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BEITRÄGE:

  • Christoph Lorenz

Marilyn Manson - Heaven Upside Down (2017)


Genre: Metal / Alternative Release: 06.10.2017

Format: CD

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Caroline (Universal Music)

Spielzeit: 48 Minuten Pressetext:

Wie Manson bereits früher angedeutet hatte, wird HEAVEN UPSIDE DOWN nicht an THE PALE EMPEROR (2015) anschließen, sondern überraschenderweise eine musikalische Reise zurück zu Zeiten von ANTICHRIST SUPERSTAR (1996) und MECHANICAL ANIMALS (1998) darstellen – so zumindest der Eindruck diverser Personen, denen Manson das Album schon vorgespielt hat.

“Es war nicht meine Absicht, dass das neue Album so klingen wird”, so Manson. “Das eigene Schaffen ist ein steter Kreislauf, und die Kreationen eines Künstlers stellen immer ihn selbst dar. Ich bin bezüglich dieser Veröffentlichung übermäßig aufgeregt, da es mein bisher thematisch umfangreichstes und kompliziertestes Album ist.”

Kritik:

"Now you're tied up, you love it

No lies now, I love it

I'm not being mean, I'm just being me

You only say that you want me

When I'm upside down, upside down"

Elternschreck. Schock-Rocker. Legende. Antichrist Superstar. Brian Hugh Warner alias „Marilyn Manson“ sind, als Essenz des steten Medienrummels, nicht zuletzt aber auch durch seine perfekt geplante Selbstinszenierung, in all den Jahren mannigfaltige Bezeichnungen und Namen zuteil geworden. Der am 05.01.1969 geborene Musiker, ist das Kind eines ehemaligen Vietnamkrieg-Piloten und einer Krankenschwester, wuchs während seiner behüteten Jugend in Ohio auf. Genau fünfundzwanzig Jahre später legte er 1994 mit seinem Debüt „Portrait Of An American Family“ den verheißungsvollen Grundstein für seine weitere Karriere, mit welchem er die scheinheilige Fassade jeder spießigen Kleinbürgerschaft persiflierte. Weitere Folgealben wie das giftige „Mechanical Animals“ sollten den frisch erlangten Status des US-Amerikaners fortan mit Leichtigkeit sichern, doch ließen erste Skandale fernab des konzeptionellen Horror-Theaters nicht mehr lange auf sich warten. Beim grausamen Massaker an der Columbine-Highschool ermordeten 1999 Eric Harris und Dylan Klebold zwölf Schüler bei einem Amoklauf. Die folgenden Ermittlungen der Polizei ergaben, dass die beiden Täter leidenschaftliche Fans des Musikers gewesen seien. Die Situation drohte daraufhin zu eskalieren, Warner wurde zu einem Gejagten, einem gefürchteten Feinbild des ganzen Landes erklärt. In einem Interview antwortete Manson auf die Frage, was er den Mördern sagen würde, dass er ihnen vor allem erst einmal zuhören würde. Die Wogen schienen vorerst geglättet, doch ließ sich der Schock-Rocker künstlerisch niemals einschränken, hörte nie damit auf, weiter zu polarisieren. Er begann damit, sein Image auszubauen, zeichnete Gemälde auf Leinwand, wurde zum Ehrenmitglied der „Church Of Satan“ ernannt und war nicht zuletzt auch immer wieder durch seine Affären und Beziehungen ein Thema für die Presse. Im Jahr 2003 erreichte Manson mit „The Golden Age Of Grotesque“ musikalisch und showtechnisch vorerst seinen finalen Höhepunkt, bevor dann lange Zeit überraschende Funkstille herrschte. Warner ließ sich von Erotik-Ikone und Ehefrau Dita von Teese scheiden, durchlebte im Folgenden eine starke, persönliche Krise, bevor er 2007 durch „Eat Me, Drink Me“ sein Comeback feierte. Das Album wurde von Fans und Kritikern durchwachsen aufgenommen, der durchschlagende Erfolg von einst blieb aus. Aus der schillernden Kunstfigur war ein sichtlich gebrochener Mann geworden, der seinen eigenen Emotionen zum Opfer gefallen war, die er rund zwei Jahre später auf „The High End Of Low“ verarbeitete, welches die Anhängerschaft weiterhin spaltete. Zudem stand nun auch seine zuvor so hochgelobte Performance im Fadenkreuz der Kritik: Zahllose Besucher bemängelten bei den mitunter viel zu kurzen Konzerten einen lustlosen, gesundheitlich schwer angeschlagenen Sänger, der nicht selten unter Drogen zu stehen schien. Das tragische Ende? Mitnichten! Mit hörbar neuem Esprit spielte sich Manson 2012 durch „Born Villain“ zurück in die Herzen seiner Gemeinde, schien die einzigartige Kreativität und Düsternis endlich in sich wiedergefunden zu haben. Auch „The Pale Emperor“ war von nicht minder hoher Qualität ausgezeichnet, brachte gar neue Einflüsse wie schwerfälligen Blues in den melancholischen Sound mit ein. Ein wahrer Triumph! Nach einem aufsehenerregenden Teaser-Trailer, drei vorab live präsentierten Tracks, einer Abänderung des kreativen Titels und einer Verschiebung des ursprünglichen Veröffentlichungstermins von insgesamt sechs Monaten, erscheint nun am 06.10.2017 endlich das langersehnte, neue Studioalbum „Heaven Upside Down“. Ob der berühmt-berüchtigte Antichrist damit zurück zu seinen Wurzeln finden und an vorherige Erfolge anknüpfen kann, ist im Folgenden zu lesen.

„Als der Drache erkannte, dass er auf die Erde gestürzt war, verfolgte er die Frau, die den Sohn geboren hatte. Aber der Frau wurden die beiden Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste an ihren Ort fliegen konnte. Dort wird sie eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit lang ernährt, fern vom Angesicht der Schlange. Die Schlange spie einen Strom von Wasser aus ihrem Rachen hinter der Frau her, damit sie von den Fluten fortgerissen werde. Aber die Erde kam der Frau zu Hilfe; sie öffnete ihren Mund und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Rachen gespien hatte. Da geriet der Drache in Zorn über die Frau und er ging fort, um Krieg zu führen mit ihren übrigen Nachkommen, die die Gebote Gottes bewahren und an dem Zeugnis für Jesus festhalten. Und der Drache trat an den Strand des Meeres...“, so heißt es im letzten Abschnitt von „Der Kampf des Satans gegen das Volk Gottes“, entnommen aus der zwölften Offenbarung des Johannes, mit welcher die Bibel bekanntlich endet. Genau an dieser Stelle knüpft „Revelation #12“ an und schlägt ein neues, bisher noch ungeschriebenes Kapitel auf. Ein verschwommenes Rauschen sendet seine wirren Signale aus. Erst nur ganz leise und wie endlos weit entfernt, doch nur wenig später immer lauter und fordernder. Die bruchstückhaften Fetzen schwer verständlicher Funksprüche mischen sich darunter, bevor ein dröhnender Fliegeralarm ertönt und eine dystopische Atmosphäre erzeugt. Während die ohrenbetäubenden Sirenen noch einige Sekunden hintergründig nachhallen, setzt unversehens ein sägendes Gitarrenriff ein und schwillt immer weiter bedrohlich an. Im direkten Anschluss daran wird der instrumentale Reigen von einer, bis zur Unkenntlichkeit elektronisch verzerrten, Stimme durchbrochen. Es ist Marilyn Manson, welcher die ersten Textzeilen nun einem Mantra gleich wiederholt, bevor ein wahres Gewitter aus metallischen Saiten und donnerndem Schlagzeug losbricht, den apokalyptischen Auftakt brutal zu entfesseln. Rhythmisch groovende Akkorde und die knackigen, im mittleren Tempo angesiedelten Takte der Drums, bilden fortan die Grundlage für den zweiten Song „Tattooed In Reverse“. Die musikalische Ausrichtung ist hier merklich reduziert worden, fast schon zurückhaltend arrangiert, was das allgemeine Tempo bewusst ausbremst. Der verstärkte Fokus liegt hier zunächst deutlich auf dem markanten Gesang des ikonischen Frontmanns, der sich dafür aber umso kräftiger und pointierter über die einzelnen Strophen legt. Hauptsächlich clean, doch immerzu von wütenden Screams durchsetzt. Der Aufbau wird in seinem späteren Verlauf noch durch die verqueren Keyboard-Passagen von Mitmusiker und Studiopartner Tyler Bates erweitert, die streckenweise gar den pumpenden Industrial-Rock-Charme vergangener Tage wiederbringen zu vermögen. Abgelöst wird dieser Track vom vorab veröffentlichten „We Know Where You Fucking Live“, dessen unterschwellig brodelnde Aggressivität anfangs noch eher zurückhaltend daherkommt und dadurch lediglich zu erahnen ist. Raue Gitarren untermauern die bissigen Lyrcis, ehe sie sich zusammen mit druckvollem Schlagzeug und flirrenden Synths in einem angriffslustigen Refrain entladen, der in einem hitzigen Wechselspiel aus tiefen Growls und zornigen Schreien mündet. Ein gewohnt harter und unbarmherziger aufgeladener Schlag, der pfeilschnell und überraschend kurzweilig in die Richtung aller Kritiker und Hater abzielt. Mit dem berüchtigten Schock-Rocker legt man sich also auch anno 2017 lieber nicht an! „Say10“ fungiert folglich als ehemaliger, dadurch aber nicht weniger illustrer Titeltrack von allerhöchster Qualität und Güte. Nervös pochende Elektronik bildet, von verstörend-bizarren Versatzstücken ergänzt, die obskure Basis für die erfreulich unheilvoll intonierten Strophen. Die gesamte Ausgestaltung fällt sowohl in musikalischer als auch inhaltlicher Hinsicht hörbar düster und bedrohlich aus. Manson verdreht bekannte Glaubensfragen, prangert Kirche und Religion mit einer schon lange nicht mehr gehörten, blasphemischen Ader an, speit authentisch Gift und Galle und macht sich damit, ganz wie in seinen besten Zeiten, zu einer gewollten Zielscheibe tausender Gegner. Thematisch ist es das nie enden wollende Duell zwischen Gott und Satan, in dessen Chorus das gelungene Wortspiel des Titels zum Tragen kommt. Darüber hinaus gibt es passend dazu übrigens noch ein durchaus sehenswertes Musikvideo mit Hollywood-Kollege und Freund Johnny Depp auf den gängigen Portalen zu sehen. Sehr schön!

„Kill4Me“ war in der Promo-Phase vor Veröffentlichung zunächst noch als eigentliche Single geplant, doch die Plattenfirma entschied sich wegen der nicht massentauglichen Lyrics im letzten Moment dagegen. Eine Fehlentscheidung? Der ursprüngliche Gedankengang war jedenfalls berechtigt, zumal der Song über die gesamte Dauer hinweg sehr melodisch und ungewöhnlich catchy daherkommt. Fast schon zu sehr. Im krassen Kontrast dazu steht jedenfalls tatsächlich die inhaltliche Seite mit ihrem anrüchigen Text, der eine gewollt verruchte Note versprüht. Bass und Gitarre bewegen sich recht gemächlich im gediegenen Viervierteltakt, der von echtem Big Band-Charme durch die Blechbläser-Fraktion im eingängigen Chorus ergänzt wird. Ein fürwahr ausgefallenes Stück Pop-Musik, welches die Hörerschaft mit Sicherheit in zwei Lager spalten dürfte. Deutlich typischer schreiten Manson und Band dann wieder bei „Saturnalia“ zu Werke, welches gleichzeitig wohl auch der Komplexeste aller elf Songs auf dem gesamten Album ist. Ein synthetischer Klangteppich bildet zunächst das Grundgerüst, während die, gänzlich auf den ruhigen Gesang abgestimmten, Strophen von Bass und mehrstimmigen Chören begleitet werden. Die instrumentalen Zwischenparts bergen zudem eine wohlige Mystik und tragen der durchweg dichten Atmosphäre weiter bei. Mit ihren rund acht Minuten wird diese Komposition, die Manson in Gedenken an seinen verstorbenen Vater schrieb, somit zu einem ausladenden Epos aus leidvoller Melancholie und Trauer, die in gewissen Momenten mitunter etwa an „Posthuman“ erinnert und zugleich auch gewissermaßen den Wendepunkt des Albums markiert. Das zynische „Je$u$ Cri$i$“ verteilt abermals ei