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  • Christoph Lorenz

Subway To Sally - Interview (2017)


Es ist Dienstag Abend, der 26.12.2017 und somit folgerichtig zweiter Weihnachtsfeiertag. Während ein Großteil vermutlich immer noch daheim den festlichen Aktivitäten frönt und sich bei allerhand Leckereien die zigfachste Wiederholung von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ zu Gemüte führt, bin ich dem festlichen Wahnsinn auch schon wieder entflohen und stehe nun auf dem Parkplatz hinter dem Ruhr... ähm... Vonovia Stadion des örtlichen Fußballvereins und mache mich, an dem „Renaissance“-Hotel und der kleinen Rundsporthalle vorbei, in Richtung des angrenzenden RuhrCongress auf. Wir haben 17.20 Uhr. Warum schon so früh? Ich habe heute die Chance der jährlich gastierenden Indoor-Festival-Reihe „Eisheilige Nacht“ wahrgenommen und einen Interviewtermin mit „Subway To Sally“ vereinbart. Immerhin steht der Band dieser Tage das fünfundzwanzigjährige Jubiläum ins Haus, also Zeit für einen kleinen Rück- und gleichzeitigen Ausblick. Wie doch die Zeit vergeht... Ich erinnere mich ganz genau daran, als ich hier vor einigen Jahren erst vor Ort war, um, ganz aufgeregt aus dem Publikum heraus, das zwanzigste Bestehen der Potsdamer Folk-Metaller zu feiern. Es kommt mir so vor, als wäre das alles noch gar nicht so lange her, aber das sagt man rückblickend vermutlich immer. Wahnsinn. Am Hintereingang der großen Veranstaltungshalle sind die Busse abgestellt und auch die Trucks werden von hier ausgeladen. Ich vertrete mir noch etwas die Beine und rauche eine letzte Zigarette, dann ist es plötzlich schon 17.30 Uhr. Auf die Minute genau wähle ich die Telefonnummer der Tourmanagerin und kündige mich an, woraufhin sie mir verspricht, mich in Kürze abzuholen. Derweil lasse ich den Blick über den hinter mir liegenden Sportplatz und die grünen Rasenflächen schweifen. Ich weiß noch ganz genau, dass hier damals im Sommer immer das alljährlich Sportfest abgehalten wurde, als ich noch zur Schule ging. Wie doch die Zeit vergeht, aber das schrieb ich ja schon. Es ist einem wohl nur nicht immer so ganz bewusst. Wie so vieles sonst auch. Plötzlich klingelt mein Telefon und reißt mich aus den Gedanken. Es ist die Tourmanagerin. „Hey, wo stehst du denn?“, fragt sie irritiert. „Oh, ich bin hier hinter der Halle... Soll ich eben schnell nach vorne kommen?“, antworte ich leicht hektisch. „Nein, nein. Bleib jetzt einfach da wo du bist, ich hole dich sofort ab!“. Gesagt, getan. Keine fünf Minuten später ist es dann auch schon so weit, eine Seitentür öffnet sich und Manu kommt mir lächelnd entgegen. Wir begrüßen uns kurz und gehen gemeinsam durch das große Tor. Ich kenne sie bereits durch unseren Kontakt bezüglich der „Neon“-Tournee 2016, sie selbst erinnert sich sogar ebenfalls noch daran. Ich freue mich. Wir laufen danach einen langen Gang entlang und bleiben schließlich vor einer Tür stehen, auf welcher das Schild „Produktionsbüro“ prangt. Im Flur steht Carl Fornia von „Mono Inc.“ und telefoniert. Erst diesen Mai hatte ich mit ihm ein Interview in der Turbinenhalle Oberhausen geführt, so sieht man sich immer irgendwo wieder. Auf einmal ist die Managerin wieder da und stellt mir Michael „Bodenski“ Boden vor, der jetzt aus dem Speisesaal kommt. „Haben wir nicht zufällig schon mal ein Interview zusammen gehabt?“, fragt mich der sympathische Texter nachdenklich. „Nein, noch nicht. Ich habe im letzten Jahr Eric in der Christuskirche interviewt, da sind wir uns kurz über den Weg gelaufen, glaube ich.“, lächele ich. „Hm. Möchtest du vielleicht auch einen Kaffee?“, bietet er mir an. „Klar, gerne!“. Plötzlich kommt Schlagzeuger Simon Michael vorbei und so steigen wir nun alle zusammen die Treppen ins erste Obergeschoss hinauf, wo die Bühnengarderobe der Musiker auf einem Ständer im Gang hängt und uns im Vorbeigehen auch noch Gitarrist Ingo Hampf über den Weg läuft. Eine Tür auf der rechten Seite wird geöffnet und schon stehen wir in einer der geräumigen Garderoben. An einem kleinen Tisch sitzt eine weitere Person konzentriert an einem Laptop und schaut jetzt auf. „Störe ich euch, ich kann auch eben rausgehen?“, meint sie freundlich. „Nein, nicht nötig!“, entgegnet Boden und bietet mir einen Platz auf der großen Ledercouch an. „Das ist übrigens meine Frau. Ich habe dir auch mal einen kleinen Schuss in den Kaffee gemacht, ist das okay so?“. Ich stimme freudig zu, hole anschließend das kleine Diktiergerät aus meiner Tasche hervor und lege mein Handy mit den Notizen beiseite. Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile gut miteinander, dann geht es auch schon los und der kleine „Record“-Button macht kurz „Klick“...

Roggenfaenger: Wie doch die Zeit vergeht... Anno 2017 feiert ihr mit „Subway To Sally“ tatsächlich schon euer fünfundzwanzigjähriges Bestehen, an dieser Stelle meinen herzlichen Glückwunsch dazu! Gab es für dich persönlich in der Karriere ganz besondere Wendepunkte oder gewisse Schlüsselmomente, anhand derer dir die fortlaufende Entwicklung der Band maßgeblich bewusst geworden ist?

Michael „Bodenski“ Boden: Es sind gar nicht so sehr Schlüsselmomente. Ich glaube stattdessen viel eher, dass die Sachen, an die man sich am meisten zurückerinnert, immer bestimmte Abschnitte sind und ich habe dabei einfach die Erfahrung gemacht, dass es einem vor allem rückblickend klar wird. Also wir sind ja den klassischen Weg gegangen und haben erst noch als ganz kleine Band angefangen. Anfang der Neunziger haben wir uns vor allen Dingen in unserer Region und in Ost-Deutschland, wo noch bestimmte Strukturen vorherrschten, in Dorfsälen richtig Hornhaut auf die Finger gespielt, wie man so schön sagt. Dabei haben wir auch unsere Live-Qualitäten entwickelt und uns als Band gefunden. Das dokumentiert sich dann auch so in den ersten Alben. Man merkt ja, wenn man sich einmal sehr intensiv mit der Historie der Band beschäftigt, dass da am Anfang ein gewisser Reifungsprozess stattgefunden hat, gerade vom ersten zum zweiten Album. Und dann gab es da noch ganz bestimmte Wendepunkte, künstlerische Punkte, an denen man später auch mal das Risiko eingegangen ist, sein Publikum zu überraschen, zu schockieren oder zum Teil vielleicht sogar zu verärgern (lacht). Naja, aber das hatte auch wirklich immer seine Gründe. Ich erinnere mich zum Beispiel noch gut an die „Engelskrieger“, das ist so ein ganz typischer Meilenstein, wo wir plötzlich nicht mehr ganz so mittelalterlich waren. Wir hatten zum Beispiel einen anderen Produzenten und so… Aber es war auch einfach diese Zeit. Das Album ist kurz nach 9/11 entstanden und da haben wir versucht, entsprechend moderne Thematiken mit ähnlich poetischen Worten in die Welt von uns herüberzuholen und damit auch Sachen anzusprechen, die über alle Zeiten hinweg für die Menschen von Bedeutung sein würden. Das ist überhaupt ein Anspruch, den wir eigentlich immer haben. Nachdem dieses Album fertig war, hat man gemerkt, dass etwas passiert. Das ist ja auch eine sehr interessante Phase der Band. Es gibt da gewissermaßen so ein vor und nach „Engelskrieger“, was wiederum durch „Herzblut“ und „Nord Nord Ost“, also zwei eher lyrische Platten, flankiert wird. So dreht sich im Laufe der fünfundzwanzig Jahre auch immer ein bisschen die Windrichtung, doch trotzdem haben wir immer, Achtung, den Kurs beibehalten (lächelt). Ein Punkt, an dem man es über all die Zeit aber auch ganz besonders festmachen kann, sind bestimmte Tourneen. Wie ich anfangs schon sagte: Raus aus diesen Dorf-Clubs und rauf auf die Bühnen des ganzen Landes. Da haben wir auch erst in eher kleinen Läden angefangen und die „Ochsen“-Tour gemacht, das waren dreißig Konzerte in zweiunddreißig Tagen und all solche Geschichten. Aber das alles halt noch in einem sehr kleinen Rahmen und auch mit Clubs, wo damals manchmal nur acht Leute kamen oder halt auch mal Fünfzehn. Irgendwann gab es dann eben diese Steigerung, bis hin zu der „Hochzeits“-Tour in den ganz späten Neunzigern, kurz vorm Millenniumswechsel, wo die Hallen dann plötzlich um einiges größer wurden und auch tatsächlich voll waren. Da hat man so gedacht „Wow!“… Mit dem Hand in Hand gingen hinterher auch größere Open Airs. Was natürlich immer kommt, ist dieser Moment, wenn man einmal beim Wacken auf der großen Bühne zu einer vernünftigen Zeit steht, davon träumt einfach jeder Musiker. Und auch, wenn wir da inzwischen mehr als ein Dutzend Mal gespielt haben, macht es einen immer noch sehr demütig, das alles überhaupt erleben zu dürfen. Wir waren jetzt auch dieses Jahr zu unserem Jubiläum zu später Stunde wieder dort und man darf nie vergessen, dass es etwas Besonderes und ein großes Geschenk ist, glaube ich.

Roggenfaenger: Kein Jubiläum ohne Festivitäten! Bereits vor fünf Jahren habt ihr euer zwanzigjähriges Bestehen auf den „Eisheiligen Nächten“ gefeiert. Als kleine Besonderheiten gab es dazu einen Sampler, auf welchem befreundete Bands eure Songs neuinterpretiert haben, darüber hinaus eröffnetet ihr selbst, als eure eigene Vorband, einen jeden Abend mit einem Oldschool-Set unter dem Banner der „Zeitreise“... Und auch dieses Mal haben sich „Subway To Sally“ wieder etwas Neues für ihre Fans einfallen lassen. Auch wenn es dazu schon einige Informationen in den sozialen Medien gibt, würde ich dich nun gerne darum bitten, den Lesern mal etwas mehr darüber zu verraten...

Michael „Bodenski“ Boden: Ja, dazu findet man schon einige Informationen im Netz, aber kurz zusammengefasst ist es so, dass dieses Projekt genau vor einem Jahr mit einem kleinen Vorlauf der Kontaktaufnahme durch Stefan Anker begann. Er ist ein gestandener Journalist, auch in etwa so in unserem Alter, der sich nochmal neu erfinden wollte und will, weil Fotografie eigentlich nie so sein eigentlicher Haupterwerb, sondern das Schreiben seine Hauptdomäne war. Stefan ist über Umwege auf diese Band gestoßen, hat zuerst Eric kennengelernt und dann eben diese Idee entwickelt, ein Jahr mit „Subway To Sally“. Das kam uns im Hinblick auf das heranreifende Jubiläum natürlich ganz gelegen, einmal darüber nachzudenken, ob es jetzt sinnvoller ist, die ganzen alten Fotos rauszukramen und einer Band beim älter werden zuzusehen oder zu zeigen, was genau wir da eigentlich so treiben, weswegen ich den Titel, „Hier Und Jetzt“, auch ganz interessant finde, den er für den Bildband gewählt hat. Ich bin irgendwann von ihm gebeten worden, ein Vorwort zu schreiben, habe alles auch für mich selbst nochmal reflektiert und dann auch Worte gefunden. Ich glaube, dass man in diesen „Hier Und Jetzt“-Bildern auch die lange Zeit spürt, die wir alle schon zusammen sind, wie wir miteinander umgehen, was für einen Spaß wir gemeinsam haben, aber auch, wie ernsthaft unsere Arbeit teilweise ist. Das ist genau das, was man bei anderen Konzertbildern eben überhaupt nicht sieht und das wäre auch ein Bildband gewesen, den wir so nicht gewollt hätten. Also ein Jahr mit „Subway To Sally“ und dann nur Fotos, wie wir bei all diesen Konzerten mitten in der Performance eine Gitarre hochrecken oder ein Mikrofon in der Hand halten… Solche Bilder gibt es zwar auch, allerdings zum Teil aus Perspektiven, wo normale Konzertfotografen nicht hindürfen. Stefan durfte hingegen auf die Bühne oder hinter das Schlagzeug. Er hat bei der „Neon“-Tournee zum Beispiel sogar auf diesem Podest gestanden, auf dem der Maskenmann sonst war und das war ja sogar noch hinter dem Schlagzeuger. Da sind, wie ich glaube, ganz interessante Fotos dazu entstanden, aber er war beispielsweise auch im Backstage, hat uns vor und nach dem Konzert fotografiert und auch dann, wenn wir mal wichtige Besprechungen gemacht haben. Zum einen Teil im Bus, wo man die Zeit einfach nutzt, wenn man mal so rumsitzt, zum anderen Teil aber auch in unserem Hauptquartier in Potsdam, wo wir uns treffen und Dinge besprechen, weil wir teil auch anderthalb Jahre oder länger im Voraus planen müssen. So ist dieser Bildband nach und nach entstanden. Wir haben ihm da sehr große Freiheit in der Gestaltung dieses Buches gelassen, weil es ja auch sein Baby ist und seine Arbeit ist, die da drinsteckt… Aber dieses Zulassen, diese Nähe, war wirklich schon eine Art von Prozess. Stefan hat das wirklich sehr gut gemacht und sich da so langsam herangetastet. Anfangs haben wir ihn in bestimmten Situationen, etwa vor einem Jahr bei den „Eisheiligen Nächten“, auch ein oder zwei Mal aus dem Backstage rausgeschmissen. Da muss erst einfach Vertrauen wachsen, das hat er gut hingekriegt und irgendwann war er sozusagen ein Teil der Familie, ein Teil des Teams. Das sind auch mit die besten Bilder, die so entstanden sind und trotzdem immer respektvoll, ist ja klar. Darauf konnte man sich verlassen und erst ab da wurde dieses Projekt zu dem, was es für ihn auch eigentlich sein sollte: Ein Jahr mit „Subway To Sally“ und nicht über „Subway To Sally“.

Roggenfaenger: Im Frühjahr 2016 hatte ich mit Eric schon einmal über die alljährliche Konstellation der drei Gastkünstler auf der „Eisheiligen Nacht“ gesprochen. Nun möchte ich das Ganze gerne noch etwas mehr ausweiten und direkt auf die 2017er Ausgabe projizieren. Verliere doch ein paar Worte über die jeweiligen Bands: Wie genau habt ihr sie auf eurem bisherigen Weg kennengelernt, was verbindet euch mit ihnen und warum sind es ausgerechnet jene Bands, die sich diesen Dezember mit euch gemeinsam die Bretter teilen?


Michael „Bodenski“ Boden: Die Verbindung zu den Bands, die dieses Mal mit uns auf den „Eisheilige Nächten“ spielen, sind wirklich sehr vielfältig und ich möchte auch gleich mal aus der Mitte heraus auf „Feuerschwanz“ eingehen, weil der Hauptmann schon ein musikalisches Vorleben hat und sich unsere Wege daher schon in den ganz frühen Neunzigern berührt haben. Er war früher zunächst no