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NEUESTE
BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Laibach - Onenine - Funker Vogt (2020)


Laibach - Revisited (2020)

Genre: Alternative

Release: 15.01.2020

Format: Box-Set

Anzahl Ton- / Bildträger: 3

Label: WTC-Shop

Spielzeit: 199 Minuten

Fazit:

Das lang erwartete „Revisited“-Projekt ist endlich veröffentlicht! Drei Stunden an Musik auf Vinyl und CD, inklusive dem unheilschwanger betitelten „Terror Of History“, einem rund einhundertfünfzig Seiten starken Buch mit einem ausführlichen Essay über „Laibach“ vom slowenischen Autoren und Journalisten Marcel Štefančič Jr. Das Gesamtpaket wird darüber hinaus von einer ergänzenden Abhandlung des ehemaligen Präsidenten Sloweniens, Milan Kučan, sowie über fünfzig exklusiv gefertigten, authentischen Linolschnitten der „Laibach Kunst“ begleitet. Das Booklet mit einem persönlichen Vorwort von Igor Vidmar, dem Verleger des ersten Releases, vereint auf insgesamt vierunddreißig Seiten sorgfältig ausgewählte, historisch rare Fotos des Projekts und detaillierte Hintergrundinformationen zum aufgenommenen Material. Um das alles abzurunden, liegen dem Set weiterhin eine nummerierte Anstecknadel im neuaufgelegten Design des 1982er-Originals, wie auch ein großes Poster mit den Portraits aller Mitglieder und bisherigen Kollaborateure bei. Zusätzlich gibt es alle drei Alben und den Vorbesteller-Bonus „Also Sprach Zarathustra - Live“ als digitalen Downlod im 24-bit, 44.1 kHz-Format. Die maschinell nummerierte und weltweit streng auf 1.200 Einheiten limitierte Edition kommt mit einem personalisierten Brief und speziellen „Revisited“-T-Shirt zum Käufer... Ab dem 15.01.2020 für 150,00 Euro exklusiv über den offiziellen WTC-Shop der Band zu beziehen.

Am Anfang dieses aufwändigen Mammutprojekts stand einzig eine aufregende Idee, eine klare Vision: Eine Retrospektive des eigenen Vermächtnisses mit den heutigen Möglichkeiten zu erschaffen, zurück zu den äußersten Wurzeln. So begannen die umfassenden Arbeiten an der Zusammenstellung, dessen geplante Veröffentlichung ursprünglich für 2012 anberaumt war. Doch sollte der geplante Release aufgrund einiger unvorhersehbarer Hürden erst noch immer und immer wieder verschoben werden, bis es dann im Januar 2020, also fast ganze zehn Jahre später, endlich soweit war. Die lange Wartezeit soll sich indes jedoch gelohnt haben, denn unterdessen war das polarisierende Künstler-Kollektiv alles andere als untätig und ließ es sich nicht nehmen, das Paket stetig um weitere Inhalte zu ergänzen. Das neue Box-Set beinhaltet natürlich erstmal allen voran die eigentliche Essenz, die hier als konzeptioneller Dreh- und Angelpunkt für alles Weitere dient: „Laibach“ - Das wegweisende Debüt, welches ursprünglich schon 1983 aufgenommen und 1985 dann veröffentlicht worden ist, jetzt in einer gänzlich überarbeiteten Version mit den aktuellen Standards produziert, selbstverständlich vollständig remastered und dabei um einige Bonus-Tracks ergänzt. Damit entspricht die erste Disc einer liebevoll restaurierten Neuauflage von „Rekapitulacija 1980-84“. Eine übergreifende Sammlung der anfänglichen, musikalischen Aktionen, wie sie ihrer Zeit via Walter Ulbricht Schallfolien in Deutschland als Doppel-LP auf den Markt kam. Es sollte der erste, gewagte Schritt auf neuem Terrain sein. Der, eines dunklen Schattens in der Musikwelt, den man in Zukunft einfach nicht mehr ignorieren konnte: „Laibach“. Mutige Pionierarbeit auf beiden Seiten. Zugegeben, es ist ungemein anspruchsvolle und über weite Strecken nur sehr schwer verdauliche Kost, die ihrer Zeit in Intention und Klanggewalt deutlich um Längen voraus war. Zu hören sind unter anderem alle möglichen und unmöglichen Spielarten von donnernder Percussion, derben Gitarren, analogen Synthesizern und experimenteller Sound-Manipulation, die ihre atonalen Effekte in die langsamen, bedrohlich stampfenden Rhythmen verwebt. Nicht weniger düster und unheilvoll fügen sich diesem Konstrukt die meistenteils in slowenischer Sprache gehaltenen Texte, die system- und politkritischer wohl kaum sein könnten. In ihnen finden sich etwa berühmte Zitate von Josip Broz Tito bei „Država“ oder dem titelgebenden Wojciech „Jaruzelski“, es geht um angestrebte Herrschaft und den Missbrauch von Macht in „Sila“ und „Brat Moj“ oder die Schrecken des Krieges und des Soldaten zweifelhafte Aufopferung dafür bei „Smrt Za Smrt“ und „Ti, Ki Izzivaš“. Nicht wenige dieser Stücke sind heute absolut berechtigt Klassiker der eigenen Diskographie. Es ist totalitärer Schrecken und wegweisender Industrial-Kult in seiner reinsten Form! Die zweite CD ist dann „Revisited“ - Ein Album, das zwischen 2009 und 2012 aufgenommen wurde und sowohl neue Interpretationen der Songs des ersten Werks als auch weitere Bonus-Tracks umfasst. Die hörbar aufgefrischten Versionen, die ihren Weg mittlerweile in jedes reguläre Live-Set der Band geschafft haben und einem größeren Publikum zuletzt während des zweiten Akts der vergangenen „The Sound Of Music“-Tour vorgestellt wurden, unterscheiden sich in vielerlei Facetten sehr von ihren jeweiligen Originalen: Der gesamte Klang ist nun räumlicher und dementsprechend deutlich voller, die Instrumentierung variabler und professioneller, der Gesang tiefer und klarer und die allgemeine Produktion runder, was zu einem enorm ausgewogenen Endergebnis führt. Darüber hinaus hält die Tracklist noch einige überarbeitete Perlen des grandiosen „Nova Akropola“ aus 1986 bereit, beispielsweise den hymnenhaft schauerlichen Titeltrack, das komplexe „Krvava Gruda - Plodna Zemlja“ oder „Vier Personen“. Als kleinen Zusatz gibt es dann noch ein paar ganz besondere, alternative Live-Versionen, welche mit einem großen Sinfonieorchester eingespielt worden sind - Hervorragend! Der dritte und somit letzte Silberling, „Underground“, ist dann die auditive Dokumentation eines einzigartigen Live-Konzerts in den Kohleminen von Velenje, rund zweihundert Meter unter der Erdoberfläche. Dazu kommen ausgewählte Aufnahmen der 2017 gespielten Industrial-Show im Museo Reina Sofia in Madrid. Das Besondere dieser Auftritte ist das Engagement der drei Gründungsmitglieder Ivan Novak, Dejan Knez und Srečko Bajda, die allesamt seit den Anfängen dabei, mittlerweile aber nur noch im Hintergrund oder nicht mehr aktiv in der Band agieren. Gespielt wurden alte und fast vergessene Stücke der ersten Performances, welche bislang keinen Weg ins Studio fanden und hier somit erstmals veröffentlicht werden, aber auch teils entrückte, extravagante Versionen mancher Songs der ersten beiden CDs. Was will das Fan-Herz mehr!? Das Projekt „Laibach“ würde „nicht als Antwort, aber als Frage“ funktionieren, wie Slavoj Žižek das undurchsichtige Schaffen der umstrittenen Slowenen einmal so schön umschrieb. An jenem Fakt hat sich bis zum heutigen Tag mit Sicherheit nichts geändert, am allgemeinen Verständnis für diesen kulturellen Angriff der Superlative dafür umso mehr. Wer etwas mehr Zugang zu ebendieser mysteriösen Frage namens „Laibach“ finden und sich intensiver mit dem Gesamtkunstwerk dieser Ausnahme-Formation beschäftigen will, hat mit dem neuen „Revisited“-Set die wohl beste Gelegenheit dazu. Beim Entdecken, Hinterfragen und Verstehen ganz viel Spaß oder wie es im beigelegten Anschreiben der Box heißt: „Enjoy, but not too much!“.

Informationen:

http://www.laibach.org

https://www.facebook.com/Laibach/

Onenine - 3 3 3 (2020)

Genre: Electro / Alternative

Release: 19.03.2020

Format: Digital

Anzahl Ton- / Bildträger: 0

Label: Noiselab / Studio600

Spielzeit: 41 Minuten

Fazit:

Für alle jene, welche die Rezension zum letztjährig veröffentlichten Debüt „Hirato“ verpasst haben sollten, kommt hier eingangs nochmal die Kurz-Biografie zum Projekt: Im Jahr 1993 gründen Kay Jäger und Oliver Müller das gemeinsame Projekt namens „Cyber Axis“, arbeiteten fortan an einigen Demos. Ein Vertrag beim Label Paradise Rising ging danach dem Debüt „The Final Sign“ voraus. Neben Julie Schott brachte man zudem wechselnde Live-Gitarristen, wie etwa Thorsten Scheuermann, der später noch fest ins Line-Up integriert werden sollte, ins angestammte Ensemble ein, um dem Sound mehr Druck und Härte zu verleihen. So eröffnete man alsbald sogar für die heute weltberühmten Berliner Provokateure von „Rammstein“, der Nachfolger „Fool Energy“ brachte weiterhin mehr Aufmerksamkeit ein. Alles schien auf einem sehr guten Weg, bis Jäger und Schott später aus unterschiedlichen Gründen ihren Ausstieg entschieden und Müller somit 1997 das jähe Ende bekannt gab. Obgleich dessen wandte er sich der Musik aber nicht vollends ab, sondern war fortan hinter den Kulissen als Produzent tätig, wodurch er Matthes Ewald kennenlernte, mit dem er beschloss, das Projekt wiederzubeleben. Auf einer Release-Party von „Megadump“ traf das frisch zusammengeschlossene Duo dann auf Axel Kleintjes, der durch sein bisheriges Engagement als Keyboarder und Stimme von „Page12“ bereits einiges an Erfahrung mitbrachte. Das daraus resultierende „Skin“ zelebrierte 2003 den Crossover-Style der späten 90er und gemahnte damit unter anderem an Größen wie „Nine Inch Nails“... Zeitsprung: 2011. Ich stehe nichtsahnend am Bochumer Hauptbahnhof und werde durch die kurze Werbeschaltung auf einer übergroßen LCD-Reklametafel auf die lokale Band „Held der Arbeit“ aufmerksam, die ich mir, zuhause wieder angekommen, über einen Streaming-Dienst sofort anhöre. Es ist eine ziemlich stimmige Mischung aus Oldschool-EBM und Synthie-Pop mit melancholischen, ehrlichen Texten, die das Leben so manches Mal selbst schreibt. Ich bin begeistert. So sehr, dass ich direkt beschließe, über deren zweites Album „In Anno Futuro“ pünktlich zum Release eine Rezension zu verfassen. Zusätzlich vereinbare ich mit Sänger Oliver Müller ein persönliches Interview beim Gig in der Rotunde, bei welchem ich noch alle anderen, wirklich sympathischen Mitglieder und somit auch Kleintjes selbst kennenlerne. Der „Held der Arbeit“ ist mittlerweile übrigens zum Quintett angewachsen, lässt eine erhebliche Steampunk-Note in seine Musik einfließen und arbeitet am nunmehr dritten Album. Zeitsprung: 2019. Vor wenigen Tagen erhalte ich via Facebook die Einladung, eine neue Seite mit dem berüchtigten „Gefällt mir“ zu markieren. Soweit nichts Ungewöhnliches, aber in diesem speziellen Fall deshalb so überraschend, weil die Anfrage hier von Axel Kleintjes direkt stammt, der sich im reizüberflutenden News-Wahn sämtlicher Social-Media-Kanäle sonst angenehm zurückhält. Ein kurzer Blick verrät mir, dass es sich dabei um ein neues Solo-Projekt von ihm handelt. Da ich mit seinen musikalischen Wurzeln spätestens nach dem Interview gut vertraut bin, klicke ich nur zu gerne auf die Weiterleitung zu SoundCloud. Nur wenig später bekomme ich auch schon eine Nachricht über den Messenger, die erfreulicherweise einen Dropbox-Link zum vollständigen Album enthält, welches am 19.04.2019 digital und komplett kostenlos über Bandcamp veröffentlicht werden wird... Zeitsprung, die Zweite: 2020. Und eigentlich ist (fast) alles beim Alten geblieben: „Held Der Arbeit“ sind unterdessen ein Sextett geworden und arbeiten noch immer am dritten Album, dafür gibt es schon jetzt Neues von „Onenine“! Abermals mit der eindrucksvollen Macro-Fotografie von John-Oliver Dum im Artwork und einem prominenten Mastering von „Rotersand“-Mastermind Krischan Wesenberg im Studio600 versehen. Pünktlich zur Ankündigung gab es vor wenigen Wochen dann einen Link mit dem vollständigen Material, das dieses Mal den ominösen Titel „3 3 3“ trägt und ab dem 19.03.2020 abermals digital via Bandcamp erhältlich ist.

Ein weit entferntes Rauschen kreiselt zügig rotierend umher, bis plötzlich mit einem Mal beständig tröpfelnde, hauchfeine Electro-Tupfer glasklar perlend in die scheinbare Leere herabrinnen. Erst nur ganz vorsichtig und langsam, doch dann unaufhaltsam immer und immer wieder... Rundherum, rundherum, rundherum. Fast so, wie ein fortwährender, organischer Kreislauf, der jetzt einfach nicht mehr aufzuhalten ist: „In Circles“. Hintergründig von sphärisch-sakraler Grundierung gezeichnet, setzt allmählich ein voluminös pochender Bass ein und klopft nun beständig und druckvoll den antreibenden Rhythmus. Im direkten Vergleich mit dem Debüt „Hirato“ ist der Sound in seinem gesamten Aufbau hier geradezu klar strukturiert, leicht verträglich, enorm eingängig und sehr tanzbar. Es hat irgendwie etwas Sanftes und Beruhigendes, wie eine futuristisch inspirierte, natürlich reinigende Meditation