In Extremo - „Carpe Noctem“-Tour - Naturbühne Elspe, Lennestadt - 26.09.2026

vor 4 Tagen
16 Min. Lesezeit

Veranstaltungsort:

Stadt: Lennestadt, Deutschland
Location: Naturbühne Elspe
Kapazität: ca. 6.000
Stehplätze: Ja
Sitzplätze: Ja
Homepage: https://indiansummer-elspe.de/ Einleitung: Es ist Samstag, der 26.09.2026. An diesem sonnigen Samstagnachmittag sind wir bei bestem Wetter auf dem Weg ins Sauerland. Um genauer zu sein, verschlägt es uns nach Elspe, einem auch überregional sehr bekannten Ortsteil von Lennestadt im Kreis Olpe. Warum bekannt? In rund fünfzigjähriger Tradition locken die hiesigen Karl-May-Festspiele jährlich rund 180.000 Gäste auf das 120.000 m² große Gelände! Doch ist die Naturbühne eben nicht nur für Cowboys und Indianer, sondern bereits seit den Achtzigerjahren auch als renommierte Veranstaltungsstätte für große Musik-Events bekannt. So spielten hier unter anderem schon Udo Jürgens, „Die Prinzen“, Jethro Tull oder „BAP“ auf. Nachdem diese Funktion ab den frühen 2000ern vorerst weitestgehend wieder auf Eis gelegt wurde, wagte man 2012 mit einigen A-capella-, Country- und Rock-Bands im eher kleineren Rahmen einen Quasi-Neustart und ließ das Gelände als namhaften Standort für größere Musik-Festivals unter freiem Himmel äußerst erfolgreich wiederaufleben, was seit dem Jahr 2020 unter dem charmanten Namen „Indian Summer“ fungiert. Natürlich hat unsere rund anderthalbstündige Anreise einen mehr als guten Grund, denn heute findet im Sauerland das große Finale der legendären Burgen-Tour von „In Extremo“ statt. Zwar ausnahmsweise ganz ohne Burg, was bei dieser einzigartigen Location aber völlig egal ist! Die Spielmänner gastierten im August 2014 im Rahmen ihrer damaligen „Kunstraub“-Tournee übrigens schon einmal in Elspe, was ich persönlich leider verpasst habe und mich bis zum heutigen Tag arg ärgert. Zeit, dieses Versäumnis nachzuholen! Die ziemlich steile Auffahrt erinnert uns etwas an die verschlungenen Pfade zur Freilichtbühne in St. Goarshausen, welcher wir vergangenen September anlässlich des „30 Wahre Jahre“-Festivals einen Besuch abgestattet haben. Dass wir genau auf dem richtigen Weg sind, zeigen uns der hölzerne Torbogen und kleine Türme in Fort-Optik. Pro Ebene gibt es relativ wenig Stellplätze, die auch allesamt schon belegt sind, aber ganz oben finden wir zum Glück doch noch eine freie Lücke auf der Wiese und parken das Auto. Anschließend laufen wir die Straße wieder ein Stück hinunter und passieren die Ticket- und Taschenkontrolle am Einlass, nach welchem es wieder sehr steil bergauf geht. Als ich das letzte Mal die hiesige Naturbühne besucht habe, war ich tatsächlich noch im jungen Grundschulalter und habe mit meinen Eltern einen einwöchigen Wander-Urlaub im Sauerland verbracht. Natürlich waren die Karl-May-Spiele für mich das absolute Highlight des gesamten Kurztrips. Wenn ich mich noch richtig erinnere, gab es damals auf dem Gelände unter anderem die Möglichkeit, „Gold“ zu waschen und eine kurzweilige Show eines Akrobaten-Trios, die mächtig Stimmung gemacht haben. Tja, wie die Zeit vergeht. Jedenfalls stehen wir jetzt in einer hübschen Westernstadt, die eine Art Hauptplatz darstellt, mitsamt den typischen Ladenlokalen sowie einem Saloon. Hier kann man den ein oder anderen kleinen Imbiss erwerben, während es einem großen Bierwagen die Getränke gibt, der von den Fans bereits belagert wird. Von hier aus geht es unter einer großen Unterführung zu den Sanitäranlagen und Tribünen. Laut Beschilderung soll dort in der Nähe auch der Merchandising-Stand sein, dem wir dieses Mal aus Zeitgründen allerdings erst später einen Besuch abstatten wollen. Linksseitig geht es wiederum abermals ein kleines Stück hinauf, wo dankbarerweise eine weiterer Ausschank neben der hölzernen Pforte zum Innenraum aufgebaut wurde, um die Menge zu entzerren.

Fiddler‘s Green:
Während die Gastgeber von „In Extremo“ unter dem Motto „30 Wahre Jahre“ vor fast genau zwölf Monaten ihr Jubiläum begangen und zu diesem besonderen Anlass ein weiteres Mal auf die legendäre Freilichtbühne Loreley geladen haben, feierte eine der zahlreichen Gast-Bands zu diesem Zeitpunkt fünfunddreißig Jahre des Bestehens, was im Spätherbst dann mit einer ausgiebigen Tour zelebriert wurde. Die Rede ist natürlich von den 1990 gegründeten „Fiddler‘s Green“ aus Erlangen, die exklusiv für den heutigen Abschluss der diesjährigen Burgen-Tour als Support mit an Bord sind! Wer die mitreißende Musik der sympathischen sechs Franken kennt oder schon selbst live erlebt hat, der weiß ganz genau, was das für die kommende Dreiviertelstunde bedeutet: Maximal ausgelassene Party und garantiert viel gute Laune, denn jetzt setzt es 100% Irish Speed Folk! Erstaunlicherweise ist der ziemlich große Publikumsbereich vor der Bühne gerade einmal bis zur Hälfte gefüllt, als Schlagzeuger Frank Jooss, Akkordeonspieler Stefan Klug, Geiger Tobias Heindl, Bassist Rainer Schulz, Gitarrist Patrick „Pat“ Prziwara und Sänger Ralf „Albi“ Albers zum augenzwinkernden Intro „In Want To Be Irish“, eine spaßige Hommage an den Neunziger-Hit „I Wanna Be A Hippie“ des britischen Produzenten-Duos „Technohead“, gegen 18.30 Uhr auf die Bretter sprinten. Es ist nun also ganz an den Fiddler‘s, die derweil noch recht lichten Reihen zu füllen und die Fans somit auf den Abend einzustimmen. Und siehe da: Während der ersten zwei, drei Songs werden schnell all jene Besucher hellhörig, die bis gerade eben noch gemütlich an den Imbiss- und Getränkeständen in der kleinen Westernstadt verweilten. „Guten Abend!“, ruft Albers und los geht’s mit „Ready For The Ball“ vom aktuellen Album „The Green Machine“, dicht gefolgt von „Bottoms Up“, einem echten Klassiker des 2016er Langspielers „Devil‘s Dozen“. Mit besserer Stimmung kann man wohl kaum starten, oder? „Einen schönen guten Abend nochmal! Wir sind „Fiddler’s Green“ und freuen uns, hier zu sein. Seid ihr bereit für eine geile Party mit uns?“, begrüßt der Sänger das Elspener Publikum nochmals freudestrahlend, welches ein bunter Querschnitt durch die bisherige Diskographie erwartet. Für „Down“ geht es, wie der Titel schon andeutet, aber erstmal tief nach unten in die Hocke, um genügend Schwung zum gemeinsamen Springen zu holen, bevor „A Night In Dublin“ folgt. „Im Mai vor fünfunddreißig Jahren kam unser Akkordeonspieler zur Tür herein… Wir haben einen gesucht und ihn tatsächlich auch gefunden, dessen Fähigkeiten an diesem Instrument uns damals wie heute beeindruckt haben. Einen Applaus für Stefan!“, leitet man danach zu „This Is Like That“ über. „Wir kommen zu einem Thema, das uns alle angeht. Wir sind hier, weil wir hoffentlich einigermaßen gute Musik hören und ein paar Getränke dazu haben wollen. Seid ihr bereit für ein Sauflied?“, fragt Albers lachend und lädt das Publikum anschließend in die „Good Old Irisih Bar“ zum gemeinsamen Feiern ein. Unterdessen werden einige große, bunte Ballons in den Innenraum entlassen, die jetzt fröhlich über den Köpfen der Zuschauer hin- und herhüpfen - Ein großer Spaß für alle! „Danke, das ist eine wahnsinnig gute Energie hier!“, wie auch der Sänger bemerkt. „Wir werden für euch nun eine Ballade spielen und können dazu eure Unterstützung gebrauchen. Könnt ihr mal eure Arme schwenken? Ja, das sieht gut aus! Dieser Song kommt von Herzen.“, bittet der Frontmann die Besucher zum Mitmachen beim emotionalen „Greens And Fellows“ vom beliebten 2011er Album „Wall Of Folk“, zu welchem nun auch zwei Crew-Mitglieder die Bühne betreten, um langsam große Fahnen zu schwenken. Ein wahnsinnig schönes Bild!

Danach folgt ein kreativ umgesetztes Instrumental-Stück, welches nunmehr seit ein paar Jahren eines der absoluten Highlights einer jeden Fiddler‘s-Show darstellt und kurz Innehalten lässt: Während Klug einem mit Zahnrädern verzierten Leierkasten, dem immerzu kleine Rauchfontänen entweichen, eine melancholische Melodie entlockt, gibt Heindel an der Geige zunächst ein ausgedehntes Solo, bis plötzlich Jooss als Dritter dazustößt und mit rhythmischer Percussion an einer Tomtom-Trommel einsteigt, auf welche eines der Crew-Mitglieder mit einem kleinen Fass Wasser zu gießen beginnt. Das alles gipfelt schließlich in einem dynamischen Zusammenspiel, das sowohl rein visuell als auch akustisch als absoluter Hochgenuss bezeichnet werden kann. „Ein Luftballon hat ja noch überlebt… Sehr ungewöhnlich!“, lacht der Sänger. Anschließend soll sich das Publikum dem sogenannten „Folk-Test“ unterziehen, der darin besteht, dass Albers die erste Zeile des Refrains von „The Galway Girl“, einem launigen Cover des gleichnamigen Klassikers von Steve Earle, singt und das Publikum danach den zweiten Part. „Frank wird darüber wachen… Aber Vorsicht, er ist sehr streng heute!“, scherzt er und natürlich singt Elspe kräftig mit… Doch noch nicht laut genug, wie die Band befindet. „Wenn ihr das nicht schafft, würde ich den Ton-Mann bitten, für die nächsten drei Songs die Anlage auszustellen!“, spaßt Albers. Das lassen sich die Fans natürlich nicht zwei mal sagen und strengen sich nochmals mehr an. Nach einem weiteren Stück des neuesten Albums, „The Bog“, wird eine Leiter inmitten des Innenraums aufgestellt, zu welcher sich Heindl nun seinen Weg durch die dichten Reihen bahnt. „Ihr könnt währenddessen schon mal einen Pit um die Leiter machen!“, weist der Sänger an und wenig später gibt’s dann ein ausgiebiges Geigen-Solo. Der gewünschte Mini-Circle-Pit gestaltet sich durch die kleinen Abstufungen bei den Stehplätzen doch als etwas schwierig, aber zum Glück sind alle vorsichtig und achten gut aufeinander. Auch, als dann beim Live-Dauerbrenner „Yindy“ zusammen im Takt gesprungen oder bei „Victor And His Demons“ so richtig gefeiert wird, bis „The Night Pat Murphy Died“ das spaßige Set nach rund einer Stunde gefühlt viel zu früh beschließt. Einen letzten Song haben die Fiddler‘s aber noch im Gepäck: „Okay, ihr Lieben. Ein Stück haben wir noch für euch und dann freuen wir uns auf die großen „In Extremo“, ja!? Vielen Dank für den schönen Empfang, wir gehen gleich gut gelaunt in die Pause. Bis zum nächsten Mal!“, verabschiedet sich Albers lächelnd im Namen der gesamten Band, die danach mit dem irischen Traditional „The Wild Rover“ ihren Support-Gig unter viel begeistertem Applaus beenden.

In Extremo:
Mittlerweile sind es nur noch wenige Minuten bis zum Beginn. Einige Fans nutzen die Zeit, um während des relativ kurzen Changeovers jetzt nochmal die Toilette aufzusuchen oder Nachschub an Getränken zu ordern. Der Großteil des in der vergangenen Stunde beachtlich angewachsenen Publikums wartet jedoch gespannt ab und blickt erwartungsfroh in Richtung der Bühne, bis es schließlich gegen 20.00 Uhr losgeht. Diese wird derweil noch von einem riesigen Vorhang verhüllt, welcher zuletzt auf der „Wolkenschieber“-Tour 2024 als Backdrop fungierte. Auf diesem ist ein kunstvoll gestaltetes Artwork aus dem Kreuz-Digipak des noch immer aktuellen Studioalbums zu sehen: Eine meterlange Leiter ragt in den Himmel empor, auf welcher die Schemen zweier Bandmitglieder zu erkennen sind, die sich für den sichtlich beschwerlichen Aufstieg gegenseitig die Hand reichen. Aus den darüberliegenden Wolken hängen schwere Drahtseile nach unten herab, an denen verschiedene Objekte und sogar ein Haus befestigt sind. Nur wenige Minuten später schreckt ein ohrenbetäubend lauter Knall das wartende Publikum plötzlich aus dem Nichts heraus auf und es wird dunkel auf der Freilichtbühne. Zu den mystischen Klängen einer Harfe wird die Szenerie jetzt in tiefen Blautönen erleuchtet, während aus dem Off eine vertraute Stimme die ersten Zeilen des Openers „Ólafur“ zu singen beginnt. Mit dem brachialen Einsatz der Rock-Fraktion ab Mitte des Stücks, saust der schwere Stoff schließlich zu Boden und gibt unter lauten Jubelstürmen den Blick frei: Der gesamte Hintergrund wird vom bekannten Backdrop der legendären Burgen-Tourneen ausgefüllt, welches einen dunkelblau gefärbten Nachthimmel zeigt, vor dem sich die schattierten Silhouetten zahlreicher Mauern, Zinnen und Türme unter einem funkelnden Sichelmond abheben. In der Mitte prangt äußerst präsent der klassische Logo-Schriftzug, welcher keinen Zweifel daran lässt, wer heute Abend auf dieser Bühne steht: „In Extremo“! Davor thront Schlagzeuger Florian „Specki T.D.“ Speckardt hinter seinem Drum-Kit, welches mittig zentriert auf einem massigen Podest in rustikaler Optik steht. Dahinter erstreckt sich der Breite nach eine längliche, in insgesamt sechs hölzerne Rahmen unterteilte Wand, in die verschiedene Bilder, wie etwa eine Reihe fantasievoller Gegenstände aus dem Artwork oder das goldfarbene Band-Logo, eingefasst worden sind. Auf der Zeile selbst befinden sich acht Moving Heads, während auf den kleinen Erhöhungen davor Bassist Kay „Die Lutter“ Lutter und Gitarrist Sebastian „Van Lange“ Lange stehen. Marco „Flex der Biegsame“ Zorzytzky und „Akki“, der den derzeit leider erkrankten André „Dr. Pymonte“ Strugalla vertritt, haben sich unterdessen am vorderen Rand der positioniert. Kurz darauf tritt auch Frontmann Michael Robert „Das letzte Einhorn“ Rhein mit zum Gruß erhobener Hand hinzu und begibt sich zum Mikrofonstativ, um den finalen Part zu singen.

„Hallo, Elspe!“, brüllt er den Fans zur Begrüßung energiegeladen entgegen und schon geht es mit dem unsterblichen Über-Hit „Spielmannsfluch“ weiter, der seit nunmehr zwei Tourneen überraschend früh im Set platziert worden ist. Ein ziemlich kluger Schachzug, umgeht man die Aufwärmphase so doch direkt und geht stattdessen gleich voll aufs Ganze! Die Menge feiert bereits jetzt kräftig und grölt den ikonischen Refrain sofort aus vollen Kehlen mit. Später zerspringt natürlich noch der besungene Marmorsaal mit einem lautem Knall und ergibt sich anschließend in sprudelnde Fontänen roter Partikel, im finalen Refrain rasen hingegen mehrere blutrot glühende Pyro-Partikel samt langer Rauchschwaden von der Bühnendecke aus auf den Boden, bis dann ein riesiger Schub glühender Funken den Song beendet - Wow! „Einen wunderschönen guten Abend hier in Elspe!“, begrüßt Rhein die sichtlich begeisterten Besucher jetzt nochmals in Ruhe. „Ja, es ist das letzte Rock-Konzert in diesem Jahr für uns… Das hier ist zwar keine Burg, aber wir und ihr machen es heute einfach zu unserer Burg, okay? Vielen Dank für den herzlichen Empfang. Es ist schon komisch, bald geht’s auf Akustik-Tour und im Sommer haben wir noch halb Europa von A nach B bereist… Wahnsinn. Schön, dass ihr da seid. Dankeschön!“, lächelt er zufrieden. Es folgt die erste Vorab-Single des vorletzten Longplayers „Kompass Zur Sonne“ namens „Troja“, welche das bis dato vorgelegte Tempo mühelos halten kann und das Publikum weiter anpeitscht. Mit dem Chorus setzen auch erstmals die insgesamt sieben Flammenwerfer am vorderen Rand der Bühne ein. Immer wieder schießen nun meterhohe Feuersäulen in die Höhe und heizen den ersten Reihen gar mächtig ein. Besonders schön ist, wie stark die dankbar weitläufige Wild-West-Kulisse in die heutige Show mit eingebunden worden ist, indem man auf den freien Flächen zusätzliche Feuertöpfe installiert hat, sodass auch die eher seitlich stehenden Gäste bestens eingebunden werden. „Sagt mal, kommt hier überhaupt einer aus Elspe? Herzlich Willkommen und vielen Dank! Übrigens auch ein ganz großes Dankeschön an die wunderbaren Fiddler‘s. Pi mal Daumen ist es nämlich die Band, mit der wir seit 2011 bisher am meisten zusammengespielt haben. Das müssen mittlerweile so zwischen fünfzig und siebzig Mal sein! Als wir damals in Japan gespielt haben, haben wir sie damit total überfallen und einfach mitgenommen. Die wussten gar nicht, auf was sie sich da eigentlich einlassen. Also bitte nochmal einen Applaus für diese wunderbare Band, Dankeschön!“, berichtet Rhein, bis es mit „Weckt Die Toten“, dem damaligen Vorboten von „Wolkenschieber“, sowie der „Feuertaufe“ vom Album „Kunstraub“ aus dem Jahr 2014 auch schon weitergeht.

Es erklärt sich praktisch von selbst, dass auch diese beiden Nummern nicht ohne den Einsatz von massig Feuer auskommen. Die Folge sind laute „In Extremo!“-Chöre aus dem Publikum, die einfach nicht mehr abreißen wollen. Rhein setzt sich lachend auf den Ego Riser: „Dankeschön! Vielen Dank! Wir werden heute Abend auch das ein oder andere alte Lied spielen… Dieses hier ist von 1997, glaube ich!“, verrät er. Die Rede ist von „Werd Ich Am Galgen Hochgezogen“ vom 1999 veröffentlichten „Verehrt Und Angespien“, welches nach vielen langen Jahren der Abstinenz für den ersten Tag des Festivals zum dreißigjährigen Jubiläum endlich in die Setlist zurückkehrte und auch bei der darauffolgenden „Rauhnächte“-Tour im Winter noch erhalten blieb. Einen brennenden Galgen als Show-Effekt gibt es dieses Mal zwar nicht zu bestaunen, dafür schießen hier erneut rhythmisch getaktete Flammenschübe empor. Da Pymonte seit einigen Monaten aus gesundheitlichen Gründen auf unbestimmte Zeit pausieren muss, entfällt das signifikante Harfen-Solo zu Beginn von „Vollmond“, was sich nach all den Jahren unvollständig anfühlt. Dafür wird die wohlbekannte Melodie, welche die Fans sofort zum Mitmachen verleitet, heuer als charmante Hommage von Akki an der Marktsackpfeife zum Besten gegeben. Mit dem Ausklingen der letzten Töne singt das Publikum den Refrain in traditioneller Manier ganz allein. „Das klappt einfach bei jedem Konzert… Sehr schön! Wie viele Frauen sind denn heute eigentlich unter uns?“, erkundigt sich Rhein. „Ich ziehe nach Elspe!“, scherzt Specki anschließend ob des lautstarken Zuspruchs. Langjährige Fans wissen, das auf diese Nachfrage hin nur „Küss Mich“ von „Sieben“ aus 2003 folgen kann. Anschließend bedankt sich der Sänger herzlich bei den Crew-Mitgliedern auf und neben der Bühne, am Misch- und Lichtpult sowie bei Tour-Manager Dirk. Einige von ihnen seien fast seit den Anfängen mit dabei - Respekt! Zu Beginn des Klassikers „Rasend Herz“, dem finsteren Titel-Track des 2005 erschienenen Albums, stützt sich der Sänger einen roten Behälter in Feuerlöscher-Optik auf sein Knie, den manch aufmerksamer Wegbegleiter vielleicht noch von der Darbietung von „Nymphenzeit“ zur „Sängerkrieg“-Tournee im Jahr 2008 bzw. deren Live-DVD „Am Goldenen Rhein“ kennt. Als er den langen Hebel nach unten presst, löst ein laut knallender Pyro-Effekt aus. Ob dafür jedoch wirklich das nicht sichtbar verkabelte Requisit verantwortlich ist oder alles einfach nur cool aussieht, sei mal dahingestellt. „Vielen Dank! Ich kann mich nur immer wiederholen. Was wir diesen Sommer alles erlebt haben… Unglaublich. Und wir sind noch lange nicht am Ende!“, unterstreicht der Frontmann grinsend unter viel Applaus.

Mit dem hart rockenden Vampir-Schauermärchen „Blutmond“ gibt es anschließend nochmals einen Nachschlag vom aktuellsten Ableger, ehe es wieder an der Zeit für einen schon lange etablierten Hit aus dem großen Repertoire ist. „Das nächste Stück ist übrigens auch mit auf dem neuen Album am 23.10. dabei. Da gibt’s viele Feinheiten und ein paar Gäste. Diesen Song hier haben wir mit der wunderbaren Laura von „Faun“ aufgenommen und ja, jetzt gibt’s den nochmal so…“, leitet er zum beliebten „Liam“ über, welches seit vielen Jahren zu den unverzichtbaren Live-Klassikern zählt. Dementsprechend euphorisch fällt die Stimmung aus. „Vielen Dank! Das nächste Stück ist auch auf dem neuen Akustik-Album drauf. Da haben wir auch einen Gast, Doro Pesch hat nämlich mitgesungen. Ja, hört‘s euch mal an… Es geht um Verluste. Eltern, Bruder, Schwester, Freunde… Das Stück ist all diesen Leuten gewidmet. Können wir dazu mal ein paar Lichter sehen, ist das möglich?“, bittet das letzte Einhorn zur hochemotionalen Ballade „Feine Seele“, das im mittleren Part von einem riesigen, golden schimmernden Funkenregen unterstützt wird, während sich hunderte Arme samt Feuerzeugen und Handy-Taschenlampen langsam hin- und herwiegen. Ein persönliches Highlight gibt es direkt im Anschluss, denn mit dem grandiosen „Wind“ vom nicht minder fantastischen 2002er Werk „Sünder Ohne Zügel“, kehrt auf dieser Sommer-Tour endlich mein absoluter Lieblingssong zurück! Auf das markante Riff zum Einstieg folgt erst ein massiver Donnerschlag und auch wenn nach dem ausgiebigen Bass-Solo der Lutter schon lange keine funkensprühende Rakete mehr über die Köpfe des Publikums hinwegfliegt, setzt es kurz vor dem letzten Refrain abermals eine hohe Pyro-Explosion. Bis 2011 war das Stück fest vor oder im Zugaben-Teil der Setlist verortet, wird seitdem jedoch leider nur noch äußerst selten gespielt. Die Ausnahme bildete der dritte Tag des Jubiläums, hier jedoch als nicht ganz so harmonisches, etwas holpriges Feature mit Alexander Frank „Asp“ Spreng. Wahnsinnig schön also, diese völlig zu Unrecht rar gewordene Perle wieder in ihrer ursprünglichen Version erleben zu dürfen! Mit „Störtebeker“ hißt man alsbald das schwarze Segel und macht sich erneut in Gefilde aktuelleren Datums auf. Die raubeinige, folk-punkig rockende Nummer macht wie immer mächtig Laune! Weit zurück ins Jahr 1998 und damit zum jenem wegweisenden Album, mit dem „In Extremo“ ihr ambitioniertes Vorhaben, mittelalterliche Klänge mit moderner Rock-Musik zu verbinden, erstmals in die Tat umsetzten, geht es mit dem prägenden „Villeman Og Magnhild“ weiter: Während die gesamte Bühne nun in ein tiefes Blau getaucht und von dichten Nebelwolken eingehüllt wird, sodass die sechs Musiker beinahe nur noch als Schemen zu erkennen sind, bläst Rhein mehrmals in ein Horn, bis Speckhardt am Schlagzeug dann den donnernden Rhythmus vorgibt, zu welchem sich jetzt tausende Hände erheben. Die Fans klatschen unermüdlich im treibenden Takt mit und antworten in den Strophen lauthals im Call-and-Response-Prinzip. Später setzen Van Lange und die Lutter als Rock-Fraktion ein und vereinen somit beide Welten, was im Finale selbstredend wieder von mannigfaltigen Feuerstößen begleitet wird. Der Song, der bis zur „Sterneneisen“-Tournee 2011 immer den großen Abschluss eines jeden Konzerts bildete, hat jedenfalls nichts von seiner schieren Urgewalt verloren und treibt die Stimmung zuverlässig weiter hoch. „Mit dem nächsten Stück hat damals in einer Berliner Kneipe alles angefangen… Einunddreißig Jahre später und wir sind immer noch da!“, grinst das letzte Einhorn und meint damit natürlich das sich ebenfalls auf dem Rock-Debüt befindliche „Ai Vis Lo Lop“ mit seiner langen Singalong-Passage im Mittelteil.

Die Laune auf und vor der Bühne ist sichtlich ausgelassen, sodass auch der kleine „Ho-Ho-Ho“-Test zum unter meterhohen Stichflammen ausgerufenen „Sängerkrieg“ keine Hürde darstellt. So muss das! Die logische Folge? Natürlich weitere laute „In Extremo“-Chöre seitens der Fans. „Vielen Dank! Schaut mal, diese zwei jungen Herren hier sind für die ganze Pyro verantwortlich. Einer ist erst dreiundzwanzig Jahre… Unfassbar, oder? Man muss also gar nicht so lange auf die Schule gehen! Ach, Thomas habe ich ganz vergessen… Der macht immer meinen Garten!“, scherzt Rhein und stellt dem Publikum so weitere helfende Hände vor. „Jetzt haben wir aber nochmal eine große Bitte an euch. Und zwar stehen da hinten noch viel mehr Leute, ohne die das alles hier überhaupt nicht möglich wäre. Die retten uns jeden Tag den Arsch. Bitte einen riesigen Applaus für die ganzen Jungs und Mädels!“, erbittet er einen möglichst lauten Beifall für alle Beteiligten hinter, auf und vor der Bühne. Eine wirklich schöne und wertschätzende Tradition, die auf keinem Konzert der Spielmänner mehr fehlen darf! Mit dem Titeltrack des letztaktuellen Longplayers „Wolkenschieber“ huldigt man anschließend einem ominösen Elixier, das angeblich alle Probleme und Gebrechen löst, doch soll der Song nicht die einzige Hymne an jene hochprozentige Tropfen bleiben, welche uns die Sorgen des Alltags für einige Stunden vergessen lassen: „So, wir spielen jetzt das letzte Lied für heute und dann gehen wir…“, verkündet Rhein schelmisch lächelnd, dicht gefolgt von lauten „Buh!“-Rufen. „Alles, was danach passiert, liegt ganz allein an euch! Zu diesem Stück, das muss ich jetzt wirklich sagen, kommt bald nochmal ein unfassbares Video raus und zwar als Akustik-Version. Dafür haben wir alle befreundeten Mittelalter-Bands gefragt und das geht so sieben, acht Minuten. Fast alle haben mitgemacht, also lasst euch überraschen!“, schmunzelt er geheimnisvoll. Die Rede ist natürlich von „Sternhagelvoll“, welches dem am 23.10.2026 erscheinenden Unplugged-Album „Tranquilo II“ in der limitierten Deluxe Edition von CD und LP auf der sogenannten „Sternhagelvoller“-EP neben einem brandneuen Song und einer A-Capella-Version von „Ave Maria“ als Bonus beiliegt. Jetzt ist aber nochmals die reguläre Version zu hören und zweifelsfrei hat sich die spaßige Ode an die Kater-Freuden des Vollsuffs seit ihrem Erscheinen im Jahr 2016 mittlerweile zu einem unverzichtbaren Live-Hit gemausert! Die mit Rauch gefüllten Blubberblasen fliegen über die Köpfe des Publikums hinweg, die sich nun ganz dem etablierten „Koma-Schunkeln“ hingeben - Immer wieder schön! Wie angekündigt, verlassen die Sechs danach geschlossen die Bühne, doch soll es nicht lange dauern, bis ihre treuen Fans sie mit zahlreichen und nicht weniger lauten Rufen nach einer Zugabe schließlich zurück auf die Bretter holen.

„Tausend Dank! Natürlich spielen wir noch etwas. Drei Stück gibt’s noch…“, verkündet der Sänger und blickt sich lachend auf der ansonsten noch leeren Bühne um. „Die lassen mich jetzt alleine hier!“, feixt er. Als wenige Minuten darauf wieder alle Spielmänner vollzählig vereint sind, startet man mit einer letzten Oldschool-Nummer, nämlich „Rotes Haar“, in den Zugaben-Block. „Habt ihr eigentlich Lust, euch den Frust von der gesamten letzten Woche nochmal von der Seele zu schreien!? Wer keinen Frust hatte, trotzdem, okay? Gut.“, grinst das letzte Einhorn und weiter geht’s mit dem obligatorischen „Frei Zu Sein“, das selbstverständlich extrem abgefeiert wird. „Liebe Leute, wir spielen jetzt definitiv das letzte Lied…“, kündigt Rhein an und sieht sich mit lautem Protest der Fans konfrontiert. „Tja, wir sind „In Extremo“ und wir machen, was wir sagen. Da könnt ihr euch immer drauf verlassen! So, wir machen jetzt nochmal so richtig Party, aber eins möchte ich im Namen der gesamten Band noch loswerden. Es ist uns wichtig und kommt von Herzen, voll im Ernst. Vielen vielen Dank für eure jahrzehntelange Treue, Dankeschön!“, verabschiedet er sich dankbar im Namen der gesamten Band, welche nun zum großen Finale mit dem estnischen Donnergebet ansetzt: „Pikse Palve“ hat sich seit seiner Veröffentlichung auf dem Album „Quid Pro Quo“ im Jahr 2016 als fester Set-Closer etabliert und damit das zuvor ebenfalls dargebotene „Villeman Og Magnhild“ abgelöst. Wie es die Tradition verlangt, brüllt das Publikum den markanten Titel als Antwort auf die Zeilen von Rhein lautstark und textsicher mit, zu denen erst rhythmisch getaktete Feuersäulen emporschießen, um sich später mit meterhohem Funkenflug zu einem großen Pyro-Gewitter zu vereinen, bis das Konzert etwa gegen 21.50 Uhr endet. Zur instrumentalen Version von „Terra Mater“ verneigen sich die sechs Spielmänner schließlich vor einem restlos begeisterten Publikum, wobei das Abschluss-Foto vor beeindruckender Kulisse natürlich nicht fehlen darf. Dankeschön für diesen Abend und hoffentlich auf ein baldiges Wiedersehen in Elspe! Vielleicht ja schon zur Burgen-Tour 2027? Wer „In Extremo“ in diesem Jahr nochmal live erleben möchte, hat schon sehr bald die Gelegenheit dazu, denn vom 06.11. bis 12.12.2026 geht es zusammen mit tatkräftiger Unterstützung der drei Gastmusiker Justin Ciuche, Niel Mitra und Oliver „SaTyr“ Pade auf große „Tranquilo II“-Tournee durch insgesamt achtzehn Städte in Österreich, Deutschland und der Schweiz!

Setlist:
01. Intro
02. Ólafur
03. Spielmannsfluch
04. Troja
05. Weckt Die Toten
06. Feuertaufe
07. Werd Ich Am Galgen Hochgezogen
08. Vollmond
09. Rasend Herz
10. Blutmond
11. Liam
12. Küss Mich
13. Feine Seele
14. Wind
15. Störtebeker
16. Villeman Og Magnhild
17. Ai Vis Lo Lop
18. Sängerkrieg
19. Wolkenschieber
20. Sternhagelvoll
21. Rotes Haar
22. Frei Zu Sein
23. Pikse Palve
24. Terra Mater (Outro) Impressionen:
Kathi - Westfalenpost / visualsbykathio
https://www.wp.de/lokales/kreis-olpe/
https://www.instagram.com/visualsbykathio/ https://www.instagram.com/bolzplatzfotografie/

























