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  • Christoph Lorenz

M'era Luna Festival - Tag II - Flugplatz, Hildesheim - 13.08.2017


Veranstaltungsort:

Stadt: Hildesheim, Deutschland Location: Flugplatz Kapazität: ca. 30.000 Stehplätze: Ja Sitzplätze: Nein Homepage: http://www.meraluna.de

Sonntag, 13.08.2017 - Mera Luna Festival - Tag II:

Als das Taxi nach nur etwa zehn Minuten endlich auf der langen Hauptstraße einbiegt, ich dem Fahrer das Geld überreiche und anschließend aussteige, hellt sich meine Laune deutlich auf. Anders, als noch am vorherigen Tag, ist von erneuten Regenfällen keinerlei Spur, wenngleich der Himmel noch immer so grau wie zuvor ist. Ich schultere meine Tasche und mache mich langsam auf den Weg zum ersten Gate an den Campingplätzen, an welchem mein Bändchen vorab kontrolliert wird. Der Morgen ist jung und noch ist es verhältnismäßig ruhig auf dem gesamten Gelände. Vereinzelt sieht man jetzt einige Gäste langsam aus ihren Zelten hervorkommen und sich für den zweiten Tag vorbereiten. Der vergangene Abend hat seine Spuren hinterlassen, wie der schlammige Boden deutlich zeigt. Alles ist sichtbar durchnässt und durch das schlechte Wetter in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Unterkünfte auf den Wiesen wollen sichtlich ebenso wenig trocken werden, wie meine Kleidung im Badezimmer des Hotels. Zu beneiden sind die Camper an diesem Wochenende wahrlich nicht. Umso beeindruckender, dass sich keiner von ihnen dadurch auch nur annähernd die Laune verhageln lässt. Ich gehe ein Stück weiter und sehe schon einige andere, für den nahenden Einlass bereit, in humanen Warteschlangen an den Portalen für die Kontrollen stehen. Obwohl es noch relativ früh ist, konnten sich schon einige Besucher dazu aufraffen, sich vor dem Hangar oder im Infield zu versammeln, um uf ihren favorisierten Künstler zu warten. Vergleichbar übermüdet, wie ein Großteil der übrigen Besucher, schlendere ich gemächlich über den vergleichsweise leeren Flugplatz und finde mich mit einige anderen vor der Mainstage ein, auf welcher das schwarz-bunte Treiben schon in wenigen Minuten weitergeht...


Mainstage, 11.00 Uhr - Johnny Deathshadow:

Den Anfang machen an diesem Morgen "Johnny Deathshadow", die zuletzt mit den silbernen Herrschaften von "Stahlmann" durch die Lande tourten und dadurch von sich reden machten. Die Band, die in ihren Anfängen zunächst als Horrorpunk-Tributeprojekt mit reinen Cover-Songs geplant war, gründete sich 2010 in der Hansestadt Hamburg. Schnell war der Weg zur Eigenständigkeit gefunden, an die Ursprünge erinnert heute nur noch das stilistisch markante Totenschädel-Make-Up der vier Musiker. Drei Jahre später debütierte man dann mit der ersten EP "Blood & Bones", "Dead End Romance" fungierte 2014 als reine Single. Die Hanseaten sehen sich selbst als nationale Vertreter des Industrial Metal und sogenannten Death Rock, demnach gibt es allein schon mit dem Opener "Shadow" so einiges auf die Ohren. Mit "Bleed With Me" folgt der Titeltrack des gleichnamigen Albums, welches im letzten Jahr veröffentlicht wurde. Schlagzeuger Sascha Meier, Bassist Daniel Meier, Gitarrist Eike Cramer und Sänger Jonathan Schneider haben die Zuschauer mit Tracks wie "Sleeper" oder "Ghost" schnell in der Hand, überzeugen mit einer durchweg sicheren Performance und harten Melodien. Mit "Kill The Lights" biegt sich das Quartett dann schließlich auf der Zielgeraden ein. Auf ein baldiges Wiedersehen!

Mainstage, 11.35 Uhr - Schwarzer Engel:

Genauso metallisch wie der junge Morgen gerade eben noch begonnen hat, geht es jetzt im angesetzten Timetable der Mainstage weiter. Der folgende Künstler ist in der schwarzen Szene schon lange kein Unbekannter mehr und so verwundet es auch nicht, als sich das Infield langsam aber sicher mit mehreren Besuchern füllt. Wer bis gerade eben noch den Schlaf der letzten Unwetternacht aufholen musste, steht jetzt eventuell schon wieder vor der großen Bühne, um "Schwarzer Engel" in Empfang zu nehmen. Das vor rund zehn Jahren von Frontmann Dave Jason ins Leben gerufene Projekt, spielte bereits 2013 und 2015 auf dem Mera Luna und konnte seitdem einige neue Fans gewinnen. Als sich mit "Es Öffnen Sich Die Tore..." vom aktuellen Epos "Imperium II - Titania" die Türen in die düstere Welt des Krähenfürsten öffnen, ist brachialer Dark Metal mit satter Gothic-Note garantiert. Das finstere "Schwarzkunst" schwenkt danach zum ersten Teil der konzeptionell angelegten Erzählung zurück, "Himmelwärts" hingegen katapultiert wiederum in die Gegenwart und schließt den thematischen Kreis. Die Live-Band aus Schlagzeuger Ben Hell, Bassist Bert Oeler, sowie den beiden Gitarristen Vincent Hübsch und Timo Joos spielt sich zu den hart walzenden Stücken mit melodiöser Schlagseite immerzu in Rage, Jason agiert passend zu den vergangenen Cover-Artworks in goldener Legionärsrüstung. Ganz gleich ob "Geister Und Dämonen" und "Ritt Der Toten" von den einstigen Anfängen oder gar das peitschende "Schwarze Sonne" aus dem viel beachteten Album "Aus Brennenden Himmeln": Die explosive Mischung aus Neu und Alt kommt bei Fans und Neulingen gleich gut an, wie ein flüchtiger Blick in die Reihen offenbart. "Psycho-Path" und "Königin Der Nacht" bilden dann nach einer halben Stunde bester Unterhaltung das Finale. Das Mera Luna hat die Feuertaufe für den heutigen Tag also bestanden und ist gerade erst so richtig warm gelaufen. Weiter geht's!

Mainstage, 12.20 Uhr - Darkhaus:

Nun gibt es, wie sich vom Bandnamen her eventuell schon ein wenig ableiten lassen könnte, feinsten Dark Rock zu hören. Die internationale Formation, die sich erst 2011 im schottischen Livingston gründete, ist in ihrer Besetzung wohl einer der multikulturellsten Acts des diesjährigen Festival, stammen ihre Mitglieder doch aus den USA, Schottland, Österreich und Deutschland! Einen Namen haben sich die fünf Herren unter anderem als Support von Bands wie "Subway To Sally" machen können, ihr grundsolides Debüt schlug sofort wirksam ein. So ist es kein Wunder, dass es mächtig Applaus gibt, als Schlagzeuger Paul Keller, Bassist Gary Meskil, die beiden Gitarristen Marshall Stephens und Rupert Keplinger, bekannt durch sein Engagement an den Saiten bei "Eisbrecher", wie auch Sänger Ken Hanlon zum Opener "All Of Nothing" die Bühne entern. Das folgende "After The Heartache" ist dann auch direkt der zweite Song vom aktuellen Longplayer "When Sparks Ignite", welcher im letzten Jahr veröffentlicht wurde. Danach geht es mit "Grace Divine" erstmal wieder zurück zum Erstling, bevor "Providence" einen musikalischen Einblick in die gleichnamige EP von 2015 liefert. Viel beklatscht ist die melodiöse Power-Ballade "Ghost", welche damals als erste Single samt stimmigem Video fungierte, "Hour Of Need" und "Life Worth Living" werden nicht minder euphorisch aufgenommen. "Breaking The Silence" macht seinem Titel dann abschließend nochmals alle Ehre und lässt die Gäste einen lauten Abriss feiern, ehe "Darkhaus" der Mainstage glücklich strahlend den Rücken kehren.

Mainstage, 13.15 Uhr - Versengold:

Nach dem Dark Rock ist vor dem Mittelalter. So könnte das Credo des zweiten Nachmittags lauten, wirft man einmal einen Blick auf das heutige Line-Up. Tatsächlich tut ein wenig Abwechslung immer gut und so macht ein Großteil der Gäste erst gar keine Anstalten, den Platz vor der Hauptbühne wieder zu verlassen. Der nun aufspielenden Band kann das natürlich nur recht sein. Die 2003 in Bremen aus der Taufe gehobene Formation "Versengold" erfreut sich einer immer weiter steigenden Bekannt- und Beliebtheit und das schon lange nicht mehr nur in der eigenen Genre-Sparte. So können die sieben Musiker Sean Lang, Eike Otten, Alexander Willms, Florian Janoske, Thomas "Pinto" Heuer, Daniel Gregory und Malte "Snorre Snoerkelfrey" Hoyer freudig auf ein vollkommen ausgefülltes Infield blicken, als sie zu "Niemals Sang- Und Klanglos" eröffnen. "Hallo Mera Luna, habt ihr Bock auf 'n bisschen Party-Folk? Dann geht's los jetzt!", erkundigt sich der Sänger zu Beginn bei den zahlreich erschienenen Besuchern. Und ja, Hildesheim hat Bock auf die Musik der sieben Spielleute und das ganz offensichtlich nicht nur ein bisschen, wie das laute Echo aus begeisterten Zurufen unschwer vermuten lässt. "Dankeschön! Herzlich Willkommen zu dem kleinen "Versengold"-Intermezzo hier auf dem Mera Luna. Wir freuen uns, dass ihr alle so zahlreich erschienen seid und haben richtig Bock mit euch zu feiern. In unserer Musik hat in letzter Zeit immer wieder der Irish Folk Einzug gehalten und mit der neuen Platte, die wir letzte Woche veröffentlicht haben, haben wir uns gedacht, dass wir dem Irish Folk und der wunderschönen Insel einen Song widmen werden.", kündigt Hoyer mit "Verliebt In Eine Insel" eines der aktuellen Lieder an. Das zunächst eher ruhige "Feuergeist" schließt sich an, aber nimmt dann schon wenig später ordentlich an Fahrt auf. "Liebe Leute, das war ein Song von unserer neuen CD "Funkenflug". Wir spielen heute einige davon, unter anderem auch den Nächsten. Dieser hat etwas Besonderes. Zum einen haben wir ihn als erste Single ausgekoppelt, zum anderen hat er eine sehr persönliche Botschaft von uns und in dem Falle auch von mir. Es ist ein nachdenklicher Song, der aber auch eine positive Botschaft hat und im Liedverlauf auch ein bisschen zum feiern einlädt.", lautet dann die Einleitung zum balladesken "Haut Mir Kein' Stein", einem Titel, der trauriger Abschied und eine Ode an das Leben gleichermaßen ist. Ein etwas älterer Song, der, laut eigener Aussage, aber genauso tief aus dem Herzen kommt, ist dann das temporeiche "Spaß Bei Saite", eine Hymne an das Spielmannsleben und auch "Samhain" kommt gut an. Zum Abschluss darf das spaßige "Paules Beichtgang" keinesfalls fehlen, zudem Band und Publikum nun nochmal alle Reserven mobilisieren. "Vielen lieben Dank für dieses wundervolle Konzert! Es ist mittlerweile dreizehn oder vierzehn Uhr und ihr steht alle hier und es ist eine Stimmung wie bei einem Abendkonzert. Vielen Dank, dass ihr Bock hattet, hier mit uns zu so früher Stunde zu feiern. Wir verabschieden uns jetzt von der Bühne und sind nachher noch beim Autogrammzelt. Wer da ein Pläuschchen mit uns halten möchte, kann gerne vorbeikommen. Jetzt gibt es noch einen kleinen Abgesang von uns, weil sich das so gehört!", verabschiedet sich Hoyer im Namen der gesamten Band und geht mit den anderen Musikern sodann zum einem letzten Lied im A-capella-Stil über. Eine von Grund auf authentische, ehrliche und einfach sympathische Gruppe!

Mainstage, 14.15 Uhr - Megaherz:

Einen ungewöhnlich früh platzierten Slot im diesjährigen Running Order haben die bekannten Münchner NDH-Vertreter von "Megaherz" zugewiesen bekommen, die der versammelten Zuschauerschaft auch sogleich unter lauten Maschinengewehr-Salven und dröhnenden Sirenen eindrucksvollen Eintritt in ihre ganz eigene Apokalypse gewähren. Das ambitionierte Projekt, welches 1993 von Szene-Größe Alexander Wesselsky gegründet wurde, mauserte sich schnell zu einem gefeierten Vertreter des damals noch stark kritisierten, polarisierenden Genres und kann sich seither so einige Hits mit Dauerbrenner-Qualitäten auf die schwarze Flagge schreiben. Etwa zehn Jahre später verließen der Gründer und Noel Pix die Band schließlich und gründeten mit "Eisbrecher" ein neues Zugpferd. Nach nur einem einzigen Album unter dem neuen Sänger Mathias "Jablonski" Elsholz, unter anderem bekannt durch "die!", waren mit dem Release von "Heuchler" sowohl ein neuer Frontmann als auch frischer Aufschwung gefunden. Den bisherigen Gipfel dieses Schaffens erreichte das Quartett zuletzt im Jahr 2014 mit "Zombieland", dessen gleichnamiger Titeltrack wie schon bei der zugehörigen Headliner-Tournee auch heute das kurze Set eröffnet. Jürgen "Bam Bam" Wiehler ist der erste Akteur auf der Bühne, Bassist Werner "Wenz" Weninger, sowie die beiden Gitarristen Christoph "Chris" Klinke und Christian "X-ti" Bystron folgen ihm direkt nach und stellen sich fortan dem Kampf gegen die lebenden Toten. Frontmann Alexander "Lex" Wohnhaas stürmt zuletzt auf die Bretter der Mainstage, das Mikrofonstativ in Form eines abgenutzten Baseballschlägers direkt im angriffslustigen Anschlag. Wie bereits zum Ende der brachialen "Götterdämmerung" hin, treten die einzelnen Musiker mit individuell geschminkten Gesichtern auf, was die raue Note und Themen der Songs, die oftmals vor allem die Abgründe des menschlichen Seins behandeln, optisch nur noch umso mehr unterstreicht. So auch beim aggressiv-technoiden "Fanatisch", welches aus der Sicht eines Stalkers erzählt. Mit dem hymnischen "Glorreiche Zeiten" gibt es dann auch einen Song der letzten EP "Erdwärts" zu hören, eine ermunternde Ode an das Leben und bezeichnend für den neuen Stil der Formation. Der harte Brecher "Miststück" ist dieses Mal hingegen überraschend früh in der Setlist gesetzt worden, zählt das aggressive Stück mit den gnadenlos ehrlichen Lyrcis doch nach wie vor zu den größten Favoriten der Fans. Doch wie sich bereits in jüngster Vergangenheit immerzu wieder bemerkbar machte, konzentrieren sich die Herzen lieber auf das Material der seit 2008 mit "Heuchler" angebrochenen Ära. Und so gibt es mit dem gespenstischen "Roter Mond" und der melancholischen Power-Ballade "Für Immer" gleich zwei weitere Stücke des vergangenen Studioalbums zu hören. Erst mit dem plötzlichen Ertönen eines hell dröhnenden Horns und dem Einsatz donnernder Rhythmen geht es wieder zurück in metallischere Gefilde: "Megaherz" rufen zur zünftigen "Jagdzeit" auf weiter Flur! Jetzt kommt nochmals so richtig Schwung in die Reihen vor der Hauptbühne, während Wohnhaas wie ein Derwisch über die Bretter fegt und mit seiner Maskerade wilde Grimassen schneidet, ehe er sich ein letztes Mal an das Publikum wendet. "Dankeschön, ihr seid wirklich der Hammer. Nächstes Jahr Tour, wer kommt alles? Immerhin ein paar... Bringt noch eure Freunde mit, dann wird's richtig schön! Es kommen noch wirklich viele, viele geile Bands, aber lasst uns hier zum Abschluss von unserem Part heute mal diesen Silberstreif am Horizont genießen und diesen blauen Himmel feiern. Stürmt mit uns durch die Wolken ins helle Blau!". Gesagt, getan. Der grandiose Up-Tempo "Himmelsstürmer" vollendet die Show nach knapp vierzig Minuten genauso energiegeladen, wie sie einst begonnen hat. "Danke Mera, das war "Megaherz" für euch. Wir sehen uns im nächsten Jahr auf Tour!". Der Applaus spricht für sich und so können sich die Münchner sehr sicher sein, einige der heutigen Gäste auf ebendieser begrüßen zu können. Wir bleiben gespannt auf 2018... "Die Sachen gepackt, die Turbinen geölt, der Motor läuft, der Blick glasklar!".

Mainstage, 15.20 Uhr - The Crüxshadows:

Nach so viel wütender Saiten-Gewalt ist es nun wieder an der Zeit, um deutlich andere Klänge auf der Mainstage walten zu lassen. Und für ausreichend musikalischen Facettenreichtum ist an diesem Wochenende fürwahr mehr als nur gesorgt. Das weitere Programm bestreitet heuer eine wahre Szene-Institution, die nicht zum oft bemängelten Besetzungskarussell zu zählen ist und deren Auftritte in Deutschland generell eher rar gesät sind, weswegen sich der Platz im Infield erneut recht schnell mit Interessierten füllt. Es geht um "The Crüxshadows"! Die Ausnahmekünstler, die sich 1992 in Florida zu einem gemeinsamen Projekt zusammenschlossen, spielen seither eine ganz und gar einzigartige, experimentelle Mischung aus Synth-Rock, Electro und Pop. Die melodiösen Kompositionen loten durch die besondere Verknüpfung einzelner Elemente stets die Grenzen bereits bestehender Vorgehensweisen aus und lassen sich dadurch ebenso wenig in eine beengende Schublade katalogisieren. Während das bekannte Logo auf schwarz-weißem Backdrop den Hintergrund ziert, betreten Percussionistin Jessica DuPont, Keyboarderin Jen "Pyromantic" Jawidzik, Gitarrist Mike Perez, wie auch die beiden Violinisten JoHanna Moresco und David Wood gemeinsam mit Sänger Rogue das Zentrum des Geschehens. Mit "Helios" und "Singularities (Calling Heaven)" gibt es direkt zwei Vorboten der kommenden Veröffentlichung "Astromythology" zu hören, die Anfang September offiziell erscheint. Obwohl den Besuchern bisher keiner der beiden Titel geläufig sein dürfte, feiern sie das frische Material schon jetzt wie alte Bekannte, von denen es beispielsweise mit dem virtuosen "Valkyrie" nur kurz darauf natürlich auch etwas zu hören gibt. Doch nur wenig später geht es mit "Jupiter" und "Of Angels" wieder in die unbekannten Weiten neuer Klang-Universen. Immer wieder sucht Rouge die Nähe zum Publikum und begibt sich dazu behände auf die Monitorboxen und den Wellenbrecher der ersten Reihe, geht mit seinen treuen Anhängern auf persönliche Tuchfühlung. Diese genießen die energiegeladene Show aus tanzbaren Beats und ruhigen Passagen, zeigen sich bei alten und neuen Songs gleichermaßen begeistert. "Winterborn" und "Birthday" sind an diesem Nachmittag untrüglich die absoluten Hit-Kandidaten, zu welchen sich auch jene mitreißen lassen, die sich nicht zum harten Kern eingeschworener Fans zählen würden. Die Shadows wissen mit einer tadellos angestimmten Liederauswahl, der aktiven Bühnenpräsenz und ihrem unverkennbaren Charme einfach zu überzeugen, auch wenn der Schwerpunkt für eine reine Festival-Show heute vielleicht zu sehr auf bislang Unbekanntem lag. Egal. Allen, die dem neuen Album schon gespannt entgegensehen, dürfte die lange Wartezeit erheblich versüßt worden sein und der ganze Rest der Besucher hatte offenbar nicht minder großen Spaß dabei. Durch "Marilyn, My Bitterness" endet das Set nach gut vierzig Minuten schließlich unter warmen Jubelstürmen.