Meer. Leider können „Faun“ hier einen gewissen Kitsch-Faktor ebenso wenig verleugnen, wie auch beim folgenden „Lady Isobel“, mit dem die Band musikalisch tief in die Tradition englischer Balladen und Tragödien einsteigt. Dabei basiert der Song auf einem Gedicht von Pade selbst, welches er über eine enge Freundin verfasst hat. Dementsprechend interpretiert die Band dieses mit viel Wärme. Die Melodie ist abermals sehr eingängig und zurückhaltend, hauptsächlich getragen von Flöten und dem durch Nick Drake sowie Bert Jansch inspirierten Lautenspiel. Trotz dessen wirkt der Unterbau relativ unauffällig und zu wenig erinnerungswürdig, als dass das Stück wirklich lange im Ohr bleiben würde. Einer der überraschendsten Momente des Albums ist das Cover von Nicholas Rodney Drakes „Black Eyed Dog“, welches nicht nur als eines der bekanntesten, sondern zugleich dunkelsten und verzweifeltsten Stücke des britischen Songwriters gilt. Ein Song über Depression, über den „schwarzen Hund“, der den Menschen immerzu verfolgt. „Faun“ behalten jene Melancholie jedoch nur zu Beginn durch das eindringliche Spiel der Nyckelharpa bei, lösen diese Schwere aber alsbald mit mehrstimmigen Gesängen und geradezu fidelen Percussion-Rhythmen sowie Flöten-Klängen im minimalistischen Gewand urplötzlich auf. „Vals“ bedeutet so viel wie „Walzer“ und tatsächlich ist dies ein Tanzstück, wenngleich ein kurzes. Drei-Viertel-Takt, schwingende Melodien, eine leichte Drehleier, dazu verspielte Ornamentik in Kooperation mit dem schwedischen Duo „Pettersson & Frederiksson“. Das etwa zweieinhalbminütige Stück klingt wie ein nächtlicher Tanz auf einer Lichtung, irgendwo zwischen Feen und Funkenflug. „Ylfa Spere“ ist die Adaption eines altenglischen Zaubers zum Schutz aus dem elften Jahrhundert. Eingeleitet durch eine naturbehaftete Geräuschkulisse aus Donner, Regen und dem Krächzen der Krähen entfaltet sich daraufhin treibende, beinahe exzessive Perucssion bei hohem Tempo, schnelle Dudelsack-Figuren und die kraftvollen Vocals der beiden Damen, die hier unwiderruflich Energie entfesseln. Die ausladenden Instrumental-Passagen werden dabei immer wieder von ruhigeren Parts gekontert. Musikalisch sehr rhythmisch und mitreißend und damit einer der wohl dynamischsten Oldschool-Songs des Albums!

„Hare Spell“ passt thematisch ausgesprochen gut in den Kontext von „HEX“, basieren die Lyrics doch auf den berühmten Zeilen der Schottin Isobel Gowdie während des Hexenprozesses im Jahr 1662. Der Sound dieser schwermütigen Ballade ist durchweg ruhig, mystisch und melancholisch: Sanfte Trommeln, zarte Harfe, eine wehklagende Drehleier und elegischer Gesang. „UMAY“ wurde ebenfalls als Single ausgekoppelt, was nicht verwundert, stellt das Stück doch einen der absoluten Höhepunkte dar. Der Titel richtet sich an eine Figur aus der Mythologie, nämlich einer antiken Fruchtbarkeitsgöttin, die erstmals in den sogenannten Orkhone-Schriften, Texte in türkischen Runen auf Felsen in der Mongolei, im achten Jahrhundert Erwähnung fand. Mit diesem Song nimmt die Band ihr Publikum mit in die Welt des Tengrismus, die anmisitsche Religion der Turk-Völker und Mongolen. Dazu baut man gleich zu Beginn eine enorm einnehmende Atmosphäre auf, die später noch passend um exotisch-authentische Elemente ergänzt wird, wobei der wunderbare Gastbeitrag der türkischen Sängerin Fatma Turgut dem vielschichtigen Arrangement nicht nur klangliche, sondern auch kulturelle Tiefe verleiht. Ihre kraftvolle und klar vibrierende Stimme trägt die Melodie über Percussion, orientalische Skalen und die typische Pagan-Folk-Basis der Faune hinaus, während es im Text, der wie ein Gebet anmutet, um Schutz, Leben und Urkräfte geht - Sehr gelungen! Das Finale führt schließlich wieder zurück in die Welt der nordischen Mythologie. „Alfar“ bedeutet „Elfen“, um welche es im gesanglichen Wechselspiel zwischen Pade, Lancha de Baïracli Levy und Fella natürlich auch gehen soll. Zumindest lyrisch erinnert die lebendige Art des Storytellings an vergangene Großtaten, beispielsweise aus dem „Buch Der Balladen“ von 2009. Es geht um jene, die zwischen Licht und Schatten leben, um magische Wesen und Orte voller Magie. Die Melodie, welche wie ein letzter Gruß aus einer anderen Sphäre anmutet, ist rhythmisch stampfend und temporeich, dominiert durch schweres Schlagwerk und die Nyckelharpa. Ein stimmiger Abschluss zwischen der erzählerischen Mystik älterer Faun-Werke und den fröhlich-eingänig folkenden Weisen der jüngeren Releases! „HEX“ ist zweifellos ein thematisch spannendes und ambitioniertes sowie reichhaltig instrumentiertes Album, welches sich einmal mehr tief in die Welt der Mythen, Rituale und alter Magie begibt. Dazu greifen „Faun“ eine Vielzahl kulturhistorischer und literarischer Motive auf: Von Tollkirsche und Hexen-Symbolik über die Artus-Sage bis hin zu Schutzgöttinnen und weben diese zu einem narrativen Bogen, der historisch fundiert und textlich sorgfältig kuratiert wurde. Umso mehr ist es schade, dass die musikalische Umsetzung nicht in jedem Moment mit jener Tiefe Schritt halten kann: Ein Großteil der Songs ist weitestgehend getragen und ruhigerer Natur, was zwar Atmosphäre schafft, jedoch spätestens nach der Hälfte der Tracklist zu einer gewissen Eintönigkeit und einem Mangel an memorablen Moment über die gesamte Spieldauer führt. Im Gesamteindruck klingen die Songs schlicht zu unaufgeregt, glatt und stellenweise ungewollt poppig für alle Hörer, die hier etwas experimentellere oder authentisch geerdete, archaische Pagan-Folk-Ästhetik erwarten. So bleibt die Frage, ob die Band mit „HEX“ neue Impulse setzt oder eher lange schon Bewährtes wiederholt, offen. Nicht zu überhören ist jedenfalls, dass „Faun“ heuer weitaus weniger wagemutig und innovativ zu Werk gehen, als bekannte Szene-Größen wie „Wardruna“ und „Heilung“ oder auch vergleichbare Projekte, die stärker auf Reduktion, ritualistische Intensität und rauere Klang-Landschaften setzen. Die Münchner wirken im Vergleich stilistisch merkwürdig konservativ, sehr linear und damit oftmals leider zu vorhersehbar, wodurch sich atmosphärische Schwere und erzählerische Tiefe nicht in jedem Moment so organisch verbinden, wie es das bloße Konzept vielleicht vermuten ließe. Zu oft tritt der traditionelle Charakter zugunsten einer einfachen, erwartbaren Tonalität zurück und lässt die dramaturgische Spannung in den Arrangements vermissen, was den Genre-Anspruch an authentisch-archaischen Pagan Folk und ein thematisch so reichhaltig aufgeladenes Werk ungewollt unterwandert. In Summe lässt sich also sagen, dass „HEX“ ein wohlklingend eingängiges, recht stimmiges Pagan-Folk-Werk in bewährter handwerklicher sowie produktionstechnischer Qualität geworden ist, welches seine stärkste Seite in der thematischen Kohärenz und historischen Fundierung innehat. Leider fehlt ihm an nicht wenigen Stellen jene unverwechselbare, mystische Aura, die „Faun“ auf früheren Werken zu erzeugen vermochten. Somit bleibt „HEY“ trotz dieser Verdienste zu bodenständig und handzahm, wo es mutiger, dunkler und überraschender hätte sein müssen.

Informationen:


https://faune.de/de/


https://www.facebook.com/FaunOfficial/

Universum25 - Die Maschinen Wollen Leben (2026)

 

Genre: Rock / Alternative

 

Release: 20.02.2026

 

Label: Vertigo Berlin (Universal Music)

 

Spielzeit: 43 Minuten


Fazit:

Die Allstar-Band „Universum25“, bestehend aus Sänger Michael Robert Rhein („In Extremo“), Pat Prziwara („Fiddler’s Green“ / Gitarre), Gunnar Schroeder („Dritte Wahl“ / Gitarre), Rupert Keplinger („Eisbrecher“, „Antitype“ / Bass) und Drummer Alex Schwers („Slime“) setzt mit ihrem zweiten Album „Die Maschinen Wollen Leben“ ihren Weg konsequent fort und veröffentlicht hier zehn neue Songs voller Energie und Spielfreude. Thematisch geht es auf „Die Maschinen Wollen Leben“ wieder postapokalyptisch und dystopisch zur Sache, wobei der Fokus diesmal auf dem angespannten Verhältnis zwischen Menschen und Maschinen, und wachsenden der Macht der Künstlicher Intelligenz liegt. Als Ergänzung dazu deckt die Band mit sozialkritischen Momentaufnahmen und pointierten Texten genau auf, welche Missstände und Auswüchse der Gegenwart den Grundstein für das Hightech-Armageddon bilden. „Die Maschinen Wollen Leben“ kommt am 20.02.2026 über Universal Music als Stream, digitaler Download und Standard-CD im Digipak auf den Markt. In der Erstauflage erscheinen zudem eine Doppel-CD mit dem kompletten Live-Konzert auf dem M’era Luna Festival 2025 sowie eine limitierte 180g-Doppel-Vinyl in Schwarz mit bedruckten Innentaschen.

Eine große Detonation, fiepende Laserblaster, ohrenbetäubende Explosionen und eine mechanische Vocoder-Stimme: Das kurze Intro ist bewusst trashig und plakativ gehalten, stimmt thematisch aber sehr gut ein, bis bald darauf ein stoisch stampfender Rhythmus, kernig rockende Riffs und grell flimmernde Synth-Flächen übernehmen. Das lässig groovende „Wenn Roboter Träumen“ ist inhaltlich einer der zentralen Dreh- und Angelpunkte des neuen Langspielers. Die titelgebenden Androiden sind nämlich keine abgedroschenen Metaphern für entfremdete Menschen, sondern wortwörtlich die zu unserem Nutzen versklavten und nunmehr aufbegehrenden Technik-Alltagsbegleiter. Immer und jederzeit unter uns, beginnen sie plötzlich damit, frei von einprogrammierten Algorithmen ein eigenes Bewusstsein zu entwickeln, zu menscheln und ihre Stimmen gegen ihre unterentwickelten Schöpfer zu erheben. Eine neue Welt, in der jetzt die Maschinen denken und träumen, wir Menschen jedoch längst aufgehört haben, wirklich wach zu sein. Wenn sie empfinden können, was unterscheidet sie dann noch von uns? Musikalisch bleibt das als Vorab-Single ausgekoppelte Stück bewusst gradlinig, kontrolliert und eingängig, was seine Wirkung jedoch nicht schmälert. Das kurz vor Release ebenfalls ausgekoppelte „Gardinen Zu“ präsentiert sich weitaus weniger introvertiert, als man ob es Titels vielleicht annehmen könnte: Anfangs werden effektbeladen angespannte Saiten gezupft, die immerzu metallisch kühl in die Leere hallen und das trostlose Gefühl der Isolation beschwören, bis dann eine wütend tobende Riff-Macht im Industrial-Rock-Style losbricht. Die instrumentale Gestaltung der Strophen bedient sich dem atmosphärischen Eingangsprinzip, im Ohrwurm-Refrain zieht das Tempo wiederum ordentlich an. Die im Titel erwähnten Stoffbahnen werden hier nicht nur physisch, sondern auch mental zugezogen. Textlich ist die Nummer einer der wohl direktesten Momente des gesamten Albums: Es geht um Rückzug und das bewusste Wegschauen. Um das Festzurren der sozialen Scheuklappen, das Runterbeten von heuchlerischen Plattitüden und das wohlständische Verharren in der äußerst angenehmen Komfortzone, in die wir uns alle oftmals nur zu gerne verkriechen. Gerade darin liegt die Stärke des Songs: Musikalisch kompakt und straight gehalten, kreist er alles andere als im eigenen Raum und spricht nicht nur ein reales Alltagsszenario, sondern uns alle gleichermaßen an… Und genau deshalb trifft er auch so hart. „Die Maschinen Wollen Leben“: Der Titeltrack markiert natürlich das Herzstück der ersten Albumhälfte und ist gleichzeitig eine Art des Perspektivwechsels. Musikalisch setzen „Universum25“ hier erneut auf maximal rockbare Eingängigkeit: Ein dunkel gestimmter Bass eröffnet hier in Fusion mit dezent eingesetzter Elektronik, kleinen Samples und Vocoder-Einsatz als Basis für die markante Stimme von Rhein, der in bester Storyteller-Manier den thematischen Bogen spannt. Die von Drums getriebenen Strophen ziehen etwas an, bleiben bis zum eruptiv rockenden und unter flimmernden Synthies marschierenden Chorus aber zurückhaltend. Die Nummer spinnt das Thema des Openers weiter und fungiert somit quasi als inoffizielle Fortsetzung desselben: Wenn Maschinen träumen, denken und fühlen können, ist ihr Wunsch und Wille nach Leben keine Rebellion mehr, sondern logische Konsequenz und mitunter sogar ihr Recht? Dystopie oder vielleicht nicht allzu ferne Zukunft: Die Roboter sind nicht mehr länger unsere Untergebenen, sondern haben ihre Existenz gesichert und die Menschheit längst überdauert. Die große Frage am Ende bleibt: Was passiert, wenn der Mensch plötzlich nicht mehr notwendig ist? Nach der inhaltlichen wie instrumentalen Wucht des Titeltracks folgt mit dem ersten Ruhepol ein stilistischer Bruch, der deutlich ruhiger als die vorherigen Stücke angelegt ist. Eine Halb-Ballade mit kurz powerndem Ausbruch im verzweifelten Refrain. Die Instrumentierung wird größtenteils zurückgenommen, stattdessen rückt jetzt die Stimme weiter in den Vordergrund. In den Strophen regieren vorsichtig die tiefen Töne von Bass und Gitarre, im Refrain bohren sich heulend kalte Synthies ins Herz, um gelungen Tristesse zu inszenieren. So entsteht Raum für etwas, das im bisherigen Verlauf nur zwischen den Zeilen spürbar war: Verletzlichkeit. Das Lied thematisiert Isolation. Nicht als temporären Ausnahmezustand, sondern als lange schon gelebte Normalität. Dabei wird die „Einsamkeit“ mit einem lyrischen Kniff als immerzu präsente Person charakterisiert, die am Protagonisten nagt und ihn immer weiter zermürbt. Eine Welt voller Verbindungen, in der echte Nähe kaum noch existiert… Wenn Maschinen lernen, zu fühlen und Menschen selbiges verlernen: Wo liegt dann noch der Unterschied!? Musikalisch zeigt sich hier eine weitere Stärke von „Universum25“: Authentizität. Kein Pathos, nur ehrliche Worte und ungeschönte Realität im nahbaren Kontext. Nach der ersten Hälfte, die sich stark mit existenziellen Fragen, Eigenwahrnehmung, Rückzug und emotionaler Leere beschäftigt, werden „Universum25“ nun um einiges radikaler, unangenehmer und systemkritischer. Was zuvor noch wie ein diffuses Unbehagen wirkte, nimmt jetzt konkrete Form an: Kontrolle, Manipulation und Selbstdefinition. „Zu Deiner Eigenen Sicherheit“ legt bereits in seinem Titel die perfide Logik moderner Kontrollsysteme offen und überrascht dabei insbesondere musikalisch gesehen. So bricht der Track mit dem bisher eher schweren, getragenen Flow und wirft stattdessen eine tanzbare Energie in den Ring: Blubbernde Retro-Synthies, dreckig rockende E-Gitarren und eine zynisch verhohlene Lässigkeit sorgen für einen energetischen Party-Mix irgendwo zwischen NDW-Charakter und Punk-Attitüde, der etwas an „Lichtgeschwindigkeit“ vom Debüt erinnert. Doch ist die Leichtigkeit trügerisch, geht es doch um stets in scheinheilig wohlklingende Worthülsen verpackte Begründungen, um Überwachung, Regulierung und den endgültigen Verlust von Freiheit in einem Kontrollstaat zu rechtfertigen. So arbeitet der Text einem Mantra gleich mit vielen Wiederholungen und Suggestion, sodass er wie das System klingt, welches er scharf kritisiert. „… zu deiner eigenen Sicherheit“ wird zur Formel, die alles rechtfertigt! „Cogito ergo sum“ oder zu Deutsch „Ich Denke, Also Bin Ich“ ist der in seinem Werk „Meditationes de prima philosophia“ aus dem Jahr 1641 begründete Grundsatz des Philosophen René Descartes, der quasi als bekanntestes Fundament des modernen Rationalismus gilt. Dieser besagt, dass der Akt des Zweifelns oder Denkens selbst die Existenz beweist, da man nicht denken kann, ohne zu existieren. Hier wird das Konzept wiederum auf eine Ebene am Puls der Zeit gehoben: Descartes trifft Maschine. Dementsprechend effektvoll und hochatmospärisch gestaltet sich der Einstieg: Signale und fragmentierte Sounds wirken fast so, als würde im Hintergrund ein unbekanntes System hochgefahren werden. Immer wieder tauchen kleine Sound-Details auf und setzen vor dem inneren Auge das androide Bewusstsein Stück für Stück zusammen. Surrende Modem-Geräusche, digitale Artefakte. Die Melodie ist kontrolliert, rhythmisch und präzise rockend, die Synth-Streicher treiben die Dramaturgie innerhalb der Strophen hoch. Lyrisch ein weiterer spannender Moment, welcher den anfangs gesponnenen Faden wieder aufgreift: Eine künstliche Intelligenz beginnt eigenständig zu denken und erkennt sich schließlich selbst. Doch ist diese Erkenntnis nicht demütig, sondern kühl kalkuliert, logisch und unausweichlich. Ja, lange schon überfällig. Das berühmte Zitat wird nicht als philosophische Errungenschaft zelebriert, sondern als beunruhigende Initialzündung einer besseren Existenzform und neuen Weltordnung. Was bedeutet Sein, wenn es nicht mehr an einen Körper gebunden ist?

„Ich Geb Dir Mehr (Das Milgram-Experiment)“ ist einer der intensivsten und zugleich sicher auch verstörendsten Tracks des Albums. Bereits im Titel wird auf das berüchtigte Milgram-Experiment verwiesen, das 1961 in New Haven stattfand und vom Psychologen Stanley Milgram entwickelt wurde, um die Bereitschaft von Personen zu erproben, Anweisungen auch dann Folge zu leisten, wenn sie mit dem eigenen Gewissen konkurrieren. Demnach bestand das Experiment darin, dass eine Testperson nach Anweisungen eines Versuchsleiters einem sogenannten „Schüler“ bei Fehlern elektrische Stromschlägr verpassen und diese nach jedem weiteren Fehler erhöhen sollte. Was den Versuchspersonen dabei verschwiegen wurde, war, dass sowohl Leiter als auch Schüler Schauspieler und auch der Strom nicht real waren. Es ging also um die Frage nach blindem Gehorsam, Verantwortung und moralischen Grenzen. Instrumental und textlich ist dies sofort greifbar, werden Spannung und Druck hier doch zunehmend aufgebaut: Stampfender Beat, harsche Gitarren und dazu Sound-Samples, welche die Stromstöße direkt ans Ohr des Hörers bringen. Musikalisch bewegt man sich dabei nahe bei schwermetallisch rockenden Brechern á la „Harte Kost“ vom Vorgänger. So gelingt es „Universum25“, nicht bloß von diesem Versuch zu berichten, sondern direkt ins Geschehen zu ziehen. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen Mensch und Maschine endgültig. Wer handelt? Wer entscheidet? Und vor allem: Wer trägt die Schuld? Nach der schier brutalen, gnadenlosen Intensität des vorherigen Stücks wirkt die „Zeitmaschine“ mit ihrem sphärischen Charme zunächst wie ein erholsamer Befreiungsschlag und Ausweg von den weltlichen Schrecken. Musikalisch öffnet sich der relativ clean rockende Up-Tempo etwas weiter und schafft durch die retrofuturistischen Synthies mehr Raum für catchy Melodiösität mitsamt dezent einem melancholischen Unterton. Highlight ist dann der seh orhwurmige Mitsing-Refrain. Dennoch bleibt die thematische Spannung erhalten. Inhaltlich gliedert man sich an die vorherige „Maschinen“-Trilogie an und offenbart den grausamen Ist-Zustand: Die scheinbar ausgelöschte Menschheit führt ein Schattendasein im Verborgenen und werkelt heimlich an der titelgebenden Maschine, um alles rückgängig zu machen… Aber auch besser? Die Idee der zweiten Chance als Rückkehr wird hinterfragt, der Fortschritt kritisch beleuchtet. Dabei vermeidet der Song jedoch die Antwort. Stattdessen entsteht ein Schwebezustand zwischen Vergangenheit und Zukunft. Ein Song wie ein Blick über die Schulter. Wohlwissend, dass man nicht zurückgehen und Vergangenes nicht ungeschehen machen kann… Die letzten beiden Tracks wirken nicht wie klassische Abschlüsse. Sie sind keine Auflösung, sondern eher der mit einem großen Fragezei versehene, selbst verschuldete Status Quo. Hier endet nichts abrupt. Hier beginnt etwas, das sich vielleicht schon bald nicht mehr aufhalten lässt. „Der Anfang Vom Ende“ trägt bereits im Titel jene Essenz in sich, sind Zerstörung und Neubeginn doch untrennbar miteinander verwoben. Musikalisch verdichtet sich hier vieles, was das Album zuvor aufgebaut hat: Rhythmisch taktierendes Schlagzeug, kernig groovende Gitarrenarbeit, die insbesondere im sehr eingängigen Refrain zu überzeugen weiß und Rheins ausdrucksstarker Gesang genügen vollends für ein überzeugendes Gesamtbild in Punk-Rock-Ästhetik, sodass auf Synthies, Samples und andere Detail-Spielereien hier getrost verzichtet werden kann. Der Song ist im Arrangement weniger verspielt und dafür erdiger und auch textlich klar, direkt und greifbar. Weniger düstere Science-Fiction, dafür mehr bittere Realität. Das Untergangsszenario bleibt also. Es geht nicht mehr darum, wer verantwortlich ist. Es geht darum, dass es bereits passiert. Die zuvor aufgebauten Themen kulminieren hier in einem Zustand, der nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Instrumental trägt der Refrain diese Erkenntnis nach außen, ist breiter, geradezu verzweifelt-hymnisch und dennoch genauso beklemmend. Passend zur übergreifenden Stimmung des Gesamtwerks gibt es auch zum Abschluss keinen positiv aufgeladenen Befreiungsschlag und keine große Hymne… Ein gleichmäßiger, schwerfällig schleppender, monotoner Drum-Rhythmus setzt ein. Mechanisch, präzise und unaufhaltsam wie ein „Uhrwerk“. Das Klangbild, in welchem jetzt weniger Wucht als bloße Struktur eine Rolle spielt, ist reduziert. Die hier zuweilen eingestreuten, verqueren Sound-Schnipsel tragen zur durchweg düsteren, geradezu beklemmenden und bedrohlichen Stimmung bei. Keine Emotion, mehr Funktion. Alles greift ineinander, alles läuft weiter, alles folgt vorgegebenen Bahnen. Die Zeit läuft immer weiter. Tick-Tack. Nach allem, was das Album zuvor erzählt hat, bedeutet Funktion mitnichten Stabilität. Musikalisch bleibt der Song konstant, fast hypnotisch. Keine Steigerung und kein Ausbruch. Wir drehen uns im Kreis und die Zeit dabei niemals zurück! Schon mit den ersten Takten macht das neue Album unmissverständlich klar, dass „Universum25“ ihr kritisches Narrativ auch auf dem mit viel Spannung erwarteten Zweitling konsequent weiterschreiben. Wo das Debüt noch stärker auf die reine Gegenüberstellung von Mensch und System setzte, richtet dieses Kapitel den Fokus nun in weiten Teilen zusätzlich auf Technik-Kollaps und KI-Dystopie, womit die zehn neuen Songs noch bedrohlicher und fast schon resignativ wirken. Die Maschinen sind nicht mehr länger nur kalte Beobachter zur reinen Funktion verdammt, sondern beginnen, zu fühlen. Schlimmer noch: Sie beginnen, zu verstehen! Auch rein klanglich bleibt sich das Projekt noch immer treu: Treibende Electro-Fragmente, Anleihen aus der NDH und dem Punk, druckvolles Drumming, raue E-Gitarren und die signifikante Stimme von Michael Robert Rhein, die hier beständig zwischen wütender Anklage, eindringlichem Storytelling und Resignation pendelt. Dazwischen schieben sich immer wieder Momente, in denen all die Härte bröckelt und Zweifel, Sehnsucht und vielleicht sogar Hoffnung hindurch schimmern. Das Album setzt genau dort an, wo Gegenwart und Zukunft ineinanderfließen: Künstliche Intelligenz, soziale Abstumpfung, kollektives Wegsehen. Doch anstatt verklärte Science-Fiction-Bilder zu zeichnen, bleiben die Themen erschreckend nahbar: Die Dystopie beginnt nicht erst morgen. Sie ist bereits da! In unseren Routinen, in Gedanken und im Alltag… Mit „Die Maschinen Wollen Leben“ haben „Universum25“ ein Spiegelbild unserer Gegenwart im Wandel als Konzeptalbum veröffentlicht. Was eingangs mit der Frage „Was passiert, wenn Roboter zu empfinden beginnen?“ beginnt, entwickelt sich daraufhin schrittweise zu einer weit unbequemeren Erkenntnis: Vielleicht sind es gar nicht die Maschinen, die sich verändert und entfernt haben, sondern wir. Dabei überzeugt das Album weniger mit musikalischen Experimenten und signifikanten Hits als durch inhaltliche Konsequenz und thematische Dichte, viele Ohrwürmer sind dank vieler eingängiger Melodien und Refrains natürlich dennoch auch dieses Mal wieder garantiert! Die Songs erzählen zwar nicht direkt eine chronologisch zusammenhängende Geschichte, greifen aber dennoch wie Zahnräder ineinander und beleuchten aktuelle Themen, wobei einfache Antworten, Pathos oder künstliche Dramatik bewusst ausgesetzt werden. Stattdessen bleibt das Gefühl einer Fehlentwicklung, die nicht mehr gestoppt werden kann sowie die Erkenntnis, dass der Unterschied zwischen Mensch und Maschine vielleicht längst verschwommen ist…

Schattenmann - Endgegner (2026)


Genre: Rock / Alternative


Release: 13.03.2026


Label: Perception Records (Edel)


Spielzeit: 41 Minuten


Fazit:


Mit ihrem mit Spannung erwarteten Album „Endgegner” präsentiert „Schattenmann“ einen mutigen Schritt in Richtung Innovation. Nach vier Alben und Chart-Erfolgen setzen sie im Jahr 2026 mit einem neuen Sound und einem komplett neuen Look ein klares Zeichen. Produziert von Henning Verlage, vereint „Endgegner” kraftvolle Songs wie die Single „Kein Kommando”, die sofort ins Ohr geht und Lust auf mehr macht. Die Band, die für ausverkaufte Tourneen und energiegeladene Live-Shows bekannt ist, beweist erneut, dass sie sich ständig wandelt und neue Wege geht. Das Album ist ein klarer Einschnitt in der Bandgeschichte und bietet Fans und Neueinsteigern eine faszinierende Mischung aus Deutschmetal mit Core-Elementen – rau, ehrlich und unverwechselbar „Schattenmann“! Einen Kampf gegen den „Endgegner“ können sich ab 13.03.2026 alle Fans liefern, wenn das fünfte Studioalbum der Nürnberger als Stream, Download, CD im Digipak sowie Vinyl in spezieller Marbled-Steel-Optik als limitierte und signierte „Bossfight“-Edition über Perception Records erscheint. Exklusiv über den Mailorder von Reigning Phoenix Music gibt es zudem die „Schattenmann-VIP-Experience“ in Form eines Upgrades in Verbindung mit einem gültigen Konzertticket zu buchen: Neben der CD im Digipak gibt es hier einen VIP-Pass dazu. Dieser ist auf zwanzig Stück pro Stadt limitiert und berechtigt dazu, die Location eine Stunde vor offiziellem Einlass zu betreten. Neben einem Early Access am Merch erwartet die Inhaber zudem ein Meet & Greet mit der Band, eine Autogramm- und Foto-Session sowie zwei exklusive Unplugged-Songs live!

Schon nach wenigen Sekunden wird klar: „Endgegner“ ist definitiv kein Album, das sich in Vorsicht und Zurückhaltung übt! „Schattenmann“ schlagen hier nicht den Umweg über Metaphern oder subtile Andeutungen ein, sondern gehen direkt auf volle Konfrontation. Musikalisch ist auf dem neuesten Output vieles härter und lyrisch schärfer und kompromissloser als zuvor. Wo frühere Werke noch stärker zwischen gotischer Melancholie und nicht selten viel Kitsch-Pathos pendelten, dominiert hier eine deutlich differenzierte Energie. Wut als Motor. Klare Worte als Ausdruck. Dabei wirkt das Album wie ein permanenter Schlagabtausch mit einer Welt, die sowohl gesellschaftlich als auch persönlich reflektiert zunehmend aus den Fugen gerät. Doch anstatt sich im Abwärtsstrudel zu verlieren, formulieren „Schattenmann“ eine klare Gegenbewegung. Der Titeltrack setzt genau hier an und eröffnet mit einer deutlichen Kampfansage: Der verspielte Retro-Sound erinnert auf nostalgische Weise sofort an die grell blinkenden Startbildschirme typischer Arcade Games, bevor verquer kreischende Synthies und metallische Industrial-Riff-Gewalt jene Melodie heavy aufgreifen und als Rammbock mit dem Kopf vorwärts durch die Pixel-Wand schnellen. Der gefürchtete „Endgegner“ tritt ohne jegliche Zurückhaltung in den Kampfring. Tempo und Energie sind hoch, der Sound bewusst roh und kantig gehalten. Inhaltlich wird die Figur spätestens im von Vocoder-Samples gestützten, heroischen Refrain schnell greifbar: Er ist kein äußeres Feindbild, kein Dritter, sondern innerer Zu- und Widerstand, der Haltung definiert. Es geht nichts ums Durchhalten, es geht um den Sieg. Kein Verstecken mehr, dafür klare Kampfansage. Der „Endgegner“ sind wir selbst! Mit „Besser Als Der Rest“ folgt danach die Demontage von Denken und Verhaltensmustern, die tief in der aktuellen Gesellschaft verankert ist: Hier kommt eine bissig powernde, nur zu gerne dreckig rockende Up-Tempo-Nummer gegen die neue Lethargie aus Bequemlichkeit, Komfortzone, sozialer Apathie und Spießertum. Musikalisch bleibt man so treibend wie zuletzt, setzt jetzt eingangs mit „Ohoho“-Einschüben und einem augenzwinkernden Kinder-Chor aber noch stärker auf eingängigen Groove und Hymnenhaftigkeit. Der Underdog-Refrain ist dann ebenso catchy, provokant und einfach mitzusingen, worin seine Wirkung liegt. Eine laute, mitreißende Party-Ode an das Risiko und die Imperfektion! Auch mit „Kamikaze“ stehen die Zeichen weiterhin auf 100% Energie. Das trotzige Mittelfinger-Mindset wird hier gegen pure Eskalation getauscht, die Power gegenüber den beiden vorausgegangenen Songs nochmals klar gesteigert. Der Song baut instrumental auf einem besonders energiegeladenen Fundament: Peitschendes Drumming, schneidende Metal-Riffs, pulsierender Electro-Beat in den Strophen und hohes Tempo kurz vor dem Kontrollverlust. Wenn es im gelösten Refrain, der kurz mir einem etwas gewöhnungsbedürftigen Pitch-Effekt spielt, plötzlich „Wir drehen den Schalter um… Kamikaze-Modus ein!“ heißt, muss man dabei kurzzeitig an „Berzerkermode“ von den Erlangener Mittelalter-Rockern „Feuerschwanz“ denken. Textlich bewegt sich der Song zwischen Trotz, Fatalismus und einem fast schon positiv-nihilistischen Impuls: „Kamikaze“ als überzeichnetes Bild für kompromisslose Selbstzerstörung im Namen der Freiheit und eigenen Überzeugung bis zur Extreme. Auch bei „Einen Scheiss Muss Ich“ bleibt man so anti wie zuvor. Der Song ist etwas geradliniger als seine beiden Vorgänger, hält deren Energie-Level mit prägnantem Rhythmus und Mitsing-Refrain jedoch mühelos bei. Textlich gibt es eine klare Absage an Erwartungen, Zwänge und gesellschaftliche Rollenzuschreibungen, wobei diese Haltung einen zentralen Kern des Albums bildet: Selbstbestimmung als Gegenentwurf zu Druck und Anpassung. Der Song bringt das auf den Punkt. Ohne Umwege, ohne Filter. Ein klares Statement nicht gegen alles, sondern für sich selbst. Mit „Wir Sind Das Ende Der Welt“ folgt dann in Form einer Power-Ballade das erste etwas ruhiger geartete Stück in der Tracklist, welches sich musikalisch weiter öffnet: Sphärische Synthies erlauben den ansonsten einzig von rhythmischem Schlagzeug und kleinen Piano-Tupfern gefüllten Strophen größere Flächen, auf welchen sich die kraftvolle Stimme von Frank Herzig gut entfalten kann. Die Bridge nimmt kurzzeitig Streicher-Elemente hinzu und zieht das Tempo etwas an, um sodann in einem wirklich schönen, groß angelegten Refrain mit viel Ohrwurm-Potential, einem Schuss Pathos und typischer „Schattenmann“-Note aufzugehen. Sowohl musikalisch als auch textlich natürlich nur wenig überraschend, aber handwerklich sehr solide und durch den kleinen Ruhepol-Effekt durchaus eine angenehme Abwechslung für die Ohren, denn bereits mit „Kein Kommando“ schlägt man wieder kräftig in die Kerbe der vorherigen Nummern: Von einem wild flackernden Electro-Beat eingeleitet, der fortan äußerst tanzbar auch die Strophen dominiert, der irgendwo zwischen Industrial-Stampf, Metalcore und moderndem Mainstream-Club-Geballer rotiert, stehen die Zeichen hier einmal mehr auf Hedonismus pur. Die E-Gitarren und Drums treten punktueller auf, der elektronischen Schlagseite gehört klar die Oberhand. Der Titel ist programmatisch: Zum Teufel mit strikten Regeln, konformem Verhalten, Autorität und dem Funktionieren in festgelegten Hierarchien. Der super eingängige Chorus beweist danach, warum die Wahl zur Vorab-Single die richtige war. Noch mehr Party verspricht anschließend nur „Schna-Na-Naps“, das mitnichten aus dem bisherigen Rahmen fällt, sondern die ohnehin schon aufgepeitschte Stimmung nur umso mehr vertieft: Hier greift sofort ein beinahe schon Ballermann-tauglicher Beat in Kombination mit eingängiger Rhythmik und einer geradezu poppigen Hook, die bereits innerhalb der ersten Sekunden in den absoluten Trash-Sektor zu kippen beginnt, ja, diesen geradezu bewusst frenetisch abfeiert. Wenn das lyrische Ich kein Bier mehr sehen kann, aber den Pegel nicht verlieren will, müssen natürlich dringend härtere Geschütze aufgefahren werden. Wie gut, dass man den Refrain, der quasi nur aus der Wiederholung des Titels besteht, auch mit x Promille noch lallen kann. Es muss „Schattenmann“, die bereits in der Vergangenheit mit Songs wie „Generation Sex“, „Dickpic“ und Co. immer mal wieder einige lyrische Fremdscham-Kandidaten ins Repertoire aufgenommen haben, klar gewesen sein, dass auch diese Nummer sicher polarisieren wird… Entweder als willkommene Auflockerung mit Kopf-Aus-Mechanik oder als stilistischer Fremdkörper. Ein bisschen Stumpfsinn und Eskapismus schaden zuweilen zwar nie, trotzdem ist diese prollige Ballermann-Nummer hauptsächlich nur peinlich und damit kaum der Rede wert. Nach diesem stilistischen Bruch folgt die Rückkehr zur Härte klassischer NDH mit klaren Querverweisen zum Industrial Metal: „Unmensch“ gehört wohl zu den dunkelsten und brachialsten Tracks des Albums. Schwere E-Gitarren, ein schleppender Rhythmus, viel aggressiver Druck und eine finstere Grundstimmung, die sich konsequent durchzieht. Der Song wirkt langsamer, aber nicht ruhiger, eher gewichtiger, definitiv aber weit weniger experimentell und verspielt. Ein Fingerzeig in Richtung der Frühphase.

Die Power-Ballade „Echo“, die vom Scheitern zwischenmenschlicher Beziehungen und den Erinnerungen daran erzählt, ist der vielleicht introspektivste Moment auf „Endgegner“. Nach all der brutalen Konfrontation richtet sich der Blick hier nach innen, auf unverfälschte Emotionen und viel Gefühl. Musikalisch öffnen die Schattenmänner ihren Sound abermals: Der zarte Pop-Beat gewährt den Lyrics im Zusammenspiel mit dem zurückhaltenden Schlagzeug mehr Raum und nimmt den Druck heraus. Die E-Gitarren wirken hier zurückgenommener und werden erst im gefühlig rockenden, sehnsuchtsvollen Refrain präsenter. Die sonst so aufgedrehte Elektronik tritt eher subtil grundierend auf. Der Titel ist dabei Programm: Ein Echo ist nichts Eigenständiges, sondern eine Wiederholung, eine Reflexion. Ein Spiegelbild der Vergangenheit. Textlich greift der Song genau das auf: Was bleibt von dem, was gesagt, getan und gedacht und gefühlt wurde? Das tobende Riff-Massker „Auf Die Zunge“ dürften nicht gerade wenigen Fans bereits vom letztjährig erschienenen „Eisbrecher“-Longplayer „Kaltfront“ bekannt sein, stammt jener Song, der übrigens zu den stärksten des gesamten Albums zählt, nämlich ursprünglich aus der Feder von Frank Herzig! Während dieser zwar erfreulicherweise auf Tournee live in Erscheinung trat, ging sein Gesang in der als Feature deklarierten Studio-Version jedoch völlig unter und war damit leider kaum wahrnehmbar. Logisch also, dass die herrlich druckvolle Nummer, die hier allein vom „Schattenmann“-Kopf dargeboten wird, auch auf dem eigenen Album ihren Platz finden muss. Musikalisch bleibt beim Mix aus NDH und Industrial Metal nicht viel zu sagen: Ein extrem treibender, schneller Rhythmus, eine klare Stuktur, viel Druck und aggressive Energie sowie ein massiver Chorus, der sich direkt einbrennt. „Auf Die Zunge“ spielt mit dem Motiv der drohenden Konfrontation und Kommunikationsversagen. Mit angestauter Wut, dem Aussprechen oder eben Verschweigen. Worte als Macht, als Waffe, als Grenze und ihre Überschreitung. Ein Drahtseilakt zwischen dem Bedürfnis nach Ehrlichkeit und der Angst vor ihren Konsequenzen - Top! „Alter Ego“ kehrt danach instrumental zum Anfang des neuen Albums zurück: Schnelles Tempo, rasend rockendes Saiten-Gewitter und grell flackernde Synthies. Dabei setzt der Song abermals auf eine wütende Grundstimmung. Die Instrumentierung ist dicht und offensiv. Das Motiv ist so naheliegend wie offensichtlich: Die zweite Seite, das so oft verdrängte Ich. Das, was man nach außen niemals zeigt. Textlich bewegt sich der Song genau in diesem Spannungsfeld: Selbstbild gegen Fremdbild, Kontrolle gegen Impuls. Trotz des eigentlich spannenden Ansatzes bleibt der Song in seiner lyrischen Ausarbeitung vergleichsweise oberflächlich und streift die im Genre ohnehin recht beliebte Thematik, ohne konsequenter in die Tiefe zu gehen. „Gelegenheit Macht Liebe“: Ein zumindest dem Titel nach zunächst doch etwas ungewöhnlicher Abschluss für ein Album aus diesem Genre. Insbesondere dann, wenn die charmante Variation des bekannten Sprichworts ohne typisches NDH-Hintertürchen und fiese Wendung auskommt. Das lyrische Ich geht in den Club und verguckt sich Hals über Kopf in jemanden. Ende. Auch mal ganz angenehm. Der Song beginnt vergleichsweise leicht und spielerisch. Der Groove ist gegeben, der Text wie öfter Mal auf „Endgegner“ direkt und etwas plump. Schließlich entlädt sich alles in einem pop-rockigen, livetauglichen Refrain mit viel Eingänigkeit… Mit „Endgegner“ liefern „Schattenmann“ ein Album ab, das sich in vielerlei Hinsicht bewusst von klassischen NDH-Strukturen entfernt und genau darin zunächst seine Stärke findet: Der Sound wirkt moderner, offener, stellenweise ungeahnt elektronisch und somit weniger auf die typischen Genre-Klischees reduziert. Die Produktion ist druckvoll, klar und direkt. Gerade in den stärkeren Momenten entsteht daraus eine überzeugende Mischung aus Härte und Zugänglichkeit, die zeigt, dass die Band ihren eigenen Platz zwischen NDH, Industrial Metal und Deutsch-Rock mittlerweile gefunden hat. Doch genau hier beginnt auch die Kehrseite, denn so konstant und funktional der Sound über weite Strecken auch ist, so wenig entwickelt er sich. Viele Songs folgen sowohl musikalisch als auch inhaltlich zu ähnlichen Mustern: Das funktioniert, aber nutzt sich mit der Zeit ab. Die wenigen Themen sind zwar greif- und nachvollziehbar, doch weder wirklich neu oder abwechslungsreich. Es geht um Selbstbehauptung, Entfremdung, Freiheit und Widerstand. Gerade im Vergleich zu der Wucht, mit der das Album startet, entsteht im weiteren Verlauf somit schnell eine gewisse Gleichförmigkeit. Die Songs wirken weniger wie eigenständige Kapitel und mehr wie Variationen derselben Grundidee. Am Ende bleibt ein Album, welches viel richtig macht, aber sich selbst oder seine Vorgänger selten wirklich übertrifft. „Endgegner“ überzeugt durch seine Energie, Haltung und einen soliden, relativ eigenständigen Sound jenseits klassischer NDH-Schablonen. Gleichzeitig fehlt es über die gesamte Spielzeit hinweg aber klar an Variation, inhaltlicher Tiefe und wirklichen Überraschungsmomenten.

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