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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Lord Of The Lost - Judas (2021)


Genre: Metal / Rock / Alternative


Release: 02.07.2021


Format: Doppel-CD


Anzahl Ton- / Bildträger: 2


Label: Napalm Records (Universal Music)


Spielzeit: 104 Minuten


Pressetext:


„Lord Of The Lost“ kehren mit ihrem siebten Studioalbum „Judas“, das am 02.07.2021 via Napalm Records erscheint, zurück und agieren wie gewohnt gänzlich befreit von musikalischen Fesseln und Genregrenzen. Mit der ausgefeilten und detailverliebten Veröffentlichung, die von Beginn an als Doppelalbum konzipiert war, zementieren die fünf Musiker ihre herausragende Position als Ausnahmekünstler und erklimmen das nächste Level mit ihrer bis dato innovativsten sowie reifsten Veröffentlichung, die in keine Schublade passen will. Nicht nur der Sound ist gewaltig, auch physisch liefern „Lord Of The Lost“ mit „Judas“ eindrucksvoll ab: Das Album wird als limitierte 2-CD-Mediabook, 2-CD-Sleevepack, 2 x 2 LP-Gatefold-Recycled-Vinyl und als digitale Version erhältlich sein.


Das auditive Erlebnis beginnt mit dem atmosphärischen Opener „Priest“, an dessen Anfang ein Leitmotiv steht, welches sich wiederkehrend durch das Album zieht und eine klangliche Symbiose für die insgesamt 24 Songs kreiert, die mit „Damnation“ und „Salvation“ in zwei Album-Parts unterteilt sind. Spätestens mit dem sakralen „For They Know Not What They Do“ wird klar, dass „Judas“ eine organische Produktion der alten Schule zugrunde liegt: Ein echter Chor begleitet Sänger Chris Harms, dessen eindringliche Stimme die packenden Texte stärker denn je direkt ins Bewusstsein des Zuhörers trägt. Songs wie „Your Star Has Led You Astray“ oder „Born With a Broken Heart“ schaffen es mühelos, die Balance zwischen hartem Gesang, rohen Fuzz-Gitarren und düsterer Schönheit zu halten, die den klanglichen Nährboden für „Lord Of The Lost“ bilden. Letzteres fokussieren Songs wie „Death Is Just a Kiss Away“, „My Constellation“ und das abschließende „Work of Salvation“ durch echte Streicher und Konzertflügel, sowie eine imposante, in einer Kirche aufgenommenen Orgel.


Als übergreifendes Thema widmen sich „Lord Of The Lost“ auf „Judas“ dem Spannungsfeld zwischen den facettenreichen Interpretationen des Charakters des Judas Iscariot und den apokryphen Schriften des Judas-Evangeliums - Schriften, die maßgeblich aus Gesprächen zwischen Jesus Christus und Judas Iscariot bestehen und im Vergleich zum Neuen Testament der Bibel einen alternativen Interpretationsansatz der Religionsgeschichte aufzeigen.


„Judas“ ist der Nachfolger des Top-10-Albums „Thornstar“ (2018, #6 GER) und atmet erneut den innovativen Geist eines musikalischen Kollektivs, das seiner ganz individuellen und unverwechselbaren Kunst keine Grenzen setzt. „Lord Of The Lost“ waren noch nie eine Band, die sich eindimensional an ein bestimmtes Genre geklammert hat. Stattdessen haben sie es über die Jahre immer wieder geschafft, Fans und Kritiker mit ihrer Unberechenbarkeit und Unangepasstheit zu überraschen. Mit ihrem neuen Album „Judas“ gelingt es ihnen nicht nur, die Grenzen zwischen Gut und Böse thematisch zu verwischen und den sogenannten „heilvollen Verrat“ in ein harmonisches und so noch nie da gewesenes Klangbild zu integrieren, sie beweisen auch ihre musikalische sowie textliche Entwicklung – wahrlich ein Opus Magnum!

Kritik:


„Bring me further to skies above

Bring me closer to the stars


Bring me further from all I've lost

Bring me closer to the stars

Closer to the stars“


Judas. Ein Name. Zwei verschiedene Sichtweisen... Und das bis zum heutigen Tag. Verräter oder Wahrheitssuchender und Heilsbringer? Beginnen wir, um das dem neuen Studioalbum zugrundeliegenden Konzept, die jeweiligen Anschauungen und den Charakter des titelgebenden Protagonisten selbst besser verstehen zu können, doch zunächst einmal ganz von vorne: Judas ist die griechische Form des hebräischen Männervornamens Jehuda, was wortwörtlich so viel wie „Bewohner des Reiches Juda“, also Judäer, heißt. Sein Beiname, Iskariot, kann hingegen sogar gleich zwei Bedeutungen haben: Einerseits „Mann aus Kariot“, andererseits aber auch „Sikarier“, frei übersetzt „Dolchträger“. Kariot, hier aus dem Hebräischen, steht wiederum für „Begegnung“. Er war einer der insgesamt zwölf Jünger und neben Jakobus, Josef und Simon einer der insgesamt vier Brüder Jesu sowie einer seiner engsten Vertrauten. Jesus machte jeden von ihnen zu Missionaren und Leitern der ersten jüdisch-christlichen Gemeinschaften, wobei Judas selbst sich gut mit dem alten hebräischen Testament sowie der jüdischen Literatur auskannte und das Amt des Kassenwartes bekleidete. Nicht zuletzt deswegen und auch durch den Vorteil, die gesamten Finanzen für Proviant und Almosen an sich halten zu können, wurde ihm später immerzu unterstellt, durch seine Position geldgierig geworden zu sein. Auch die Annahme von Spenden oblag allein seinem Aufgabenbereich. Judas verfasste einst einen Brief an seine Gemeinde, um die Anhänger daran zu erinnern, warum sie eigentlich für ihren Glauben einstehen, womit er die Korruption einiger Lehrender anprangerte. Somit wandte er sich nicht etwa gegen die Lehren selbst, sondern mehr gegen die Art zu Lehren. Experten zufolge ist es stark zu bezweifeln, dass Judas von Beginn an ein betrügerisches Wesen besaß und rein egozentrische Absichten verfolgte. Dagegen spricht die Gabe der Heilung, die ihm ebenso verliehen worden ist, wie auch allen anderen Aposteln, was im Umkehrschluss zu der Frage führt, ob Gott so jemandem solche Fähigkeiten überhaupt verleihen würde. Bis zum heutigen Tage kreisen daher zwei grundsätzlich konträre Ansichten um die Figur des Judas, vor deren Hintergrund die nachgesagte Gier fast schon in Vergessenheit gerät: Dabei stellt sich die Frage, ob Judas Jesus Christus absichtlich verraten und ihn somit ausgeliefert oder nur den für ihn vorgesehenen Weg beschritten und so seine Bestimmung erfüllt hat. Hatte Gott für Judas also von Anfang an den Plan, dass er eines Tages derjenige sein würde, der seinen auf die Erde gesandten Sohn ums Leben bringt? Hatte Judas überhaupt die freie Wahl dazu, sich anders entscheiden zu können oder musste er sein Schicksal erfüllen, was wiederum bedeuten würde, dass er unmittelbar in Gottes Dienst stand? Immerhin wäre kein anderer der Apostel dazu in der Lage gewesen, jene Bestimmung zu erfüllen, waren sie Jesus doch alle treu, aber eben nicht Gott. Das war vor dieser Annahme nur Judas. In Zusammenhang mit dem Petrusbekentniss offenbart Jesus zum ersten Mal, wer Judas ist, jedoch ohne ihn bei seinem Namen zu nennen: „Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch, die Zwölf erwählt? Und doch ist einer von euch ein Teufel!“ (Johannes 6,70-71). Da Jesus durch Gott bereits wusste, dass und wie er eines Tages sterben würde, stellte er sich seinen engsten Freund und Feind zugleich als nächstes zur Seite. So zeigte sich also auch Jesus bereit, sein Schicksal durch den Verrat von Judas, hier als bloßes Instrument Gottes handelnd, anzunehmen.


Ein weiteres Motiv von Judas könnte zudem noch aus einer anderen Deutung seines Namens stammen. „Sikarier“, ein Namensbestandteil von Iskariot, umschreibt ebenfalls eine Gruppierung, Zeloten, also „Eiferer“, genannt, die zu den stärksten Anhängern Gottes gehören. Verfolgt man diese Theorie auf Grundlage der zelotischen Perspektive, so könnte man zu dem Schluss kommen, dass er Jesus als den Hoffnungsträger der Israeliten ansah, der sich gegen die Römer auflehnen und das Volk befreien würde. Jesus aber, wollte beide Seiten zu einem großen Ganzen vereinen und damit nur ein einziges Gottesreich ohne Herrschaft. Die andere Seite der Medaille markiert dabei das sogenannte Judasevangelium. Eine apokryphe, also außerkanonische, Schrift, die schätzungsweise Mitte des zweiten Jahrhunderts von einer gnostischen Sekte abgefasst wurde und im Kern die Gespräche zwischen Judas, den Jüngern und Jesus vor der Kreuzigung enthält. Erstmalige Erwähnung fand es durch Irenäus von Lyon um 180 n. Chr., bevor sie danach erst als verschollen galt und später übersetzt wurde. Die spätere Version, eine Überlieferung aus dem Koptischen, wurde im Frühjahr 2006 von Rodolphe Kasser veröffentlicht. Nach Einschätzung einiger Experten, enthält das Judasevangelium nichts bis dato Unbekanntes, was als authentisch und glaubhaft angesehen werden könnte, sondern gibt lediglich die subjektive Sicht einer christlich-oppositionellen Gruppe wieder, welche sich von der Mehrheitskirche abgespalten hatte und deren Träger, die hier von den Aposteln repräsentiert werden, nicht anerkannte. Kasser versteht das Judasevangelium als eine Art „kainitische“ Gegenbibel, also die Schriften einer Sekte, die Kain und Judas verehrte. Die grob zusammengefasste Kernaussage davon ist es, dass Judas der engste Vertraute und beste Freund von Jesus war und mehr Erkenntnis als die übrigen Jünger besaß. Aus diesem Grund habe Jesus ihn mit seinem Verrat beauftragt, um „des Heils Willen“, wie es heißt. Nur durch diesen Vorgang konnte Jesus nämlich seine leibliche Hülle verlassen und in das himmlische Reich zurückkehren. Daraufhin soll Judas ihn gefragt haben, was denn sein Lohn für diesen folgenschweren Verrat sei, worauf Jesus ihm offen geantwortet habe, dass ihn die ganze Welt zwar fortan für immer hassen werde, er aber als Erleuchter ebenfalls in das göttliche Reich einginge. Der einzig wahre Gott ist laut diesen Schriften jedoch nicht der „jüdische Gott“, der von den übrigen Jüngern angebetet wird, sondern ein weiter übergeordnetes Wesen. Der jüdische und orthodox-christliche Gott ist diesem Evangelium nach lediglich eine nachrangige Gottheit mit einer mangelhaften Schöpfung, welche es durch den Gewinn wahrer Erkenntnis zu überwinden gilt. Die Vergebung der Sünden durch Jesu Tod und seine leibliche Auferstehung sind mit der in diesem Evangelium ausgebreiteten Theologie unvereinbar. Das wesentliche, theologische Element der Schriften ist hingegen die Offenbarung eines Mythos von der Entstehung der Welt mit dem die Unterscheidung zwischen Erleuchteten und Nicht-Erleuchteten sowie die Ablehnung der christlichen Orthodoxie begründet wird. Der entsprechende Text, der nur sehr fragmentarisch erhalten ist, endet mit einer Prophezeiung Jesu, welche den Untergang des alttestamentlichen Gottes und seiner gesamten Schöpfung als Resultat des Verrats beschwört... Mit ihrem neuesten und nunmehr siebten Rock-Longplayer, schlicht „Judas“ betitelt, nehmen sich die fünf erfolgreichen Hamburger Dark Rocker von „Lord Of The Lost“ im Rahmen eines relativ offen gehaltenen Doppel-Konzeptalbums auf insgesamt zwei Discs unvoreingenommen und wertfrei jenen beiden Perspektiven auf die umstrittene, historische Figur des Judas an, um Licht und Schatten gleichermaßen ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken, denn oft ist längst nicht immer alles so, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag...


Den Anfang dieser langen Reise macht dabei die erste CD namens „Damnation“, also Verdammnis, die sich mit dem klassischen und durch die Mehrheitskirche weltweit verbreiteten Bild des Judas als abtrünnigen Verräter beschäftigt: Ab der ersten Sekunde setzen sogleich ungemein druckvolle und mächtig niederdonnernde Trommeln ein, um sich fortan im direkten, wunderbar harmonierenden Zusammenspiel mit exotischen Female-Vocals in ein wahrhaft Ehrfurcht gebietendes Gewand von epischer Tragweite zu ergeben. Die organisch geerdete, ungekünstelte Rhythmik im natürlich belassenen Ethno-Stil pulsiert hier lebhaft und energetisch, gemahnt mit unterschwellig dezenten, choralen Einsätzen wild und frei an die äußersten Ursprünge aller Menschlichkeit. Schon bald werden stark verzerrte Saiten in jenen Kontext untergemengt, welche in ihrem Katapult-Effekt ins Diesseits vorerst jedoch nur angedeuteter Natur bleiben, und gerade als man fast glauben könnte, dass sich die Ereignisse in diesem Klimax endgültig zuzuspitzen scheinen und der Gipfel der Dramaturgie nun erreicht wäre, flacht das Arrangement überraschend ab und fließt in seine unaufgeregte, doch erhabene Eingangsposition aus erdiger Dynamik zurück. „From a million drying lakes I have cried the tears of none. Empty shivers calling for my time far undone. I assume that there is no one that can find my peace of mind. They assume that I am guilty but guilt I see none...“, ertönt die durchweg markante Stimme von Sänger Chris „The Lord“ Harms ruhig und gleichmäßig über der beinahe schon minimalistisch gediegen instrumentierten, introspektiven Strophe und beschert dem Hörer damit sogleich ein Höchstmaß an möglicher Gänsehaut. Abermals steigen nun im Hintergrund mystisch vibrierende Chöre auf und nach einem kurzen Break von weniger als einer knappen Sekunde dreht sich die bis dato noch merklich zurückgehaltene Grundstimmung und kippt von ihrem atmosphärischen Fundament mit einem Schlag der explosiven Entfesselung dann in das komplette Gegenteil: Erdrückend rasendes Drumming, harte Riffs, verheerende Glockenschläge und tiefe, aggressive Growls erschüttern die friedvollen Grundfesten und zeichnen als brachial walzende Urgewalt ein äußerst kontrastreiches Bild zu der verzweifelt klagenden Rastlosigkeit von einst, die sich in der zweiten Strophe in leicht abgewandelter Form nun wieder fortsetzt. „Priest“ ist in vieler Hinsicht ein extrem wandelbarer Hybrid aus viel Melodiösität und Härte, was sich auch im Folgenden immerzu beweist. Mit der befreiend gelösten Energie jenes kurzen Zwischenspiels aufgeladen, erweitert sich nun auch das Spektrum der hier verwendeten Instrumente, die das bisherige Muster mit gekonnter Steigerung und zusätzlichen kleinen Details powernd aufbrechen. Der wahrlich ausladende Refrain kommt dann in typischer „Lord Of The Lost“-Manier voll packender Eingängigkeit und epochaler Hymnenhaftigkeit daher, jedoch ohne zu überladen bombastisch einzuwirken. Die zwischengelagerten, kräftigen „We're all at, we're all at, we're all at fault“-Shouts konkurrieren dann als kernig aufbrechendes Element mit der übrigen majestätischen Imposanz, bis der beschließende „Break your priest!“-Ausruf den Hauptteil danach in einer einschüchternd prügelnden Schlacht mit Metal-Charakter versenkt. „Lord Of The Lost“ gelingt damit ein schlüssiger Einstieg in die Materie, der sofort zu fesseln weiß und die Innenansicht des titelgebenden Protagonisten vor dem Hintergrund der biblischen Schriften portraitiert. Zwar lastet die schwere Schuld für den Verrat an Jesus auf Judas, doch zeigt dieser keinerlei Reue oder gar Zweifel an seinem Verrat. Viel mehr sieht er sich völlig zu unrecht im Schatten seines Anführers, aus welchem er durch seine Tat mit aller Macht zu treten versucht. Zu was können ein unscheinbares Schattendasein und unerfüllte Hoffnungen führen? Helle, doch zugleich verheerend anmutende Glockenschläge liefern sich einen eifrigen Schlagabtausch mit mehrstimmigen, sakral beschwörenden Chören, die den entsprechenden Titel gleich mehrmals wiederholen: „For They Know Not What They Do“ besticht bereits eingangs mit einer ätherischen Grundstimmung, welche sich stetig die Waage mit einer beängstigend erdrückenden Atmosphäre und konträr metallischen Elementen hält, die schon bald darauf nahen, bevor sich die Strophen dann wiederum ruhiger gestalten. „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“, die bekannten Zeilen aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 23, Vers 34, waren gleichsam die letzten Worte Jesu, als er ans Kreuz geschlagen wurde. Trotz seiner schweren Qualen beschützte er seine Peiniger und sprach ihnen zu viel Unwissenheit zu, um die Konsequenzen ihres Handelns wirklich begreifen zu können. Diese wie auch einige andere Zeilen untermauern, dass die Suche nach Gott nicht allein auf irdischen Wegen stattfinden solle, sondern im Inneren eines jeden. Die Bridge bringt dann nochmals das einleitende Motiv ins Spiel, hier von grellen Screams intoniert, bis ein schwermetallischer Wirbelsturm hereinbricht. Der eigentliche Refrain nimmt dann zwar etwas Härte, aber nicht Tempo, heraus und schickt eine von einem virtuosen Piano geführte, hymnische Melodie voraus, ehe Chöre, Orgel und die einsamen Töne eines Klaviers schließlich behutsam aus dem Stück geleiten. Die feinsinnigen, melancholischen Harmonien jenes Tasteninstruments sind es zusammen mit dezent angedeuteter Percussion und einem elektronischen Zerrbild dann auch, die „Your Star Has Led You Astray“, den mit rund dreieinhalb Minuten insgesamt kürzesten Song des Doppelalbums, einleiten. Die hier etablierte Melodieführung wird daraufhin von einer symphonischen Macht und kräftiger Rock-Attitüde weitergetragen, während rhythmisches Drumming und sanftmütige Piano-Versatzstücke die Strophen zurückhaltend ausfüllen. In der Bridge wartet dann die ruhige Orgel auf, kleine Breaks sorgen immerzu für Abwechslung, bis vor dem finalen Refrain nochmals ein kurzer, überraschender Härte-Kick seine volle Wirkung entfaltet. Zu „Born With A Broken Heart“ sind es dann abermals die gespenstischen, intensiven Chöre, die als melodiös führendes Kernelement dienen und sich nach einem kurzen Solo-Part hypnotisch mit dem restlichen Rock-Instrumentarium vereinen. Schlagzeug, Klavier und Stimme bestimmen hier zu weiten Teilen die Strophen, während immer wieder die E-Gitarren durchbrechen, später kommen noch nebulöse Chor-Fragmente aus dem Hintergrund dazu. Der Refrain reißt die klaustrophobische Enge dann mit sphärischer Erhabenheit ein und kommt einem schwungvollen Befreiungsschlag gleich: Judas, der schon mit dem titelgebenden, „gebrochenen Herzen“ geboren wurde und nie eine Wahl hatte. Der, dessen Schicksal vom ersten Tag an

vorherbestimmt war und dem niemals die Chance gegeben war, diesem entfliehen zu können. Am Ende muss er die Schuld und Sünden für all jene ertragen, die sich ihrer Verantwortung feige entziehen. Von den anderen Jüngern verstoßen und ins falsche Licht gerückt, damit sie sich ihre Hände in Unschuld reinwaschen können...


„The 13th“. Der Dreizehnte, der Ausgestoßene. Der, der von vornherein nicht dazugehörte. Auch diese Power-Ballade nimmt sich auf ungemein ergreifende Weise dem Inneren des Protagonisten an, der sich jetzt zunehmend über seine Gefühle bewusst wird. Ungesehen und unbeachtet unter denen, die von ihrem Anführer geachtet werden, wird er mehr und mehr zum Schatten seiner selbst. Führt einen schwerer und schwerer werdenden Kampf gegen die seelisch und moral