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Schandmaul - "Das Jubiläumskonzert" - Lanxess Arena, Köln - 16.11.2018


Veranstaltungsort:

Stadt: Köln, Deutschland

Location: Lanxess Arena

Kapazität: ca. 20.000

Stehplätze: Ja

Sitzplätze: Ja

Homepage: http://www.lanxess-arena.de/startseite.html

Einleitung:

Es ist der 16.11.2018, ein junger Freitag Nachmittag. Heute genieße ich den kleinen Luxus, mich zur Abwechslung mal nicht wie sonst üblich abhetzten zu müssen, da ich mir spontan etwas Urlaub nehmen konnte und somit nun relativ entspannt am Bochumer Hauptbahnhof in den wartenden ICE einsteige. Die Fahrt verläuft erfreulich problemlos und ohne besondere Vorkommnisse, sodass ich mich bereits eine gute Stunde später am Messegelände in Köln Deutz wiederfinde. Von hier aus sind es fußläufig etwa zehn Minuten bis zur naheliegenden Lanxess Arena, in welcher „Schandmaul“ bald ihr zwanzigjähriges Jubiläum feiern werden. Irgendwie kommt es mir gar nicht so vor, als läge das sommerliche Open Air am Tanzbrunnen wirklich schon wieder ganze fünf Jahre zurück, denke ich, während ich ruhig durch die erleuchteten Straßen laufe. Endlich angekommen, stellt sich mir schließlich die nicht gerade unwesentliche Frage nach dem „Wohin?“. Das Gelände ist ziemlich weitläufig und einen klassischen Schalter für Abendkasse und Gästeliste habe ich hier bei all meinen vorherigen Besuchen noch nie gesehen. Allerdings ist mir beim Anstehen für das Konzert von „U2“ im September ein kleines Gebäude neben der lokalen Kneipe „Henkelmännchen“ aufgefallen, in welchem augenscheinlich dort hinterlegte Tickets abgeholt werden konnten. Einen kleinen Versuch ist es also zumindest allemal wert und so öffne ich die Tür und trete ins wärmende Innere, das sich prompt als Gäste-Service entpuppt. An der Theke diskutiert eine Dame, die offensichtlich ihre Karte zuhause vergessen hat, mit einigen Mitarbeitern darüber, ob sie nicht doch noch Einlass erhalten könne. Derweil erkundige ich mich nach den Pressepässen und habe Glück, denn hier bin ich wohl tatsächlich richtig. Der Veranstalter käme allerdings erst gegen 18.00 Uhr, wie es heißt. Also reihe ich mich geduldig in die allmählich immer länger werdende Schlange ein und beobachte beim Warten den kleinen Office-Dog, der sich abwechselnd vergnügt auf dem Teppich kugelt und dem Personal traurig hinterherschaut, das jetzt langsam Feierabend macht. Wie versprochen, geht es pünktlich mit dem üblichen Prozedere los, als ein dunkelhaariger Mann mit einem kleinen Kästchen hinter den Tisch tritt. Manche Gäste stehen auf der Liste, manch Andere wiederum nicht. Es wird allerorts eifrig überprüft, gesucht und telefoniert. Keine besonders guten Vorzeichen und irgendwie sehe ich mich schon fast wieder in der unglücklichen Situation, ebenfalls nicht vermerkt worden zu sein. Unverhofft kommt oft: Das Gefühl trügt, denn als ich vorstellig werde, bekomme ich nur wenig später einen kleinen Umschlag mit meinem Namen darauf in die Hand gedrückt, den ich sehr dankbar entgegennehme. Wieder draußen angekommen, öffne ich ihn und finde ziemlich überrascht gleich zwei Tickets vor. Eine wahnsinnig liebe Geste, von welcher ich im Vorfeld aber leider nichts wusste und daher alleine angereist bin. Trotzdem ein ganz herzliches Dankeschön an dieser Stelle! Weiterhin befindet sich noch ein sehr sympathisches Anschreiben im Kuvert, welches mir verrät, dass die Band einen eigenen Block im Unterrang für ihre Gäste reserviert hat, damit auch alle eine gute Sicht auf das Geschehen haben. Außerdem steht gleich noch etwas Besonderes auf dem Plan, denn heute treffe ich meinen langjährigen Kooperationspartner Jobst Meese von „Jodocus Obscurus Photography“, der extra aus dem hohen Norden angereist ist. Ich blicke auf mein Handy und schaue, ob ich mittlerweile eine Nachricht von ihm bekommen habe. „Stehe noch im Ticketshop“ steht da. So blind sind wir also, toll! Ich beschließe, draußen auf ihn zu warten und mir die Zeit mit einem Anruf zu vertreiben, bis mich plötzlich jemand antippt. Es ist die Partnerin von Jobst, die ebenfalls wartet und mich zufällig gesichtet hat. Offenbar gibt es Probleme mit den Pässen einiger Fotografen, wie sie mir erzählt. Ziemlich blöd, aber immerhin weiß ich jetzt, dass es da nicht nur mir gelegentlich so ergeht. Etwa zehn Minuten später kommt auch Jobst selbst durch die Tür und wir begrüßen uns herzlich. Leider hat er keine guten Neuigkeiten und die Situation ist noch immer nicht geklärt, dafür habe ich auf einen Schlag aber ganz viele, liebe Menschen kennengelernt. Also herrscht erst einmal Krisensitzung, unterdessen beginnt der reguläre Einlass. Nach einer guten Viertelstunde kommt dann aber doch noch jemand von der Crew vorbei und verteilt die restlichen Bändchen. Sehr gut, das nennt man dann wohl Glück im Unglück. Jobst und die übrigen Fotografen nehmen verständlicherweise einen anderen Eingang als wir und so begibt sich der Rest von uns ratlos ums weite Rund von Tür zu Tür, fragt sich durch und wird hin- und hergeschickt, bis wir dann schließlich doch irgendwann an der richtigen Stelle angekommen sind. Nach einer kurzen Ticket- und Taschenkontrolle stehen wir auch schon im Inneren. Hier ist es zwar jetzt schon relativ wuselig, aber dennoch weit vom üblichen Chaos und Geschiebe anderer Konzerte entfernt. Einen Merchandising-Stand gibt es hier nur von „Fiddler’s Green“, die Fanartikel von „Schandmaul“ selbst gibt es hingegen ausschließlich draußen an einem großen Truck zu beziehen. Wir versorgen uns noch schnell mit Getränken, Popcorn und Burgern, die einmal mehr tatsächlich sehr gut schmecken, bevor es dann in unseren zugewiesenen Block geht, innerhalb dem wir, wie alle anderen Besucher übrigens auch, eine freie Platzwahl genießen. Das läuft ungemein entspannt ab, denn noch ist es verhältnismäßig leer in der Arena. Der bloße Überblick ist einmal mehr wirklich beeindruckend, zumal lediglich die obersten Ränge nicht verfügbar und mit einem schwarzen Vorhang abgedeckt worden sind. Der Gedanke daran, die Mäuler fernab eines Festival-Sets bald vor dieser gigantischen Kulisse aufspielen zu sehen, sorgt bereits jetzt für Gänsehaut. „20 Jahre - Ich bin dabei!“, steht auf den beiden Leinwänden neben der Bühne, auf welcher derzeit noch ein kleineres Backdrop auf den Support verweist. Los geht’s!

„Fiddler‘s Green“:

Etwa gegen 19.50 Uhr obliegt es zunächst dem heutigen Support, die feierwütige Menge auf eine rauschende Jubiläumsfeier einzustimmen. Da diese ehrenvolle Aufgabe aber an niemand Geringerem, als den 1990 bei Erlangen gegründeten Speed-Folkern von „Fiddler’s Green“ ist, gibt es am Gelingen dieses Unterfangens jedoch keinerlei Zweifel, ist der sympathische Sechser innerhalb der Szene doch gerade für seine energiegeladenen Shows stets beliebt. Während die Bühne langsam in hellblaues Scheinwerferlicht eingetaucht wird, erfüllen mystische Klänge und schallende Hörner die Arena zunehmend. Herzlicher Applaus bricht schon bald los, als die Band aus Schlagzeuger Frank Jooss, Akkordeonspieler Stefan Klug, Geiger Tobias Heindl, Bassist Rainer Schulz, Gitarrist Patrick „Pat“ Prziwara und Sänger Ralf „Albi“ Albers zu „Irish Air“ gemeinsam die Bretter stürmt. „Wir sind „Fiddler’s Green“! Wollen wir heute zusammen ausrasten?“, ruft der sichtlich bestens gelaunte Sänger zur Begrüßung und bekommt beim folgenden „Down“ die unmissverständliche Antwort: Köln will. „Dankeschön. Wir würden uns wirklich über nichts sehnlicher freuen, als dass wir heute mal ordentlich die Sau rauslassen können... Sind wir da richtig bei euch?“. Was für eine Frage. Und so springen große Teile des Publikums zu „Bottoms Up“ oder werfen bei „Perfect Gang“ die Arme in die Höhe. „Da geht doch noch mehr!“, fordert Albers die Besucher immerzu und gibt ein Solo zum Besten. Um anschließend die „reizvolle Kulisse“ eines echten, irischen Pubs auf etwa einhundert Quadratmeter Fläche darzustellen, wird kurzerhand ein kleiner Tisch aufgestellt, an dem die einzelnen Mitglieder nun Platz nehmen. Prziwara und Albers setzen sich jeweils zu den Seiten auf einen kleinen Barhocker und stimmen das Traditional „John Kanaka“ als A capella an, während die übrigen Musiker mit Percussion auf kreative Art und Weise unterstützen, indem sie sich untereinander Becher zuwerfen und diese in einer schönen Choreografie wieder auf die hölzerne Oberfläche stürzen. Eine spaßige und tolle Showeinlage, die völlig zurecht begeisterten Applaus nach sich zieht. „Wir freuen uns, dass „Schandmaul“ uns zum Zehnjährigen und zum Fünfzehnjährigen eingeladen haben und dass wir auch heute wieder dabei sein dürfen. Wir sehen uns dann spätestens zum fünfundzwanzigjährigen und dreißigjährigen Jubiläum wieder. Zum Fünfzigjährigen geben wir dann ein Doppelkonzert!“, lacht der Sänger vergnügt und kann sich sicher sein, dann bestimmt viele Gäste wiederzusehen. „Wir wollen uns jetzt noch etwas aufwärmen, ist das möglich?“, fragt er und so wird beim absoluten Live-Klassiker „Yindy“ nach Herzenslust gesprungen, zu „Rocky Road To Dublin“ getanzt oder der Name des Schotten „Macintyre“ bei „Old Dun Cow“ im Kollektiv gerufen. „Einen Song haben wir noch für euch. Danke, dass wir dabei sein durften. Wir kommen am 18.05.2019 übrigens auch nach Köln ins E-Werk, vielleicht sehen wir uns da wieder? Ansonsten sind wir nach der Show von „Schandmaul“ auch noch hier am Merchandise, wenn ihr mögt.“. Und so endet das stimmungsvolle Set nach rund fünfundvierzig Minuten in traditioneller Manier mit „Folk's Not Dead“. „Vielen Dank für den freundlichen Empfang, Wow!“, verabschiedet sich Albers im Namen der gesamten Band, die sich jetzt zum Abschied am Bühnenrand vor einem rundum glücklichen Publikum positioniert. So soll es sein! Als das Licht anschließend wieder angeht und die Crew für letzte Umbauarbeiten die Bühne betritt, zeigt sich, dass die Arena unterdessen richtig voll geworden ist. Einige Besucher begeben sich jetzt nochmal schnell nach draußen, um sich mit Getränken und anderen Snacks zu versorgen, denn schon in weniger als einer halben Stunde ist es endlich soweit... „Danke für 20 Jahre Treue!“, steht nun auf den beiden Screens und die Spannung steigt weiter an. Nach über anderthalb Jahren der Wartezeit, ist das große Jubiläum zum Greifen nahe... Seid ihr bereit?

„Schandmaul“:

Auf den Punkt genau um 21.00 Uhr wird die gleißend helle Beleuchtung im weiten Rund der riesigen Lanxess Arena unter hörbar gespanntem Raunen der Besucher heruntergefahren, bis die Lokalität für wenige Sekundenbruchteile in undurchdringlicher Dunkelheit liegt. Nur ganz langsam hellt sich die Szenerie zu symphonischen Klängen beständig auf und lässt den schweren Stoff zunehmend in tiefen Blautönen erstrahlen, bevor jener anschließend zum Boden hinabsaust und einen weiteren, transparenten Vorhang offenbart, hinter dem die einzelnen Bandmitglieder sichtbar werden: Schlagzeuger Stefan Brunner, Bassist Matthias „Hiasl“ Richter, die drei Multiinstrumentalistinnen Birgit Muggenthaler-Schmack, Ally Storch, Saskia Maria Forkert, sowie Gitarrist Martin Christoph „Ducky“ Duckstein. Mit einem ohrenbetäubend lauten Knall schießen jetzt raue Mengen von Konfetti und Luftschlangen über die Köpfe des Publikums hinweg und legen den Blick auf das gesamte, beeindruckende Bühnenbild frei: Im Hintergrund hängen sieben lange, dunkelrote Stoffballen von oben herab, davor wurden sechs hohe Säulen mit LED-Flächen und zahlreichen Scheinwerfern positioniert. Über allem prangt das markante Logo der sympathischen Bayern, der Narrenkönig, als goldig schimmerndes Wappen. Zum mitreißenden Opener „Kein Weg Zu Weit“ beschreitet Frontmann Thomas Lindner mit der Gitarre im Anschlag den kleinen Steg in die ersten Reihen. Die Gäste zeigen sich vom ersten Moment an begeistert und recken freudig ihre Event-Schals in die Höhe. „Einen schönen guten Abend, Köln! Wow, ihr sehr wirklich unfassbar schön aus, falls euch das heute noch nicht gesagt wurde? Ihr leuchtet uns im Dunkel und seid jetzt schon seit zwanzig Jahren unser ganz persönliches Leuchtfeuer.“, begrüßt der Sänger seine Anhängerschaft und leitet geschickt zum nächsten Song, dem leidenschaftlichen Titeltrack des letzten Studioalbums, über, zu dessen instrumentalen Zwischenpassagen er etwas Interaktion erbittet. „Wollt ihr unser Meer bis an den Horizont sein?“, fragt er fordernd und sieht sich anschließend abertausenden, wogenden Armen gegenüber. Ein gar überwältigendes Bild, ist man „Schandmaul“ bisher eher aus den kleinen Clubs und mittelgroßen Konzerthallen gewohnt. Ein echter „Lichtblick“ also, für ein amtliches Jubiläum. „Vielen lieben Dank! Man macht sich das vorher ja gar nicht so recht klar, was so ein Konzert eigentlich bedeutet...“, setzt Lindner sichtlich sprachlos zu seiner nächsten Ansage an, doch wird jäh von einem kollektiven „Happy Birthday!“-Chor unterbrochen. „Naja, ich glaube, dazu muss man wohl gar nichts mehr sagen. Lasst uns diesen Abend einfach genießen... Lebt!“, lächelt er. Gesagt, getan. Zum ermunternden „Leb!“ und dem folkig-beschwingten „Traumtänzer“ rocken Fans und Band nun gemeinsam die aktuelle Schaffensära, bis dann das erste Highlight naht.

„Was für ein Tag und wir haben’s uns nicht gerade leicht gemacht, denn wir haben euch im Großen und Ganzen entscheiden lassen, was heute aus den zwei Jahrzehnten gespielt wird... Aber das können wir natürlich nicht ganz alleine und deshalb haben wir uns auch etwas Hilfe von der Einen oder dem Anderen geholt... Begrüßt bitte mit mir gemeinsam den Alea von „Saltatio Mortis“! Spätestens jetzt gibt es absolut kein Halten mehr und die Arena dreht frei, als der quirlige Mastermind der befreundeten Mittelalter-Institution gewohnt energiegeladen auf die Bretter sprintet. Wie es passender kaum sein könnte, hat man hier das düstere „Hexeneinmaleins“ für ein furioses Duett auserwählt, zauberten die Karlsruher Kollegen auf „Das Schwarze IXI“ doch bereits selbst mithilfe schwarzer Magie. Die beiden Stimmen harmonieren fantastisch miteinander und selbstverständlich ist der Applaus überbordend, doch für allzu große Atempausen bleibt keine Zeit. „Beim nächsten Song haben wir innerhalb kürzester Zeit festgestellt, dass wir ihn eigentlich ganz umsonst geschrieben haben, weil sich herausgestellt hat, dass die entsprechenden Leute gar nicht auf unsere Konzerte kommen. Aber wenn ihr nachher, also erst sehr viel später am Abend, mit dieser schönen Melodie im Ohr über die Deutzer zurück nachhause geht und dann noch den Text dazu singt, habt ihr vielleicht ein Arschloch mehr bekehrt!“. Natürlich darf die fröhliche Spielmannshymne gegen Extremismus und Faschismus jeglicher Art insbesondere in diesen Tagen keineswegs fehlen und so auch heute Abend nicht. Köln zeigt ganz klar Flagge zum Anderssein und bekennt sich als „Bunt Und Nicht Braun“. „Es geht weiter mit unseren Gästen!“, verkündet Lindner freudig und stellt anschließend unter tosendem Jubel Geigerin Ulrike Müllner, sowie die beiden Trompetenspieler Rainer und Hans-Georg „H-G“ Gutternigg der Ska-Band „Russkaja“ vor. „Bitte macht euch einmal ganz kurz bewusst, wie es wohl wäre, wenn ihr den Beruf eines Auftragskillers hättet und einer der Aufträge, der da so in eurem Buch steht, wäre, euer eigenes Weib auszuknipsen... Da kann so ein Killer schon mal ins Grübeln kommen.“, lautet der Denkansatz zu „Assassine“, bei welchem durch den stimmigen Einsatz der Blechbläser leichtes Desperado-Feeling aufkommt. Zur schon lange nicht mehr live dargebotenen „Henkersmahlzeit“ vom Album „Von Spitzbuben Und Anderen Halunken“, stattet sogar Sänger Georgij Alexandrowitsch Makazaria den Mäulern noch einen Besuch ab und stimmt kurzerhand das bekannte, russische Volkslied „Kalinka“ an, das nun frenetisch gefeiert wird. Da kommt Lindner natürlich nicht umhin, schnell noch Werbung für das anstehende Konzert seiner Freunde einzustreuen, die am 26.04.2019 im Kölner Gloria gastieren.

Nachdem das tragische „Die Goldene Kette“ für verträumtes Schwelgen gesorgt hat, wendet sich der Sänger mit etwas ernsteren Worten an das Publikum: „Beim nächsten Lied hat sich tatsächlich herausgestellt, dass es für viele von euch eine große Bedeutung hat. Irgendwann wird es uns alle mal ereilen, dass ein lieber Mensch für immer von uns geht... Man ist in Trauer versunken, vermisst denjenigen und hofft, ihn irgendwann auf der anderen Seite wiederzusehen. So geschehen, bei einer älteren Dame, die im Angesicht des Todes einen letzten Brief verfasst hat, in dem sie die versammelte Gemeinde darum bat, nicht traurig zu sein. Diesen Ansatz fanden wir so gut, dass wir ein Lied dazu machen mussten. Die folgenden Zeilen sind euch und uns zum Geleit.“ Und so werden nun zahlreiche Wunderkerzen und Feuerzeuge geschwenkt, während Lindner am Klavier sitzt, die wunderschöne Ballade sichtlich ergriffen zu begleiten. „Vielen lieben Dank. Jetzt haben wir einen weiteren Gast und zudem eine ganz besondere Geschichte für euch. Und zwar hat ein junger Mann einst versucht, seine Familie über Weihnachten zu besuchen. Allerdings hat sich das Boot, welches ihn mitgenommen hat, im dichten Nebel vertan und ihn versehentlich auf einer kleinen Sandbank abgesetzt. Ihr könnt es euch schon denken, er hat das bei diesen Temperaturen nicht überlebt, aber zuvor noch einen Brief geschrieben und diesen in einer Zigarrenkiste schwimmen lassen, bevor er dann für immer verschwand. Wenn ihr mal auf Baltrum seid, könnt ihr dort übrigens ins Heimatmuseum gehen und euch den Brief genauer anschauen. Um euch diese Geschichte jetzt zu erzählen, kam nur ein Musiker in Betracht... Hier ist Malte von „Versengold!“.

Wie einst auch der titelgebende „Tjark Evers“, steht Hoyer hier nun völlig allein und sonderbar isoliert vom Rest der Band auf dem kleinen Steg am vorderen Bühnenrand. Entgegen der bekannten Version vom letzten Album „Leuchtfeuer“, bietet das gebürtige Nordlicht die Zeilen hier in authentischem Plattdeutsch dar und findet sich sichtlich authentisch in seine Rolle hinein, wenn er den Text in sich zusammengesunken und zerbrechlich ins Mikrofon haucht. Kein Wunder, dass der Beifall danach umso frenetischer ausfällt. „Wir begeben uns nun in eine andere Welt... In eine Welt, in der Mikrofonständer ganz plötzlich auf die Bühne kommen.“, lacht Lindner etwas aus