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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Mono Inc. - „Welcome To Hell"-Tour - Turbinenhalle 2, Oberhausen - 26.10.2018


Veranstaltungsort:

Stadt: Oberhausen, Deutschland

Location: Turbinenhalle 2

Kapazität: ca. 1.800

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Nein

Homepage: http://www.turbinenhalle.de

Einleitung:

Wir schreiben Freitag, den 26.10.2018 und heute gibt es vorab eigentlich gar nicht so viel zu erzählen, was ja immerhin auch sein Gutes hat, ist dieser Umstand doch meistens ein klares Indiz dafür, dass alles glatt geht. Die Bahn in Richtung Oberhausen Hauptbahnhof hat gerade mal eine Verspätung von etwa fünf Minuten und fährt ganz plötzlich auf einem anderen Gleis ein, wie kurz vorher glücklicherweise wenigstens noch unauffällig über die kleine Anzeigetafel angekündigt wird, damit man nicht völlig umsonst gewartet hat... Wenn man denn hinschaut. Aus jahrelanger Pendler-Erfahrung kann ich sagen, dass es weitaus schlimmer hätte kommen können. So schlimm, dass auch gerne mal gar kein Zug kommt beispielsweise. Heute klappt aber alles nach Plan und so steigen meine Begleitung und ich bereits gute zwanzig Minuten später an unserem Zielort aus und in den Linienbus zum Lipperfeld ein. Zu meiner großen Überraschung findet das anstehende Konzert offensichtlich in der zweiten und somit etwas kleineren Turbinenhalle statt, wie der halb verwaiste Parkplatz uns verrät. Ganz knapp entkommen wir dem einsetzenden Regenschauer und melden uns am separierten Schalter für die Gästeliste. Erfreulicherweise war NoCut Entertainment so nett, meine Begleitung ebenfalls zu akkreditieren - Herzlichen Dank nochmals an dieser Stelle! - und so stehen wir nach einer kurzen Taschenkontrolle auch schon im Inneren. Da es zum Glück noch relativ leer ist, haben wir praktisch die freie Auswahl und suchen uns direkt neben dem Merchandising-Stand einen Platz mit guter Sicht. Es kann losgehen!

Hell Boulevard:

Gegen 20.00 Uhr ist es dann in traditioneller Manier an der Zeit für den Support-Act des heutigen Abends. Diese Aufgabe wird von den 2014 in der Schweiz gegründeten „Hell Boulevard“ übernommen, die mit „Inferno“ ein vielversprechendes Debüt vorlegten und nunmehr beim monomanischen Haus- und Hof-Label NoCut unter Vertrag stehen. Damit setzt die bekannte Plattenfirma nach „Stoneman“, „Palast“ und „MajorVoice“ ihre praktische Strategie fort, die eigenen Acts einem breiteren Publikum live präsentieren zu können. Das Set-Up auf der Bühne ist karg, ein Backdrop gibt es nicht. Dafür thront eine kleine Krähe auf einer der vorderen Monitorboxen, am Mikrofonstativ ist eine metallene Replikation des Logos angebracht worden. Unter den wirren Fetzen verzerrter Funksprüche entern die vier Musiker, die ihren Stil selbst als Goth‘n‘Roll bezeichnen, pünktlich die Bretter: Drummer A.Ve, Bassist Dee Dammers, Gitarrist von Marengo und Sänger vDiva starten sogleich mit „Love Is Dead“ von ihrem jüngst erschienenen Zweitling „In Black We Trust“ durch, der danach äußerst verhalten beklatscht wird. „Vielen Dank!“, begrüßt der Fronter die Menge knapp. Und verkündet anschließend: „Der nächste Song ist unsere aktuelle Single!“. Und so geht es mit ebenjener, unter dem ominösen Namen „Satan In Wonderland“, rasch weiter. „A Lesson In Pain“ und der Titeltrack des aktuellen Werks schließen sich ohne Pause an. Man gönnt sich hier wahrlich keine langen Ruhepausen, trotzdem kommt nur stark vereinzelt Bewegung unter die Gäste. „Oberhausen, können wir eure Hände sehen?“, versucht sich vDiva an einer ersten Interaktion und schafft es tatsächlich kurzzeitig, einige Arme nach oben schnellen zu lassen. Mit der Ballade „All I‘ve Lost“ scheint das Quartett hingegen erstmals einen Nerv zu treffen und bekommt deutlich kräftigeren Beifall zu hören, was sich beim klischeebeladenen „Bad Boys Like Me“ jedoch wieder sofort einstellt. Das aggressive „Zero Fucks Given“ macht mit seiner erhobenen Mittelfinger-Attitüde, samt passender LED-Brille seitens des Gitarristen, wieder etwas an Boden gut und so folgt Oberhausen der „Mitmachen!“-Aufforderung zu „My Dead Valentine“ sichtlich gerne. „Danke an „Mono Inc.“ dafür, dass sie uns auf ihrer Tour mitnehmen!“, merkt der Fronter an und stellt seine Mitmusiker kurz vor. „Vielleicht sieht man sich ja später noch am Merch?“, lädt er anschließend alle potentiellen Neuhörer auf einen kleinen Plausch nach dem Set ein und leitet danach zum Closer „Hangover From Hell“ über, der dann zum Schluss doch nochmal etwas höflichen Applaus hervorrufen kann. Auch wenn der Bandname zunächst natürlich äußerst passend zur aktuellen „Welcome To Hell“-Tournee erschien und sich auch vorherige Supports stilistisch bereits deutlich von „Mono Inc.“ unterschieden, so scheint der versuchte Spagat hier einfach zu groß: Die vier Schweizer, die rein optisch allesamt irgendwo zwischen bemühtem Glam und trashigem 80er-Style einzuordnen waren, konnten mit ihrer Kreuzung aus Dark Rock, Alternative und Gothic leider nur die wenigsten Gäste von sich überzeugen...

Mono Inc.:

Ein sanftes Glockenspiel perlt leise aus den Boxen und verklingt anschließend wieder verloren in der scheinbar endlosen Finsternis. Nun bohren sich sakral anmutende Choräle zurückhaltend durch die unheimliche Stille und vermischen sich dabei mit der zerbrechlichen Weise einer dramatisch isolierten Violine, welche die unheimlich verfremdete Melodie von „The Heart Of The Raven“ bruchstückhaft anstimmt. Die fahlen Lichtkegel einiger Scheinwerfer ziehen ihre langen Bahnen, während dichter Nebel die gesamte Szenerie jetzt zunehmend vereinnahmt. Vereinzelte Blitze schießen umher und erhellen das überdimensionale, aber schlichte Backdrop, auf dem der weiße Rabe, das Logo der Band, zu sehen ist, für wenige Sekunden. Ein drückender Bass pocht unnachgiebig, steigt weiter zu einem dröhnenden Hämmern an und mündet schließlich in orchestral arrangiertem Bombast, bevor dann Schlagzeugerin Katha Mia im aggressiv beißenden Stroboskop-Gewitter hinter ihrem Drum Kit sichtbar wird, den titelgebenden Opener „Welcome To Hell“ anzustimmen. Mit einem ohrenbetäubenden Donnerschlag fällt der große Startschuss, zu den vorderen Seiten erscheinen zeitgleich Bassist Manuel Antoni im langen Kapuzenmantel und Gitarrist Carl Fornia mit lederner Kutte und Hut. Sie beide tragen die vom Artwork des aktuellen Studioalbums bekannten Pestdoktormasken auf ihren Gesichtern und muten wie unwirkliche, fast schon horroreske Silhouetten im Halbdunkel an. Zu guter Letzt entert auch Frontmann und Sänger Martin Engler im edlen Gewand die Bretter unter tosendem Applaus, in seiner Hand ein langer Gehstock, den er wie ein Dirigent im Takt schwingt. Zum nachfolgenden „Funeral Song“ erstrahlt die Bühne dann in blutrotem Licht, hunderte Hände schnellen in die Höhe und klatschen eifrig mit. „Guten Abend, Oberhausen!“, begrüßt Engler die rund eintausend Fans in der Turbinenhalle freudig, die prompt jubelnd antworten. Nicht laut genug, wie er offensichtlich findet. „Ich sagte, guten Abend, Oberhausen!“, fordert er das Publikum nochmals lächelnd heraus und kann sich spätestens beim exotisch rockenden, unverzichtbaren Klassiker „Arabia“ sicher sein, wirklich alle Gäste komplett auf seiner Seite zu haben. Da darf es bei den Textzeilen „Brother can't you talk to me and brother won't you learn to see?“ auch ruhig mal eine spontane Umarmung für seine musizierenden Kollegen geben. Dass die vier sympathischen Hamburger mittlerweile ein langjährig eingespieltes Team sind, dürfte hier jedenfalls längst niemanden mehr wirklich überraschen. Ein Titel, der von vielen Anwesenden heute ganz besonders herbeigesehnt wurde, ist mit großer Bestimmtheit die zweite Single-Auskopplung aus dem neuen Longplayer, die dramatische Power-Ballade „A Vagabond‘s Life“. Da „Subway To Sally“-Mastetmind Eric Fish selbstredend nicht anwesend sein kann, singt Engler beide Strophen allein. Im epochalen Chorus, zu dem das Publikum nun wellenartig die Arme schwenkt, wird er darüber hinaus stimmlich von Katha Mia unterstützt, bis Antoni für sein finales Solo allein im Rampenlicht steht. Ein energetisch treibender Electro-Beat vergönnt dem Geschehen danach eine kurze Pause und schafft gleichzeitig den fließenden Übergang zum nächsten Song, der berüchtigten „Symphony Of Pain“, zu welcher sich die Saiten-Fraktion in den Outfits der vergangenen „Together Till The End“-Tournee zeigt und Engler seine Uniform der „Viva Hades“-Ära anlegt. Im eingängigen Refrain, den natürlich jeder aus voller Kehle mitsingen kann, schießen immer wieder lodernd heiße Flammen rhythmisch aus dem Boden, die Stimmung beginnt langsam zu köcheln. So auch beim unverzichtbaren „Gothic Queen“, zu dem Engler nun erstmalig auch den langen Laufsteg betritt und sich inmitten der Menge feiern läss