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BEITRÄGE:

Blutengel - Dämonen:Sturm (2025)

  • Autorenbild: Christoph Lorenz
    Christoph Lorenz
  • 8. März
  • 9 Min. Lesezeit
ree

Genre: Electro / Pop / Alternative

 

Release: 28.02.2025

 

Label: Out Of Line (rough trade)

 

Spielzeit: 104 Minuten

 

Pressetext:

„Dämonen: Sturm“ zieht uns in die turbulenten Tiefen unserer eigenen inneren Dämonen. Nicht die Monster, die wir aus Horrorfilmen kennen, sondern die dunklen Mächte in uns, die unsere Köpfe heimsuchen, uns herausfordern und manchmal sogar brechen. Auf 25 neuen Songs bringt Chris Pohl die starken Emotionen, die mit Depressionen, Angst, Selbstfindung und Verlust verbunden sind, zum Ausdruck, und erschafft ein Album, das zum einen extrem persönlich ist und zum anderen gesellschaftlich starke Resonanz finden wird. Mit „Dämonen: Sturm“ bleiben „Blutengel“ ihrem unverkennbaren Sound treu und wagen sich gleichzeitig furchtlos auf neues Terrain. Fans werden den epischen, hymnischen Stil in Tracks wie „Tausend Leben“ und „Wir sind der Sturm“ wiedererkennen, aber sie werden auch düstere Nummern wie „Der Richtige Weg“ finden, die eine dunkle, eindringliche Atmosphäre schaffen. Auch Balladen finden auf diesem Album wieder ihren gebührenden Platz und haben dabei eine raue, intime Note, da Chris in Tracks wie „Ivory Tower“ und „I Will Surrender“ in der ersten Person schreibt und Einblicke in seine eigenen persönlichen Kämpfe gewährt. Musikalisch ist „Dämonen: Sturm“ eine abwechslungsreiche Reise von düsteren, stampfenden Rock Beats in „Angst“ zu Retro-Elektro-Sounds in „She Wears Black“. Mit „Bleeding Out“ liefern Blutengel einen unerwarteten Juwel, der die musikalische Bandbreite des neuen Albums erweitert und einen wichtigen Teil des Gesamtkonzepts darstellt. Die Produktion ist bewusst eher rau und dreckig gehalten, was die rohe Energie und Verletzlichkeit in den einzelnen Songs noch verstärkt. Langjährige Fans der Band werden sich außerdem über die eindringlichen Instrumentalstücke des Albums freuen, die das schattenhafte und tiefgreifende Erlebnis von „Dämonen: Sturm“ noch verstärken. Das neue Album erscheint am 28.02.2025 via Out Of Line Music als Stream, digitaler Download, 2CD im Digipak, 3CD im limitierten Hardcover-Artbook mit fünf Orchester-Versionen, MC und limitierte 2LP als Picture- oder dunkelgrüne Vinyl. Alle Versionen sind zudem exklusiv im Label-Shop als Bundle mit einem neuen T-Shirt erhältlich. Das Highlight ist das streng limitierte Fan-Box-Set in einer handgefertigten Holz-Box in Ouija-Brett-Optik: In dieser befinden sich neben der 3CD-Version eine Packung Streichhölzer, eine Kerze, eine Tischdecke sowie eine Speckstein-Räucherschale mit einer speziellen Räuchermischung, ein Tarot-Kartenspiel in einer Metall-Schatulle und eine Ouija-Planchette.

Kritik:

"Wir sind der Sturm, wir sind die Flut, wir sind das Licht am Horizont


In unseren Andern pulsiert das Blut, wir werden niemals untergeh'n


Wir sind der Sturm, wir sind die Flut, wir sind der Stern in dunkler Nacht


In unsern Herzen brennt die Glut, wir sind in Ewigkeit verbunden"

Das Intro „Dämonen (Prologue)“ zieht eingangs die atmosphärische Leinwand für alles Folgende auf: Durch bedacht eingesetzte Drones, dezente Percussion und einen Hauch choraler Sprengsel entsteht eine Einladung in die Welt des neuen Albums, welche parallel dazu die Tonalität festlegt: Dunkel und packend. So fungiert der instrumentale Track wie eine rituelle Beschwörung der inneren Dämonen, ohne bereits zu konkret zu werden. Eine Art letzter Atemzug voller Erwartung vor dem drohenden Orkan, der alsbald mit „Der Sturm“ in Form des Quasi-Titeltracks über uns hereinbricht. Ein antreibender Midtempo-Kracher mit der Dramaturgie aus schwer stampfendem Beat, drückendem Bass und gespenstischen Piano-Tupfern. Pohl inszeniert Unwetter hier bildhaft als Emotion und äußere Metapher für Unruhen und inneres Aufbegehren. Es geht um Überwältigung und Umkehr als Prozess, der reinigt und offenlegt im musikalischen Drive zwischen Gothic-Rock und Electro-Punch angesiedelt. In „My Creation“ pumpt dunkle Elektronik in das Herz einer sehr persönlichen Erzählung: Der Song arbeitet mit fluoreszierenden Synth-Texturen, Chor-Samples und stark verzerrten Vocals innerhalb der dezent entschleunigten Strophen als Tempo-Kontrast, bevor der bedrohliche Refrain die Maske fallen lässt. Ein Dialog mit dem eigenen Ich: Wer bin ich? Was ist aus mir geworden? Was habe ich geschaffen? Was erdet mich? Was zerstört mich? Die akustische Kälte kämpft stetig mit den pathetischen Lyrics, sodass die emotionale Ambivalenz und Zerrissenheit deutlich greifbar wird. „When Darkness Falls“ - Hier liegen Titel und Stimmung nahe beieinander: Ein gediegener Mid-Tempo-Track in bedrückender Eleganz, der harfenartige Klänge behutsam in die Strophen einwebt, während die elektronische Schlagseite wiederum im Refrain stärker anzieht. Hiermit eröffnen „Blutengel“ die melancholische Palette im klassischen Signature-Gewand, indem sie den Text um die Akzeptanz von Verletzlichkeit und Beistand mit jener gefühlvollen Instrumentierung ineinandergreifen lassen und so ein Arrangement schaffen, das zwar groß, aber eben nicht überladen ist. Auch „Ivory Tower“ setzt anschließend als vollblütige Dunkel-Pop-Ballade auf einen von Dramaturgie und Pathos beseelten Rahmen: Hauchfeine Klavier-Tupfer und ein gemäßigter Beat schlingen sich langsam um die immer weiter ansteigende Synth-Leiter, was für schöne Harmonien sorgt, die darauf in einem sphärischen Chorus münden. Inhaltlich dekonstruiert man das titelgebende Elfenbeinturm-Motiv: Isolation als Schutz und zugleich doch Gefängnis. In „She Wears Black“ prallt Retro-Electro mit dunkel umschmeichelnder Wave-Note auf typische „Blutengel-Ästhetik“, sodass eine tanzbare und leicht morbide anmutende, bittersüße Nummer über Einsamkeit und Suche in bekannten Szene-Motiven entsteht. Für den hier thematisierten Club-Charakter setzt Pohl auf minimalistischen Vintage-Sound, knackige E-Percussion und vokale Effekte. Eine kurzweilige, wenn auch überraschungsarme Nummer, die so oder so ähnlich auch ziemlich gut zum 80’s-Nebenprojekt „She Hates Emotions“ gepasst hätte, welches in der zweiten Strophe charmant und sicher nicht ganz zufällig zitiert wird. Das bereits im Winter 2024 ausgekoppelte „Angst“ ist eines der klaren Highlights der ersten CD. Der ziemlich eingängige Track verwendet in den finster treibenden, englischsprachigen Strophen wummernde Stomps, raue Gitarren-Riffs, eindringliche Synth-Spitzen und unheimliche Samples. Die markante, rohe Hook auf Deutsch fällt hingegen betont knapp und martialisch aus. Im Text untersuchen „Blutengel“ Furcht als Antriebsfeder, als Angst vor Verlust, vor Nähe oder sogar dem eigenen Ich. Das von Ulrike Goldmann interpretierte „Reunited“ nimmt als melodische Ballade mit ganz viel Pop-Appeal den Gedanken von Wiedersehens und Versöhnen auf. Instrumental eher zurückgenommen, mit warmer Melodie und zarten Synthies versehen. Der glasklare, wunderschöne Gesang von Goldmann kommt besonders gut im mehrstimmigen, catchy Refrain zur Geltung. Ein Ruhepunkt nach dem ersten Sturm und eine kurze Atempause voller Hoffnung. „Weitergehen“ ist in seiner Emotionalität aufbauend und praktisch als Leitmotiv zur nahenden zweiten Hälfte anzusehen. Das poppige Stück thematisiert auf ermutigende Weise das Fallen, Aufstehen und Weitermachen aller Widrigkeiten zum Trotz. Hymnisch mit großen Akkordfolgen und einem simplen, aber zugleich wirkungsvollen Refrain - Ideal für die Live-Konzerte! „The Right Path“ schlägt wieder einen atmosphärischen dunkleren Weg ein und spielt dabei lyrisch mit moralischen Bildern. Es geht um Sinnsuche und die Verführung von Abzweigungen. Die generelle Ausrichtung ist subtil und düster-sphärisch, die Stimmung bedrohlich und lockend. Auf diese Weise erinnern viele Passagen kurzzeitig an frühere Alben, die hier in modernemGewand zurückkehren. „Tausend Leben“ beginnt mit hell tönenden Fanfaren und elegischen Gesängen orchestral und episch. In diesem Duett arbeiten Pohl und Goldmann mit großer Dynamik, dramatischer Geste und einem hymnischen Refrain, der sich wie ein erstarkendes Bekenntnis über Identität anfühlt - Cineastischer Goth-Bombast mit einer gewissen Note Pomp-Kitsch. „False Gods“ zielt auf Idole, falsche Galionsfiguren und die unendliche Leere hinter glänzenden Fassaden. Musikalisch reichen sich angespannte Streicher und treffsichere Synths die Hand, um zu einer hypnotisch einlullenden Melange anzusteigen. Eine Anklage, welche sich mit zunehmender Spielzeit durch Beats, orchestrale Momente und Chöre zuspitzt und die Dramaturgie immer weiter ansteigen lässt. „I Will Surrender“ ist danach eine Ode an die Kapitulation, an das bewusste Loslassen. Reduziert arrangiert und leider etwas unauffällig bis spannungsarm, legt diese Halb-Ballade die Karten auf den Tisch. Intim getextet, verwandeln sich Resignation und Ergebenheit schließlich in Frieden und Heilung. Mit „After The Storm (Epilog)“, welches einige akkordische Motive aus dem Prolog wiederaufnimmt, um den verbindenden Bogen zu schlagen, schließt sich der Kreis der ersten Hälfte. Rein klanglich beruhigt sich die Szenerie, die inhaltliche Botschaft bleibt: Nach dem Sturm wird man ein anderer sein. Gezeichnet, doch immer noch da.


Während CD 1 den Sturm einleitete und Dämonen auf dieser Reise erweckte, die zweite Disc in vertiefend spiegelnder Funktion. Alles verdichtet sich, die Schatten weiten sich langsam aus und Nuancen werden ins Detail gerückt. Diese Art der Reflexion wirkt wie eine vertraute Fortsetzung, doch ein Stück weit intensiver, ernster und kompromissloser in der Darstellung. So entsteht eine kohärente Erzählung in zwei Akten, die das Gehörte vertieft und neue Facetten offenbart. Der Wiedereinstieg erfolgt mit „Empire Of Blood“, einem weiteren Instrumental, welches den bislang gesponnenen Faden atmosphärisch aufgreift. Tiefe Glockenschläge, pulsierende Elektronik und ein orchestraler Touch erschaffen eine dunkle Kulisse, die den Hörer in die Welt der inneren Dämonen entführt: Mit „Freedom Awaits You“ wird ein kleiner Hoffnungsschimmer eingestreut. Hier werden hell schwebende Synthesizer mit einem powernden Rhythmus gepaart. Die bestärkende Grundstimmung und klare Melodieführung erinnern musikalisch an die typischen „Blutengel“-Nummern der neueren Ära. Es geht um die Befreiung des Selbst und um das Streben nach Licht, was einen Kontrapunkt zu den bislang weitestgehend finsteren Themen der ersten Seite setzt. Alles in allem solide und erwartbar. „Nothing Left“ ist danach eine Kollaboration mit Sven Friedrich, dem Sänger der Label-Kollegen „Solar Fake“. Das Feature bringt ein weiteres Mal hohe Emotionalität in die Tracklist ein, indem es eine melancholisch und dennoch ziemlich tanzbare Synth-Melodie mit introspektiven Lyrics über Verlust verbindet. Rein musikalisch gesehen, erinnert hier vieles an die Synth-Pop-Ära der Achtzigerjahre in Kombination mit modernen Versatzstücken. Der fließende Schlagabtausch zwischen Friedrich und Pohl stellt sich aufgrund relativ ähnlicher Stimmfarben zudem als durchaus harmonisch heraus. Das oldschoolige „Remembrance“ gemahnt daraufhin mit viel dunklem Electro und stark verzerrten Vocals an die eigene Vergänglichkeit, der als Duett zwischen Goldmann und dem Mastermind dargereichte Refrain nimmt wieder etwas Druck raus und setzt einen melodiös geprägten Gegenpol. Mit „Follow Me“ wagen sich „Blutengel“ an eine Neuinterpretation des gleichnamigen Klassikers der französisch-britischen Sängerin Amanda Lear aus dem Jahr 1978. Die Vorab-Single ihres zweiten Albums „Sweet Revenge“ war ein riesiger Erfolg und gilt bis heute als einer ihrer größten Hits. Das Tribute bleibt nahe am beliebten Original, fügt diesem jedoch eine goth-poppige Note zu. Dem rhythmischen Mix aus elektrisierenden Beats, unterschwellig orchestralen sowie leicht verqueren Elementen und verspielter 80‘s-Ästhetik wohnt eine Prise Future Pop samt Retro-Kitsch inne. Insgesamt ist der Song zwar ganz interessant, wirkt durch die vielen Einflüsse zugleich aber auch überladen und merkwürdig zerfahren. „I Am The One“ ist ein kraftvoller Up-Tempo-Track, der Stärke, Macht und Entschlossenheit nicht nur lyrisch ins Zentrum rückt. Hier kombiniert man peitschende Beats mit großen Synthesizer-Melodien und einer aggressiven Gesangsperformance. Auch „Guide Me (Through The Night)“ greift innere Führung und Selbstbestimmung als Kernthematik auf, gestaltet diese jedoch klanglich gänzlich anders und handzahmer aus. Passend dazu vermitteln tanzbare, doch sanft verpoppte Harmonien und der ruhige Rhythmus ein wärmendes Gefühl von Geborgenheit, während die Lyrics von Orientierung in dunklen Zeiten und dem Vertrauen auf die eigenen Kräfte künden. Jetzt werden Intensität und Tempo wieder ordentlich angezogen, denn „Bleeding Out“ holt die angriffslustigen Beats und verfremdeten Vocals zurück, welche hier in zuweilen exotisch anmutende Strukturen und angedeuteten Industrial Rock eingebettet werden. Auch „Fight The Demons“ strotzt nur so vor explosiver Energie: Rasende toughe Industrial-Beats und ein dominanter Bass erzeugen aufbrausende Atmosphäre im Stil des leider bis heute auf Eis gelegten Nebenprojekts „Terminal Choice“. Einmal mehr geht es um Versuchung und Widerstand… Wer so allmählich das Gefühl bekommt, dass sich ein gewisses Spektrum an Themen immerzu wiederholt, liegt mitnichten falsch: Auch „Wir“ appelliert ganz ähnlich „Tausend Leben“ erneut an Gemeinschaft, Zusammenhalt, Solidarität, das gemeinsame Überwinden von Herausforderungen und Liebe. Der rund anderthalbminütige Spannungsaufbau aus symphonischer Schlagseite und hellen Chorälen mündet nach seinem vorzeitigen Klimax sodann mit einem stampfenden Beat und süßlichen Synthies, bis Goldmann schließlich zu singen beginnt. Nach der zweigeteilten Strophe folgt praktisch einzig noch der so schöne wie auch eingängige Refrain, welcher bis zum Ende ganze drei Mal hintereinander wiederholt wird, was zwar durchaus ein Stilmittel sein kann, hier zugegebenermaßen aber doch etwas einfallslos wirkt. Die Solo-Nummer setzt erneut auf die bewährte Mischung aus elektronischer Basis und orchestralen Arrangements, womit der finale Song sich irgendwo zwischen betont epischer Weite und Dunkel-Schlager bewegt und einen leidenschaftlich schwelgerischen Abschluss der zweiten Hälfte schafft. Das abschließende Instrumentalstück, „The Dark Veil“, fungiert danach als Outro von CD 2 und schindet mithilfe schwerer Orgelklänge und dramatisch inszenierten Streichern nochmal so richtig Eindruck, um den Kreis zu schließen.

Tracklist: CD 1 01. Dämonen (Prologue)

02. Der Sturm

03. My Creation

04. When Darkness Falls

05. Ivory Tower

06. She Wears Black

07. Angst

08. Reunited

09. Weitergehen

10. The Right Path

11. Tausend Leben

12. False Gods

13. I Will Surrender

14. After The Storm (Epilog) CD 2 01. Empire Of Blood

02. Freedom Awaits You

03. Nothing Left

04. Remembrance

05. Follow Me

06. I Am The One

07. Guide Me (Through The Night)

08. Bleeding Out

09. Fight The Demons

10. Wir

11. The Dark Veil Fazit:


Zwei Jahre nach ihrem letzten Magnum Opus, dem umfassenden „Un:Sterblich: Our Souls Will Never Die“, welches das fünfundzwanzigjährige Jubiläum eindrucksvoll zementierte, melden sich Ulrike Goldmann und Chris Pohl, besser als „Blutengel“ bekannt, wieder bei ihren treuen Fans im regelmäßigen Veröffentlichungsrhythmus zurück, um einen tosenden „Dämonen:Sturm“ zu entfesseln. Die große Überraschung: Erneut handelt es sich bei der aktuellen Veröffentlichung um ein thematisch angelegtes Doppel-Album auf zwei Discs mit insgesamt fünfundzwanzig Songs! Zumindest rein vom bloßen Umfang steht der aktuelle Langspieler seinem Vorgänger also schon mal in nichts nach… Inhaltlich lotet Pohl in zwei Akten weiter die Grenzbereiche zwischen gewohnt dunklem Pathos, Szene-Chic, großen Gesten und bewährter Bildsprache als Meteorologie innerer Zustände aus, welche seit jeher den blutengel‘schen Kosmos tragen und um eine gewisse, berechenbare Klischeehaftigkeit nicht verlegen sind: Sehnsucht, Liebe, Hingabe, Selbstbild, Macht, Angst, Depression und Hass, zusätzlich garniert mit „Blutengel“-Bingo wie Engel, Teufel, Götter, Sünde, Schmerz, Dunkelheit und Blut. Chris Pohl hat hier laut Interviews bewusst viel persönliche Erlebnisse, Gedanken und Gefühle verarbeitet und sie dazu in archetypische Bilder gekleidet. All dies geschieht in einer klanglich nicht weniger vertrauten Umgebung, die dieses Mal jedoch bewusst ein bisschen rauer und dreckiger, ja, vielleicht sogar live-naher und damit akustisch authentischer wirkt. Im gewohnten Rahmen und auch ohne die großen Innovationen erwartet die Hörer hier ein musikalisch vielschichtiges Werk, das zwischen tanzbaren Beats, rockigen Elementen, Retro-Vibes und intimen Balladen pendelt, wobei die Produktion betont kleinere Ecken und Kanten stehenlässt, um die rohe Energie zu wahren. Pohl beweist als alter Hase des Genres natürlich auch dieses Mal wieder professionell ein gutes Gespür für enorm eingängige Melodien, tanzbare Rhythmen und catchy Refrains, etwas wirklich Neues braucht der geneigte Hörer natürlich nicht erwarten. Zuverlässig switcht man abwechselnd zwischen melancholisch-dunkelromantischen Balladen mit Schlager-Vibes, tanzbar goth-poppigen oder industrialmäßigen Dancefloor-Fillern und leicht kitschigen Hymnen voll orchestralem Bombast nach bewährter Formel. Der größte Knackpunkt ist ähnlich dem Vorgänger aber die schiere Masse, die nicht nur überfordernd wirken kann, sondern zudem auch wieder für eine schwankende Qualität sorgt. Destilliert auf eine einzige CD mit den stärksten Stücken, wäre der „Dämonen:Sturm“ sicher um einiges runder geworden. Alle Fans, die regelmäßig neue Musik ihrer Band ohne große Veränderung nach Schema F fordern, werden es ganz sicher mögen, alle Skeptiker werden hingehen auch hiermit nicht belehrt: „Blutengel“ bleiben eben „Blutengel“, was höchstwahrscheinlich auch immer so sein wird.

Informationen: https://blutengel.de


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