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BEITRÄGE:

  • AutorenbildChristoph Lorenz

Deine Lakaien - „Dual"-Tour - FZW, Dortmund - 17.02.2023


Veranstaltungsort:

Stadt: Dortmund, Deutschland


Location: FZW


Kapazität: ca. 1.400


Stehplätze: Ja


Sitzplätze: Nein


Homepage: https://fzw.de/de_de/


Einleitung: Es ist Freitag, der 17.02.2023 und wer die lange schon im Voraus gekauften Tickets an der heimischen Pinnwand in all der Zwischenzeit gut im Blick behalten hat, wird merken, dass sich der pandemiebedingt festgelegte Ersatztermin heute tatsächlich fast auf den Tag genau jährt. Allerdings mit einem signifikanten Unterschied, denn wo das Dortmunder Konzert in 2022 noch den Auftakt gebildet hätte, gebührt Nordrhein-Westfalen nun ironischerweise die Ehre, als Abschluss des zweiten Teils der großen „Dual“-Tournee zu fungieren! Ein sehr schöner Anlass also, sich nach längerer Zeit mal wieder für ein Konzert in die entsprechende Stadt zu begeben. Auf den Veranstaltungsort, nämlich das gleich hinter dem Dortmunder U gelegene FZW, freue ich mich dabei besonders, da ich hier in der Vergangenheit schon wirklich gelungene Shows erleben durfte. Etwa die legendären „DAF“ oder das schon lange eingestampfte Indoor-Festival „Autumn Ball“, an das ich mich immer überaus gerne erinnere. Da meine Begleitung und ich zuvor noch länger arbeiten mussten, verschlägt es uns leider erst kurz nach 19.00 Uhr ins Stadtzentrum, was uns vor die unerwartet große Herausforderung der Parkplatzsuche stellt. Die eine Hälfte der Stellplätze gleich hinter der Lokalität ist mittlerweile natürlich gnadenlos gefüllt, die andere scheint zu einem nahen Einkaufszentrum zu gehören. Da wir uns mitten in der dicht befahrenen Stadt befinden, in der nahegelegenen Nebenstraße natürlich die Anwohner vor ihren Häusern stehen und es bis eben auf die Hauptstraße kaum echte Ausweichmöglichkeiten gibt, geben wir die Hoffnung auf eine Alternative schnell auf. So kurven wir für eine gute Viertelstunde Runde um Runde über den Platz. Immer hoffend, dass im nächsten Moment vielleicht noch irgendwo jemand herausfährt und damit eine kleine Lücke frei wird. Mitnichten. Mittlerweile scheint es anderen Besuchern ähnlich zu ergehen und so bildet sich eine unfreiwillige Auto-Polonaise, die erst für einige Minuten in einer Reihe hintereinander her fährt, sich dann in diverse Richtungen splittet und bald darauf an das chaotische Gesellschaftsspiel „Rush Hour“ erinnert. Nach weiteren fünfzehn Minuten haben wir endlich Erfolg und pilgern anschließend gruppenweise zum scheinbar einzigen und unendlich langsamen Retro-Automaten weit und breit, um ein Ticket zu lösen. Wer denkt, dass der Einlass, welcher schon längst in vollem Gange ist oder zumindest sein sollte, mittlerweile vorüber sei, irrt gewaltig. Als wir direkt vor dem FZW ankommen, erblicken wir ungläubig eine ungeheuer lange Schlange ebenfalls Wartender, die sich gefühlt keinen Zentimeter bewegt… Und das, obwohl das Konzert gleich beginnen soll! Seinen Ursprung hat das Übel offenkundig am Eingang selbst, denn aus einem nicht klar ersichtlichen Grund wurde dort nur eine einzige Tür geöffnet, um die Schar hunderter Gäste abzufertigen. Dass sich die Abendkasse und Stempelvergabe ebenfalls im angrenzenden Mini-Foyer befinden, wodurch sich die Masse natürlich exakt dort unangenehm ballt und es einfach nicht vorangehen will, hilft nur wenig. Im Gegenteil: Hier könnte es im Ernstfall sogar schnell richtig gefährlich werden. Als wir es an dem wenig freundlichen Security-Mitarbeiter, der die Besucher teils mit ruppigen Bewegungen sichtlich genervt ins Innere schubst, vorbei geschafft haben, melde ich mich kurz am seitlichen Schalter für die Gästeliste an und hole mir dann einen Stempel ab. Warum und wie heute Abend allen Ernstes noch Tickets an der Abendkasse angeboten werden können und das Konzert nicht offiziell als ausverkauft gilt, ist mir allerdings ebenso ein Rätsel, wie auch die innere Frage nach dem „Wohin?“ mit potentiellen Spontan-Besuchern. Vielleicht ja übereinander gestapelt? Als nächste Hürde stellt sich die Garderobe heraus, auch hier finden wir eine Schlange vor. Immerhin versuchen die emsigen Mitarbeiter sichtlich alles, um den vielen Abgaben irgendwie Herr zu werden. Auch der eigentliche Saal des FZW ist natürlich dementsprechend bemannt, sodass die zahlreichen Gäste mit den Rücken fast bis zur Bar stehen, an der nicht weniger reges Treiben herrscht. Die drei, vier Servicekräfte dahinter sind mit der Situation heillos überfordert und können der einfach nicht abreißen wollenden Nachfrage kaum gerecht werden, was sich auch später bei der Pfandrückgabe fortsetzt. Es ist also äußerst stressig für alle Beteiligten, überall geht es wie in einem Bienenstock zu. Zu unserem Glück und Erstaunen finden wir auf der linken Seite noch eine freie Ecke mit guter Sicht in der vorderen Hälfte, womit wir absolut nicht mehr gerechnet hätten. Puh! Jetzt heißt es aber erstmal noch kurz: Warten…

Deine Lakaien:

Aus der doch relativ beträchtlichen Summe unerfreulicher Gründe ist es auch überhaupt nicht weiter schlimm, sondern viel mehr mit einem Höchstmaß an wohltuender Erleichterung zu betrachten, dass das heutige Konzert nicht wie vorab angekündigt um Punkt 20.00 Uhr startet, sondern erst eine gute Viertelstunde später. Ob diese Tatsache nun auf umsichtige Rücksichtnahme auf alle (unfreiwilligen) Nachzügler oder die üblichen Technikprobleme kurz vor Beginn zurückzuführen ist, vielleicht aber auch einfach von vornherein schon so geplant war, bleibt fraglich, ist am Ende aber auch vollkommen egal. Wichtig ist einzig, dass mittlerweile wohl so ziemlich alle ernsthaft gewillten Besucher ihren hart erkämpften Platz inmitten des übermäßig gut ausgelasteten Saals des FZW und auf dem darüber liegenden Rang, den ich heute erstmalig als für die Allgemeinheit geöffnet erlebe, gefunden zu haben scheinen und es ohne Vorbehalte losgehen kann… Es sei denn, man hat sich nicht früh genug dazu entschieden, noch etwas trinken zu wollen. „Früh genug“ bedeutet in diesem Fall jedenfalls so viel wie „etwa dreißig Minuten eher“. Eine gute Organisation sieht jedenfalls anders aus. Die auf purem Planungschaos beruhende Anspannung liegt selbst kurz vor Beginn noch immer omnipräsent in der Luft. Eigentlich keine allzu guten Rahmenbedingungen für ein Konzert der Lakaien also, welches jedoch, so viel kann an dieser Stelle zumindest verraten werden, umso besser werden wird! Etwa gegen 20.10 Uhr ist ein starkes Vibrieren aus den Boxen zu vernehmen, das erst langsam anschwillt, dann bedrohlich lauter wird und plötzlich abflacht, nur um sich danach wie gleichmäßiger Wellengang wieder nach ebenjenem Muster aufzubauen. Immer und immer wieder. Doch noch regt sich nichts weiter im Zentrum aller Aufmerksamkeit. Erst zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr wird es im FZW allmählich schummriger und schließlich fast komplett dunkel. Nur wenige Sekunden sollen jetzt noch wie quälend lang erscheinend vergehen, bis die einheitlich in dezent-elegantes Schwarz gekleidete, vierköpfige Besetzung aus Percussionist Slobodan Kajkut, Keyboarder Igor Zotik, Tastengroßmeister Ernst Horn und Sänger Alexander Veljanov geschlossen und unter viel Applaus die recht breite Bühne betreten. Während die trüben Scheinwerfer diese nun zögerlich in eisblaues, kühles Licht tauchen, positionieren sich die Musiker mit dem Rücken zum Publikum. Wenig später begeben sich Zotik und Horn an die vor ihnen stehenden Synthesizer und erschaffen eine lang andauernde Ambient-Collage aus tiefem Rauschen, das zunächst an eine angenehme Brise erinnert, dann aber immer weiter zu einem aufkommenden Sturm ansteigt, bis sich hauchfein perlende, zarte Sound-Sprengsel, die einem einsamen Klangspiel ähneln, sich wie ein behutsamer Schleier über die gespannt abwartenden Reihen legen: „Lonely“ von der 1991 veröffentlichten EP „2nd Star“ eröffnet so unerwartet wie gleichwohl behutsam den Abend und liefert somit die atmosphärisch ideale Vorlage für den nahtlos daran anknüpfenden Song. Das mystische „Nightfall“ vom neuen Kompagnon-Album „Dual+“ versprüht mit seinem durchweg dichten Soundgewand eine nicht minder vereinnahmende Stimmung. Kommt im minimalistischen Aufbau erst auf leisen Solen daher, dabei stets um leicht disharmonische, metallisch hallende Versatzstücke angereichert und setzt dann mit dem Refrain zum erhellend aufstrebenden Aufstieg aus der Finsternis an. „Vielen herzlichen Dank und einen wunderschönen guten Abend hier in Dortmund!“, begrüßt Alexander Veljanov die begeisterten Fans mit einem milden Lächeln. „Ja, endlich hat es geklappt… Danke für eure Geduld. Wir sind heute hier, um zusammen mit euch einen schönen Final-Abend zu feiern. Das war gerade „Nightfall“ von „Dual+“. Nun springen wir aber erstmal einige Jahre zurück und zwar ins Jahr 2010 zur „Indicator“. Daraus ist das nächste Stück.“, kündigt er den beliebten Klassiker „Gone“ an, der genauso begeistert aufgenommen wird, wie auch die zwei vorherigen Songs. Im Hintergrund ragen zu den Seiten jeweils vier verschieden hohe LED-Säulen empor, die zusätzlich für sehr stimmige Akzente der sorgsamen Lichtkomposition im ansonsten typisch kargen, reduzierten Bühnenbild sorgen. Der Fokus liegt an diesem Abend klar auf der Musik und das ist auch verdammt gut so!

„Vielen herzlichen Dank und einen wunderschönen guten Abend hier in Dortmund!“, begrüßt Alexander Veljanov die begeisterten Fans mit einem milden Lächeln. „Ja, endlich hat es geklappt… Danke für eure Geduld. Wir sind heute hier, um zusammen mit euch einen schönen Final-Abend zu feiern. Das war gerade „Nightfall“ von „Dual+“. Nun springen wir aber erstmal einige Jahre zurück und zwar ins Jahr 2010 zur „Indicator“. Daraus ist das nächste Stück.“, kündigt er den beliebten Klassiker „Gone“ an, der genauso begeistert aufgenommen wird, wie auch die zwei vorherigen Songs. Im Hintergrund ragen zu den Seiten jeweils vier verschieden hohe LED-Säulen empor, die zusätzlich für sehr stimmige Akzente der sorgsamen Lichtkomposition im ansonsten typisch kargen, reduzierten Bühnenbild sorgen. Der Fokus liegt an diesem Abend klar auf der Musik und das ist auch verdammt gut so! „Ja, das ist heute also der letzte Abend der Tour. Das ist natürlich nicht so schön, aber wir werden uns bemühen, dass er dafür besonders schön wird. Wir sind euch wirklich dankbar, dass ihr so zahlreich erschienen seid, das ist ja heutzutage nicht selbstverständlich. Nun ja, „Dual“, so heißt unser aktuelles Trio-Album. Wir waren sehr fleißig, denn man weiß ja nie, wann es aus ist!“, witzelt er gewohnt trocken. „Wie gesagt, das war gerade ein Lied aus der „Indicator“ über den Versuch einer Beziehung, der misslang. Ein Thema, das uns im Laufe der Jahre immer wieder beschäftigt hat. Auch das nächste Stück handelt vom Versuch der Zweisamkeit, wenn auch auf eine ganz andere Art und Weise…“, lautet dann die Ansage zum unschlagbaren Über-Hit „Over And Done“, der von den Gästen natürlich schon ab den ersten Klängen frenetisch gefeiert und ausgiebig betanzt wird. „Thank god it‘s Friday!“, freut sich Veljanov lachend über die sehr ausgelassene Stimmung im Saal. „Das war ein Song vom Album „April Skies“, das gibt’s auch auf Vinyl. Scheiß EMI… Aber nun haben wir die Rechte wieder und jetzt gibt‘s das wieder.“, kommentiert er die Wiedererlangung der Vertriebsrechte vom bekannten Major-Label. „Wo wir gerade schon beim Thema sind, leider muss manches auch unfreiwillig voneinander gehen…“, heißt es dann zum tragischen „Where You Are“, das wieder gesetzte Ruhe in die Reihen bringt. „An dieser Stelle auch ein warmes Willkommen an unsere non-German-speaking friends. Schön, dass ihr da seid! Und um das Thema abzuschließen, hier noch eine andere Variante des Abschiednehmens von der „Crystal Palace“. Viel Spaß dabei!“, wünscht er. Es folgt mit „Farewell“ die erste Single-Auskopplung des im Jahr 2014 erschienenen Albums, die nach der damaligen Tour leider nur noch unregelmäßig ihren Weg ins Set fand. Umso erfreulicher, dass das Stück mit der markant treibenden Percussion mit der „Dual“-Ära zurück ist! Dabei erweist sich der durchdringende Klang des von Kajkut sehr pointiert gespielten Schlagwerks als äußerst voluminös und druckvoll. Generell ist der Sound heute Abend eine wahre Freude für die Ohren, der sowohl die einzelnen Instrumente als auch den Gesang stets hervorragend klar und voneinander separiert darstellt, in den richtigen Momenten jedoch trotzdem einen spürbar intensiven Bass einbringt, ohne das Gesamtbild unangenehm zu übersteuern oder gewisse Elemente zu überschatten. Das wäre auch mehr als nur schade, denn viele der heute gespielten Songs wurden einmal mehr still und heimlich einer Frischzellenkur unterzogen und bieten so viele kleine, neue Details.

„Nun gut, Themenwechsel. Es geht um uns alle. 2010 zu „Indicator“-Zeiten war Europa noch ein großes Thema und viele Fragen offen. Heute ist es noch größer. Wir sind Euros und haben keine Alternative dazu! Schöne Grüße nach UK an dieser Stelle. So, das war das Wort zum Sonntag… Freitagabend.“, findet Veljanov kurz vor dem französisch-englischsprachigen „Europe“ nachdenkliche Worte zum aktuellen Weltgeschehen. Danach geht es wieder zum 2021er Werk zurück: „Ich möchte „Dual“ einmal kurz für alle erklären, die nicht wissen, was es damit auf sich hat. Das Konzept war, das wir uns Cover aussuchen. Hauptsächlich solche, die keiner von uns erwartet hätte und zu jedem Cover haben wir uns dann ein eigenes Lied einfallen lassen. Am Ende sind es dreißig Stück geworden. Das Schöne an dieser Kack-Zeit, die wir getrennt und nicht zusammen erleben mussten, ist, dass ihr genug Zeit hattet, euch damit zu beschäftigen.“, lächelt Veljanov verschmitzt. Auf die Eigenkomposition „Unknown Friend“ folgt jedoch nicht etwa das passende Gegenstück, sondern mit dem „Patti Smith Group“-Dauerbrenner „Because The Night“ das erste Cover des heutigen Abends. Der „Dual“-Vorbote feierte erstmals 2020 im Rahmen des „Culture Cast“-Live-Streams seine Premiere und wurde folglich auch zur ersten Single auserkoren. Völlig klar also, dass die Fans schon bei der ikonischen Klaviermelodie, die sich melodisch als ideales Fundament für Veljanovs melancholisch warme Stimme erweist, gleich zu Anfang lauten Beifall spenden. Der Refrain bringt dann durch das Zusammenspiel von Drums und Synthies nochmal gehörig Druck ein und erhebt diesen ohnehin zeitlosen Hit der späten Siebziger so zu einer wunderbaren Avantgarde-Hymne mit samtig schwarzem Dark-Wave-Touch. „Ah, ich sehe eben, der Rang ist gefüllt!? Ich hoffe, ihr habt überhaupt einigermaßen Sound da oben?“, vergewissert sich Alexander Veljanov mit fragendem Blick zum oben liegenden Balkon überrascht. Die dortigen Gäste bejahen. „Hm, wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass da keiner ist. Hat uns keiner gesagt. Naja, wir danken jedem, der heute hier ist…“, fährt er fort und wird prompt von einem Zuruf aus dem Saal unterbrochen: „Wir danken dir!“, schallt es da unter Gelächter von irgendwoher. „Ja, gerne. Stets zu Ihren Diensten… Wenn’s sein muss… Darf.“, entgegnet Veljanov mit trockenem Humor und nimmt einen Schluck Wasser. „Sorry, Ernst. Diese Trockenheit ist man einfach nicht mehr gewöhnt. Vielen Dank an dieser Stelle an Patti Smith und Bruce Springsteen. Sie mögen uns verzeihen, dass wir diesen Song ins nächste Jahrzehnt geholt haben.“, scherzt der Sänger. Im Anschluss folgen die Antwort auf der zuvor gespielte „Unknown Friend“, nämlich das überaus gelungene „Kansas“-Tribute „Dust In The Wind“, welches zudem wieder mit sehr stimmungsvoller Beleuchtung punktet, und mit dem entrückten „Run“ ein weiterer „Dual“-Song aus eigener Feder.

„Vielen Dank! Das war ein neues Lied im Sound der Anfangsjahre. Nun kommt wiederum ein altes Lied von uns, das aber heute immer noch gerne gehört wird, wie wir erfahren haben. Es geht immer weiter und weiter und weiter…“, lautet der Wink mit dem Zaunpfahl zum nun folgenden Klassiker aus den frühen Neunzigerjahren, der auf einem Konzert der Lakaien auf gar keinen Fall fehlen darf und so kündigen die pulsierenden Synthesizer das düstere „Reincarnation“ an. Schon bald spielt sich die Live-Besetzung in einem

Wechselbad aus elektronischen und percussiven Elementen der ruhigen Passagen und krachigen Extreme in absolute Höchstform, sodass der Schweiß im kochenden Saal geradezu von der Decke rinnt. Alles singt, alles tanzt, alles bewegt sich. Dass das Quartett aber gar nicht erst daran denkt, diesen sorgsam errichteten Flow zu unterbrechen, zeigt die folgende Auswahl der Songs. „Dankeschön! Das war „Reincarnation“ aus dem Jahre… ähm… 1784! Okay, jetzt ist wieder „Dual“ an der Reihe. Wir hatten schon „Run“ und wer das spielt, der muss auch „The Walk“ können!“, lächelt Veljanov und stößt mit dieser Ankündigung auf viel Gegenliebe, denn der zeitlose „The Cure“-Evergreen erfreut sich insbesondere in den einschlägigen Clubs der alternativen Szene noch immer größter Beliebtheit. Wenig verwunderlich, dass so jetzt nochmal mächtig Schwung in die dichten Reihen kommt. Die Fans sind sichtlich begeistert von der Lakaien-Interpretation und tanzen, als gäbe es keinen Morgen mehr. Ein wunderbares Bild, das sicher nicht nur die Band vermisst hat. „Vielen Dank an „The Cure“, die tatsächlich noch älter als wir sind! Jetzt gibt es Kino, krankes Kino…“, heißt es und damit ist natürlich nicht irgendein Kino gemeint, sondern das hervorragende „Sick Cinema“, welches jetzt als letztes Lied vor dem kommenden Zugaben-Teil seine finsteren Lyrics mit exotischen Klängen, elektrisierenden Sounds und einer majestätischen Orgel im stroboskopischen Blitzlicht verquickt. Der vielleicht sogar stärkste „Dual“-Song schindet ordentlich Eindruck beim Publikum und gefällt, dementsprechend laut ist der Applaus am Ende, bevor die Band die Bühne zum ersten Mal an diesem Abend verlässt. Natürlich beschließen „Deine Lakaien“ den zweiten Teil ihrer „Dual“-Tournee aber nicht ohne die ein oder andere Zugabe, die jetzt auch von den Fans eingefordert wird. So soll es nur wenige Minuten dauern, bis die Vier zurückkehren. „Wie wir das vermisst haben… In dieser speziellen Zeit lernt man das zu schätzen, was man immer für so selbstverständlich erachtet hat.“, resümiert Veljanov die letzten zwei Jahre sichtlich dankbar und kündigt dann einen Song von „Dual+“ an, der aus Ernst Horns Jugend stamme. Hierbei handelt es sich um „Set The Controls For The Heart Of The Sun“ vom zweiten „Pink Floyd“-Album „A Saucerful Of Secrets“ aus den späten Sechzigern. Das Stück kommt auch im typischen Lakaien-Gewand so sperrig wie das Original daher und intensiviert die ohnehin schon hypnotische Atmosphäre durch seinen dunkel-minimalistischen Anstrich sowie die mystische Ausleuchtung der Bühne umso mehr, was schnell eine faszinierende Sogwirkung beim Zuhören - und -sehen birgt. Gleich zu Beginn des folgenden „Because Of Because“, einem Lied darüber, dass „dir nie jemand sagen soll, wer du bist“, kommt es dann überraschend zu einem technischen Ausfall aller Instrumente, glücklicherweise aber nicht des Mikrofons, was Veljanov spontan dazu bewegt, die erste Strophe unter lautem Beifall vorerst a cappella darzubieten, bis der Fehler wieder behoben und der Song von vorne gestartet wird. „Return“ schließt den ersten Zugaben-Block. Wieder gehen die Lakaien von der Bühne.

Wieder fordert das Publikum sie zurück. Auf den Zwischenruf eines Fans, der angibt, heute Geburtstag zu haben, wünscht Alexander Veljanov alles Gute und fügt lächelnd hinzu: „Dann passt der nächste Titel ja!“. Ein Ständchen zum Geburtstag gibt es zwar nicht, dafür aber das etwas verquere, doch zugleich auch wunderschöne „Happy Man“ von „Dual“ mit seiner Sprunghaftigkeit zwischen Tragik, Hoffnung, Fröhlichkeit. „Vielen Dank! Das war ein Song aus unserem neuesten Album „Dual“… Ne, „Dual+“ ist neuer. Stimmt. Diese beiden Alben kann man übrigens auch draußen bei uns am Merch-Stand erstehen. Ja, auch wir müssen überleben… Wir alle. Auch unser Techniker. Achtzehn Kinder sitzen zuhause und hungern, weil wir so schlecht zahlen.“, witzelt Veljanov. „Der spricht gerade mit mir, aber das hört ihr ja gar nicht. Das ist ein sehr lustiger Mann… Ein „Happy Man“, quasi!“, scherzt der Sänger über Funk mit dem Crew-Mitglied am Bühnenrand. „Ja, die „Dual“-Tozur geht heute leider zu Ende, aber wer nicht genug bekommen kann, hat ja eventuell Lust auf das WGT, das Amphi oder Bolkóv Castle in Polen? Vielleicht kommt auch noch das ein oder andere Konzert dazu, mal schauen. Der nächste Song ist für alle Suchenden, die immer und immer weiter suchen. Suchen ohne Ende…“, raunt er und leitet so zum obligatorischen Szene-Hit „Dark Star“ über, nach welchem das Quartett mit einem „Dankeschön und auf Wiedersehen!“ abermals die Bretter verlässt. Fast könnte es nun das Ende dieses Abends sein, doch fehlte bisher noch ein absoluter Fan-Favorit… „Vielen vielen Dank! Na, so können wir euch ja nicht nachhause schicken.“, zwinkert Alexander Veljanov und stellt anschließend die gesamte Crew von der freundlichen Merch-Dame über die Licht- und Soundtechniker bis hin zum Busfahrer und der Live-Besetzung vor. Dortmund spendet reichlich Beifall und soll mit einem „Lied für die Nacht“ belohnt werden. Natürlich muss jetzt einfach der lakaien’sche Über-Song „Love Me To The End“ kommen: Im ersten Part einzig durch das virtuose Tastenspiel von Ernst Horn und der Stimme Veljanovs getragen, baut sich das Finale dann in enger Symbiose mit Schlagwerk und Elektronik in einem geradezu epischen Klimax auf, der am Ende nach über zwei Stunden viele hundert glückliche Gesichter im FZW zurücklässt.

Setlist:


01. Intro

02. Lonely

03. Nightfall

04. Gone

05. Over And Done

06. Where You Are

07. Farewell

08. Europe

09. Unknown Friend

10. Because The Night

11. Dust In The Wind

12. Run

13. Reincarnation

14. The Walk

15. Sick Cinema

16. Set The Controls For The Heart Of The Sun

17. Because Of Because

18. Return

19. Happy Man

20. Dark Star

21. Love Me To The End


Impressionen:

Tatjana Krupka - Darkstars.de / Dunkelhausen.de https://darkstars.de/


https://dunkelhausen.de/ https://www.instagram.com/tatjanakrupka/

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