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Onenine - Interview (2020)


Roggenfaenger: Hallo Axel und vorab erst mal vielen Dank dafür, dass du dir die Zeit für dieses Interview hier genommen hast! Fangen wir mit der ersten Frage doch am besten ganz von vorne an: Kannst du dich selbst und dein Projekt den Lesern bitte einmal kurz etwas näher vorstellen?

Axel Kleintjes: Okay… Ich lasse mal Anschrift, Geburtstag und Steuernummer weg, oder? (lacht). Ich mache und veröffentliche Musik seit den sehr frühen Neunzigern. In diversen Bands und / oder diversen Projekten… „Page 12“, „Megadump“, „Held Der Arbeit“, „Mindware“, „Cycloon“, „Cyber Axis“ und so weiter. Ich arbeite gerne hier und da mit anderen Musikern zusammen, schreibe Texte für andere Bands oder Projekte. Aber all das ist für „Onenine“ nicht wirklich wichtig. Dieses Projekt ist mein eigener persönlicher Spielplatz - ein Ego-Trip. Hier kann ich kompromisslos umsetzen was, wann und wie ich will. Das ist auch der Grund warum ich gegen die Veröffentlichung auf einem Label entschieden habe. Keine Lust auf irgendwelche Vorgaben, Absprachen, Zu- oder Absagen. „Onenine“ ist an der Stelle meine persönliche Freiheit.

Roggenfaenger: Vor etwa einem Jahr, im April 2019 um ganz genau zu sein, hast du praktisch aus dem Nichts heraus sowohl die offizielle Homepage als auch die Facebook- und Bandcamp-Seite zu „Onenine“ im Netz eröffnet und deine neue Musik somit erstmals einem breiten Publikum vorgestellt. Wie kam es denn eigentlich ursprünglich zu der Gründung von „Onenine“?

Axel Kleintjes: Eigentlich ist „Onenine“ schon „alt“. Zwischen ca. 2006 und 2014 hatten sich bei mir um die dreihundert Song-Ideen, Fragmente und so weiter angesammelt. Im Grunde habe ich nach einer Idee einen Song kaum weiter verfolgt. Die Idee war raus, es gab was für mich zu hören - meist nur zwanzig bis fünfzig Sekunden und dann war´s auch gut damit - speichern, ablegen, fertig. Im Laufe der Zeit sind immer mal wieder Bruchteile zu anderen Musikern gegangen und es gab auch in den Jahren einige Ansätze mehr mit den Ideen zu machen. Allerdings waren meine Aufmerksamkeitsspanne, Motivation und Zeitfenster einfach zu klein, damit tatsächlich was Brauchbares oder Komplettes dabei herum gekommen wäre. Was bedeutet, dass „Onenine“ im Grunde über zehn Jahre lang eine Art „Reste-Und-Lager-Existenz“ hatte, mehr nicht. Die eigentliche Zündung mal etwas daraus zu machen kam durch meine Frau, die einige dieser längeren Bruchteile irgendwie gut fand und diese in Ihrem Autoradio gelandet sind - was mich verblüfft hat, weil sonst sowas mit meinen Songs oder Experimenten eigentlich nicht passiert. Also habe ich einige diese „alten“ Ideen sozusagen ausformuliert. Das Ergebnis war dann „Hirato“…

Roggenfaenger: Eine Sache, die bei näherer Betrachtung sofort auffällt, ist der doch recht ungewöhnliche Name für dein neues Projekt und auch die jeweiligen Titel der beiden bisher veröffentlichten Alben oder nahezu aller Songs, muten auf den ersten Blick relativ kryptisch an. Klar, das alles beflügelt natürlich das Kopfkino beim Hören und gibt sehr viel Spielraum zur weiteren Interpretation, aber was genau hat es damit auf sich?

Axel Kleintjes: „Onenine“? Das ist banal. Ich habe irgendwann mal diese verteilten Songs bzw. Ideen, sprich Dateien, von diversen Festplatten in einem Ordner zusammen geführt, besser zusammenführen müssen, um dem totalen Chaos vorzugreifen. Und dieser Ordner brauchte einen Namen und da es ein für mich sehr wichtiges Datum gibt, den 19. November 1999 und es in diesem Datum nur Einsen und Neunen gibt, hieß dieser Ordner „Onenine“. Die Titel der Veröffentlichungen finde ich die gar nicht so kryptisch, das heißt, wenn man eine Art persönlichen Schüssel zu meinen Interessen oder Perspektiven hat, dann geht das mit dem Herausfinden flott. Okay, anders herum betrachtet: Hat man diesen Schüssel nicht, jaha, stimmt… Du hast recht. Darüber habe ich mir in der Wirkung auf Dritte noch nicht wirklich Gedanken gemacht (schmunzelt). Ich gebe mal ein Beispiel am Titel des ersten Albums. „Hirato“ ist eine von mir verkürzte Form von „Mitsuhirato“. „Mitsuhirato“ ist ein Japaner, der „Tim & Struppi“ während seines China-Aufenthalts in „Der Blaue Lotos“ im Auftrag des japanischen Geheimdienstes das Leben schwer. „Mitsuhirato“ gilt als eine der radikalsten Figuren der Serie, da er am Ende des Bandes Harakiri begeht. „Der Blaue Lotos“ von Hergé ist eins meiner absoluten Lieblings-Comic-Bücher und die Figur ist in allem etwas Besonderes. Im Prinzip ist die Wahl dieser Namensvariation eine Art von Hommage an den Künstler Hergé. Du siehst, wenn man mich (wirklich) kennt, ist das gar nicht so kryptisch. Bei manchen Song-Titeln kommen ab und an ähnliche Mechanismen bei der Namensfindung zum Tragen. Anders herum kann es allerdings genauso einfach bei der Wahl eines Titels sein: Ist eine Idee um etwas Konkretes wie bei Jupiter gebaut, Samples sind in einem solchen Fall die Komplementären, dann heißt der Song halt „Jupiter“. Außerdem ist gegen Kopfkino beim Hören ja grundsätzlich gar nichts einzuwenden. Wenn dem so ist: Umso besser…

Roggenfaenger: Das grafische Konzept mit der beeindruckenden Macro-Fotografie von John-Oliver Dum ist auch im Artwork von „3 3 3“ wieder sehr präsent und geht mit deinen dichten Klangwelten nahezu Hand in Hand. Wie wichtig ist also auch der visuelle Aspekt von „Onenine“ und warum hast du dich dabei gerade für die Nahaufnahmen von Insekten entschieden?

Axel Kleintjes: Die graphische Umsetzung spielt für mich eine enorm große Rolle, ist ja auch mein eigentlicher Beruf. Ich hatte im Vorfeld zu „Hirato“ eine ganze Reihe von graphischen Tests entworfen, war aber nie wirklich zu 100% glücklich mit den Ergebnissen. Das war wahrscheinlich zu viel Input von nur einer Person - also ich - in die Sache. Es war immer wieder der Versuch eine Art von detaillierter Abstraktion von etwas zu gestalten. Die Arbeiten von John-Oliver Dum waren und sind im Grunde die Art von „Anders-Perspektive“, die ich, sagen wir mal, gesucht habe, aber so selbst nicht erzeugen konnte. Vor etwa zwei oder drei Jahren bin ich mehr oder weniger durch Zufall auf die Arbeiten von John-Oliver gestolpert und war völlig fasziniert. Zu Beginn war das eher ein Interesse an seiner Arbeit an sich und weniger die Möglichkeit des Nutzens seiner Bilder. Das Ganze änderte sich mit dem Motiv, was später das Cover des ersten Albums wurde. Das war der Anlass persönlich mit ihm zu sprechen. Und dieses Erstgespräch war ziemlich lang, denn wir entdecken neben Sympathie auch eine ganze Reihe von ähnlichen Ansätzen, was Visuelles und Akustisches angeht. Das Ende vom Lied war dann später diese Art von „Kooperation“ und die Idee („ausschließlich passende“) Motive seiner Arbeit mit meiner Arbeit zusammen zu führen. Und ich bin bis dato sehr glücklich über diese Entscheidung und dankbar für die Unterstützung.

Roggenfaenger: Mit „Onenine“ genießt du die große Freiheit, musikalisch exakt das machen zu können, was du möchtest und musst dich dazu nicht zusätzlich noch mit anderen Mitgliedern abstimmen. Wie unterscheidet sich deine grundlegende Studioarbeit bei „Onenine“ im direkten Vergleich zu den vorherigen Prozessen bei ehemaligen Tätigkeitsfeldern, wie „Cyber Axis“, „Cycloon“ oder „Page 12“? Kannst du dir dahingehend vielleicht sogar eine Reunion für die Zukunft vorstellen?

Axel Kleintjes: Reunion? Nein, nicht wirklich. Ich denke, ich bin mit „Page 12“, „Cycloon“, „Cyber Axis“ und so weiter durch. Erstaunlicherweise bekomme ich in unregelmäßigen Abständen immer wieder Anfragen, speziell zu „Page 12“. Ich möchte das aber nicht mehr wirklich machen. Das ist ein angeschlossener Teil meiner Vergangenheit. Ich glaube, die einzig mögliche Alternative wäre im Rahmen einer „Onenine“-Show einen „Page 12“- oder „Cycloon“-Song zu spielen. Allerdings gibt es derzeit noch nicht mal einen Plan oder eine Idee ob und wie ich „Onenine“ live präsentieren würde, könnte oder überhaupt möchte. Somit bleibt´s theoretisch. Das mit der Studioarbeit ist im Grunde ganz einfach, bei „Onenine“ bin ich alleine, es gibt niemanden, den ich fragen könnte oder mit dem ich etwas abstimmen oder dem ich zuhören sollte oder der mir zuhören muss. Bei „Held Der Arbeit“ beispielsweise schaut das komplett anders aus. Hier gibt es einen, selbst wenn wir nicht explizit im Studio sind, konstanten Austausch. Besonders zwischen mir und dem Müller (Anm. d. Red.: Oliver Müller). Wir besprechen inhaltliche Ideen, Texte, Einflüsse und Inspirationen, Strukturen und Stimmungen von Songs. Dinge wie, welche Arrangements von speziellen Liedern zu Textinhalten betreffen. Eigentlich das genaue Gegenteil von „Onenine“. Bei anderen Projekten war das ähnlich, allerdings ist die Beziehung zwischen mir und dem Müller eine Besondere, weil wir neben der Musik auch privat eine langjährige Freundschaft haben. „Onenine“ ist so gesehen auch ein Ausgleich, das Erzeugen einer Balance.

Roggenfaenger: Wie gerade schon angesprochen, wandelst du mit „Onenine“ ja quasi auf vollkommen selbstbestimmten Solo-Pfaden und trotzdem bist du mit deinem Projekt nicht gänzlich auf dich allein gestellt, sondern hast einige teils namhafte Unterstützer im Hintergrund: Beispielsweise beim weiter oben erwähnten Artwork oder auch Mastering durch Krischan Wesenberg von „Rotersand“. Weiterhin wurde beispielsweise der Song „Warm Leatherette“ von Daniel Miller geschrieben und Oliver Spring („tEaR!dOwN“) vertont. Wie kam es denn eigentlich zu all diesen Bekanntschaften und Kooperationen?

Axel Kleintjes: Man kennt sich halt. Wie ich schon sagte, ich bin schon lange als Musiker unterwegs und mit den Jahren entstehen Bekanntschaften. Und mit speziellen Sympathien oder Ähnlichkeiten auch Freundschaften. Wobei das zum Beispiel bei den Herren von "Rotersand" über Bekanntschaft über Musik oder Grafik hinausgeht. Speziell mit Krischan und Gun verbindet mich mehr Privates als Musikalisches. Es ist ja eigentlich ganz simpel, denn Leute mit ähnlichen Tätigkeits- oder Interessenfeldern sprechen miteinander oder treffen sich, so entstehen Kontakte oder im weiteren Feld Beziehungen. Manchmal sind diese privat, manchmal kreativ oder künstlerisch oder sonst wie fruchtbar. Einen kleinen Luxus, den man mit der Zeit genießen kann, ist dann eine Art Pool von Menschen, die eigene Ideen oder Projekte oder Ähnliches bereichern können.

Roggenfaenger: Noch einmal in Bezug auf das eben genannte Feature: Vor kurzer Zeit hast du auf deiner Facebook-Seite augenzwinkernd gepostet, über einen Sä