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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Schandmaul - Artus (2019)


Genre: Rock / Alternative

Release: 03.05.2019

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: We Love Music (Universal Music)

Spielzeit: 51 Minuten

Pressetext:

Auf den ersten Blick haben "Schandmaul" ein Luxusproblem: Die Erwartungshaltung gegenüber ihrem neuen Studioalbum "Artus" ist hoch. Für dessen Vorläufer "Traumtänzer" (2011) und "Unendlich" (2014) gab es jeweils bereits Gold, während der direkte Vorgänger "Leuchtfeuer" (2016) sich ebenfalls auf dem besten Weg zum Edelmetall befindet und erstmals in der Bandgeschichte auf den ersten Platz der deutschen Alben-Charts kletterte. Doch bei genauerer Betrachtung gehen die Folklore-Rocker aus München auf "Artus" derart unbeschwert zur Sache, als ob keinerlei Druck auf ihren Schultern gelastet hätte. Bereits die Eröffnung mit „Der Meisterdieb“ erweist sich als kluger Schachzug. Schlagzeug und Sackpfeife simulieren im Intro erfolgreich einen Elektro-Loop und gehen dann in eine von rhythmischen Gitarren unterstützte Melodienlinie über.


"Schandmaul" spielen in diesem Song all ihren Stärken gekonnt aus und der Text erweist sich als spannende Vignette mit dem eponymen Protagonisten als Erzähler. Sänger Thomas Lindner hat sich längst zu einem grandiosen Geschichtenerzähler entwickelt, der es scheinbar mühelos schafft, Weltliteratur wie Herman Melvilles „Moby Dick“ in dem finalen Stück „Der Weiße Wal“ in wenigen Minuten in seiner Essenz zu erfassen. Doch auch musikalisch stiehlt der „Der Meisterdieb“ die Herzen, indem der Mid-Tempo-Rocker mit einer bestechenden Drehleiermelodie aufwartet. Ebenso wie bei der folgenden Gute-Laune-Nummer, bei der die studierte Musikerin Birgit Muggenthaler-Schmack einmal mehr mit ihren Künsten brilliert, fällt auf, wie sich die alten Instrumente dem Song unterordnen, statt als Selbstzweck zu hausieren. An diesem Klangbild wurde gefeilt. Dabei ist der grandiose Sound sowohl jahrelanger Erfahrung als auch der Produktion von Fabio Trentini geschuldet. „Wir haben für "Artus" erstmals mit dem Produzenten und Musiker Fabio Trentini (u.a. "Guano Apes", "Donots", "H-Blockx") zusammengearbeitet, der uns mit seiner langjährigen Erfahrung gehörig frischen Wind in die Segel blies“, sagt Thomas Lindner. „Mit ihm gemeinsam entwickelten wir eine für uns neue Arbeitsweise, indem wir Teams von Spezialisten bildeten, welche die einzelnen Produktions- und Aufnahmephasen mit ihrem Know-how begleiteten. Den Mix haben wir diesmal in die kompetenten Hände von Ronald Prent (u.a. "Rammstein", "Depeche Mode", "Iron Maiden") gelegt, das Mastering übernahm die dreifache Grammy-Gewinnerin Darcy Proper (u.a. "R.E.M"., Johnny Cash, "Toto").“ Eine weitere musikalische Facette offenbart Birgit Muggenthaler-Schmack, die mit einer spöttischen Flöte auch der ebenso augenzwinkernden wie letztlich nachdenklichen Polka „Der Totengräber“ ihren genialen Stempel aufdrückt. Spätestens die Seemannsballade „Der Kapitän“, dessen emotionales Finale mit Soloeinsätzen von Sackpfeife und Violine geformt wird, verdeutlicht, über welche enorme stilistische Bandbreite "Schandmaul" mittlerweile verfügen.

„Musikalisch bekommt der Zuhörer grundsätzlich das, was er von uns erwartet, nämlich "Schandmaul", betont Thomas. „Das heißt: handgemachten Rock, der mit folkigen und mittelalterlichen Klangfarben unterschiedlichster Couleur versehen ist. Es gibt Dudelsäcke, allerlei Flöten, Drehleier und Geigen und vieles mehr zu hören. Des Weiteren bereitet es uns allerdings auch eine diebische Freude, unseren Horizont in Sachen Instrumentierung stetig zu erweitern. So lassen sich auch neue Saiten-, Blas-, Tasten- und Schlaginstrumente wie Cister, Laute, Oboe, Spinett und viele andere mehr auf unserem neuen Album entdecken. Unser Klanguniversum expandiert.“ Nach ersten Kneipenkonzerten nahm die Truppe ihr erstes Album "Wahre Helden" (1999) auf, welches ebenso wie der Nachfolger "Von Spitzbuben Und Anderen Halunken" (2000) zunächst im Eigenvertrieb erschien. Die schnell wachsende Popularität der Bajuwaren mit Bremer Sänger sorgte bald dafür, dass sowohl Booking Agenturen als auch Plattenfirmen auf "Schandmaul" aufmerksam wurden, zumal die Gruppe im Jahr 2000 obendrein den deutsche Folkförderpreis erhalten hatte. Mit ihrem professionell veröffentlichten Drittwerk "Narrenkönig" stießen "Schandmaul" sogleich auf Platz 70 der deutschen Alben-Charts vor. Mit jedem folgenden Album erreichten die Münchner seitdem eine höhere Platzierung: "Wie Pech & Schwefel" (2004) landete auf Platz 13, "Mit Leib Und Seele" (2006) knackte bereits die Top 10 und "Anderswelt" (2008) setzte den Aufwärtstrend auf der Nummer 8 fort. Ähnliche Erfolge waren den drei Live-Alben vergönnt. Mit "Artus" demonstrieren "Schandmaul" einmal mehr ihr über die vielen Jahre organisch gewachsenes Können. Dabei hilft vermutlich auch der ungewöhnliche Umstand, dass der Kern der Band noch immer aus seinen Gründungsmusikern besteht, zu denen Sänger Thomas Lindner, Birgit Muggenthaler-Schmack als Spezialistin für alte Blasinstrumente, Saitenmann Martin Christoph „Ducky“ Duckstein und Stefan Brunner am Schlagzeug zählen. Doch selbst „Neuzugang“ Matthias „Hiasl“ Richter am Bass ist schon seit dem Jahr 2002 mit von der Partie. Einzig Violinistin Saskia Forkert trat erst im Jahr 2018 die Nachfolge von Gründungsmitglied Anna Katharina Kränzlein an, nachdem die Band sich ein Jahr lang mit befreundeten Gastmusikern wie Ally Storch ("Subway to Sally"), die große Teile der Geigenarbeit auf "Artus" übernahm, behalf. Letztlich bildet jeder Song auf "Artus" eine engmaschige Einheit aus Musik und Wort, wobei dieser musikalische Bilderteppich aus vielerlei Klangfarben zu einem makellosen Gesamtbild verwoben ist. Dabei darf natürlich ein traditionelles Epos nicht fehlen, wie beispielsweise die wiederholte Rückkehr zum Lied der Nibelungen und dem Drachentöter Siegfried auf vorherigen Alben. Ihrem Helden, dem Britenheroen "Artus", widmen "Schandmaul" drei Songs ihres neuen Werks: „Die Tafelrunde“, „Der Gral“ und „Die Insel - Ynys Yr Afallon“. Es braucht keineswegs Merlins prophetischer Gabe, um vorherzusehen, dass mit diesem epischen Meisterwerk ein neuer Fan-Favorit für die kommenden Live-Auftritte an die Pforten von „Camelot“ und anderen Konzerthallen klopft. „Die Artus-Sage, ist eine DER großen europäischen Geschichten!“, erläutert Thomas Lindner die Themenwahl. „Die zahlreichen Legenden, die sich um den großen König der Briten, die Tafelrunde, den Gral und die geheimnisvolle Insel Avalon sowie die Figuren Merlin und Morgana, Lancelot und Parzival ranken, sind ebenso allgegenwärtig, wie geheimnisumwoben. Eine Vertonung war nahezu ein Muss für uns! Aber nicht ausschließlich. Wie immer bleiben wir unserem Ruf als Geschichten- und Märchenerzähler treu. Auf unserem neuen Album finden sich ebenso Geschichten aus dem Hier und Jetzt, gehüllt in Gewänder vergangener Zeiten, große Erzählungen altehrwürdiger Künstler oder einfach unserer Phantasie entsprungen.“ Auch grafisch greifen "Schandmaul" diesmal auf eigene Stärken zurück. So entstammt das Cover von "Artus" den zeichnerischen Künsten von Sänger Thomas Lindner persönlich.

Kritik:

"Denn es heißt, er kehrt zurück, genau in jenem Augenblick,

Wenn die Welt in Flammen steht, wenn der Wind sich wieder dreht,

Wenn der Hass das Tun regiert, uns in dunkle Zeiten führt,

Uns verblendet und fürwahr, ich glaube, diese Zeiten sind nah!"

Für einen ganz kurzen Moment, ja, nur einen unfassbar kleinen Sekundenbruchteil herrscht nichts, als absolute Stille. Dann: Ein kaum zu bemerkendes Knistern, auf das elektronisch verzerrtes Rauschen folgt. Ganz so, als schaltete plötzlich eine unsichtbare, nicht real greifbare Gestalt irgendwo ein rätselhaftes Empfangsgerät ein. Und dann... Dann ist alles anders. Es rührt sich scheinbar etwas und verändert sich mehr und mehr. Mit einem Mal dringen folkloristisch anmutende Klänge in Form eines hymnisch gestimmten Dudelsacks wie aus dem Nichts hervor. Erst noch unscharf, scheinbar ganz weit weg und wie in dichte Watte gehüllt. Sie schälen sich jetzt beständig in den Vordergrund. Immer mehr, immer präsenter. Das gerade eben noch so unscharf verzerrte Dröhnen manifestiert sich aus der auditiven Ferne zu einem dumpfen, rhythmischen Pochen. Nur noch der Hauch eines Moments, dann bricht das seltsam verfremdete, entrückte Konstrukt mit dem ersten, glasklaren Taktieren des Schlagzeugs auf. Vor dem inneren Auge scheint ein gar schwerer Vorhang von der Decke bis zum Boden hinabzusausen und sich in einer voll anmutiger Charakteristik aus satten Sackpfeifen und kantigen Gitarren-Riffs in einer Mid-Tempo getriebenen Synergie zu entladen. Die Klänge sind frisch und neu, aber doch auch so seltsam vertraut und bekannt. Es ist tatsächlich ein wenig wie Nachhausekommen, wie eine Rückkehr nach langer Zeit. Erst recht dann, als die markante, hier zunächst noch samtig-weiche Stimme von Thomas Lindner einsetzt und sich sodann angenehm rau über die Strophe legt. Der Sänger, welcher innerhalb dieser nun aus der atmosphärisch-immersiven Ich-Perspektive der Titelfigur agiert, schleicht sich ungesehen auf leisen Sohlen durch die tiefen Schatten der Nacht, dabei immerzu begleitet von einer sich hypnotisierend windenden Drehleier, um zum heiß ersehnten Objekt der Begierde zu gelangen und danach schnell wieder im Dunkel zu verschwinden. Die wilde Hatz beginnt: Er nimmt allerhand Aufträge entgegen, spielt so manchen seiner Kunden gewieft gegeneinander aus, stiehlt den Reichen und gibt es den Armen... Irgendwie „vogelfrei“, also. Wer? „Der Meisterdieb“. Jener, der jetzt im zurückhaltend powernden Refrain mit kollektiver Sangeskraft gerufen wird, während Lindner dazwischen die Geschichte weiter vorantreibt, doch ihr Mysterium in bester Erzähltradition dabei ge