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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Schattenmann - Erdling - Stahlmann (2021)



Schattenmann - Chaos (2021)


Genre: Rock / Alternative


Release: 05.11.2021


Format: CD


Anzahl Ton- / Bildträger: 1


Label: AFM Records (Soulfood)


Spielzeit: 49 Minuten


Fazit:


„Schattenmann“ um Sänger Frank Herzig dokumentieren mit dem neuen, dritten Album unmissverständlich: Ihre Musik wird härter, metallischer, facettenreicher und inhaltlich kompromissloser. Herzig: „Mit „Chaos“ haben wir unseren Sound gezielt um moderne und frischere Elemente erweitert. Wir wollen uns musikalisch nicht einschränken, sondern mischen den neuen Songs auch Metal und Industrial unter.“. Wenn man in Betracht zieht, dass die Band mit dem neuen Album also ihre eigenen Grenzen erweitern möchte, ist es nicht überraschend, dass die neue Single „Spring“ einen Gastauftritt mit Vito C. und Hannes „G.Laber“ Holzmann von „J.B.O.“ beinhaltet. Ein Novum für „Schattenmann“! Herzig: „Unter Musikern kennt man sich und an „J.B.O.“ kam in unserer Jugend niemand vorbei. Also haben wir gefragt, ob sie auf unserer Single eine Gastrolle übernehmen. Ich finde, ihre Stimmen verleihen „Spring“ eine ungeheure Kraft.“. Die vier Schattenmänner haben mit „Chaos“ also den entscheidenden dritten Schritt vollzogen und rücken die Essenz der neuen Songs mit unnachgiebiger Konsequenz in den Fokus ihres kompromisslosen Sounds. „Dadurch, dass fast alle neuen Songs auf der Gitarre komponiert wurden, klingt das Material metallischer, härter, man könnte sagen: Es geht mehr auf die Mütze!“, so Herzig. Der „Schattenmann“-Frontmann spricht über Songs wie „Spring“ oder „Alles Auf Anfang“, aber auch über „Abschaum“ und „Chaos“, bei denen die Wurzeln unmissverständlich im Metal liegen und die den Kontrast zu einer fast poppigen Nummer wie „Cosima“ und die für „Schattenmann“ typischen „Amnestie“ oder „Extrem“ bilden. Dass sich die Band mit einem derart starken Album in großen Schritten den Weg in die oberen Ligen der Rock- und Metal-Szene ebnet, zeichnet sie aus und zeigt ihren hohen Anspruch an sich selbst. Das haben auch, sowohl in der Vergangenheit als auch heute, so einige etablierte Acts mitbekommen. So konnten sie bereits mit Szenegrößen wie „Megaherz“ und „Feuerschwanz“ auf Tour gehen und werden im kommenden Jahr auch ihre verschobene Tour mit „Eisbrecher“ nachholen. Darüber hinaus wird im Februar und März 2022 ihre eigene Headliner-Tour durch Deutschland stattfinden. Das mittlerweile dritte Studioalbum namens „Chaos“ kommt am 05.11.2021 als digitaler Download, CD im Digipak und auf fünfhundert Stück limitiertes Box-Set mit Wende-Poster, Aufkleber, unterschriebener Autogrammkarte, Aufnäher, Festivalbändchen und einem aufblasbaren Baseballschläger über AFM Records auf den Markt.

Fröhliches Kinderlachen, die verspielten Klänge einer alten Drehorgel und geschäftiges Treiben erzeugen in etwas weniger als zwanzig Sekunden die finstere Atmosphäre eines unheimlichen Jahrmarkts. Irgendwie bizarr und unpassend... Ist das etwa „Die Ruhe Vor Dem Sturm“? Ein unscharf röhrendes Riff irgendwo im Hintergrund, gefühlt ganz weit weg. Doch dann setzen plötzlich ein schnell treibendes Schlagzeug, beißende Elektronik und hart schreddernde Gitarren ein. Die Eröffnung des dritten „Schattenmann“-Albums findet ganz ohne Umschweife oder sonstige Schnörkel statt, geht stattdessen ehrlich und direkt geradeaus, auch textlich. Ansonsten setzt es unter martialisch-plumpen „Hey! Hey!“-Schlachtrufen und gesampelten Flinten-Salven die längst bekannte Gesellschaftskritik: Das Ende der egoistischen, maßlosen und verblendeten Menschheit ist nahe und alles versinkt im „Chaos“... Doch trägt nicht jeder von uns unbewusst seinen Teil zum großen Unheil bei und hätte zumindest im Kleinen eine Änderung in der Hand? Sind wir nicht alle ein bisschen „Abschaum“!? Sehr schön ist hingegen, dass das Quartett sich zumindest musikalisch ein gutes Stück weiter nach vorne wagt und so von NDH-Stangenware abweicht, ja, sogar stellenweise dezent den Metal streift. Das geht gut ins Ohr, macht viel Spaß beim Hören und entschädigt für die fast schon peinliche, thematische Ideenarmut des Genres. Es sind die bodenlosen und oft gut versteckten Abgründe in uns allen, die auch das Bild der folgenden Songs hauptsächlich bestimmen. Generell wird im direkten Vergleich zu den beiden vorausgegangenen Releases jetzt eine hörbar härtere Gangart gefahren, was sich auch beim folgenden „Extrem“ schnell bemerkbar macht und der Band tatsächlich gut zu Gesicht steht. Dass man die Zeit leider nicht zurückdrehen und wieder „Alles Auf Anfang“ setzen kann, muss nichts Schlechtes sein. So kann man aus seinen Fehlern lernen und den Blick stattdessen wieder mutig nach vorn ausrichten, wie der gleichnamige Mid-Tempo-Rocker mit seinen orchestralen Parts samt positiv aufgeladener Mittelfinger-Attitüde oder auch der energetische Nackenbrecher „Spring“ mit den Feature-Gästen von „J.B.O.“ unmissverständlich bekräftigen. Insbesondere zweitgenannter Track überrascht positiv mit der fruchtbaren Kreuzung zwischen hartem Saiten-Feuer und melodiösen Kontrasten. Keine Zweifel, keine Reue. Ergreife die Chance, denn es ist dein Leben! Mit dem von sakralen Elementen eingeleiteten „Choleriker“ und dem verstärkt elektronisch ausgerichteten „Cosima“ folgen die ersten zwei Vorab-Singles, die ihrer Rolle als anregende Appetithappen auch ziemlich gut gerecht werden, glänzen die beiden Nummern doch mit extrem hoher Eingängigkeit und verdammt einprägsamen Refrains zum Mitsingen. Egal, ob krankhafte Wutausbrüche und perverse Machtspiele in toxischen Beziehungen oder käufliche Liebe und verblendeter Technik-Wahn als ach so einfacher, da unmündiger Ersatz für die menschliche Emotion: Die vier Schattenmänner nehmen weiterhin absolut kein Blatt vor den Mund und prangern viele bekannte Probleme unserer heutigen Zeit gewohnt offen und ehrlich an. Schöne neue Welt... Ein wenig zurückhaltender kommt dann „Amnestie“ daher, welches die nächtlichen Gedankenspiele nach einer schmerzhaften Trennung aufgreift. Zwar ist der ganze Song durchweg kräftig instrumentiert und damit weit von einer Ballade entfernt, dennoch mutet das Arrangement weitaus reduzierter an und legt den Fokus so mehr auf den eindringlichen Text und Gesang. Rhythmische Percussion bestimmt eingangs die Strophen von „Voodoo“, bevor daraufhin wieder Drums und Gitarren die dominante Oberhand gewinnen. Trotzdem bleibt noch ausreichend Raum für den ein oder anderen exotischen Unterton durch orientalisch inspirierte Elemente oder ekstatische Streicher in diesem generell schon breit instrumentierten Stück über Machtmissbrauch und Manipulation. Die augenzwinkernde Persiflage „Alman“ verquickt danach überraschend groovende Ska-Blechbläser mit harsch rasender NDH und einem punkig-rotzigen Habitus voll selbstironisch-spaßigem Wortwitz, um damit nicht nur die weltweit berüchtigte Deutschtümelei, sondern auch jene wandelnden Klischees aufs Korn zu nehmen, die fest im Glauben sind, ihnen gehöre die Welt. Das walzende „Wir Gehorchen Nicht“ schlägt nochmals umso dunklere Töne an und entpuppt sich zunächst als echtes Riff-Schwergewicht, der von unterstützenden Background-Chören begleitete Refrain ist dafür umso melodischer und vergleichsweise fast schon weich, wenn sowohl folgsame Angepasstheit als auch zu gewollte Andersartigkeit ins Fadenkreuz genommen werden. Die eigentlich so naheliegende Lösung, um nicht in der Masse unterzugehen? Sei du selbst! „IYFF“ entpuppt sich als zynisch-amüsante Abrechnung mit Social-Media-Stars und nur allzu geschäftstüchtigen Influencern, die längst keine Moral mehr kennen, wenn bereits die nächsten durch zahlreiche Klicks generierten Einnahmen hinter der anonymen Schein-Fassade des Internets winken. „Jetzt Oder Nie“ offeriert gegen Ende die gewisse Portion Herzschmerz im Gewand einer typischen „Schattenmann“-Ballade, die dementsprechend erst wieder eine Spur weit gemäßigter klingt, dann aber schließlich doch an Fahrt aufnimmt, um die Verzweiflung über unklare Tatsachen zu unterstreichen, bevor der straight rockende Up-Tempo „Komplett Auf Anschlag“ den Hörer nach all den von Menschenhand gemachten Strapazen doch sehr optimistisch aus dem Album geleitet. Wie macht sich das „Chaos“ in der Gesamtwertung? Schon nach dem ersten Durchgang ist klar, dass „Schattenmann“ auch mit ihrem dritten Werk das Rad des angestaubten Genres nicht neu erfinden und die in den Anfangstagen so vollmundig versprochene Revolution der NDH weiterhin ausbleibt. Auch der arg bemühte, gepresste Gesang von Herzig und die banal geschriebenen, manchmal schon fast peinlich berührenden Texte bleiben nach wie vor sehr gewöhnungsbedürftig und die erklärte Schwachstelle des Projekts. Um dahingehend aber nicht unfair zu sein, muss allerdings anerkennend erwähnt werden, dass der aufstrebende Vierer dieses schwierige Unterfangen mittlerweile sowieso still und heimlich zu den Akten gelegt haben dürfte, trumpfte zuletzt doch schon „Epidemie“ angenehm mit kleineren Grenzgängen abseits der Gewohnten auf, die sich gerade auf dem neuen Ableger wieder umso mehr in tadelloser Produktion zeigen: Deutsch-Rock, Gothic, Metal, Punk. Etwas von allem. Dieser musikalische Facettenreichtum und das bemerkenswert solide Händchen für eingängige Melodien sind es nämlich auch, die „Chaos“ trotz manch abgedroschener Plattitüde interessant machen und das Album so ein gutes Stück aus dem gleichförmigen Genre-Einheitsbrei hieven, um es schlussendlich vor dem Versinken im selbigen zu bewahren.


Informationen:


https://www.schattenmann.net


https://www.facebook.com/schattenmannband/


Erdling - Helheim (2021)


Genre: Metal / Alternative


Release: 03.12.2021


Format: CD


Anzahl Ton- / Bildträger: 1


Label: Out Of Line (rough trade)


Spielzeit: 37 Minuten


Fazit:


Brachiale Metal-Riffings, bildstarke Texte und eine fantastische Live-Show: Das ist das Resultat aus über fünf Jahren harter Arbeit, in denen „Erdling“ niemals auf die Bremse traten. 2016 veröffentlichte die Dark-Metal-Combo mit „Aus den Tiefen“ ihr Debütalbum und stieg auf Anhieb in die Top 100 der deutschen Albumcharts ein. Drei weitere Chart-Entries, erfolgreiche Tourneen, zunächst als Support von Bands wie „Megaherz“, „Lord of the Lost“ und „Hämatom“, später als Headliner, meißelten die Botschaft der Erdlinge auf ewig in Stein. Mit ihrem letzten Album „Yggdrasil“ brach das Quartett mehrfach seine eigenen Rekorde: Ausverkaufte Clubs, ein schnell vergriffenes Box-Set und dazu der Einstieg auf vielen Spotify-Playlists hoben „Erdling“ auf ein neues Level. Grund genug, weiter in Bewegung zu bleiben und an neuem Material zu arbeiten. Wo ruhmreich auf dem Schlachtfeld gestorbene Krieger nach Walhall einfahren, so bannt es alle anderen in die tiefste und dunkelste aller Welten: „Helheim“. Hier fristen all diejenigen ein trostloses, ewiges Dasein, die der Krankheit und der Heimtücke zum Opfer fielen. Hier ruhen die Seelen, die auf ewig vergessen sein werden. Helheim ist ein Ort, der in der germanischen Mythologie selten Erwähnung findet, fielen doch die wenigsten tatsächlich auf dem Schlachtfeld. Diesem Thema widmet sich die Band um Sänger Neill Freiwald auf ihrem nunmehr fünften Album, das in diesem Frühjahr fertiggestellt wurde und am 03.12.2021 veröffentlicht wird. „Wir haben uns viele Gedanken über die letzten Monate gemacht und miterlebt, wie die Menschheit auf verschiedene Situationen reagiert. Mit diesem Album unterstreichen wir einmal mehr unsere Haltung und Message. Wir sehen Helheim nicht als Ort der Bestrafung und Ehrlosigkeit, sondern als Exil für all diejenigen, die unter der Haube weltbewegender Themen vergessen werden.“, weiß Sänger Neill. Musikalisch orientieren sich „Erdling“ sowohl an ihrem Werk „Yggdrasil“, das bereits 2020 der Band neue Rekorde bescherte, als auch an „Supernova“, das mit zu den beliebtesten Tonträgern der Combo gehört. Egal, ob das progressive „Fimbulwinter“, das in Zusammenarbeit mit der Soundtrack-Sängerin Julie Elven entstanden ist - oder das anklagende, rabiate „Der Mensch Verdient Die Erde Nicht“ - das Quartett hat stets ein gutes Fingerspitzengefühl für aktuelle Themen: „„Helheim“ ist wahrscheinlich das rundeste Album, das wir je gemacht haben. Es en