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The Beauty Of Gemina - Eric Fish & Friends - Eisbrecher (2020)


The Beauty Of Gemina - Skeleton Dreams (2020)

Genre: Wave / Alternative

Release: 04.09.2020

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: tBoG Music (Alive)

Spielzeit: ca. 61 Minuten

Fazit:

Zwölf neue Songs, ein eigener Remix und einer von Sele's seltenen Coversongs stehen ganz im Zeichen der über die Jahre entstandenen unverkennbaren und faszinierenden Mixtur aus melancholischem Wave, warmem, hypnotischem Blues und erdigem Indie Folk. Songs voller Lebensenergie und Intensität, mal kraftvoll, mal sphärisch, mal beinahe jungfräulich, aufs absolute Minimum reduziert, dabei aber immer druckvoll und immer von poetischer Tiefe. Die Songs werden getragen von Michael Seles’ angenehm dunkel timbrierter Stimme und seinem in jeder Note spürbaren Charisma. Selten war die Stimme so facettenreich und präsent, die Melodien öffnender, einnehmender und dennoch eigenwillig, voller Gegensätze, die Songstrukturen und Arrangements vertrauter, eingängiger ohne dabei ihre Unberechenbarkeit und Eigenständigkeit einzubüßen. „Skeleton Dreams“ kommt am 04.09.2020 als Download und CD über Artist MS (Alive) auf den Markt.

Seit mittlerweile fast fünfzehn Jahren sind die Schweizer von „The Beauty Of Gemina“ wahre Meister ihres Fachs, wenn es um intelligent durchdachten, hochklassig emotionalen und melancholischen Dark Rock mit traditionellen, behutsam darin verflochtenen Einflüssen des Blues, Folk und Wave geht. Nein, die Musik der Band um Sänger Michael Sele ist so manches Mal wahrlich keine einfach zu konsumierende, schnelllebige Kost für das vergnügungssüchtige, schwarze Party-Volk und wollte das auch ganz sicher niemals sein. Viel mehr ist die Musik seit jeher ein dunkler Ruhepol zum Innehalten, Nachdenken, Schwelgen und Träumen. Stets maßgeblich von der einzigartigen, sonoren Stimme Seles sanft getragen und flächendeckend ausgefüllt. Nach diesem altbewährten Prinzip funktioniert auch das nunmehr neunte Studioalbum, welches nach längerer, schwerer Krankheit des charismatischen Frontmanns pünktlich zum Herbstbeginn erscheint und sich dabei so vielschichtig wie eh und je präsentiert. Sele hat nach Tour-Absage und Genesung fraglos alle Kraft und Kreativität geschöpft und die Nachwehen dieser schwierigen Zeit für frischen Tatendrang genutzt, um das Vergangene aufzubereiten und innerhalb von zwei Jahren in neue Musik zu kanalisieren. Das hier vorliegende Ergebnis beginnt mit dem thematisch aufgeschlossenen Rahmen „A Night Like This“, dessen dezent angelegter Dark-Rock-Vibe auch sogleich durch die nebulös groovende, rastlose Gitarre als klares Kernelement hindurch schimmert und sich später mit dem konträren Gegenstück „Hold On To This Night“, welches ein wunderbar reines Klavier mit der verletzlich zarten Stimme von Sele paart, schließen soll. Die fließende, warme Akustik von „Naked“ profitiert danach umso mehr von der Hammondorgel und leichten Streicher-Einlagerungen, neben dem recht knackigen Rhythmus des Schlagzeugs entlockt die Improvisation der akustischen Gitarre immerzu überraschende Zwischentöne. Der Americana-Charme eines „Maybe God Knows“ lässt die Saiten abermals äußerst schwungvoll und verwegen dominieren, bei „Friends Of Mine“ legt sich die unnachahmliche Stimme von Sele hingegen abermals vollständig auf das bedachte Arrangement und trägt nahezu den gesamten Song über den Tod geliebter Menschen. „Resurgence“ lässt noch am ehesten Vergleiche mit den älteren Werken der Schweizer zu, führt dieser Song nach langer Zeit doch wieder minimalistisch Elektronik ins Feld und kombiniert diese mit herausragender Arbeit an Schlagzeug und der Gitarre. „Where Has It All Gone“, welches als reguläre Version und als Remix vorliegt, lebt vom beständig keimenden Aufbau, der so allmählich an zwingender Intensität gewinnt, ohne jemals allzu plakativ zu sein oder komplett auszubrechen, wohingegen die Alternative im sogenannten „Desert-Mix“ mit analogen Synthesizern und kleinen Sound-Experimenten ein völlig neues Stück aus der originalen Vorlage zaubert. Das schmerzvoll tragische „Rainbow Man“ ist in seiner halb-akustisch dargebotenen Weise wieder um ein Vielfaches zurückhaltender und weiß den Hörer mit seinem verzweifelt intonierten Text tief zu berühren, einen musikalischen Aufschwung gibt es mit „Dark Suzanne“, das ebenso gut der Feder der großen Vorbilder entsprungen sein könnte: „Nine While Nine“ ist dies sogar tatsächlich, nämlich ein Cover der legendären „The Sisters Of Mercy“. Wunderbar, wie übermäßig stark und edel stilisiert sich dem bekannten Klassiker hier angenommen wird, ohne das Original zu sehr zu verfremden oder den beschämend gescheiterten Versuch zu wagen, sich selbst auf diesem Fundament zu sehr verwirklichen zu wollen. Es ist die wahre, bescheidene Königsklasse eines Tributs an die eigene Inspiration - Sehr gelungen! „I Come Story Grief“ und „Apologise“ setzen weiterhin auf ein verdichtetes Arrangement der fiebrig getriebenen Gitarren. Kommt Ersteres noch eher ruhig und gediegen entschleunigt daher, greifen beim Zweiten wieder Cello und atmosphärische Keyboard-Flächen deutlich vor, die leicht an den Stil von „The Cure“ gemahnen, bis „The World Is Going On“ behutsam auf das nahende Ende dieses Kapitels vorbereitet... Michael Sele tat kund, dass er das neue Studioalbum nach seiner Operation mit einem alten und einem neuen Herzen geschrieben habe, was man dem aktuellen Output auch tatsächlich in jeder Sekunde anhört: „The Beauty Of Gemina“ verfolgen den Weg, den sie sich einst mit „The Myrrh Sessions“ in 2013 und insbesondere dem nachfolgenden „Minor Sun“ verheißungsvoll selbst ebneten, konsequent weiter. Mehr noch, die daraus resultierende Quintessenz in Form des 2018 veröffentlichten „Flying With The Owl“ wird auf „Skeleton Dreams“ nochmals akzentuiert verfeinert und bis zur bloßen Perfektion des bisherigen Status Quo destilliert. Mit purer Eleganz der fest in ihrer musikalischen DNA verankerten Melancholie, überwinden die Schweizer hierauf die Grenzen der Genres und erschaffen so ihre ganz eigene Sparte. Dabei thront Seles Timbre über allem und führt den Hörer wie ein einschmeichelnder, hypnotischer, roter Faden durch die zwölf neuen Songs und bezaubernde Klangwelten voller Melancholie, Frische, Ideenreichtum und kleiner Experimente. Der daraus entstandene Stil zwischen distanzierter Kälte und umschließender Wärme, klagendem Schmerz und erbauender Hoffnung, experimenteller Abstraktion und faszinierender Eingängigkeit weiß übergreifend zu vereinnahmen, wenn man sich nur die Muse und Zeit nimmt, genau hinzuhören und sich in der Musik fallen zu lassen. Die akustisch reduzierte Ader der letzten Werke zeigt auf, dass auch oder gerade mit verhältnismäßig wenigen und von jeglichem Bombast befreiten Mitteln unfassbar viel Wirkung erreicht werden kann, der sich so schnell ganz bestimmt niemand mehr entzieht.

Informationen:

http://www.thebeautyofgemina.com

https://www.facebook.com/TheBeautyOfGemina/

Eric Fish & Friends - Gezeiten (2020)

Genre: Folk / Alternative

Release: 21.09.2020

Anzahl Ton- / Bildträger: 1

Label: Esox Music (Alive)

Spielzeit: ca. 58 Minuten

Fazit:

Dieses Album ist ein Musik gewordener Ausdruck dessen, was Menschen in diesen denkwürdigen Zeiten empfinden. Diese Zeit macht uns reif für neues Nachdenken, neue Ansätze oder ganz einfach auch für den Versuch, sich auf Ursprüngliches zu besinnen. Die Texte von Eric Fish geben ein Fundament, machen Mut, geben Hoffnung und rütteln auf. Musikalisch bleiben „Eric Fish & Friends“ spartanisch. Fantasievolle Arrangements, mehrstimmiger Gesang, filigran gespielte Saiteninstrumente, mitreißende Grooves und der eindrückliche Gesangsvortrag Eric Fishs machen dieses Album zu einem nachhaltigen Hörerlebnis. Der mittlerweile siebte Vollzeit-Langspieler des Singer-Songwriter-Projekts namens „Gezeiten“ erscheint am 21.09.2020 digital und als CD via Esox Music (Alive).

Ein extrem druckvolles Schlagzeug, ein tiefer Bass und bretthart rockende E-Gitarren im feurigen Zusammenspiel mit Drehleier und eleganter Violine, die perfekte Fusion aus energiegeladenem Metal und mystischem Folk: So und nicht anders kennen und lieben die Fans die sieben Potsdamer von „Subway To Sally“! Dass die kreativen Köpfe hinter der seit dreißig Jahren aktiven Szene-Institution aber auch so manches Mal ganz andere Töne anschlagen können, haben manche ihrer Mitglieder in der Vergangenheit etwa mit dem Solo-Projekt „Bodenski“ oder zuletzt als „Bannkreis“ bewiesen. Jemand, der das parallel zur hier genannten Hauptband schon ganz besonders lange praktiziert, ist Erik-Uwe Hecht alias Eric Fish, seines Zeichens Frontmann und Sänger. Seit dem Jahr 1999 widmet sich der in Treuenbrietzen geborene Musiker mit drei weiteren Mitstreitern als „Eric Fish & Friends“ der traditionellen Liedermacherei. Natürlich belassene Musik, ganz bewusst auf ihren wesentlichen Kern aus einfachen Melodien und einem verstärkten Fokus auf den Text reduziert. Mal frei und voller Leichtigkeit, mal nachdenklich, melancholisch oder auch gerne kritisch. So beispielsweise im eröffnenden Stück, welches trotz aller irdischen Schrecken und Grausamkeiten zu Klängen von Mundharmonika und Klavier die beruhigende Gewissheit lässt, dass da doch noch irgendwo „Hoffnung“ für diese Welt ist und diese ja bekanntlich zuletzt stirbt. Die Betrachtung unserer Umgebung und Natur mit nahezu kindlicher Faszination und ebenso viel Hingabe spielte bei Fish und seinen langjährigen Freunden bereits in der Vergangenheit immer wieder eine übergeordnete Rolle, „Gaia“ und „Elemente“ machen da keine Ausnahme. Wenngleich Ersteres auch ungewohnt direkt, deutlich und fast schon (zurecht) moralisch predigend daherkommt, wohingegen man ansonsten eher den zurückhaltenderen Ansatz verfolgt, die jeweiligen Themen gekonnt in kleine Geschichten zu verpacken. Oft geht es hier um die eigentliche Bewusstwerdung des Menschen, dass auch er nur ein winziger Teil des großen Ganzen ist oder darum, im oftmals so reizüberfluteten und hektischen Alltag gerade die „Sonnenwonnen“ scheinbar selbstverständlich gewordener, kleiner Momente zu erhaschen und sich fortan von ihrer einzigartigen Magie beflügeln zu lassen. Ein Appell an die Vernunft und oftmals auch an das innere Kind. „Unterm halben Mond“, welches dazu anleitet, seine Sehnsüchte und Träume wieder zuzulassen, schwebt vor gar wundervoll beschwingter Glückseligkeit und heimeliger Lagerfeuer-Atmosphäre, während es in „Lass Mich Los“ dann merklich bedrückter und schwerfälliger wird. Der besungene Trennungsschmerz weiß durch den dualen Gesang und die nochmals umso mehr reduzierte Instrumentierung zu gefallen, die hier ganz besonders gut zur Geltung kommt. Von rhythmischer Percussion und einem thematisch ungemein passenden, signifikanten Akkordeon wird anschließend „Im Norden“ getragen. Eine echte Hymne und zugleich Liebeserklärung an die pure Rein- und Schönheit der eisigen Regionen! Das anmutige „Aurora“ schürt danach einmal mehr das tief in jedem Hörer verankerte Fernweh und die Abenteuerlust, der folkige Anstrich kommt derweil im schönen Zwischenspiel nach dem Refrain durch. „Gestrandet“ lässt uns dann jedoch wieder ganz in der hier besungenen Wirklichkeit ankommen, wenn der menschliche Egoismus rücksichtslos untermauert: „Genug wird uns nie genügen!“. Die extrem groovende, wunderbar harmonische Melodie von „Mutter“ lässt sogleich im beherzten Takt nicken, der in den Strophen geteilte Gesang zwischen Fish und Michalek kommt wirklich gut zur Geltung und verleiht dem Song eine tolle, wirkungsvolle Dynamik. „An Die Kinder“ klingt danach wie ein lyrischer Brückenschlag zwischen zwei völlig unterschiedlichen, immer weiter auseinander klaffenden Generationen. Zur besseren Verständigung und vor allem zum gegenseitigen Verstehen, bis das Album mit dem introvertierten „Dazwischen“ schließlich ruhig und versöhnlich ausklingt. „Gezeiten“ präsentiert sich nicht nur in Bezug auf die ästhetische Titelgebung der vorherigen Alben als folgerichtige Fortsetzung, sondern spiegelt zudem das derzeitige Weltgeschehen und somit auch dessen Behandlung unter Zuhilfenahme des aktuellen Materials in gewohnt naturbelassener Klang- und Bildsprache. So bieten die zwölf Stücke eine angenehm bedachte Reflexion unseres Zeitgeistes, welche hier nicht immer nur an den offensichtlichen und großen, sondern insbesondere auch den kleinen Schauplätzen des Seins stattfindet. Die lyrische und instrumentale Finesse braucht sich dabei vor ikonischen Größen wie Reinhard Mey oder Hannes Wader keineswegs zu verstecken, bewegt sich aber dennoch in gewohnt eigenständigem Fahrwasser und ist dabei niemals zu aufgeblasen ambitioniert, was einer zeitgemäßen Portierung der Liedermacher-Werte in klarer und zugleich verträumter Manier gleichkommt. Der sanft wärmende Soundtrack für die dunkle Zeit des Jahres, der es ja vielleicht gerade jetzt vermag, uns ein wenig zur Ruhe und Besinnung zu verhelfen.

Informationen:

http://www.ericfish.de/neuigkeiten/

https://www.facebook.com/EricFishandFriends

Eisbrecher - Schicksalsmelodien (2020)