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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Schattenmann - Erdling - Stahlmann (2021)



Schattenmann - Chaos (2021)


Genre: Rock / Alternative


Release: 05.11.2021


Format: CD


Anzahl Ton- / Bildträger: 1


Label: AFM Records (Soulfood)


Spielzeit: 49 Minuten


Fazit:


„Schattenmann“ um Sänger Frank Herzig dokumentieren mit dem neuen, dritten Album unmissverständlich: Ihre Musik wird härter, metallischer, facettenreicher und inhaltlich kompromissloser. Herzig: „Mit „Chaos“ haben wir unseren Sound gezielt um moderne und frischere Elemente erweitert. Wir wollen uns musikalisch nicht einschränken, sondern mischen den neuen Songs auch Metal und Industrial unter.“. Wenn man in Betracht zieht, dass die Band mit dem neuen Album also ihre eigenen Grenzen erweitern möchte, ist es nicht überraschend, dass die neue Single „Spring“ einen Gastauftritt mit Vito C. und Hannes „G.Laber“ Holzmann von „J.B.O.“ beinhaltet. Ein Novum für „Schattenmann“! Herzig: „Unter Musikern kennt man sich und an „J.B.O.“ kam in unserer Jugend niemand vorbei. Also haben wir gefragt, ob sie auf unserer Single eine Gastrolle übernehmen. Ich finde, ihre Stimmen verleihen „Spring“ eine ungeheure Kraft.“. Die vier Schattenmänner haben mit „Chaos“ also den entscheidenden dritten Schritt vollzogen und rücken die Essenz der neuen Songs mit unnachgiebiger Konsequenz in den Fokus ihres kompromisslosen Sounds. „Dadurch, dass fast alle neuen Songs auf der Gitarre komponiert wurden, klingt das Material metallischer, härter, man könnte sagen: Es geht mehr auf die Mütze!“, so Herzig. Der „Schattenmann“-Frontmann spricht über Songs wie „Spring“ oder „Alles Auf Anfang“, aber auch über „Abschaum“ und „Chaos“, bei denen die Wurzeln unmissverständlich im Metal liegen und die den Kontrast zu einer fast poppigen Nummer wie „Cosima“ und die für „Schattenmann“ typischen „Amnestie“ oder „Extrem“ bilden. Dass sich die Band mit einem derart starken Album in großen Schritten den Weg in die oberen Ligen der Rock- und Metal-Szene ebnet, zeichnet sie aus und zeigt ihren hohen Anspruch an sich selbst. Das haben auch, sowohl in der Vergangenheit als auch heute, so einige etablierte Acts mitbekommen. So konnten sie bereits mit Szenegrößen wie „Megaherz“ und „Feuerschwanz“ auf Tour gehen und werden im kommenden Jahr auch ihre verschobene Tour mit „Eisbrecher“ nachholen. Darüber hinaus wird im Februar und März 2022 ihre eigene Headliner-Tour durch Deutschland stattfinden. Das mittlerweile dritte Studioalbum namens „Chaos“ kommt am 05.11.2021 als digitaler Download, CD im Digipak und auf fünfhundert Stück limitiertes Box-Set mit Wende-Poster, Aufkleber, unterschriebener Autogrammkarte, Aufnäher, Festivalbändchen und einem aufblasbaren Baseballschläger über AFM Records auf den Markt.

Fröhliches Kinderlachen, die verspielten Klänge einer alten Drehorgel und geschäftiges Treiben erzeugen in etwas weniger als zwanzig Sekunden die finstere Atmosphäre eines unheimlichen Jahrmarkts. Irgendwie bizarr und unpassend... Ist das etwa „Die Ruhe Vor Dem Sturm“? Ein unscharf röhrendes Riff irgendwo im Hintergrund, gefühlt ganz weit weg. Doch dann setzen plötzlich ein schnell treibendes Schlagzeug, beißende Elektronik und hart schreddernde Gitarren ein. Die Eröffnung des dritten „Schattenmann“-Albums findet ganz ohne Umschweife oder sonstige Schnörkel statt, geht stattdessen ehrlich und direkt geradeaus, auch textlich. Ansonsten setzt es unter martialisch-plumpen „Hey! Hey!“-Schlachtrufen und gesampelten Flinten-Salven die längst bekannte Gesellschaftskritik: Das Ende der egoistischen, maßlosen und verblendeten Menschheit ist nahe und alles versinkt im „Chaos“... Doch trägt nicht jeder von uns unbewusst seinen Teil zum großen Unheil bei und hätte zumindest im Kleinen eine Änderung in der Hand? Sind wir nicht alle ein bisschen „Abschaum“!? Sehr schön ist hingegen, dass das Quartett sich zumindest musikalisch ein gutes Stück weiter nach vorne wagt und so von NDH-Stangenware abweicht, ja, sogar stellenweise dezent den Metal streift. Das geht gut ins Ohr, macht viel Spaß beim Hören und entschädigt für die fast schon peinliche, thematische Ideenarmut des Genres. Es sind die bodenlosen und oft gut versteckten Abgründe in uns allen, die auch das Bild der folgenden Songs hauptsächlich bestimmen. Generell wird im direkten Vergleich zu den beiden vorausgegangenen Releases jetzt eine hörbar härtere Gangart gefahren, was sich auch beim folgenden „Extrem“ schnell bemerkbar macht und der Band tatsächlich gut zu Gesicht steht. Dass man die Zeit leider nicht zurückdrehen und wieder „Alles Auf Anfang“ setzen kann, muss nichts Schlechtes sein. So kann man aus seinen Fehlern lernen und den Blick stattdessen wieder mutig nach vorn ausrichten, wie der gleichnamige Mid-Tempo-Rocker mit seinen orchestralen Parts samt positiv aufgeladener Mittelfinger-Attitüde oder auch der energetische Nackenbrecher „Spring“ mit den Feature-Gästen von „J.B.O.“ unmissverständlich bekräftigen. Insbesondere zweitgenannter Track überrascht positiv mit der fruchtbaren Kreuzung zwischen hartem Saiten-Feuer und melodiösen Kontrasten. Keine Zweifel, keine Reue. Ergreife die Chance, denn es ist dein Leben! Mit dem von sakralen Elementen eingeleiteten „Choleriker“ und dem verstärkt elektronisch ausgerichteten „Cosima“ folgen die ersten zwei Vorab-Singles, die ihrer Rolle als anregende Appetithappen auch ziemlich gut gerecht werden, glänzen die beiden Nummern doch mit extrem hoher Eingängigkeit und verdammt einprägsamen Refrains zum Mitsingen. Egal, ob krankhafte Wutausbrüche und perverse Machtspiele in toxischen Beziehungen oder käufliche Liebe und verblendeter Technik-Wahn als ach so einfacher, da unmündiger Ersatz für die menschliche Emotion: Die vier Schattenmänner nehmen weiterhin absolut kein Blatt vor den Mund und prangern viele bekannte Probleme unserer heutigen Zeit gewohnt offen und ehrlich an. Schöne neue Welt... Ein wenig zurückhaltender kommt dann „Amnestie“ daher, welches die nächtlichen Gedankenspiele nach einer schmerzhaften Trennung aufgreift. Zwar ist der ganze Song durchweg kräftig instrumentiert und damit weit von einer Ballade entfernt, dennoch mutet das Arrangement weitaus reduzierter an und legt den Fokus so mehr auf den eindringlichen Text und Gesang. Rhythmische Percussion bestimmt eingangs die Strophen von „Voodoo“, bevor daraufhin wieder Drums und Gitarren die dominante Oberhand gewinnen. Trotzdem bleibt noch ausreichend Raum für den ein oder anderen exotischen Unterton durch orientalisch inspirierte Elemente oder ekstatische Streicher in diesem generell schon breit instrumentierten Stück über Machtmissbrauch und Manipulation. Die augenzwinkernde Persiflage „Alman“ verquickt danach überraschend groovende Ska-Blechbläser mit harsch rasender NDH und einem punkig-rotzigen Habitus voll selbstironisch-spaßigem Wortwitz, um damit nicht nur die weltweit berüchtigte Deutschtümelei, sondern auch jene wandelnden Klischees aufs Korn zu nehmen, die fest im Glauben sind, ihnen gehöre die Welt. Das walzende „Wir Gehorchen Nicht“ schlägt nochmals umso dunklere Töne an und entpuppt sich zunächst als echtes Riff-Schwergewicht, der von unterstützenden Background-Chören begleitete Refrain ist dafür umso melodischer und vergleichsweise fast schon weich, wenn sowohl folgsame Angepasstheit als auch zu gewollte Andersartigkeit ins Fadenkreuz genommen werden. Die eigentlich so naheliegende Lösung, um nicht in der Masse unterzugehen? Sei du selbst! „IYFF“ entpuppt sich als zynisch-amüsante Abrechnung mit Social-Media-Stars und nur allzu geschäftstüchtigen Influencern, die längst keine Moral mehr kennen, wenn bereits die nächsten durch zahlreiche Klicks generierten Einnahmen hinter der anonymen Schein-Fassade des Internets winken. „Jetzt Oder Nie“ offeriert gegen Ende die gewisse Portion Herzschmerz im Gewand einer typischen „Schattenmann“-Ballade, die dementsprechend erst wieder eine Spur weit gemäßigter klingt, dann aber schließlich doch an Fahrt aufnimmt, um die Verzweiflung über unklare Tatsachen zu unterstreichen, bevor der straight rockende Up-Tempo „Komplett Auf Anschlag“ den Hörer nach all den von Menschenhand gemachten Strapazen doch sehr optimistisch aus dem Album geleitet. Wie macht sich das „Chaos“ in der Gesamtwertung? Schon nach dem ersten Durchgang ist klar, dass „Schattenmann“ auch mit ihrem dritten Werk das Rad des angestaubten Genres nicht neu erfinden und die in den Anfangstagen so vollmundig versprochene Revolution der NDH weiterhin ausbleibt. Auch der arg bemühte, gepresste Gesang von Herzig und die banal geschriebenen, manchmal schon fast peinlich berührenden Texte bleiben nach wie vor sehr gewöhnungsbedürftig und die erklärte Schwachstelle des Projekts. Um dahingehend aber nicht unfair zu sein, muss allerdings anerkennend erwähnt werden, dass der aufstrebende Vierer dieses schwierige Unterfangen mittlerweile sowieso still und heimlich zu den Akten gelegt haben dürfte, trumpfte zuletzt doch schon „Epidemie“ angenehm mit kleineren Grenzgängen abseits der Gewohnten auf, die sich gerade auf dem neuen Ableger wieder umso mehr in tadelloser Produktion zeigen: Deutsch-Rock, Gothic, Metal, Punk. Etwas von allem. Dieser musikalische Facettenreichtum und das bemerkenswert solide Händchen für eingängige Melodien sind es nämlich auch, die „Chaos“ trotz manch abgedroschener Plattitüde interessant machen und das Album so ein gutes Stück aus dem gleichförmigen Genre-Einheitsbrei hieven, um es schlussendlich vor dem Versinken im selbigen zu bewahren.


Informationen:


https://www.schattenmann.net


https://www.facebook.com/schattenmannband/

 

Erdling - Helheim (2021)


Genre: Metal / Alternative


Release: 03.12.2021


Format: CD


Anzahl Ton- / Bildträger: 1


Label: Out Of Line (rough trade)


Spielzeit: 37 Minuten


Fazit:


Brachiale Metal-Riffings, bildstarke Texte und eine fantastische Live-Show: Das ist das Resultat aus über fünf Jahren harter Arbeit, in denen „Erdling“ niemals auf die Bremse traten. 2016 veröffentlichte die Dark-Metal-Combo mit „Aus den Tiefen“ ihr Debütalbum und stieg auf Anhieb in die Top 100 der deutschen Albumcharts ein. Drei weitere Chart-Entries, erfolgreiche Tourneen, zunächst als Support von Bands wie „Megaherz“, „Lord of the Lost“ und „Hämatom“, später als Headliner, meißelten die Botschaft der Erdlinge auf ewig in Stein. Mit ihrem letzten Album „Yggdrasil“ brach das Quartett mehrfach seine eigenen Rekorde: Ausverkaufte Clubs, ein schnell vergriffenes Box-Set und dazu der Einstieg auf vielen Spotify-Playlists hoben „Erdling“ auf ein neues Level. Grund genug, weiter in Bewegung zu bleiben und an neuem Material zu arbeiten. Wo ruhmreich auf dem Schlachtfeld gestorbene Krieger nach Walhall einfahren, so bannt es alle anderen in die tiefste und dunkelste aller Welten: „Helheim“. Hier fristen all diejenigen ein trostloses, ewiges Dasein, die der Krankheit und der Heimtücke zum Opfer fielen. Hier ruhen die Seelen, die auf ewig vergessen sein werden. Helheim ist ein Ort, der in der germanischen Mythologie selten Erwähnung findet, fielen doch die wenigsten tatsächlich auf dem Schlachtfeld. Diesem Thema widmet sich die Band um Sänger Neill Freiwald auf ihrem nunmehr fünften Album, das in diesem Frühjahr fertiggestellt wurde und am 03.12.2021 veröffentlicht wird. „Wir haben uns viele Gedanken über die letzten Monate gemacht und miterlebt, wie die Menschheit auf verschiedene Situationen reagiert. Mit diesem Album unterstreichen wir einmal mehr unsere Haltung und Message. Wir sehen Helheim nicht als Ort der Bestrafung und Ehrlosigkeit, sondern als Exil für all diejenigen, die unter der Haube weltbewegender Themen vergessen werden.“, weiß Sänger Neill. Musikalisch orientieren sich „Erdling“ sowohl an ihrem Werk „Yggdrasil“, das bereits 2020 der Band neue Rekorde bescherte, als auch an „Supernova“, das mit zu den beliebtesten Tonträgern der Combo gehört. Egal, ob das progressive „Fimbulwinter“, das in Zusammenarbeit mit der Soundtrack-Sängerin Julie Elven entstanden ist - oder das anklagende, rabiate „Der Mensch Verdient Die Erde Nicht“ - das Quartett hat stets ein gutes Fingerspitzengefühl für aktuelle Themen: „„Helheim“ ist wahrscheinlich das rundeste Album, das wir je gemacht haben. Es enthält all die Zutaten, die die Fans an der Band immer zu schätzen wussten. Deshalb haben wir als Produzenten auch wieder Chris Harms („Lord Of The Lost“) ins Boot geholt, weil er unseren Sound am besten kennt und immer konstruktiv zu unserer Weiterentwicklung beigetragen hat.“, so Freiwald. Das neue Album „Helheim“ erscheint am 03.12.2021 über Out Of Line Music als digitaler Download, CD im Digipak und auf vierhundert Einheiten limitiertes Box-Set inklusive handnummeriertem Echtheitszertifikat, Autogrammkarte, Schlüsselband, Schlafmaske, Fan-Schal und einer Bonus-CD mit Akustik-Versionen bekannter Songs im „Erdling“-Rucksack.

Die durchdringend tiefen Laute eines nebulösen Horns zerreißen die einst so friedliche Stille jäh, irgendwo aus der weiten Ferne nahen angriffslustige Schlachtrufe heran. Der Druck steigt an, etwas Großes kommt mit schnellen Schritten unheilvoll auf uns zu... Bereits die ersten Sekunden von „Rabenherz“ vermögen es spielend leicht, eine durchweg finstere Endzeitstimmung heraufzubeschwören, bevor dann plötzlich eine meterhohe, massive Wand aus unablässig knüppelndem Drumming und hart schreddernden Gitarrenriffs aus dem Nichts hervorbricht. Mindestens ebenso rasend schnell, wie jener gehetzt treibende Rhythmus, der hier nach nur wenigen Sekunden vorgelegt wird, gestaltet sich auch die inbrünstige Intonation durch Neill Freiwald, dessen starker Flow sich der Musik lückenlos anpasst und pointiert ins Schwarze trifft. Auf das mystische Zwischenspiel kurz vor dem letzten Refrain folgt dann nochmals ein schwermetallisches Gemetzel aus blind tobenden Instrumenten. Ein wirklich gelungener Einstieg! Um einige Nuancen gemäßigter gestaltet sich danach die vorab veröffentlichte Single „Götterdämmerung“, deren apokalyptisches Feeling zu weiten Teilen durch die martialischen Textzeilen voll epischer Motive gefördert wird. Wenngleich der Song allgemein auch wieder wuchtig rockt, so stehen der melodische Kern samt schönem Gitarren-Solo und einem ziemlich eingängigen Chorus doch klar im Vordergrund, wodurch die grundlegende Wirkung also etwas weniger kompromisslos ausfällt. „Die Götterdämmerung, Ragnarök, steht für uns symbolisch für den teils auch erhofften Zusammenbruch einer Gesellschaft, in der Schwächere weder Halt noch Hilfe finden. Wenn die Tore Helheims offen stehen und sich all die Verdammten und Verstoßenen gegen das Pantheon zusammenrotten, dann wird sich zeigen, dass auch Götter sterben können.“, so Freiwald selbst zum mythologischen Hintergrund des zugrundeliegenden Textes, welcher bei genauem Hinhören allerdings auch sehr aktuelle Bezüge liefert: „Niemand ist unantastbar und dieser Song richtet sich gegen die selbsternannten Obrigkeiten dieser Welt, gegen Machtbesessene, die auf dem Rücken der Gesellschaft ihren Wohlstand erhalten. Die Götterdämmerung kommt... Es ist nur eine Frage der Zeit. Wir singen bereits darüber.“, führt er aus. Ähnlich nahe am Puls der Zeit, zeigt sich auch „Der Mensch Verdient Die Erde Nicht“, das hasserfüllt und fast misanthropisch mit knallharten Bandagen gegen die rücksichtslose Ausbeute und maßlose Gier unserer Spezies schießt: Brutal ballernder Double Bass, sägende Gitarren, wütender Gesang und ein paar „Oho“-Chöre für Catchyness und Mitgröl-Faktor. Zu „Leuchtfeuer“ wird das bisher vorgelegte Tempo dann gleich verdoppelt. Bergen die Strophen durch ihre sanftmütige Ausrichtung vor allem lyrischen Fokus, so baut sich spätestens der Refrain mit surrender Elektronik, ekstatischen Streicher-Eskapaden und metallischer Härte wieder umso mehr auf und erinnert streckenweise an das großartige „Hundert Welten“ vom Vorgängerwerk. Der just zum ersten Vorboten auserkorene „Fimbulwinter“ kennzeichnet der nordischen Mythologie nach die erste der insgesamt vier eschatologischen Katastrophen, die den endgültigen Untergang der Götter, also Ragnarök, einleiten sollen. Auch hier fällt einmal mehr die wunderbar organische Dualität der verwendeten Stilistiken ins Auge: Während die unbarmherzig treibenden Strophen abermals ungemein kraftvoll nach vorne schnellen, besticht die unberechenbare Balance sowohl eingangs als auch in der zauberhaft arrangierten Bridge durch folkloristische Elemente und eine anmutig tänzelnde Melodiösität. Gekrönt wird all das nur noch durch den sich nahezu perfekt eingliedernden Gastbeitrag von Julie Elven, die das besinnlich-facettenreiche Stück mit ihrer zarten, feengleichen Stimme nicht nur ab dem zweiten Chrous begleitet, sondern gegen Ende auch einen eigenen Part beisteuert - Grandios! Wer die entfesselte Übermacht von Schlagzeug und Gitarren zwischenzeitlich vermisst haben sollte, muss auch gar nicht mehr lange warten, denn bereits „Vogelfrei“ verbindet gnadenlos hämmernden Metal mit wild flimmerndem Industrial-Electro, der sich in seinem hohen Tempo beinahe selbst zu überschlagen droht und auf die rituell anmutende Klangkulisse des relativ kurzen, doch nicht weniger wirksamen Instrumental-Interludiums „Es Zerfällt“ folgt mit dem tobsüchtigen „Weißglut“ schon gleich der nächste Banger mit überragend viel Live-Potential. Der titelgebende Track des neuesten Albums, „Helheim“, ist zweifelsohne eines der absoluten Glanzlichter der gesamten Tracklist! Diese bärenstarke Hymne umhüllt ihren von Grund auf energetischen Kern aus reinrassiger Metal-Power, fließenden Umbrüchen und virtuosen Soli mit ruhigeren Zwischenspielen, facettenreichem Gesang und einem extrem erhabenen Refrain der Sonderklasse. Gänzlich anders dann „Das Ritual“: Schellen, Rasseln und Trommeln offenbaren hier zusammen mit düsteren Electro-Beats archaische Urkräfte, welche dann mit zunehmender Spielzeit immer weiter ansteigen. Die beschwörende Intonation und die wunderbar mystische, einfach andersartige, da sehr experimentelle Instrumentierung runden das Gesamterlebnis ab und entwickeln so eine starke Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Die perfekte Überleitung zum endgültigen Finale durch das emotionale, teil-balladeske „Baum Der Welt“, dessen folkloristischer Grundtenor und dezente Orchestrierung im Mittelteil in Fusion mit epischen Chören auf verheerende Metal-Mächte und wahren Bombast prallen. Wow... Ganz, ganz großes Kino! Was soll man da noch großartig schreiben? „Erdling“ ist eine der wenigen jungen Szene-Bands, der es seit ihrem Debüt beeindruckend schnell und stilsicher gelungen ist, sich stetig in eine ganz eigene Richtung weiterzuentwickeln und sich somit von den üblichen Grenz-Konventionen des Dark Rock zu befreien, was dem Projekt hörbar guttut. Besann man sich mit „Aus Den Tiefen“ noch relativ auf Nummer sicher, so wusste bereits „Supernova“ mit überraschenden Balanceakten zwischen brutaler Härter und hochmelodiöser Hit-Affinität zu punkten, die mit dem etwas zu formelhaften „Dämon“ danach leider wieder stellenweise begraben wurde. Nur ein kurzer Ausreißer nach oben also? Mitnichten, denn mit dem überragenden „Yggdrasil“ lieferten die vier Erdlinge in 2020 dann ihr vorläufiges Magnum Opus mit verdammt viel Frische, spannenden Elementen und interessanter Thematik ab. Grund genug, diesem zurecht bewährten Erfolgsrezept einen geistigen Nachfolger zu spendieren und nebenbei die eigenen Tugenden weiter zu verfeinern und logisch auszubauen. Der Mut zur klaren Abspaltung von betonten Gothic-Motiven und die Hinwendung zu (noch) mehr Mythologie und Metal soll belohnt werden, denn „Helheim“ steht seinem Vorgänger in absolut Nichts nach, sondern beschreitet seine Wege selbstbewusst und zielgerichtet. „Erdling“: Ein deutlicher Reifeprozess, den man zu jeder Zeit hören und spüren kann! So darf, kann und muss es in Zukunft weitergehen, dann steht einem steigenden Erfolg sicher nichts im Wege. Conclusio: „Helheim“ ist fraglos einer der besten Genre-Ableger diesen Jahres!

Informationen:


http://www.erdling.band/


https://www.facebook.com/erdlingofficial/

 

Stahlmann - Quarz (2021)


Genre: Rock / Alternative


Release: 10.12.2021


Format: CD


Anzahl Ton- / Bildträger: 1


Label: AFM Records (Soulfood)


Spielzeit: 33 Minuten


Fazit:


Endlich ist es soweit! Seit Monaten angekündigt, von den Fans sehnlichst erwartet und mit den drei Vorab-Singles „Sünder“, „Gottmaschine“ und „Krähen Der Nacht“ bereits jetzt in aller Munde: Am 10.12.2021 veröffentlicht die Göttinger NDH-Formation „Stahlmann“ ihr neuestes Studioalbum „Quarz“. Es ist, wie angekündigt, das bis dato abwechslungsreichste und ausgereifteste Werk der Band. Gemeinsam mit seinen Bandkollegen Mario Sobotka (Gitarre) und Dimitrios „Tacki“ Gatsios (Schlagzeug) hat Frontmann Martin „Mart“ Soer (Gesang, Programming) zehn druckvolle und vielschichtige Songs eingespielt, die gekonnt den typischen „Stahlmann“-Style in den Fokus rücken. „Wir haben diesmal bewusst „back to the roots“ gearbeitet, um die Old-School-NDH-Direktiven unserer ersten drei Alben wieder neu aufleben zu lassen. Aber natürlich wurden diese Einflüsse dann mit aktuellen, zeitgemäßen Ideen verknüpft. Das Resultat ist ein wirklich rundes Ding, eingängig aber trotzdem mit all den Ecken und Kanten, für die Stahlmann bekannt sind.“, so Soer. Er spricht von Songs wie „Gegen Den Strom“, „Tobsucht“ oder der aktuellen Club-Fokus-Single „Wollust“, aber auch vom Dance-mäßigen „Herz und Tränen“, vom oben bereits erwähnten Vorab-Track „Gottmaschine“ oder dem stampfend-brachialen „Willst Du“. Hinzu kommt das groovende „Sonnenreich“ mit einer gekonnten Mischung aus NDH-Einflüssen und Deutsch-Rock sowie die mit symphonischen Streichern ausstaffierte Ballade „Der Sturm“ und ihre ausgesprochen sinnliche Liebesgeschichte. Apropos: Auch auf „Quarz“ gibt es wie immer viele neue wortgewaltige Texte, deren hintergründigen Sinn Martin Soer bewusst doppeldeutig formuliert hat. Er sagt: „So vielfältig unsere Themen sind - von der allseits beliebten Sex- und Erotik-Thematik in „Der Sturm“ oder „Willst Du“, über die kritische Auseinandersetzung mit der Verherrlichung vermeintlicher Gottheiten in „Sonnenreich“, bis zur Aufforderung in „Krähen Der Nacht“, sich immer wieder an neue Herausforderungen heranzuwagen, ohne dabei seine eigenen Roots zu vergessen -, im Vordergrund steht grundsätzlich ein ironisches Augenzwinkern, verbunden mit dem Wunsch an unsere Fans, sich von vermeintlich schweren Inhalten nicht den Kopf platzen zu lassen.“. Mitreißende Gitarren und treibende Bässe gemischt mit kalter Elektronik verwandeln „Quarz“ in ein neues Glanzstück der Neuen Deutschen Härte, das dazu mit lyrischer Tiefe und einschlägigem Gesang den Hörer mitzureißen versteht. „Stahlmann“ kommen mit ihrem siebten Studioalbum stärker als je zuvor aus dem Quarantänejahr zurück. Nach dem 2019 veröffentlichten Album „Kinder der Sehnsucht“ haben sie ihr Profil geschliffen und poliert und haben hier ein Glanzstück mit harten und treibenden Songs geschaffen. „Kinder der Sehnsucht“ erreichte Platz 37 der deutschen Albumcharts - ein Rang, der mit dem neuen Album sicherlich erneut erreicht, wenn nicht sogar übertroffen werden kann. „Quarz“ erscheint am 10.12.2021 via AFM Records als Download, CD im Digipak und stark auf fünfhundert Einheiten limitierte Fan-Box inklusive Sticker im A6-Format, Autogrammkarte, Echtheitszertifikat und Halskette mit Stahl-Kreuz.

Schlagzeug. Gitarren. Stopp. Und dann gleich noch einmal... Druckvoll und satt scheppern hier die voluminösen Drums, sägen die metallischen Riffs. Im Hintergrund köchelt angespannt die Elektronik, die sofort für ein düsteres Ambiente sorgt, bevor die hart rockende Dampfwalze namens „Wolllust“ dann in vollen Zügen loslegt. Die textlich nett verklausulierten Strophen profitieren deutlich von der schnell getriebenen Rhythmik, in der Bridge ergänzen dann minimalistisch-verquere Synthies das teils verstörende Sound-Bild weiter bis zum recht uninspiriert anmutenden Refrain, der sich lediglich aus der dunkel gehauchten Wiederholung des entsprechenden Titels speist. Es ist vorhersehbare, typische NDH-Standardkost. Klassisch, ohne jedwede Überraschungen, nennenswerte Höhen oder Tiefen. Na, immerhin. Dasselbe gilt danach quasi auch für die meisten anderen Songs der ersten Hälfte, von denen insgesamt vier Stücke aber ohnehin schon weit im Voraus durch die Veröffentlichung als digitale Single bekannt waren. So lebt also auch „Sünder“ von einem dominant vorpreschenden Takt, dreckig groovenden Gitarren, einer unterschwellig surrenden Industrial-Electro-Note im pathetisch vorgetragenen Chorus, der dieses Mal aber wenigstens über oben genanntes Muster hinausgeht, und einem betont lasziven Text über Liebe, Lust und Leid. Mal fast bis zur Unkenntlichkeit qualvoll-lässig geflüstert, mal etwas kräftiger und mit kernigem Organ. Der markante Gesang von Band-Kopf Martin „Mart“ Soer hat zwar nach wie vor definitiv einen recht hohen Wiedererkennungswert, krankte über die letzten Alben jedoch oftmals an guter Verständlichkeit, was sich auch auf „Quarz“ stellenweise nicht viel ändert. So weit, so bekannt. Erstmals wirklich melodischer wird es erst danach mit der gewollten Szene-Hymne „Krähen Der Nacht“: Hier fallen insbesondere die klangvollen Synthies im charmanten Retro-Style positiv auf, die für viel angenehme Catchyness und eine schöne Dynamik über den gesamten Song mit seinem kokettierenden Gothic-Image hinweg sorgen. So ähnlich dann auch bei „Gottmaschine“ geschehen, das allerdings wieder deutlich härtere Wege beschreitet und einen grundsoliden Banger abgibt, der wirklich schnell in die Beine geht und viel Laune macht. Was leider beide Nummer wieder gemein haben, sind die relativ schwachbrüstigen Texte, die möglichst bedeutungsschwanger immer mit den gleichen, lange bekannten und teilweise auch sinnfreien Motiven um sich werfen und dabei absolut nichts Neues bieten. Besser wird es dann mit dem zynischen, religionskritischen „Sonnenreich“ und dem wuchtig bretternden System-Querschläger „Gegen Den Strom“. Echte Innovation sucht man natürlich auch hier vergebens, dafür kicken die knackig rauen Melodien gut und erfüllen ihren Zweck. Insbesondere letztere Nummer besticht mit ihrer leicht experimentellen Note, schönen Umbrüchen und gelungenen Tempo-Wechseln. Mit „Herz & Tränen“ und „Der Sturm“ gibt es dann zwei nicht minder klassisch aufgebaute Power-Balladen zu hören, was aber nicht zwingend als negativ ausgelegtes Kriterium verstanden werden sollte, denn die grundlegende Dramaturgie der sehr getragen intonierten Stücke funktioniert aufgrund ihrer runden Arrangements wirklich gut. Überraschenderweise kommen bei Zweitem sogar wehklagende Streicher zum Einsatz, die sowohl für einen angenehm epochalen Unterton als auch für ergreifende Tragik sorgen und auch sehr gut in das Repertoire des Zweit-Projekts „Sündenklang“ gepasst hätten. Zum Schluss ruft aber wieder die NDH zur (manchmal leidigen) Pflicht: „Tobsucht“ packt anschließend wieder martialisch rohes Drumming und brettharte Riffs aus, um seinem Namen zügig alle Ehre zu machen und auch das von fies stechenden Synthie-Spitzen eingeleitete „Willst Du“ nimmt sich da keineswegs aus. Das alles noch gewürzt mit Lyrics über Wut und Sex und schon ist der neue Trip der stählernen Männer aus Göttingen auch wieder vorbei... Was bleibt also zu „Quarz“, dem mittlerweile siebten Longplayer von „Stahlmann“, zu sagen? Deutlich besser, als noch der völlig unpassend auf schmalspurigen Deutsch-Rock getrimmte Vorgänger, scheint die relativ wechselhafte Besetzung um Mastermind Martin Soer ihren Biss glücklicherweise wiedergefunden zu haben! Ja, auf „Quarz“ gibt es endlich wieder reichlich Härte in Text und Musik auf die Ohren, was insbesondere alteingesessene Fans freuen dürfte, denn die überdeutliche Intention hinter dem neuesten Output von „Stahlmann“ scheint ganz klar die bewusste Rückkehr zu den Wurzeln des Genres gewesen zu sein, was bereits die geplante, aber durch Corona leider zum Erliegen gekommene, „Old-School-NDH“-Tour oder auch die klassische Mineral-Betitelung andeuteten. Grundsätzlich ein erfreuliches Vorhaben, wenn man es nur richtig macht. Doch leider erliegen „Stahlmann“ in den zehn Tracks zu häufig den Fettnäpfchen und Kinderkrankheiten einer ohnehin stagnierenden Sub-Sparte durch das zwanghafte Festhalten an allzu gängigen Stereotypen, die hier scheinbar pflichtmäßig abgearbeitet und von Album zu Album thematisch durchexerziert werden. Zwar geht ein Großteil der Songs wieder in eine deutlich rauere und kompromisslosere Richtung, dafür setzt über weite Strecken Vorhersehbarkeit und Monotonie ein, was ziemlich schade ist, wohnten doch gerade den ersten drei Alben viele tanzbare Club-Hits mit einem extrem hohen Ohrwurm-Potential inne. Dieses gewisse Etwas ist es, das den neueren Veröffentlichungen fast in Gänze fehlt und über die letzten Jahre leider verloren gegangen zu sein scheint... Schade. Härte allein reicht eben nicht. Und so bleibt nur zu hoffen, dass „Stahlmann“ die guten Ansätze für die Zukunft mitnehmen, um eines Tages wieder zu alter Stärke zurückfinden zu können.


Informationen:


http://www.stahlmann-band.de


https://www.facebook.com/Stahlmann-138756019513864/